{"id":36939,"date":"1997-05-27T11:11:00","date_gmt":"1997-05-27T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=36939"},"modified":"2022-09-19T18:42:44","modified_gmt":"2022-09-19T16:42:44","slug":"interview-die-krupps","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1997\/05\/interview-die-krupps\/","title":{"rendered":"Interview: Die Krupps"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u2026auf dem Weg ins Paradies?<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/intrview\/images\/krupps2.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/intrview\/images\/krupps2.gif\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"126\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>&#8222;Paradise Now&#8220;mit diesem euphorischen Schlachtruf ziehen &#8222;Die Krupps&#8220; zur Zeit zu Felde! Bei allen kritischen und engagierten T\u00f6nen haben sie sich ihren Optimismus bewahrt &#8211; zu recht: nach 17 Jahren und 10 Alben dr\u00fcckt sich ihr konstantes Wirken inwischen auch in ansehnlichen Verkaufszahlen aus, der wahre Wert der Band l\u00e4\u00dft sich daran nat\u00fcrlich nicht ermessen! Katja Prei\u00dfner sprach mit J\u00fcrgen Engler<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Der Bandname.<\/strong><br \/>&#8222;Die Krupps&#8220; fand sich erst, nachdem der Song &#8222;Stahlwerksinfonie&#8220; (1981 der Titelsong des ersten Krupps-Albums) schon aufgenommen war, und sollte dem neuartigen Sound entsprechen. Als &#8222;Namenspatron&#8220; diente der Band schlie\u00dflich die gleichnamige Essener Gu\u00dfstahl-Dynastie &#8211; durch ertragreiche Gesch\u00e4fte vorzugsweise in Kriegszeiten zu zweifelhaftem Ruhm gekommen. Engler war seinerzeit auf der Suche nach einer griffigen Formel &#8211; m\u00f6glichst auch international ohrenf\u00e4llig -, die auf Anhieb Vorstellungen von Deutschland wecken sollte: eben &#8222;<em>ein Spiegelbild dessen, wie Deutschland im Ausland gesehen wird<\/em>&#8222;. N\u00e4mlich mit gemischten Gef\u00fchlen &#8211; was Englers eigener kritischer Sicht entspricht: das Symbol &#8222;Krupp&#8220; steht nicht nur f\u00fcr Metall-verarbeitendes Gewerbe und deutschen Flei\u00df, sondern verk\u00f6rpert genauso Hitlers Kriegsmaschinerie, die Krupp anzuschieben half.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die aktuelle Besetzung<\/strong><br \/>der Krupps besteht aus J\u00fcrgen Engler (Gesang, Gitarre, keyboard), Lee Altus (Gitarre), George Lewis (Drums), Ralf D\u00f6rper (Keyboard) und R\u00fcdiger Esch (Ba\u00df). Engler wohnt heute in Austin, Texas (wie man h\u00f6rt, der Liebe wegen), hat aber noch ein eigenes Label (gemeinsam mit einem Freund aus Kindergartentagen) als zweites Standbein in seiner D\u00fcsseldorfer Heimat (das er gern nach Austin verlegen w\u00fcrde &#8211; w\u00e4re sein Partner nicht famili\u00e4r an D\u00fcsseldorf gebunden). In Austin lebt auch George Lewis, Lee Altus in San Francisco und der Rest der Band in D\u00fcsseldorf. Einen Treffpunkt der Band gibt es in diesem Sinne nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Wiege der Krupps<\/strong><br \/>steht gewisserma\u00dfen in D\u00fcsseldorf, genau wie die von Englers vorheriger Band &#8222;Male&#8220;, wo er als Punk der ersten Stunde seit 1976 klampfte. Das Vorprogramm der Gigs bestritt meist eine Gruppe namens &#8222;ZK&#8220; mit einem gewissen Campino als Frontman, der Rest ist Geschichte\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>1980 hatte Engler genug vom Punkrock, er war auf der Suche nach anderen Ausdrucksformen. Vor allem wollte er weg von der Gitarre, die er f\u00fcr ganze zehn Jahre in die Ecke stellte. Campino empfand das damals als Hochverrat (nachzuh\u00f6ren auf der ersten Hosen-Single &#8222;J\u00fcrgen Engler gibt \u00b4ne Party (und wir d\u00fcrfen nicht rein)&#8220;), obwohl Engler klarstellte, da\u00df er weiter die gleiche Gesinnung teile. Trotzdem wollte er einfach andere Musik machen. Inzwischen ist die kleine Verstimmung ausger\u00e4umt, Campino und J\u00fcrgen Engler haben l\u00e4ngst wieder regelm\u00e4\u00dfigen freundschaftlichen Kontakt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Resultat der musikalischen Neuorientierung<\/strong><br \/>Englers war eine &#8222;kleine Doktorarbeit&#8220; (O-Ton Engler) mit seiner neuen Band, den Krupps. Das Werk hie\u00df &#8222;Stahlwerksinfonie&#8220;(ein Konzeptalbum, f\u00fcr das Engler ein mittlerweile patentiertes Instrument erfand: das &#8222;Stahlofon&#8220;, eine Art st\u00e4hlernes Xylophon). Engler hatte den &#8222;Industrial&#8220; f\u00fcr sich entdeckt, jene Soundkombination aus Maschinenkl\u00e4ngen, die einem beim H\u00f6ren akustisch in eine Fabrikhalle versetzt &#8211; wenn man &#8222;Industrial&#8220; \u00fcberhaupt noch definieren mag, zu breit ist das Spektrum\u2026 Engler selbst bezeichnet die musikalischen Anf\u00e4nge als &#8222;<em>experimentellen L\u00e4rm auf Metallinstrumenten. Sehr schr\u00e4ges, disharmonisches Zeugs<\/em>&#8222;.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Herzen ist Engler also ein Punk geblieben &#8211; was nicht verwundert, denn genau wie der &#8222;Dilettanten-Rock&#8220; brach auch der Industrial mit den musikalischen Konventionen, produzierte in erster Linie L\u00e4rm (auf diese Tatsache weist Engler auch f\u00fcr das neue Werk noch mit Nachdruck hin) und hob sich so vom kommerziellen Pop-Gedudel ab. Punk und Industrial sind also in ihrer Anti-Haltung durchaus verwandt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das &#8222;Punk-Revival&#8220;<\/strong><br \/>der letzten Jahre interessiert Engler wenig, ist in seinen Augen genauso unsinnig wie ein zweites Woodstock. Man mu\u00df dabeigewesen sein &#8211; so wie er beim Punk -, die Atmosph\u00e4re kennen &#8211; und genau die l\u00e4\u00dft sich nicht reproduzieren. Der Zeitgeist ist von derartigen Ph\u00e4nomenen nicht zu trennen, denn etwas Neues entsteht immer aus einem bestimmten Grund heraus, ist nicht aus seinem zeitlichen Kontext zu l\u00f6sen. Eine zweite Punk-\u00c4ra kann es demnach nicht geben, sie entsteht aus v\u00f6llig anderen Beweggr\u00fcnden wie die erste und kann also gar nicht den gleichen &#8222;Geist&#8220; haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der &#8222;wahren&#8220; Punk-\u00c4ra trauert Engler nicht nach: &#8222;<em>Die Zeiten \u00e4ndern sich, es mu\u00df weitergehen<\/em>&#8222;. Der Punk ist vorbei, er war eine wichtige Erfahrung f\u00fcr Englers Entwicklung. Aber seine Ideale sind die gleichen geblieben, seine Einstellungen haben sich nicht ge\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>Gefragt, wie er \u00fcberhaupt dazu kam, Musik zu machen, verweist Engler vor allem auf einen Mann: Arthur Brown! Den selbsternannten Gott des H\u00f6llenfeuers z\u00e4hlt Engler zu den Ausl\u00f6sern seiner eigenen musikalischen Karriere. 1968 sah er Browns Auftritt im &#8222;Beat Club&#8220; &#8211; ein Wahnsinniger mit brennender Feuerkrone, irrsinnigem Geschrei und disharmonischen Keyboardkl\u00e4ngen: Engler war infiziert!<\/p>\n\n\n\n<p>Fast 20 Jahre sp\u00e4ter trat ein amerikanisches Label an den Krupps-Chef heran mit der Bitte, &#8222;Fire&#8220;, Arthur Browns gr\u00f6\u00dften Hit, zu remixen. Engler, der unter anderem auch schon f\u00fcr die Fantastischen 4 remixte, mu\u00dfte nicht lange \u00fcberlegen! Leider stellte sich nach einigen Wochen heraus, da\u00df es rechtliche Probleme gab und an die B\u00e4nder nicht ranzukommen war. Aber Engler hatte sich schon in die Idee verbissen und wollte den Plan auf keinen Fall aufgeben. Stattdessen machte er sich daran, Brown h\u00f6chstselbst aufzutreiben und den Song mit ihm zusammen komplett neu zu produzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Arthur Brown war allerdings jahrelang von der Bildfl\u00e4che verschwunden, so da\u00df Engler erst durch komplizierte Recherchen an seine Telefonnummer kam &#8211; um festzustellen, da\u00df Brown wie Engler selbst in Austin, Texas lebte! Es handelte sich aber um eine veraltete Nummer, Browns Management konnte schlie\u00dflich helfen: ihnen gefiel die Idee, sie kannten die Krupps, und f\u00fcnf Tage sp\u00e4ter stand die Band mit Brown im Studio!<\/p>\n\n\n\n<p>Der Feuerteufel Brown hatte 17 Jahre lang in Austin mit dem Drummer von Zappas &#8222;Mothers of invention&#8220; einen &#8222;carpenter shop&#8220; betrieben, eine Art Tischlerei &#8211; laut Engler &#8222;sehr intellektuell&#8220;. Brown ist mittlerweile 55 Jahre alt und plant noch dieses Jahr sein Comeback, an der CD sind auch Peter Gabriel, zwei Leute von Big Country und Lyle Lovett beteiligt. Die Krupps kannte er zumindest dem Namen nach, und von der gemeinsamen &#8222;Fire&#8220;-Version war er komplett begeistert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die LP-Version des &#8222;Fire&#8220;-Songs auf dem neuen Krupps-Album klingt eher &#8222;traditionell&#8220;, kommt nah ans Original ran (aber mit mehr Power, zum Beispiel durch neue Drum-Beats). Der Grund daf\u00fcr ist, da\u00df die Krupps Brown nicht abschrecken oder gar verprellen wollten &#8211; stattdessen haben sie sich dann mit Remixen auf der Single ausgetobt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und wo gerade die Rede ist von Coverversionen:<\/strong><br \/>Die Metallica-EP &#8222;A Tribute to Metallica&#8220; war als solche urspr\u00fcnglich gar nicht geplant. Sie diente Engler als Zeitbertreib, w\u00e4hrend die Krupps pausierten. Sein Interesse bestand darin, die Songs der Bay Area-Rocker in ein anderes Gewand zu kleiden, eben in d\u00fcsteren Synthie-Sound. Das Ergebnis wollte er den Metallicas auf Kassette zustecken, die f\u00fcr eine Platin-Verleihung nach Dortmund kommen wollten.<br \/>Davon bekam Englers Plattenfirma Wind, die ihn \u00fcberredete, die f\u00fcnf Songs als Krupps-CD auf den Markt zu bringen. Diesem war das urspr\u00fcnglich nicht so recht &#8211; 1992, als sich Metallica mit dem &#8222;Black Album&#8220; gerade als Superstars etabliert hatten, liefen die Krupps Gefahr, mit ihrer &#8222;Tribute EP&#8220; wie Trittbrettfahrer zu wirken. Au\u00dferdem lag schon ein Krupps-Album vor, auf dem Metal- und Elektro-Elemente gepaart waren: die Metallica-EP k\u00f6nnte daran gemessen wenig innovativ wirken, eher wie ein Schritt zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber schlie\u00dflich nahm die Sache ihren Lauf &#8211; und die Scheibe landete tats\u00e4chlich in den H\u00e4nden des Quartetts aus San Francisco: ein Mitarbeiter der Schweizer Vertriebsfirma der CD war mit Lars Ulrich befreundet und steckte ihm ein Exemplar zu. Es folgte ein Anruf : Lars Ulrich und Kirk Hammett wollten Engler sehen (die anderen beiden waren weniger begeistert &#8211; vom Synthie-Sound im allgemeinen und ihren Songs in eben diesem Gewand im besonderen). Immerhin Lars und Kirk fanden es phantastisch und besorgten den Krupps prompt einen Plattenvertrag in den Staaten. Inzwischen sind beide Bands miteinander befreundet (Hammett ist ohnehin dick mit Lee Altus), und Metallica melden sich regelm\u00e4\u00dfig bei den Krupps, wenn sie in Deutschland sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gemeinsames Projekt ist (leider) nicht in Sicht, es w\u00e4re immerhin schon fast soweit gewesen: 1994 waren die Krupps selbst Adressat einer &#8222;Tribute-CD&#8220;. Namhafte Kollegen wie Philipp Boa, Nitzer Ebb, Clawfinger und Paradise Lost machte sich \u00fcber den Song-Fundus der Band her &#8211; das Ergebnis war das Album &#8222;The final Remixes&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Sisters of Mercy-D\u00fcstermann Andrew Eldrich war mit von der Partie, er hatte &#8222;Fatherland&#8220; im Visier. Der Metallica-Gitarrist Kirk Hammet h\u00f6rte davon und war gleich Feuer und Flamme. Am liebsten h\u00e4tte er &#8211; wen wundert\u00b4s &#8211; ein Gitarrensolo beigesteuert. Dazu kam es allerdings nicht, weil Eldrich sich querstellte: mit einem Mitglied von Metallica wollte er nicht zusammenarbeiten!<\/p>\n\n\n\n<p>J\u00fcrgen Engler hat die Anglegenheit inzwischen etwas wehm\u00fctig ad acta gelegt, Eldrich und Hammett h\u00e4tten in seinen Augen gut zusammengepa\u00dft. Die Krupps-play-Metallica-Songs hat er seit ihrer Entstehung nicht mehr geh\u00f6rt, nach der Produktion sind die St\u00fccke grunds\u00e4tzlich erstmal abgehakt, bis die Krupps sie auf der B\u00fchne spielen &#8211; und die Metallica-St\u00fccke gab\u00b4s bis heute nie live.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer Metallica eine Tribute-CD widmet, mu\u00df daf\u00fcr seine Gr\u00fcnde haben. Die Amerikaner hatten aber offenbar nur begrenzten Einflu\u00df auf die Krupps-Musik. Engler siedelt ihn, wenn \u00fcberhaupt, dann in den 80ern an. Zwischen 1985 und 1989 pausierte er mit den Krupps und unterhielt in dieser Zeit ein eigenes Metal-Label. Metallica waren daf\u00fcr unter anderem ein Ausl\u00f6ser und brachten Engler mittelbar auch dazu, ab 1989 in der Musik der Krupps die Komponenten Metal und Elektronik zu paaren, f\u00fcr Engler &#8222;<em>das Gebot der Stunde: Bedien Dich bestehender Elemente und Mach was neues draus!<\/em>&#8222;. Metallica waren also ein Faktor unter vielen, haben Engler zwar mit zum Metal gebracht, der Krupps-Chef weist aber darauf hin, da\u00df diese Entwicklung unweigerlich gekommen w\u00e4re. Sein Weg w\u00e4re ohnehin so verlaufen, allein weil er seine Vergangenheit nicht verleugnen kann, er habe immerhin vier Jahre in einer Punkband gespielt. Sein Background &#8211; so Englers Fazit &#8211; ist Rockmusik!<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>&#8222;Moderne Rockmusik&#8220;<\/em><\/strong><br \/>nennt Engler denn auch sein eigenes Schaffen bzw. das der Krupps, bestehend aus unterschiedlichen Elementen wie Industrial, Metal, Crossover, Techno, Hip Hop, Gothic etc. Nat\u00fcrlich, so Engler, g\u00e4be es viele M\u00f6glichkeiten, ihre Musik zu definieren. Es sei aber problematisch und unsinnig, Musik mit festen Begriffen zu beschreiben. Auf diese Weise werden verschiedene Stile separiert &#8211; und das Gegenteil von dem erreicht, was Engler anstrebt, n\u00e4mlich zu integrieren, Leute zusammenzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Krupps, so Engler, haben einfach ihre eigene Nische. &#8222;Industrial&#8220; als Kategorie reicht nicht mehr aus, um ihren Stil zu beschreiben. Abgesehen davon, da\u00df die Band vom Anfang der 80er eingeschlagenen Weg l\u00e4ngst abgekommen ist, sich konsequent weiterentwickelte, hat sich auch die Industrial-Bedeutung gewandelt. Heutige Industrial-Bands sind weit entfernt von dem, was die Krupps einst darstellten. Allenfalls die fr\u00fchen Krupps l\u00e4\u00dft Engler noch als Industrial-Band &#8222;<em>im klassischen Sinne<\/em>&#8220; gelten, mittlerweile reicht der Begriff zur Beschreibung ihres Schaffens nicht mehr aus. Allerdings seien die Krupps auch keine reine Elektro-Band, genausowenig eine reine Metal-Band &#8211; sie haben eben ihre eigenen Nische!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Songwriting<\/strong><br \/>ist gemeinsame Sache von Engler und Altus in Austin: jeder bringt seine Ideen auf der Gitarre mit, &#8222;wir jammen, schmei\u00dfen uns die Riffs zu und versuchen, daraus Songs zu schreiben&#8220;. Das ganze l\u00e4uft sehr spontan ab &#8211; bis das von Engler vorher gesetzte Zeitlimit brutal greift (meist sind es zehn Tage f\u00fcr eine CD). Aber es funktioniert, und so entsteht letztlich eine &#8222;<em>Moment- oder Bestandsaufnahme<\/em>&#8220; (O-Ton-Engler), quasi &#8222;<em>Die Krupps \u00b485 oder \u00b497 etc<\/em>&#8222;.<\/p>\n\n\n\n<p>Als n\u00e4chstes programmiert Engler die Beats, die Demos werden provisorisch mit Gitarren eingespielt, die Riffs auf DAT aufgenommen und mit ins D\u00fcsseldorfer Studio &#8222;r\u00fcbergenommen&#8220;, wo Engler gemeinsam mit seinem Studio-Partner das Album produziert. Dort wird alles abgesampelt, Keyboards und Drums werden drumherumgeschart, und fertig ist das Songskelett. Irgendwann kommt der Gesang dazu und letzte Verfeinerungen werden vorgenommen. Schlie\u00dflich kommt Altus nach D\u00fcsseldorf und spielt die &#8222;richtigen&#8220; Gitarren ein, die gesampelten fliegen wieder raus, und so wird jeder Song quasi im &#8222;Mosaiksteinchenprinzip&#8220; zusammengef\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die ersten Synthies.<\/strong><br \/>Anfang der 70er schwappte die erste Welle elektronischer Klangerzeuger \u00fcber den Musikmarkt &#8211; und brachte viele K\u00fcnstler in Bedr\u00e4ngnis, denn mit heutiger Computer-Programmiererei am Schreibtisch war das nicht vergleichbar. Damals mu\u00dfte man noch Technik-Experte sein, um die Geheimnisse der Ger\u00e4te zu knacken. Tangerine Dream etwa haben quasi im blinden Eigenversuch die M\u00f6glichkeiten ihrer Technik erprobt und wurden dabei nicht selten \u00fcberrascht.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Engler hat in diesem Sinne (mit seinen fr\u00fchen Instrumenten) &#8222;abenteuerliches&#8220; erlebt. Bis heute arbeitet er mit seinen &#8222;<em>alten Spezies<\/em>&#8220; (O-Ton Engler), benutzt \u00fcberhaupt entweder Uralt-Synthies oder brandneue Technologie, die &#8222;ganze Mitte&#8220; hat er rausgeschmissen. \u00c4hnlich wie die Kollegen von Tangerine Dream entdeckt er bei der Besch\u00e4ftigung mit den alten, analogen Ger\u00e4ten immer wieder etwas Neues, &#8222;<em>unglaublich, was sich damit machen l\u00e4\u00dft.<\/em>&#8222;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Krautrock.<\/strong><br \/>Englers Vorliebe f\u00fcr fr\u00fche Elektronik pa\u00dft zu seinem Krautrock-Faible, beide Entwicklung fallen in die gleiche Zeit, etwa ab Anfang\/Mitte der 70er. Auch auf der neuen Krupps-Scheibe (&#8222;Behind 2&#8220;) wirken &#8222;alte Recken&#8220; aus den Reihen der damaligen Neut\u00f6ner mit, z. B. Dieter M\u00f6bius von Cluster und Mani Neumeier von Guru Guru. Und was kaum jemand wei\u00df: es existiert ein gemeinsames Projekt der alten Krautrocker und Englers (M\u00f6bius Neumeier Engler), das j\u00fcngst erweitert wurde um Chris Karrer (Amon D\u00fc\u00fcl II), Damo Suzuki, Jaki Liebezeit (beide fr\u00fcher Can) und eventuell noch ein Mitglied von &#8222;Faust&#8220;: sozusagen ein Krautrock-Allstar-Projekt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Paradise now&#8220;<\/strong>. <br \/>Auf der neuen CD ist nach Englers eigener Aussage der alte Punk wieder bei ihm durchgebrochen. Er wettere ohne Ende gegen alles m\u00f6gliche, habe aber auch Positives gesucht &#8211; und gefunden. Engler will &#8222;<em>das Beste aus allem machen, auch das Gute sehen, am Schopf packen, retten und mehr draus machen<\/em>&#8222;. Hier wird kein No-future oder Nihilismus gepredigt, das Album hei\u00dft schlie\u00dflich &#8222;Paradise now&#8220;, und nicht &#8211; wie Engler betont -, &#8222;Apocalypse now&#8220;. Unterm Strich seien die Krupps noch punkig genug, um sich nicht verstecken zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Songs auf &#8222;Paradise now&#8220;<\/strong><br \/>handeln von Umstrukturierung, Umdenken, Umbruch und der sch\u00f6nen Illusion: eine Welt ohne Herrschaft. Der anarchistische Grundgedanke hat, so Engler, leider immer den Beigeschmack von Gewalt. Seine Idee, die hinter den Songs steht, ist folgende: alle Machtbesessenen werden anderen gegen\u00fcber offen, dann br\u00e4uchte man keine Herrschaft und eine neue, freie Gesellschaft w\u00e4re geboren.<\/p>\n\n\n\n<p>In den neuen Songs hat Engler seine Stimme bewu\u00dft variabel gehalten &#8211; als neues Stilmittel kam z. B. Fl\u00fcstern zum Einsatz -, um so eine gr\u00f6\u00dfere musikalische Dynamik zu erreichen. Er h\u00e4lt nichts davon, &#8222;<em>die Leute von vorne bis hinten anzuschreien<\/em>&#8222;. Das sei platt, man erziele eine viel bessere Wirkung, wenn man die H\u00f6rer gewisserma\u00dfen in den Song &#8222;einweiht&#8220;, also erstmal leise hinf\u00fchrt und dann das Ganze steigert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zusammenarbeit mit Tony Platt, der schon f\u00fcr das letzte Album gemixt hatte, wurde diesmal auf Wunsch der Krupps ausgesetzt. Platt selbst h\u00e4tte gern wieder mitgewirkt, besonders am Mix von &#8222;Fire&#8220;. Aber Engler hat in den letzten Jahren so viel f\u00fcr andere Bands geremixt, das er das neue Krupps-Album endlich mal f\u00fcr sich allein machen wollte (respektive gemeinsam mit seinem Studio-Partner). Au\u00dferdem gab es infolge der spezifisch kruppschen Produktionsmethoden keine B\u00e4nder, die man Patt zuschicken konnte. Englers Fazit: das neue &#8211; selbstabgemischte Album &#8211; klingt auch nicht schlechter als das vorhergehende unter Mitwirkung Tony Platts.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Fangemeinde der Krupps<\/strong><br \/>kann Engler schwer einsch\u00e4tzen. So wie die Band sich schwer einordnen l\u00e4\u00dft, umfa\u00dft auch ihr Publikum die unterschiedlichsten Gruppen &#8211; genau das, was Engler erreichen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Den immensen Erfolg in Japan erkl\u00e4rt er sich unter anderem mit dem Krupps-eigenen &#8222;worker image&#8220;, allein schon durch den Namen verk\u00f6rpert. Au\u00dferdem begeisterten sich die Japaner besonders f\u00fcr Dinge, hinter denen ein Konzept stehe, mit dem sie sich identifizieren k\u00f6nnen. Sie wollten mehr sehen als nur die Musik. Wahrscheinlich st\u00fcnden sie auch auf das leicht teutonische Element der Krupps und deren Internationalit\u00e4t, die Krupps, erkl\u00e4rt Engler, seien Kosmopoliten &#8211; durch ihre Besetzung und ihre Musik.<\/p>\n\n\n\n<p>Schwerer kann er sich da schon den Erfolg in den Staaten erkl\u00e4ren, zuletzt h\u00e4tten die Krupps in Amerika vor 1500 Leuten am Abend gespielt, seien immerhin bis auf Platz 12 der Rockcharts gekommen. In Deutschland habe wohl ihre st\u00e4ndige Pr\u00e4senz Fr\u00fcchte getragen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026auf dem Weg ins Paradies? &#8222;Paradise Now&#8220;mit diesem euphorischen Schlachtruf ziehen &#8222;Die Krupps&#8220; zur Zeit zu Felde! 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