{"id":36994,"date":"1999-08-17T11:11:00","date_gmt":"1999-08-17T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=36994"},"modified":"2022-08-28T23:50:23","modified_gmt":"2022-08-28T21:50:23","slug":"phat-world-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1999\/08\/phat-world-1\/","title":{"rendered":"Phat World (1)"},"content":{"rendered":"\n<p>Kolumnen sind besonders unter Hinternet-Mitarbeitern schwer beliebt. Insofern habe ich mir es nicht nehmen lassen, mit&nbsp;<em>Phat World<\/em>&nbsp;eine weitere in Angriff zu nehmen. Diese wird (hoffentlich) monatlich erscheinen und wird sich der nationalen wie internationalen HipHop-Musik widmen. Ich denke, es macht Sinn, sich in kondensierter Form mit diesem ausuferndem Thema zu besch\u00e4ftigen. Die Besprechungen werden kurz und b\u00fcndig und in einen Flie\u00dftext eingebaut sein.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der Wu-Tang Clan ist wie immer schwer aktiv im HipHop-Dschungel und hat seine Machete gewetzt. Da w\u00e4re zuerst&nbsp;<strong>GZA\/Genius&nbsp;<\/strong>zu nennen. Der hat gerade sein drittes Album (<em>&#8222;Beneath The Surface&#8220;<\/em>, MCA\/Polydor) auf den Markt gebracht und k\u00fcndigt auf diesem bereits sein viertes Werk f\u00fcr den kommenden Dezember an. Ihm scheint es langweilig geworden zu sein, sind seine Kollegen in letzter Zeit bekanntlich mehr mit Gerichtsverfahren denn mit Musik zugange.&nbsp;<strong>GZA\/Genius<\/strong>&nbsp;selbst spricht von einem &#8222;Sommeralbum&#8220;, doch ganz so fr\u00f6hlich ist&nbsp;<em>&#8222;Beneath The Surface&#8220;<\/em>&nbsp;nicht geworden. Aber typisch Wu-Tang. Furztrocken und kalt, teilweise sogar etwas zu reserviert und einfach strukturiert. Viele seiner Clan-Freunde schauten nat\u00fcrlich im Studio vorbei: Ol&#8216; Dirty Bastard, Killah Priest, RZA, LA The Darkman und Method Man. Alles in allem nicht&nbsp;<em>groundbreaking<\/em>, aber zumindest qualitativ besser als viele der anderen Wu-Tang-Erg\u00fcsse, die monatlich die Plattenl\u00e4den \u00fcberschwemmen. Ich denke in diesem Zusammenhang an das&nbsp;<strong>Wu-Syndicate<\/strong>&nbsp;und dessen Obergangstas MYA Lansky und Joe Mafia (Wu-Tang Records\/PIAS\/Connected). Bei denen hat es nur f\u00fcr ein durchschnittliches Album gereicht. Einzige H\u00f6hepunkte: &#8222;Pointin&#8216; Fingers&#8220;, &#8222;Global Politics&#8220; und &#8222;Weary Eyes&#8220;. V\u00f6llig uninteressant ist hingegen&nbsp;<em>&#8222;The RZA Hits&#8220;<\/em>&nbsp;(Epic\/Sony Music) von Ober-Wu-Tang-Guru&nbsp;<strong>RZA<\/strong>. Ein mauer \u00dcberblick \u00fcber seine Produktionsk\u00fcnste, die wahre Wu-Tang-Fans sowieso schon in der ein oder anderen Form im Regal stehen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Monat sind auch zwei ganz alte Hasen des Business mit von der Partie.&nbsp;<strong>EPMD<\/strong>&nbsp;lassen in Form von&nbsp;<em>&#8222;Out Of Business&#8220;<\/em>&nbsp;(Def Jam\/Mercury) mal wieder von sich h\u00f6ren. Es ist das zweite Album der Band seit ihrer Reunion im September 1997. Wir erinnern uns: Nach den Alben&nbsp;<em>&#8222;Strictly Business&#8220;<\/em>,&nbsp;<em>&#8222;Unfinished Business&#8220;<\/em>,&nbsp;<em>&#8222;Business As Usual&#8220;<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>&#8222;Business Never Personal&#8220;<\/em>&nbsp;ging das Duo im Streit auseinander. Die beiden Macher, Erick &#8222;E&#8220; Sermon und Parrish &#8222;PMD&#8220; Smith, beides anerkannte HipHop-Pioniere, strebten daraufhin Solokarrieren an. Vor drei Jahren gaben sie \u00fcberraschend ihre Vers\u00f6hnung bekannt. Die HipHop-Gemeinde atmete auf und freute sich \u00fcber das Comeback-Album&nbsp;<em>&#8222;Back In Business&#8220;<\/em>. Anno &#8217;98 hat das Duo einmal mehr nichts von seinem Charme eingeb\u00fc\u00dft. Sermon und Smith spielen ihre ganze Routine aus und servieren ein vorz\u00fcgliches Old School-Men\u00fc, das sie im Nu wieder ins Gespr\u00e4ch bringen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die anderen Pioniere hei\u00dfen&nbsp;<strong>Public Enemy.<\/strong>&nbsp;Die wollen nat\u00fcrlich alles daran setzen, ihren schwachen&nbsp;<em>&#8222;He Got Game&#8220;<\/em>-Output mittels&nbsp;<em>&#8222;There&#8217;s A Poison Goin On&#8230;&#8220;<\/em>&nbsp;(PIAS\/Connected) vergessen zu machen. Obwohl&nbsp;<strong>Public Enemy<\/strong>&nbsp;bei mir nicht mehr die Begeisterung fr\u00fcherer Tage hervorrufen k\u00f6nnen, k\u00f6nnte ihnen wie auch schon&nbsp;<strong>EPMD<\/strong>&nbsp;ein erfolgreiches Comeback gelingen. Das Potential hat die Band sicherlich.&nbsp;<em>&#8222;There&#8217;s A Poison Goin&#8216; On&#8230;&#8220;<\/em>&nbsp;klingt modern, frisch und eindeutig nach Chuck D, Flavor Flav, Professor Griff, Terminator X und der Security Of The First World. Daran gibt es nichts zu r\u00fctteln. Und wer sich \u00f6fter bzw. l\u00e4nger mit dem Werk befa\u00dft, der wird dessen St\u00e4rken erkennen. &#8222;Do You Wanna Go Our Way?&#8220; mit seinen spacigen WahWah-Gitarren, das smarte St\u00fcck &#8222;Crash&#8220;, der Polit-Track &#8222;41:19&#8220;, das verr\u00fcckte &#8222;Crayola&#8220; oder die Old School-Nummern &#8222;First The Sheep Next The Sheperd?&#8220; und &#8222;I&#8220; lassen alte Wunden schnell verheilen. Einige Tracks so etwa &#8222;Here I Go&#8220; und &#8222;LSD&#8220; sind weniger gelungen. Da sind es meist dann aber Chuck Ds exzellente Texte, die einen vers\u00f6hnen. Fazit:&nbsp;<strong>Public Enemys<\/strong>&nbsp;Kurve zeigt wieder nach oben.<\/p>\n\n\n\n<p>Von den Alten zu den Jungen.&nbsp;<strong>Ugly Duckling<\/strong>&nbsp;geh\u00f6ren zu den besseren Newcomern der Szene. Sie stammen aus Long Beach, California, und haben es sich zur Aufgabe gemacht, dem d\u00fcsteren und Gewalt verherrlichenden HipHop den Kampf anzusagen.&nbsp;<em>&#8222;Fresh Mode&#8220;<\/em>&nbsp;(Bad Magic\/PIAS\/Connected) klingt daher nach De La Soul, A Tribe Called Quest, The Pharcyde und Jurassic 5. Mit der Unterst\u00fctzung von &#8218;Bad Magic&#8216;, einem Sublabel von &#8218;Wall Of Sound&#8216;, wollen sie der HipHop-Szene den grimmigen Blick auszutreiben.&nbsp;<em>&#8222;Fresh Mode&#8220;<\/em>&nbsp;scheint daf\u00fcr ein gelungenes Rezept zu sein. H\u00f6rt euch am besten &#8222;Get On This&#8220;, &#8222;Einstein&#8217;s Takin Off&#8220;, &#8222;Everybody C&#8217;mon&#8220; oder &#8222;Everything&#8217;s Alright&#8220; an, und ihr werdet meine Begeisterung verstehen. Leider sind es nur acht Tracks und damit knapp 28 Minuten, die uns den Tag vers\u00fc\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls aus California stammt&nbsp;<strong>Peanut Butter Wolf<\/strong>, der uns&nbsp;<em>&#8222;My Vinyl Weights A Ton&#8220;<\/em>&nbsp;(Coapasetik\/Groove Attack) anbietet. Hier ist keine Crew am Werk, sondern ein Ein-Mann-Unternehmen, und das h\u00f6rt im b\u00fcrgerlichen Leben auf den Namen Chris Manak. Er ist DJ, Producer und Labelmacher (&#8218;Stones Throw&#8216;) in einer Person. Diese Vielseitigkeit hat ihm einen guten Ruf in der Bay Area beschert, in der er seit 1987 als&nbsp;<strong>Peanut Butter Wolf<\/strong>&nbsp;aktiv ist. Auf seinem zweiten Output (Zuvor hatte er&nbsp;<em>&#8222;Peanut Butter Breaks&#8220;<\/em>, ein Instrumental-Album, gemacht.) haben Q-Bert (Skratch Piklz), Cut Chemist (Jurassic 5) und Kid Koala (Ninja Tune) Beats beigesteuert und Planet Asia, Rasco und Lootpack zeichneten sich u.a. f\u00fcr das MCing verantwortlich. Das Ergebnis ist dementsprechend \u00fcberzeugend und lieb\u00e4ugelt h\u00e4ufig mit der alten Schule. Von \u00fcberproduziertem, sattem New School-Gangsta-Nuschel-HipHop ist nichts zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ich sie schon im Zusammenhang mit Peanut Butter Wolf erw\u00e4hnt habe, m\u00f6chte ich nat\u00fcrlich auch das Deb\u00fct von MC Madlib, MC Wild Child und DJ Romes alias&nbsp;<strong>Lootpack<\/strong>&nbsp;in dieser Kolumne auff\u00fchren. &#8222;Soundpieces \u2013 Da Antidote!&#8220; (Stones Throw\/Groove Attack) ist logischerweise auf dem Label von Chris Manak erschienen, der nicht umsonst von&nbsp;<strong>Lootpack<\/strong>, Teil der Likwit Crew (Xzibit, Defari, Tha Alkoholiks), angetan ist.&nbsp;<em>West Coast underground hiphop is coming to ya!<\/em>&nbsp;Der Zusammenhalt stimmt jedenfalls, denn&nbsp;<em>guest features<\/em>&nbsp;sind reihenweise zu verzeichnen.&nbsp;<strong>Lootpack<\/strong>&nbsp;sind aber nicht auf das gro\u00dfe Geld aus. Sie haben sich andere Ziele gesetzt: zu den Wurzeln zur\u00fcckzukehren. Es ist der B-Boy-Style, der eine Renaissance erfahren soll. Gute Idee und danke. Es war an der Zeit, die Roots auszugraben.<\/p>\n\n\n\n<p>In Sachen Best Of-Scheiben haben wir in diesem Monat zwei Ver\u00f6ffentlichungen zu vermelden:&nbsp;<strong>Gang Starr<\/strong>&nbsp;alias Guru, Begr\u00fcnder von Jazzmatazz, und DJ Premier haben f\u00fcr ihr zehnj\u00e4hriges Jubil\u00e4um &#8222;Full Clip: A Decade Of Gang Starr&#8220; (Noo Trybe\/Virgin America\/EMI) kompiliert. 32 Tracks haben die beiden Jazz-Fanatiker gefunden, die ihrer Meinung nach einen guten \u00dcberblick \u00fcber ihr Schaffen geben \u2013 darunter ihre Hits &#8222;Mass Appeal&#8220;, &#8222;Dwyck&#8220;, &#8222;Step In The Arena&#8220; und &#8222;You Know My Steez&#8220;. Es handelt es sich aber nicht ausschlie\u00dflich um Altbekanntes; auch neuere St\u00fccke haben sie drauf gepackt. Um so besser f\u00fcr den Fan, der mit dieser Doppel-CD&nbsp;<em>lots of value for lots of money<\/em>&nbsp;bekommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Best Of-Beitrag kommt von&nbsp;<strong>Naughty By Nature<\/strong>, die Mitte der Neunziger einige Male die Charts st\u00fcrmen konnten. Ihre bekanntesten Hits sind wohl &#8222;Hip Hop Hooray&#8220;, &#8222;O.P.P.&#8220; und &#8222;Everything&#8217;s Gonna Be Alright&#8220;. 1996 wurde ihr Erfolg mit einem Grammy als bester Rap Act gekr\u00f6nt. Aber wem erz\u00e4hle ich das. Wer&nbsp;<em>&#8222;Naughty By Nature&#8220;<\/em>,&nbsp;<em>&#8222;19 Naughty III&#8220;<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>&#8222;Poverty&#8217;s Paradise&#8220;<\/em>&nbsp;nicht sein Eigen nennt, sollte sich wenigstens&nbsp;<em>&#8222;Nature&#8217;s Finest&#8220;<\/em>&nbsp;(Tommy Boy\/eastwest) besorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schlu\u00df ein deutscher Vertreter der HipHop-Gilde. Die Rede ist von dem Dortmunder Trio&nbsp;<strong>Too Strong<\/strong>, d.h. Der Lange (Raps), pureDoze (Sounds, Raps) und Funky Chris (Sounds, Scratches). Ihr selbst produziertes Album&nbsp;<em>&#8222;Die Drei Vonne Funkstelle&#8220;<\/em>&nbsp;(Virgin) ist von der Ruhrpott-Sickness gekennzeichnet. Die Beats sind schwer, die Texte kaum erheiternd, aber wie gewohnt selbstdefinierend. Da werden Fans von Fischmob, Absolute Beginner und 5 Sterne Deluxe ihr st\u00e4ndiges Grinsen abstreifen m\u00fcssen, denn der Ruhrpott bleibt verdammt ernst. Bei &#8222;Elektro-Funk&#8220; und &#8222;Die Drei Vonne Funkstelle&#8220; sind die Namen Programm und &#8222;2 von 7 aus 98&#8220; ist eine interessante Umsetzung eines Eurythmics-Hits (Titel leider vergessen).&nbsp;<strong>Too Strong<\/strong>&nbsp;haben ein verdammt gutes Gesp\u00fcr f\u00fcr die etwas anderen Samples. Daumen hoch f\u00fcr das engagierte Trio.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kolumnen sind besonders unter Hinternet-Mitarbeitern schwer beliebt. 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