{"id":37001,"date":"2001-04-06T11:11:00","date_gmt":"2001-04-06T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=37001"},"modified":"2022-08-29T00:00:44","modified_gmt":"2022-08-28T22:00:44","slug":"phat-world-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2001\/04\/phat-world-12\/","title":{"rendered":"Phat World (12)"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieses Mal h\u00f6rte ich mir (gr\u00f6\u00dftenteils mit Freude) All Natural, Erykah Badu, Jeep Beat Collective, Lone Catalysts, M-Boogie, J. Rawls, Self Scientists, Shyheim, Denyo, Jan Delay und Red Ribbon Beatz (Sampler) an.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong><em>Dr\u00fcben&#8230;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seit den fr\u00fchen Neunzigern verdienen sich DJ Tone B. Nimble und MC Capital D als B-Boys den n\u00f6tigen Respekt in der amerikanischen HipHop-Szene. Sie waren bereit, ihr Deb\u00fct zu ver\u00f6ffentlichen und konnten den Release kaum abwarten. Von Heute auf Morgen standen sie pl\u00f6tzlich ohne Deal da und der Traum platzte erst einmal. Sie gaben jedoch nicht auf und gr\u00fcndeten ein Label, auf dem in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden eigene Singles, Maxis und das Deb\u00fct &#8222;No Additives, No Preservatives&#8220; erschienen. Den US-Vertrieb \u00fcbernahm von Anfang an das Chicagoer Indie-Label Thrill Jockey. Und so kommt, es dass&nbsp;<strong>All Natural<\/strong>s Zweitwerk&nbsp;<em>&#8222;Second Nature&#8220;<\/em>&nbsp;(Thrill Jockey \/ EFA) auch den weiten Weg \u00fcber den Teich zu uns fand. All Natural haben \u2013 wie viele ihrer Kollegen \u2013 den Glauben an die wesentlichen Dinge des HipHops zur\u00fcck und gl\u00e4nzen mit eing\u00e4ngigen, smoothen Raps, besonnenen Texten und minimalistischen, dennoch durchaus effektvollen Beats, wie sie nicht jeden Tag an unsere Ohren dringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie ist die Mutter der Liebe. Die Vorreiterin, die Gro\u00dfartige. Sie ist und bleibt&nbsp;<strong>Erykah Badu<\/strong>. Die Grande Dame des Soul, deren Stimme Mauern zum Einst\u00fcrzen bringt.&nbsp;<em>&#8222;Mama&#8217;s Gun&#8220;<\/em>&nbsp;(Motown \/ Universal) hei\u00dft ihr neues Album. Eine schier perfekte Werkschau der Frau aus Philadelphia. Eines, das uns leider wie so oft keine Antworten auf die wichtigen Fragen des Lebens gibt. Aber immerhin h\u00e4lt es unsere Hand, steht uns bei, begleitet uns durch Dick und D\u00fcnn, erhellt unseren Tag und schenkt uns einen gl\u00fchenden Funken Hoffnung. Danke, Mutter.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ein kurzer Blick auf die Insel: Aus Manchester kommt das&nbsp;<strong>Jeep Beat Collective<\/strong>. Der Name ist allerdings nicht w\u00f6rtlich zu nehmen, denn hinter dem Kollektiv versteckt sich Dave Davies alias The Ruf, die&nbsp;<em>one man hiphop army<\/em>, die produziert, rappt, scratcht und das Label Ruf Beats lenkt. Auf&nbsp;<em>&#8222;Death Race 2001&#8220;<\/em>&nbsp;(Ruf Beats) zeigt Davies, was er auf der Pfanne hat. Glaubt man dem Bandinfo, sind John Peel, De La Soul, Freddy Fresh und Afrika Bambaataa begeisterte Fans des Briten. Kann man verstehen, denn Davies versteht sein Handwerk. Furztrockene Beats pumpen aus den Boxen, die Nadel rast \u00fcber das schwarze Gold hektisch hin und her und die MCs rappen in bester Alte Schule-Manier. Man f\u00fchlt sich an die Achtziger zur\u00fcckerinnert, als Breaken noch Volkssport war.<\/p>\n\n\n\n<p>Neu ist nicht, dass sich Qualit\u00e4t durchsetzt. Von daher wird man sicherlich noch \u00f6fter \u00fcber den Namen J. Rawls stolpern. Gerade erst ver\u00f6ffentlichte er sein vorz\u00fcgliches Soloalbum &#8222;The Essence Of J. Rawls&#8220; (siehe unten), schon steht das Album seiner Crew&nbsp;<strong>Lone Catalysts<\/strong>&nbsp;auf dem Plan. J. Rawls (Produzent) und Rapper J. Sands sind die geborenen Eigenbr\u00f6tler, die sich nicht auf finanzstarke Unterst\u00fctzung seitens der Plattenindustrie verlassen. Sie setzen ihre Ideen in Eigenregie um und k\u00fcmmern sich um das Cover, die Website und die Ver\u00f6ffentlichung des Albums. Dieser Aktionismus sollte belohnt werden.&nbsp;<em>&#8222;Hip Hop&#8220;<\/em>&nbsp;(B.U.K.A. Entertainment \/ Groove Attack) ist eines der Alben, das frischen Wind bringt und abseits der Nobel-Rapper-Szenen in Los Angeles und New York entstanden ist. Es steht ganz im Sinne des Purismus und kn\u00fcpft an die seligen Native Tongue-Zeiten (A Tribe Called Quest) an. Verspielt, jazzig, relaxt und erhaben. Hier kommen die Kaffeehaus-HipHop-Sounds des Jahres, Ladies und Gentlemen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das in Hollywood ans\u00e4ssige Label Ill Boogie, das uns bereits die Samplerreihe &#8222;Beat Junkies&#8220; sowie erste Alben von DJ Revolution und Mykill Myers bescherte, wartet ein zweites Mal mit HipHop-Produzent&nbsp;<strong>M-Boogie<\/strong>&nbsp;auf. Arbeitete er auf der ersten Ausgabe von &#8222;Laid In Full&#8220; mit Rasco, Dilated Peoples, Peanut Butter Wolf und DJ Revolution zusammen, hat er nun erneut tief im Ost- und Westk\u00fcsten-Underground gew\u00fchlt, um interessante Newcomer ins Rampenlicht zu zerren. Egal ob sie Born Allah, Jean Grae, Triple Seis (Mitglied der Terror Squad), Erule oder Buckshot hei\u00dfen, M-Boogie schenkt ihnen seine soliden, satten Beats und DJ Revolution stellt ihnen seine F\u00e4higkeiten an den Plattentellern zur Verf\u00fcgung. Zu guter Letzt wurden die St\u00fccke mit Samples versehen, die nicht so abgegriffen klingen wie die manch ihrer Kollegen. Interessant ist an&nbsp;<em>&#8222;Laid In Full, Chapter 2&#8220;<\/em>&nbsp;(Ill Boogie\/Groove Attack) vor allem der Aspekt, dass M-Boogie dem Nachwuchs eine Chance gibt. Allen voran Jean Grae, einer Rapperin, die schon jetzt mit Lil&#8216; Kim, Missy Elliott und Foxy Brown mithalten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Er ist nicht nur Mitglied der Lone Catalysts (siehe oben), nein,&nbsp;<strong>J. Rawls<\/strong>&nbsp;ist auch solo unterwegs und das als Produzent und Reimer. Haupts\u00e4chlich widmet er sich nat\u00fcrlich der Arbeit hinterm Mischpult.&nbsp;<em>&#8222;The Essence Of J. Rawls&#8220;<\/em>&nbsp;(Superrappin\/Groove Attack) wartet mit vielen Gastrappern auf. Neben seinem Lone Catalyst-Partner J. Sands sind Rubix (Reflection Eternal-Mitglied), Mr. Complex, Newcomerin Apani B. Fly, J-Live und Five Deez (ebenfalls bei den Lone Cats) am Start. W\u00e4hrend sie ihre Rhymes abfeuern, konzentriert sich der Protagonist Rawls darauf, satte Beats und Samples abzuliefern, die sich nicht zu sehr in den Vordergrund dr\u00e4ngen und den MCs gen\u00fcgend Freiraum lassen. Das Spektrum reicht von Partyburnern wie &#8222;Great Live Capper&#8220;, &#8222;Check The Clock&#8220; und &#8222;Far Away&#8220; \u00fcber 1A-Native Tongue-Querverweise in &#8222;Blue #2&#8220; bis hin zu den l\u00e4ssigen Jazzern &#8222;Blue #2 (Reprise)&#8220; und &#8222;Nommo&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich h\u00e4tte ich diese CD gar nicht rezensieren wollen, denn um der Verbreitung durch Raubkopien Vorschub zu leisten, hat man sie ohne Cover und mit immer wieder nervt\u00f6tendem St\u00f6rger\u00e4uschen versehen. Das vermindert das H\u00f6rvergn\u00fcgen erheblich. Beruhigt man jedoch die Nerven und konzentriert sich auf das, was zwischen den Brrrrriiiiiieeeppppppps ert\u00f6nt, offenbart sich dem H\u00f6rer ein Sahnest\u00fcckchen an HipHop. Chace Infinite und DJ Khalil sind die&nbsp;<strong>Self Scientific<\/strong>s und erkl\u00e4ren uns, was sie unter&nbsp;<em>&#8222;The Self Science&#8220;<\/em>&nbsp;(Sol Music Works \/ Groove Attack) verstehen. Vertr\u00e4umter, straighter HipHop der alten Schule mit Jazz- und Blues-Anleihen, einem sehr guten MC und ohne g\u00e4ngige US-Klischees. Das macht eigentlich Spa\u00df, w\u00e4re da nicht das Brrrrriiiiiieeeppppppps.<\/p>\n\n\n\n<p>Er ist erst 21 Jahre alt und hat es doch schon in den HipHop-Olymp geschafft. Will hei\u00dfen: Er hat die Ehre, sich Mitglied des Wu Tang-Imperiums zu nennen. Eine wahrlich gro\u00dfe Ehre. Dass dieses seltene Angebot nicht von Ungef\u00e4hr kommt, kann man verstehen, h\u00f6rt man sich&nbsp;<strong>Shyheim<\/strong>s neuestes Album&nbsp;<em>&#8222;Manchild&#8220;<\/em>&nbsp;(Wu Tang International \/ NTT) an. Nach &#8222;Rugged Child&#8220; (1994) und &#8222;The Lost Generation&#8220; (1996) liefert der Spr\u00f6ssling ein atemberaubendes Album ab, das nat\u00fcrlich \u2013 wie sollte es sonst sein \u2013 von Wu Tang-Mastermind RZA produziert wurde. Es scheint, als habe der zu alter Bestform zur\u00fcckgefunden. Die Raps teilt sich Shyheim mit Big L auf dem genialen Track &#8222;Furious Anger&#8220; (mit Pulp Fiction-Sample), dem gnadenlosen Method Man (&#8222;Am I My Brothers Keeper&#8220;), dem R&amp;B-S\u00e4nger Ray J (&#8222;Unconditional Love&#8220;), The PR Terrorist (&#8222;One Live To Live&#8220;) und der Soul-S\u00e4ngerin Tekitha im Titelst\u00fcck. Fazit: &#8222;Manchild&#8220; sollte man sich anh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>&#8230; und h\u00fcben.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben ihre Soloalben zusammen promotet, sie ver\u00f6ffentlichen sie am gleichen Tag und sie werden im Mai gemeinsam auf Tour gehen.&nbsp;<strong>Denyo<\/strong>&nbsp;(<em>&#8222;Minidisco&#8220;<\/em>, Buback \/ Motor \/ Universal) und&nbsp;<strong>Jan Delay<\/strong>&nbsp;(<em>&#8222;Searching For The Jan Soul Rebels&#8220;<\/em>, Buback \/ Groove Attack), eigentlich als zwei Drittel der Absoluten Beginner bekannt, wissen sich zu inszenieren. Sie legen Wert darauf, dass ihre Alben keine Konkurrenzprodukte sind. Das w\u00e4re der falsche Ansatz, denn bis auf einige wenige Parallelen sind sie sehr unterschiedlich. Beiden gleich ist die teils politische Ambition. Denyo bezieht in &#8222;Nazi, Nazi&#8220; Stellung gegen Rechts und Jan Delay gibt in &#8222;www.hitler.de&#8220; und &#8222;Die Soehne Stammheims&#8220; seine Meinung preis. Es war eben &#8222;wieder Zeit f\u00fcr einen politischen Track, Zeit f\u00fcr Ernsthaftigkeit&#8220; (Denyo). Musikalisch gehen die Beginner getrennte Wege. Denyo, unterst\u00fctzt von D-Flame, Illo 77, Das Bo und Jan Delay, bleibt dem HipHop, wie man ihn von &#8222;Bambule&#8220; her kennt, weitestgehend treu \u2013 so wie in &#8222;60 Hz&#8220; und &#8222;Lalala&#8220;. Dazu gesellen sich Sprenkel warmherzigen R&amp;Bs. Seinen Kollegen Jan Ei\u00dffeldt verschl\u00e4gt es indes in die Karibik, wo er ungeniert seine Vorliebe f\u00fcr Reggae ausleben darf. Ihm stehen Rocko Schamoni, Sam Semilia, Xavier Naidoo, D-Flame und nat\u00fcrlich Denyo zur Seite. Skeptiker werden \u00fcberrascht sein, wie \u00fcberzeugend &#8222;Minidisco&#8220; und &#8222;Searching For The Jan Soul Rebels&#8220; sind. Denyo und Ei\u00dffeldt setzen neue Ma\u00dfst\u00e4be und andere um L\u00e4ngen in den Schatten. Es darf kr\u00e4ftig applaudiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die deutsche HipHop-Gemeinde hat sich vereint, um zugunsten des &#8222;Arbeitskreises der sechs gro\u00dfen Aids-Hilfen Deutschlands&#8220; ihre Beats pumpen und ihre Reime flie\u00dfen zu lassen. Der Zweck dieser Gemeinschaftsaktion ist es, mit Hilfe des Gewinns weitere Aufkl\u00e4rungsarbeit in Sachen Aids zu unterst\u00fctzen und speziell im Kreise der HipHopper auf die weiterhin unheilbare Geschlechtskrankheit aufmerksam zu machen. Zu diesem Anlass haben Fettes Brot, Plattenpazt, F\u00fcnf Sterne Deluxe, Stieber Twins, Gentleman und Curse in ihren Archiven gew\u00fchlt, um passende Tracks zu finden, die mehr oder weniger die Thematik Beziehung ansprechen. Auch die j\u00fcngere HipHop-Generation Deutschlands lie\u00df sich nicht lange bitten, ihren Teil zur Aids-Aufkl\u00e4rung beizutragen. So sind auch Flowinimmo, Nico Suave, Dejavue und Blumentopf mit von der Partie.&nbsp;<strong>&#8222;Red Ribbon Beatz&#8220;<\/strong>&nbsp;(Bellaphon) ist eine wirklich runde Sache geworden, die Unterst\u00fctzung verdient hat.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Phat World XIII<\/em>&nbsp;erscheint irgendwann hier.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Mal h\u00f6rte ich mir (gr\u00f6\u00dftenteils mit Freude) All Natural, Erykah Badu, Jeep Beat Collective, Lone Catalysts, M-Boogie, J. 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