{"id":36938,"date":"1998-04-16T11:11:00","date_gmt":"1998-04-16T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=36938"},"modified":"2022-08-26T23:51:24","modified_gmt":"2022-08-26T21:51:24","slug":"interview-propain","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/04\/interview-propain\/","title":{"rendered":"Interview: Propain"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Weg ist ziemlich lang<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Info hei\u00dft es, da\u00df Euer Hauptthema in Musik und Texten die Aggressivit\u00e4t ist. Seid Ihr auch privat so drauf oder reagiert Ihr Euch ausreichend auf der B\u00fchne ab?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gary Meskil:<\/strong> Ich sehe uns selbst eigentlich nicht als aggressive junge M\u00e4nner, die sich auch so auff\u00fchren m\u00fcssen. Aber es ist nun mal diese Art von Musik, die uns Spa\u00df macht. Wir sprechen untereinander viel \u00fcber politische Themen, die uns wichtig sind. Das versuchen wir auch in unserer Musik und den Texten &#8218;r\u00fcberzubringen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ihr schreibt zwar politische Texte und interessiert Euch auch alle f\u00fcr dieses Thema, wollt aber trotzdem nicht als politische Band gesehen werden\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gary Meskil:<\/strong> Ich glaube, die politischen F\u00e4rbungen machen nicht 100 Prozent sondern nur einen kleinen Teil dessen aus, was wir machen. Unsere Band hat noch so viele andere Seiten, da\u00df ich dieses Label f\u00fcr uns einfach nicht passend finde. Au\u00dferdem besteht &#8222;Propain&#8220; aus so unterschiedlichen Pers\u00f6nlichkeiten mit verschiedenen Meinungen, da\u00df wir eine einzige davon sowieso nicht f\u00fcr die ganze Band sprechen lassen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eure Bandphilosophie ist die Eigeninitiative. Wollt Ihr die Leute mit Eurer Musik auch dazu anstiften, sich mehr in Bewegung zu setzen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gary Meskil:<\/strong> Ich f\u00fchlte mich nicht dazu verpflichtet, irgend jemandem Vorschriften zu machen. Ich m\u00f6chte mit Leuten in Verbindung treten. Das ist auch schon alles.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie wichtig sind denn die Texte f\u00fcr Eure Musik?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gary Meskil:<\/strong> Wir haben keine Message, aber mir sind die Texte auf jeden Fall sehr wichtig. \u00dcber die Jahre sind sie auch f\u00fcr die gesamte Band immer wichtiger geworden. Es ist sch\u00f6n zu wissen, da\u00df sich viele unserer Fans von den Texten angesprochen f\u00fchlen und sich darin so gut wiederfinden. Das macht dann noch viel mehr Spa\u00df, weil man einen Weg gefunden hat, mit ihnen zu sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Woher kam die Inspiration f\u00fcr den Song &#8222;Don&#8217;t Kill Yourself To Live&#8220;? Eigenerfahrung?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gary Meskil:<\/strong> (lacht) Naja, der Text hat sich aus dem allt\u00e4glichen Leben ergeben, wenn man sich im Alltag aufreibt, was wohl jeder kennt. Man macht und tut und wei\u00df am Ende des Tages gar nicht, wof\u00fcr man sich den ganzen Tag abgerackert hat. Viele Leute k\u00f6nnen sich damit identifizieren &#8211; und das St\u00fcck geh\u00f6rt auch zu meinen Lieblingssongs auf dem Album.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Info steht au\u00dferdem, da\u00df Ihr mit dem Album die Perspektivenlosigkeit und zerst\u00f6rte Tr\u00e4ume aufzeigen wollt. Sprichst Du da aus eigener Erfahrung?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gary Meskil:<\/strong> Eigentlich ist mir speziell nichts ausnehmend F\u00fcrchterliches passiert. Vielmehr glaube ich, da\u00df es da drau\u00dfen eine Menge M\u00f6glichkeiten f\u00fcr jeden gibt, seine Tr\u00e4ume wahr zu machen. Der Weg, den man gehen mu\u00df, ist meistens ziemlich lang, so da\u00df man die M\u00f6glichkeiten aus den Augen verliert. Daher stammt wohl dieser Ansatz.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Album scheint mir songorientierter als das vorige zu sein. Wie siehst Du die Entwicklung Eurer Band?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gary Meskil:<\/strong> Ich habe mir einfach die Gitarre gegriffen und das geschrieben, was in mir war, als wir das Album vorbereitet haben. Wir haben dabei also nichts forciert. Auch die Texte sind immer den Gef\u00fchlen unterworfen, die wir w\u00e4hrend der Aufnahmen haben. Normalerweise schreiben wir die Texte als letztes und denken viel dar\u00fcber nach. Das ist der wirklich zeitintensive Proze\u00df am Schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Schreibst Du die Songs alleine?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gary Meskil:<\/strong> In der Regel schon. Auf diesem Album haben die anderen mehr mitgearbeitet als bisher. Unser Gitarrist Rob Moschetti hat sich diesmal mehr eingebracht, aber eigentlich treffen wir uns nicht, um gemeinsam die Songs auszuarbeiten. Die meisten Sachen werden privat geschrieben und dann nur noch im \u00dcbungsraum geprobt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es schwierig f\u00fcr Dich, mit anderen zusammen zu arbeiten? Bist Du ein Einzelk\u00e4mpfer?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gary Meskil:<\/strong> Ich war schon in Bands, die eher spontan Songs geschrieben oder in Jams komponiert haben. Mit &#8222;Propain&#8220; haben wir aber, glaube ich, einen bequemen Mittelweg gefunden. Wir denken uns die Songs gem\u00fctlich zu Hause aus, und meiner Meinung nach sind die besten Sachen privat entstanden. Auf diese Weise macht man sich mehr Gedanken \u00fcber die St\u00fccke.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer hat das Album produziert?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gary Meskil:<\/strong> Wir selbst. Unser Gitarrist Tom Klimchuck hatte daran den Hauptanteil. Wir haben aber einen Techniker gehabt. Die ersten beiden Platten haben wir mit einem Produzenten aufgenommen und uns danach gesagt, da\u00df wir nun selbst genug Erfahrung im Produzieren haben. Wir k\u00f6nnen jetzt unseren ganz eigenen Weg gehen und f\u00fchlen uns auch sehr wohl damit.<\/p>\n\n\n\n<p>Das h\u00f6rt sich ja fast an, als wolltet Ihr mit Eurer eigenen Booking-Agentur und selbst an den Reglern im Studio alles selbst in die Hand nehmen. Habt Ihr zuf\u00e4llig auch ein eigenes Studio?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gary Meskil:<\/strong> Ja, das haben wir. (lacht) Im Laufe der Jahre im Business haben wir immer mehr selbst Hand an die Sachen gelegt, die wir mit &#8222;Propain&#8220; machen. F\u00fcr uns sind das sehr wichtige Schritte. Ich war schon immer der Meinung, da\u00df je mehr Leute in unsere Angelegenheiten involviert sind, desto schlechter kommen wir dabei weg. Es gab auch Menschen in unserer Umgebung, die nicht f\u00fcr das Richtige gek\u00e4mpft, sondern andere Ziele verfolgt haben. Wir haben mittlerweile schon allein aus der Notwendigkeit heraus gelernt, die Dinge selbst zu organisieren. Heute geh\u00f6ren diese Sachen einfach zu unserer Arbeit mit &#8222;Propain&#8220; dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Offensichtlich haben es Bands wie Ihr oder auch die Kollegen von &#8222;Biohazard&#8220; ziemlich schwer, \u00fcberhaupt an Auftritte heranzukommen. \u00c4ndert sich die Szene f\u00fcr Eure Musik?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gary Meskil:<\/strong> Die \u00e4ndert sich immer. Manchmal ist man eben popul\u00e4rer als zu anderen Zeiten. Ich bin mit dieser Art von Musik schon so lange dabei, da\u00df ich mit dem, was die Szene auch immer gerade ist, ganz gut leben kann. Es ist nicht so, da\u00df andere Agenturen keine Auftritte geregelt bek\u00e4men. Aber mir ist einfach wohler dabei zu wissen, da\u00df wir in den richtigen H\u00e4nden sind. Einige Agenten, Plattenfirmen etc. haben mir ganz sch\u00f6ne Alptr\u00e4ume beschert. Da gibt es immer mal \u00c4rger und dumme Situationen. Seitdem wir all diese Dinge selbst machen, haben wir auch wieder viel mehr Spa\u00df mit unserer Musik.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kam es zustande, da\u00df Ihr Eure Tourn\u00e9en selbst bucht und diesen Job sogar noch f\u00fcr andere Bands \u00fcbernehmt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gary Meskil:<\/strong> Das hat sich durch die Tourneen selbst ergeben. Nach einiger Zeit hatten wir das Bed\u00fcrfnis, die Sache selbst anzupacken, um sie richtig zu machen. Wir haben schon vor ein paar Jahren angefangen, unsere eigenen Touren zu buchen. Damit waren wir so erfolgreich, da\u00df uns andere Bands angesprochen haben, die wir dann auch tourm\u00e4\u00dfig betreut haben. So machen wir das bis heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Gibt es denn keine Agentur, die Euch gut vertreten kann? Ist Eure Musik so speziell, da\u00df Ihr wirklich selbst f\u00fcr Auftritte sorgen m\u00fc\u00dft?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gary Meskil:<\/strong> Das Problem ist, einen ehrlichen Agenten zu finden. Wenn Du einen kennst, sag&#8216; ihm bitte, da\u00df er mich anrufen soll.(lacht)<\/p>\n\n\n\n<p>Und was ist der Unterschied zwischen Booking in Amerika und Europa?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gary Meskil:<\/strong> Eine durchschnittliche Tour in den Staaten umfa\u00dft ungef\u00e4hr 60, 70 Auftritte, in Europa sind es um die 40 Gigs. Das ist eigentlich der einzige Unterschied. Das Publikum gleicht sich in etwa, auch wenn unsere Musik nicht mehr so trendy ist, wie sie es vor einigen Jahren noch war. Deswegen haben wir in den letzten Jahren unseren Schwerpunkt auf Live-Auftritte zu Hause gelegt. Das hat sich auch ausgezahlt, denn wir gewinnen in Amerika zur Zeit ganz gut an Popularit\u00e4t. Aber Ende Februar, Anfang M\u00e4rz werden wir auch wieder in Deutschland spielen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Weg ist ziemlich lang Im Info hei\u00dft es, da\u00df Euer Hauptthema in Musik und Texten die Aggressivit\u00e4t ist. 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