{"id":37002,"date":"2001-02-01T11:11:00","date_gmt":"2001-02-01T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=37002"},"modified":"2022-08-29T00:02:24","modified_gmt":"2022-08-28T22:02:24","slug":"phat-world-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2001\/02\/phat-world-11\/","title":{"rendered":"Phat World (11)"},"content":{"rendered":"\n<p>1. Februar 2001: Auf dem Plattenteller lagen und im CD-Player zirkulierten Bone Thugs-n-Harmony, Funkmaster Flex, Lina, Metabolics, Jill Scott, Wu-Tang Clan und Xzibit. Nicht zu vergessen ABS, Digger Dance und Pyranja.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Dr\u00fcben&#8230;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Anstelle der schon Monate \u00fcberf\u00e4lligen Fortf\u00fchrung ihrer Best Of\/Rarit\u00e4ten-Ramschsammlung &#8222;The Collection&#8220; hatte ich mir lieber ein neues regul\u00e4res Album der Cleveland-Rapper&nbsp;<strong>Bone Thugs-n-Harmony<\/strong>&nbsp;gew\u00fcnscht. Weit gefehlt. Nun also wieder ein paar unver\u00f6ffentlichte Tracks, Remixe, Gastbeitr\u00e4ge bei anderen und weitere Ausschlachtungen des Archivs. Nicht originell und nah an der Gesch\u00e4ftssch\u00e4digung. Die hohe Meinung, die ich immer von Bone Thugs-n-Harmony hatte, haben sie sich bald verspielt. Lieber nicht so viel mit der Wumme rumfuchteln und kriminell sein, dann m\u00fcsste der Fan nicht so lange auf Neuigkeiten warten. Die Erl\u00f6sung ist &#8222;The Collection: Volume 2&#8220; (Ruthless\/Epic\/Sony Music) keinesfalls. File under: Einfallslos.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem &#8218;Loud&#8216;-Stall kommt&nbsp;<strong>Funkmaster Flex<\/strong>. Er, bekannter New Yorker DJ, legt sein mittlerweile viertes &#8222;Mixtape&#8220; in Form des Albums &#8222;60 Minutes Of Funk. Volume IV: The Mixtape&#8220; (Loud\/Epic\/Sony Music) vor. Einmal mehr eine Gemischtwarenangelegenheit mit variationsreichem Qualit\u00e4tsanspruch. Top sind das Intro mit Dr. Dre, &#8222;Do You&#8220; (feat. DMX), &#8222;The Wickedest&#8220; (DJ Mister Cee &amp; Notorious B.I.G.), &#8222;Ante Up (Remix)&#8220; (M.O.P., Busta Rhymes, Remy Martin &amp; Tephlon) und &#8222;Words Are Weapons&#8220; (Eminem &amp; D-12). Ganz nett auch der Versuch, 2 Step einzuflicken (&#8222;How Would You Like It&#8220;). Das sind gerade einmal sechs wirklich gute Nummern. Der Rest der 26 Erg\u00fcsse ist \u2013 wie so oft \u2013 viel zu glatt, \u00f6de und aufpoliert. Ganz im Ami-Trend und f\u00fcr Fans des HipHop mit Hirn nicht zu empfehlen. F\u00fcllt aber bestimmt die Tanzfl\u00e4chen auf der n\u00e4chsten Party.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun zu einem wahren Ohrenschmaus. R&#8217;n&#8217;B und Soul sind weiterhin angesagte Erscheinungsbilder schwarzer Musik und Gott sei Dank hei\u00dft das nicht, dass uns lediglich mittelm\u00e4\u00dfige Ware der Sorte Jennifer Lopez &amp; Co. angeboten wird. Neben Jill Scott und Erykah Badu ist sicherlich auch&nbsp;<strong>Lina<\/strong>&nbsp;ganz oben auf der Beliebtheitsskala einzutragen. Die Nachwuchsk\u00fcnstlerin aus den Staaten tourte im Dezember bereits mit dem 2 Step-Aush\u00e4ngeschild Craig David, um die St\u00fccke ihres Deb\u00fcts &#8222;Stranger On Earth&#8220; (Atlantik\/Eastwest) einem breiten Publikum vorzustellen. Was Lina im direkten Vergleich zu ihren Kolleginnen auszeichnet, ist dass sie ihre Songs zum gr\u00f6\u00dften Teil selbst schreibt und produziert und ein stilistisches Breitbandspektrum auff\u00e4hrt. Hier ein paar Beispiele: &#8222;Don&#8217;t Say Nothing&#8220; ist bester orchestraler TripHop wie ihn Portishead bekannt gemacht haben. Fr\u00fcher Jazz und Swing des vergangenen Jahrhunderts in &#8222;I&#8217;m Not The Enemy&#8220;, &#8222;3rd Finger Left Hand&#8220; und &#8222;You Don&#8217;t Know&#8220;. Nicht zu vergessen die Timbaland-Einfl\u00fcsse in &#8222;Crazy Love&#8220;. All das nicht neben- sondern miteinander. Hierzu Lina: &#8222;Es ist an der Zeit, dass die Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft [der schwarzen Musik] zusammen kommen und zueinander in Verbindung gesetzt werden. Das ist es, was ich mit diesem Album zustande bringen wollte.&#8220; In allen Songs sind mehrere dieser Komponenten eingeflickt, womit f\u00fcr viel Abwechslung und ein H\u00f6rvergn\u00fcgen der etwas anderen Art gesorgt wurde. Absoluter H\u00f6hepunkt ist das 2 Step-beeinflu\u00dfte &#8222;Waiting&#8220; gegen Ende des Albums. Sollte eigentlich die Charts von ganz unten bis ganz oben in einem durchrocken.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas weniger dick tragen die nunmehr untoten&nbsp;<strong>Metabolics<\/strong>&nbsp;auf. Erst bescherten sie uns den &#8222;M-Virus&#8220;, jetzt die Auferstehung der Toten. Na super. Irgendwie meinen sie es nicht gut mit der HipHop-Gemeinde. Als n\u00e4chstes folgt bestimmt Pest, Cholera, BSE und Aids. Big Pat und Mr. Dead sind f\u00fcr diesen Unsinn zur Verantwortung zu ziehen. Ebenso wie f\u00fcr &#8222;Metabolics, Volume 2: Dawn Of The Dead&#8220; (WordSound\/EFA). Das zweite Album der beiden New Yorker ist trocken, roh, ganz old school und kommt ohne Glamour und Prahlerei aus. Das allein schon ist Grund genug, Metabolics zu lieben. Der andere sicherlich, dass die Tracks von Scotty Hard, Prince Paul, Dan The Automator und anderen exzellenten Beatbastlern produziert wurden. Wie gesagt: Diese Scheibe ist was f\u00fcr Puristen, die es zur Abwechslung mal ruhiger haben wollen und nicht f\u00fcr Schlumpfhosentr\u00e4ger.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zu den holden Weiblichkeiten: Die Frau, die The Roots ihren gro\u00dfen Hit &#8222;You Got Me&#8220; bescherte, wartet endlich mit einem Soloalbum auf. Ihr Name:&nbsp;<strong>Jill Scott<\/strong>. Die in Philadelphia ans\u00e4ssige S\u00e4ngerin ist eine Bereicherung f\u00fcr diejenigen, die Musik mit Herz und Schmerz m\u00f6gen, sprich Gefallen an R&#8217;n&#8217;B und Soul finden. Die Frage &#8222;Who Is Jill Scott?&#8220; (Hidden Beach\/Epic\/Sony Music) wird nicht mehr lange unbeantwortet im Raum stehen. Man h\u00f6re sich nur das smoothe &#8222;A Long Walk&#8220;, &#8222;Gettin&#8216; In The Way&#8220; oder &#8222;One Is The Magic #&#8220; an. Jeder Song ein Prachtst\u00fcck und ein jeder wird erst komplettiert durch die unverwechselbare Stimme der neuen R&#8217;n&#8217;B-Queen Jill Scott. Am sch\u00f6nsten ist es, wenn ihre Songs mittels traditioneller Instrumente umgesetzt werden und nicht ausschlie\u00dflich auf Konservenkl\u00e4ngen basieren. Produziert hat ihr Deb\u00fct Jazzy Townes oder besser gesagt Jazzy Jeff, Partner des Fresh Prince Will Smith. Er bettete die Stimme der Frau, die als Dichterin Anfang der Neunziger begann, in ein ergreifendes R&#8217;n&#8217;B-Fundament ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Es hat in den letzten Monaten kein HipHop-Album gegeben, das derart hei\u00dfersehnt erwartet wurde, wie das dritte Studioalbum des Clans. Seit einigen Wochen steht es in den L\u00e4den und soll dennoch in dieser Kolumne seine Erw\u00e4hnung finden. &#8222;The W&#8220; (Loud\/Epic\/Sony Music) ist nicht der erhoffte Geniestreich des&nbsp;<strong>Wu-Tang Clan<\/strong>, der alle Zweifler L\u00fcgen strafen wird. Neben ein paar lauen Tracks, finden sich aber immer noch einige echte Perlen, die nat\u00fcrlich mit Samples aus alten Kung Fu-Filmen gespickt wurden. Die Produktion \u00fcbernahm wieder RZA, um zu gew\u00e4hrleisten, dass die Ausfallquote gering wie m\u00f6glich ist. Im Gro\u00dfen und Ganzen hat er die richtige Wahl getroffen. Spritzig ist &#8222;The W&#8220; aber nicht. Wer hier jede Party rockende Tunes erwartet, sollte lieber die Finger weglassen. Das dritte Wu-Tang Clan-Album ist ruhig und mit vielen kleinen versteckten Raffinessen versehen. In einer stillen Stunde findet man wahrscheinlich einen besseren Einstieg in dieses trockene, aber \u00fcberaus interessante Album.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Zeit ist er auf Tour mit Eminem. Das bewirkt sicherlich, dass&nbsp;<strong>Xzibit<\/strong>&nbsp;demn\u00e4chst in h\u00f6here Sph\u00e4ren entschwinden darf. Er denkt, er w\u00e4re down to earth und hardcore. Im Grunde, ist er ein Macho und notgeiler Rapper mit Talent. Seien wir doch ehrlich. Was der Hype um ihn soll, kann ich nicht nachvollziehen. Au\u00dfer dass Dr. Dre wieder perfekte Arbeit am Soundboard geleistet hat, kann ich nichts besonderes an Xzibits &#8222;Restless&#8220; (Loud\/Epic\/Sony Music) finden. Durchschnittlicher US-HipHop mit G-Funk-Charme und zwei, drei netten Kollaborationen. Das reicht nicht wirklich, um nachhaltend zu wirken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8230; und h\u00fcben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Schlechte Raps sind stillos&#8220;, meinen&nbsp;<strong>ABS<\/strong>&nbsp;aus&#8217;m Pott in ihrem Song &#8222;TNT&#8220;. Von falschen Fuffzigern ist die Rede. Sprich: Die Frage der Echtheit steht wieder im Raum. Eine m\u00fchselige und unn\u00f6tige Diskussion, die sich durch die Geschichte des HipHop zieht. Ehrlich oder fake? Nein, gut oder schlecht sollte die Frage hei\u00dfen. ABS liegen in der Mitte der Pole. Die Texte auf ihrem Erstling &#8222;Kinderspiel \u2013 Leichter Getan Als Gesagt&#8220; (Fullscale\/BMG) sind zwiesp\u00e4ltig weil prollig, die musikalische Untermalung oftmals besser als die lyrischen Erg\u00fcsse der MCs Ercan (Fonzorello) und Short (Steve Austin). Das Dissen der &#8222;Kollegen&#8220;, die dritt- oder viertklassig seien, langweilt. Es w\u00e4re w\u00fcnschenswert, die Rapper der Nation w\u00fcrden sich einmal auf neue Themen st\u00fcrzen. In Sachen Beats wissen sie bereits, neue Wege zu gehen. Vielleicht folgt bald der Geist.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrenddessen im hohen Norden: Eimsbush macht keinen Stopp und z\u00fcckt&nbsp;<strong>Digger Dance<\/strong>&nbsp;aus dem \u00c4rmel. &#8222;Digger Is A Dancer E.P.&#8220; (Eimsbush\/Groove Attack) kommt direkt aus Altona und ist ein netter Einstieg f\u00fcr B\u00fclent Celebi alias B-Low (MC) und Tobias Iliev-Granow alias DJ Onslord a.k.a. Tobby Digg. Fr\u00fcher waren die beiden noch als Direkt Aktion unterwegs und nennen sich erst seit zwei Jahren Digger Dance. Nach einer 12&#8243; und zwei Samplerbeitr\u00e4gen sowie einer Tour im Vorprogramm von Deichkind soll &#8222;Digger Is A Dancer&#8220; das Altona-Duo endlich etablieren. Nicht umsonst hat Fatih Akin (&#8222;Kurz Und Schmerzlos&#8220;) das Video zum Titeltrack gedreht. Trotz des Namedroppings klingen Digger Dance zu sehr nach Deichkind und ihre Musik ist bis auf &#8222;Flow Is Fetta&#8220; und &#8222;Der Digge Shit&#8220; recht trocken arrangiert, die Raps sind monoton. Fazit: Mit Abstrichen zu empfehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Beste aus hiesigen Landen aber zum Schluss: Es ist lange her, dass eine deutsche Frau mit solch \u00fcberzeugenden Raps auf der Bildfl\u00e4che auftauchte wie es&nbsp;<strong>Pyranja<\/strong>&nbsp;tut. Ihre EP &#8222;Im Kreis&#8220; (Def Jam\/Mercury\/Universal) hievt sie auf eine Ebene mit Brixx und Meli von Skillz En Masse. F\u00fcnf Songs, die keine W\u00fcnsche offen lassen. Hoffentlich haben bald mehr Frauen den Mut, ins Rampenlicht der deutschen HipHop-Welt zu treten und dem von M\u00e4nnern dominierten Genre den Kampf anzusagen. Pyranja hat definitiv diesen Mumm, sonst w\u00fcrde sie bestimmt nicht provozierende Textzeilen wie &#8222;Ich rappe nicht von Flugzeugen, die keiner braucht&#8220; oder &#8222;Dabei stehe ich erst am Anfang und muss schon mit der Erfahrung leben, dass sich nichts \u00e4ndert au\u00dfer die Zeit&#8220; \u00fcber ihre Klippen kommen lassen. Sie wei\u00df, was sie will und ist erfrischend anders, weil tough, nicht aber dumm.<\/p>\n\n\n\n<p>Phat World XII erscheint irgendwann in den kommenden Wochen. Watch out!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Februar 2001: Auf dem Plattenteller lagen und im CD-Player zirkulierten Bone Thugs-n-Harmony, Funkmaster Flex, Lina, Metabolics, Jill Scott, Wu-Tang Clan und Xzibit. 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