{"id":36948,"date":"1997-05-16T11:11:00","date_gmt":"1997-05-16T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=36948"},"modified":"2022-08-27T03:36:03","modified_gmt":"2022-08-27T01:36:03","slug":"interview-tarnation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1997\/05\/interview-tarnation\/","title":{"rendered":"Interview: Tarnation"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Paula und ihre M\u00e4nner<\/h2>\n\n\n\n<p>Meine Mutter sagte immer: &#8222;Ehrlich w\u00e4hrt am l\u00e4ngsten&#8220;. Sie sagte aber auch: &#8222;Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, sag lieber gar nichts.&#8220; Jetzt stehe ich vor einem Problem, denn ich mu\u00df etwas \u00fcber Tarnation sagen, diese in San Francisco beheimatete Band, die mit &#8222;Mirador&#8220; gerade ihr drittes Album ver\u00f6ffentlicht hat. Also denn (sorry, Mom!):<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/intrview\/images\/tarnatia.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>S\u00e4ngerin Paula Frazer tr\u00e4llert wie Morriseys entlaufene Schwester, w\u00e4hrend die Band eine Mischung aus Country- und Surfmusik spielt, die klingt wie bei Chris Isaak. Das Presseinfo beginnt mit einem Zitat aus einer Kritik des Mojo-Magazins: &#8222;Die Romantik von Judy Garland in einer von Reservoir Dogs beherrschten Welt.&#8220; Kein Zweifel da\u00df Tarantino-Fans (wenn es noch welche gibt) Tarnations &#8222;dunklen&#8220;, &#8222;mysteri\u00f6sen&#8220;, &#8222;einsamen&#8220; Sound lieben w\u00fcrden. Er macht es einem leicht, sich depressiv zu geben, w\u00e4hrend man die Musik der Band h\u00f6rt. Aber genau wie bei den Smiths fange ich nach einiger Zeit an zu grinsen. Auch Scott Walker kommt mir in den Sinn und nat\u00fcrlich beginnt Paula unser Interview damit, zu erw\u00e4hnen, da\u00df sie gerade ein altes Scott Walker Album in einem M\u00fcnchner Laden gefunden hat. Wie ich immer sage, wenn du eine Karriere auf deiner Traurigkeit aufbauen kannst, wie traurig kannst du wirklich sein?<\/p>\n\n\n\n<p>Frazer hat das Karrieresteuer fest in ihre H\u00e4nde genommen und verdient daf\u00fcr unseren Respekt. Die ersten beiden Alben wurden mit einer g\u00e4nzlich anderen Besetzung eingespielt, mit Leuten, die offensichtlich mehr Einflu\u00df auf die musikalische Richtung der Band wollten, als es Paula recht war.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Ich gr\u00fcndete Tarnation vor f\u00fcnf Jahren. Danach gab es einige Besetzungswechsel. Nachdem meine letzte Gruppe und ich uns getrennt hatten, begann ich mit (Schlagzeuger) Joe Byrnes and (Guitarist) Alex Oropeza, die beide aus Tucson, Arizona sind zu spielen. Sie spielen noch in einer anderen Band, namens Broken Horse, und ich dachte, es w\u00e4re toll mit Musikern zu spielen, die noch ein anderes kreatives Ventil haben. Einer der Gr\u00fcnde, warum ich mich von der anderen Band getrennt hatte, war, da\u00df einfach zu viele K\u00f6che den Brei verdarben. Wir waren letztlich eine Bar-Band, nicht besonders gut organisiert. Und ich hatte kein gro\u00dfes Selbstvertrauen. Ich stand im Schatten und sang. Wir hatten alle verschiedene Auffassungen, von dem was wir machen wollten und so hat es einfach nicht funktioniert.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Musik spielte immer eine gro\u00dfe Rolle in Frazers Leben: bereits als Kind sang sie in der Kirche, als Teenager trat sie in Cafes und Clubs in Arkansas und Missouri auf. Trotzdem dauerte es lange, bis sie eine annehmbare Bandbesetzung zusammen hatte. Und selbst dann brauchte sie noch Gl\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Ich traf Joe und Alex durch einen Freund namens Desmond. Desmond und ich spielten vor 10, 11 jahren zusammen als ich zum ersten Mal nach San Francisco zog. Er und Joe arbeiteten zusammen als K\u00f6che in einem Restaurant. Es war ein sehr gl\u00fccklicher Umstand. Ich hatte Joe und Alex vorher (mit Broken Horse) gar nicht geh\u00f6rt.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/intrview\/images\/tarnatib.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Es scheint bei Rockmusikern immer mehr in Mode zu kommen, in mehreren Bands gleichzeitig zu spielen. Warum soll man sich auf eine Band beschr\u00e4nken, wenn zwei Gruppen dir eine bessere Aussicht auf Erfolg bieten? Aber es kann ein schwieriger Drahtseilakt werden und zwar aus zwei Gr\u00fcnden: Ego und Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Frazer sagt, da\u00df sie gl\u00fccklich ist, mit Leuten zu spielen, die ein anderes kreatives Ventil haben und w\u00fcnscht Broken Horse, dem alter ego ihres Gitarristen und Drummers, alles Gute.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Joe und Alex gaben mir ein Tape von Broken Horse und die Aufnahmequalit\u00e4t war ziemlich mies, so da\u00df ich nicht wu\u00dfte, ob ich es mochte oder nicht. Ich h\u00f6rte es mir einmal an und die Aufnahme war nicht so gut, da\u00df ich es mir nochmals angeh\u00f6rt h\u00e4tte. Aber dann sah ich sie live und ich bemerkte, da\u00df sie sehr gut waren. Sie waren nur nicht in der Lage, ihren Livesound auf Band zu bannen. Ihre Aufnahmen waren einfach zu &#8230; (z\u00f6gert) &#8230;nicht gut. Ich hoffe, da\u00df die neuen Aufnahmen die sie jetzt gerade machen ihnen gerecht werden.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Hauch von Rivalit\u00e4t taucht in unserem Gespr\u00e4ch auf, als ich sie nach eventuellen Terminkonflikten frage.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Nun, bis jetzt gab es jedenfalls noch keine. Aber irgendwann k\u00f6nnte es dazu kommen. Broken Horse haben noch keinen Plattenvertrag. Ihre Auftrittsm\u00f6glichkeiten verbessern sich langsam. Eine zeitlang gab es nicht viele Orte an denen sie auftreten konnten. Aber dadurch, da\u00df sie jetzt in Tarnation spielen, haben sie einige Clubmanager kennengelernt und k\u00f6nnen auch f\u00fcr sich bessere Sachen arrangieren. Es hat ihnen viele T\u00fcren ge\u00f6ffnet und ich denke, sie merken das. Ich sehe nicht, wieso nicht genug Platz f\u00fcr sie sein sollte, beides zu tun.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Es gibt die M\u00f6glichkeit, da\u00df &#8211; wenn sie einen Vertrag bekommen oder so &#8211; wir einen Kompromi\u00df finden m\u00fcssen, z.B. f\u00fcr Aufnahmen. Nehmen wir an, sie k\u00f6nnten ein Album ver\u00f6ffentlichen, dann k\u00f6nnten sie es im Herbst rausbringen und touren und wir bringen dann unser Album im Fr\u00fchjahr raus und touren dann. Aber das k\u00f6nnte durchaus positiv sein, denn vielleicht k\u00f6nnten wir dann alle genug Geld verdienen, um von unserer Musik leben zu k\u00f6nnen, ohne auf normale Jobs angewiesen zu sein.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Falls ihr euch jetzt fragt, warum wir mehr \u00fcber Broken Horse sprechen (eine Band,die ich immer noch nicht geh\u00f6rt habe) als \u00fcber Tarnation, schaut euch nochmal das zweite Zitat meiner Mutter an. Trotzdem noch ein mehr 90er Jahre Lifestyle-Detail \u00fcber Tarnation: Der Bassist, ein Ire namens Jamie Meagan ist Paulas Freund.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Drahtseilakt? \u00dcber dieses Thema habe ich nicht mit Paula gesprochen, aber als Paula ein anderes Interview beginnt, erz\u00e4hlt Jamie:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Ich ging nach San Francisco, weil ich einige Kumpels dort hatte und arbeitete auf einer Baustelle, wo Paula arch\u00e4ologische Arbeiten machte und wir fingen an, mit einander auszugehen. Dann fragte sie mich, ob ich in der Band mitspielen wollte. Es war eine Ehre, gefragt zu werden. Wir mu\u00dften auch \u00fcber unsere Beziehung nachdenken. Wir dachten eine lange, lange Zeit dar\u00fcber nach. Wir kamen zum Entschlu\u00df, da\u00df ich es machen sollte. Wir k\u00f6nnen unsere Musik von unserem Liebesleben trennen. Everything&#8217;s fine so far.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/intrview\/images\/tarnatic.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paula und ihre M\u00e4nner Meine Mutter sagte immer: &#8222;Ehrlich w\u00e4hrt am l\u00e4ngsten&#8220;. Sie sagte aber auch: &#8222;Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, sag lieber gar nichts.&#8220; Jetzt stehe ich vor einem Problem, denn ich mu\u00df etwas \u00fcber Tarnation sagen, diese in San Francisco beheimatete Band, die mit &#8222;Mirador&#8220; gerade ihr drittes Album ver\u00f6ffentlicht hat. 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