{"id":37003,"date":"2000-12-16T11:11:00","date_gmt":"2000-12-16T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=37003"},"modified":"2022-08-29T00:04:29","modified_gmt":"2022-08-28T22:04:29","slug":"phat-world-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/12\/phat-world-10\/","title":{"rendered":"Phat World (10)"},"content":{"rendered":"\n<p>Auf dem Plattenteller lagen und im CD-Player zirkulierten zum Zwecke dieser Kolumne die Compilation &#8222;Battle Axe Warriors&#8220;, Capone-N-Noreaga, Live Human, der &#8218;Rawkus&#8216;-Sampler &#8222;Lyricist Lounge 2&#8220;, Outkast, Sensational, Talib Kweli &amp; DJ Hi-Tek, Discotizer &amp; Supermax, Pyranja und Skills En Masse.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong><em>Dr\u00fcben&#8230;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Beginnen m\u00f6chte ich die letzte Kolumne des Jahres 2000 mit der Compilation&nbsp;<strong><em>&#8222;Battle Axe Warriors&#8220;<\/em><\/strong>&nbsp;(Battle Axe\/PIAS\/Connected). Zu den Tracks von Buc Fifty, den Swollen Members, Moka Only, Mr. Brady und LMNO gesellen sich illustre G\u00e4ste wie Cut Father von der Rocksteady Crew, Freestyle (The Arsonists), Evidence &#8222;Dilated Peoples), Mad Lib von Lootpack und zwei Jungs von Funkdoobiest. Meist d\u00fcster, keinesfalls partym\u00e4\u00dfiger und \u00e4u\u00dferst intelligent arrangierter HipHop unterlegt mit dichten Streichern (&#8222;Go For Mine&#8220;, &#8222;Still Getting Over&#8220;), mit Spinett (&#8222;Puttin&#8216; Check Down&#8220;), mit Fl\u00f6te (&#8222;Let My Record Rotate&#8220;), mit Gitarre (&#8222;Team Work&#8220;, &#8222;Head Lock&#8220;), mit schweren Klavierakkorden (&#8222;Summer Lighting&#8220;, &#8222;Rolling Along&#8220;, &#8222;Planet Alignment&#8220;, &#8222;Mad Slide&#8220;, &#8222;Dawn Light&#8220;), mit erdr\u00fcckenden Synthie-Sounds (&#8222;Deep End&#8220;) und mit nicht n\u00e4her zu entschl\u00fcsselnden Samples irgendeines Tasteninstruments (&#8222;Elbow Room&#8220;). &#8222;Battle Axe Warriors&#8220; ist ein etwas anderes Album, weil auch ruhigeres HipHop-Album, das trotz der technischen Raffinessen alles andere als trocken oder vertrackt ist. Die Tracks lassen sich leicht nachvollziehen und der Rhythmus geht schnell ins Blut und in die Muskeln \u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wir haben es geschafft. Ich bin wieder aus dem Knast zur\u00fcckgekehrt. Nore hat auf der Strasse die Stellung gehalten. Dieses Album ist ein Meilenstein f\u00fcr uns. Wir sind bereit.&#8220; So lautet die Parole, die Kiam &#8222;Capone&#8220; Holley anl\u00e4sslich der R\u00fcckkehr von&nbsp;<strong>Capone-N-Noreaga<\/strong>&nbsp;ausgibt. Gemeinsam sind wir st\u00e4rker, dachten sich die beiden aus Queens\/New York stammenden Rapper wohl, bevor sie ihre Reunion verk\u00fcndeten. Trotz einer l\u00e4ngeren Zwangspause, die wegen des schon angesprochenen Gef\u00e4ngnisaufenthaltes von Capone Ende der Neunziger unvermeidlich war, und mehreren R\u00fcckschl\u00e4gen im privaten und gesch\u00e4ftlichen Bereich scheint das Duo eher gest\u00e4rkt denn geschw\u00e4cht zur\u00fcckzukehren. Capone-N-Noreaga haben nichts an Spritzigkeit und Raffinesse eingeb\u00fcsst. Ihr neu erst\u00e4rktes Selbstvertrauen kommt nicht von ungef\u00e4hr. Sie sind stolz darauf, sich von ganz unten nach ganz oben gek\u00e4mpft zu haben. Aussagen von Victor &#8222;Noreaga&#8220; Santiago wie &#8222;Wir haben den schlimmsten Kampf durchgestanden. Es gibt niemanden in den Strassen, der durchgemacht hat, was wir durchmachen mussten&#8220; sind ein Zeichen daf\u00fcr. So voll sie den Mund auch nehmen, die musikalische Klasse ihres Comeback-Albums&nbsp;<em>&#8222;Reunion&#8220;<\/em>&nbsp;(Tommy Boy\/EastWest) rechtfertigt diese \u00c4u\u00dferungen. Nachzuh\u00f6ren in den hervorragenden Tracks &#8222;Queens&#8220;, &#8222;Invincible&#8220;, &#8222;Brothers&#8220;, &#8222;Straight Like That&#8220;, &#8222;F*** Wit Us&#8220; und &#8222;Bang Bang&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Live Human<\/strong>&nbsp;ist eine weiter 12-Inch aus der Matador Hip Hop-Serie und schon vor einiger Zeit auf den Markt gekommen. Carlos Aguilar alias DJ Quest, Andrew Kushin und Albert Mathias geben zwei Tracks zum besten:&nbsp;<em>&#8222;Elephant&#8217;s Bliss&#8220;<\/em>&nbsp;auf der A-Seite und&nbsp;<em>&#8222;Lesson #7&#8220;<\/em>&nbsp;(Matador\/Zomba) auf der R\u00fcckseite. Vertrackte Beat-Konstrukte, Samples schie\u00dfen quer durch die Songstrukturen, jazzig-imitierter Basslauf, Hochgeschwindigkeitsscratching. Raps fehlen, st\u00f6rt aber nicht weiter. Ist sicher was f\u00fcr die Techniker unter euch.<\/p>\n\n\n\n<p>Die&nbsp;<strong><em>&#8222;Lyricist Lounge&#8220;<\/em><\/strong>&nbsp;geht in ihre zweite Runde und gibt Einblick in das &#8218;Rawkus&#8216;-Umfeld. Beeindruckend was das aus New York an unsere Ohren dringt. US-HipHop der absoluten Oberklasse mit solchen Qualit\u00e4tsgaranten wie Mos Def mit Pharoahe Monch oder mit Ghostface Killah, Q-Tip, Cocoa Brovaz, Talib Kweli &amp; Dead Prez, Sauerkrates feat. Redman, Erick Sermon feat. Sy Scott, Koll G Rap &amp; M.O.P., Big L, Dilated Peoples oder Macy Gray \u2013 um nur einige wenige der vielen zu nennen. Der mit Abstand beste HipHop-Sampler des Jahres 2000. Wen wundert&#8217;s: &#8218;Rawkus&#8216; stehen f\u00fcr hohe Qualit\u00e4t und sie scheinen diese durchaus halten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Live vom Zentrum der Erde. Sieben Lichtjahre unter der Oberfl\u00e4che. Direkt aus&nbsp;<em>&#8222;Stankonia&#8220;<\/em>&nbsp;(LaFace\/Arista), dem Ursprung von alldem, das das Attribut &#8222;funky&#8220; tr\u00e4gt. Dort l\u00e4sst sich gut leben und von dort aus senden uns&nbsp;<strong>Outkast<\/strong>&nbsp;ihr nunmehr viertes Album. Andre &#8222;Andr\u00e9 3000&#8220; Benjamin und Antwan &#8222;Big Boi&#8220; Patton kannten sich schon zu High School-Zeiten in Atlanta, waren aber erbitterte Rivalen. \u00dcberraschenderweise \u00e4nderten sie irgendwann ihre Meinung und beschlossen, gemeinsame Sache zu machen. Ein wahrer Gl\u00fccksfall f\u00fcr die weltweite HipHop-Gemeinde. Wer &#8222;Stankonia&#8220; h\u00f6rt, wird ahnen k\u00f6nnen, warum &#8222;Aquemini&#8220;, das dritte Album des Duos, die H\u00f6chstnote von der Szenebibel The Source erhielt und warum Outkast in der Vergangenheit zahlreiche Awards einheimsen konnten. Ihr \u00e4u\u00dferes Erscheinungsbild mag dem klischeehaften Auftreten anderer gleichen, aber Outkast sind was ganz besonders. Sie verstehen ihr Handwerk und verzieren funkige Beats mit ohrwurmartigen Raps. Jedes ihrer St\u00fccke ist ein Hit. Sie setzen sich im Nu im Hirn fest und wollen von dort nie mehr verschwinden. Man verzweifelt gar ob des schier unersch\u00f6pflichen Potentials der beiden Ausnahmek\u00fcnstler. Dieses Album ist ganz schwer zu toppen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Teil der Hip Hop-Serie aus dem Hause &#8218;Matador&#8216; (Vertrieb: Zomba) soll an dieser Stelle klammheimlich und allzu versp\u00e4tet nachgeschoben werden. Den Anfang machte vor einiger Zeit&nbsp;<strong>Sensational<\/strong>, ex-Mitglied der Jungle Brothers, mit&nbsp;<em>&#8222;Party Jumpin'&#8220;<\/em>. Eing\u00e4ngiger und straighter als anderes Zeugs, das ich von ihm kenne. Nicht ganz mein Fall, da ich den allzu progressiven HipHop nicht so sehr mag. Aber Sensational hat Potenzial und davon nicht unbedingt wenig. Man nannte diesen Stil auch schon &#8222;organisiertes Chaos&#8220; (CMJ).<\/p>\n\n\n\n<p>Refelection Eternal haben DJ Hi-Tek alias Tony Cortell und Talib Kweli ihr bereits 1997 initiiertes Projekt getauft. HipHop-Fans werden jetzt feuchte H\u00e4nde bekommen, schlie\u00dflich ist Talib Kweli einer der vielversprechenden Shooting Stars aus dem Rawkus-Camp. Erste Aufmerksamkeit erregte er unter dem Namen Black Star als Duettpartner von Mos Def, dem derzeitigen unangetasteten Meister des Reimens. Der Albumtitel&nbsp;<em>&#8222;Train Of Thought&#8220;<\/em>&nbsp;(Rawkus\/PIAS\/Connected) ist programmatisch zu verstehen. Laut Kweli lassen aktuelle HipHop-Alben leider allzu oft einen roten Faden vermissen. Die Songs werden thematisch zusammenhangslos aneinandergereiht. Das ist hier ganz anders. Unterst\u00fctzt von G\u00e4sten wie De La Soul, Kool G Rap, Les Nubians und nat\u00fcrlich auch Mos Def, gehen&nbsp;<strong>Talib Kweli &amp; DJ Hi-Tek<\/strong>&nbsp;zur\u00fcck zu den Wurzeln des HipHop, lassen g\u00e4ngige Klischees links liegen und pr\u00e4sentieren Texte mit viel Tiefgang und Beats und Samples, die nicht schon zigmal zuvor benutzt wurden. Sehr zu empfehlen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>&#8230; und h\u00fcben.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>H\u00fcben m\u00f6chte ich mit&nbsp;<strong>Discotizer &amp; Supermax<\/strong>&nbsp;alias F\u00fcnf Sterne Deluxe beginnen. Auf ihrer Doppel-Maxi&nbsp;<em>&#8222;Stop Talking Bull&#8220;<\/em>&nbsp;(YoMama\/Zomba) gibt es zum einen die neuen Tracks &#8222;Verst\u00e4rkerkiller&#8220; (feinster French House mit viel Bass und geh\u00f6rigem Wumms), &#8222;Das Weiss Ich Selber&#8220; (harte, schnelle Killerbeats und psychotischer Songverlauf), &#8222;Get Yo Bitch Ass Up&#8220; (m\u00f6rderisch gute Klangspielereien zwischen Techno, HipHop und House) und &#8222;Can U Dig It?&#8220; (House is in da Haus), zum anderen einige Remixe des Titelst\u00fcckes von u.a. Hans Nieswandt, Egoexpress, Kurt &#8222;Supermax&#8220; Hauenstein. Ein Leckerbissen und kleines Trostpflaster f\u00fcr das v\u00f6llig bekiffte Album &#8222;Neo.Now&#8220;, das nicht immer zu gefallen wei\u00df. Besonders zu empfehlen f\u00fcr Freunde franz\u00f6sischer&nbsp;<em>musique<\/em>&nbsp;von Etienne De Cr\u00e9cy, Daft Punk und Super Discount.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel zu lange hat die deutsche HipHop-Gemeinde auf ein neues Lebenszeichen von&nbsp;<strong>Skills En Masse<\/strong>&nbsp;warten m\u00fcssen. Jetzt endlich steht ihre zweite Maxi&nbsp;<em>&#8222;Wie Wir&#8220;<\/em>&nbsp;(Kopfnicker\/EastWest) in den L\u00e4den und r\u00fcckt damit ein weiteres Mal die Stuttgarter Kolchose-HipHopper ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Skills En Masse, das sind die in England geborenen Geschwister Marcel und Melanie Wharton und ihr DJ Emilio. Marcy und Mel leben seit 1986 in Stuttgart und wuchsen im Umfeld des Freundeskreises, wo ihr Bruder Donato \u00fcbrigens Gitarre spielt, auf. Bisherige Gastauftritte bei Afrob, Thomas D, Mr. Gentleman, DJ Friction und ihr Beitrag zu &#8222;2 Mille&#8220; (auf dem Soundtrack zu Luc Bessons Film &#8222;Taxi 2&#8220;) lie\u00dfen aufhorchen und machten neugierig auf mehr. Doch neben der Maxi &#8222;Taler, Taler \/ S.E.M. C&#8217;est La Clique&#8220; gab es bis vor kurzem keine Solover\u00f6ffentlichungen der Exilengl\u00e4nder. &#8222;Wie Wir&#8220; setzt der Wartezeit ein Ende und leitet schon jetzt die Vorfreude auf das im n\u00e4chsten Jahr anstehende Deb\u00fctalbum ein. Denn Skills En Masse sind anders. Ihre Texte sind eine angenehme Abwechslung zur szene\u00fcblichen Phrasendrescherei und leben von politischen Ideen, die sich besonders dem Ausl\u00e4nderproblem in Deutschland widmen. Sie produzieren &#8211; um die Band zu zitieren &#8222;realistische Raps \/ richtige Raps \/ zur richtigen Zeit \/ am richtigen Platz&#8220;. Und das am Fliessband.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Plattenteller lagen und im CD-Player zirkulierten zum Zwecke dieser Kolumne die Compilation &#8222;Battle Axe Warriors&#8220;, Capone-N-Noreaga, Live Human, der &#8218;Rawkus&#8216;-Sampler &#8222;Lyricist Lounge 2&#8220;, Outkast, Sensational, Talib Kweli &amp; DJ Hi-Tek, Discotizer &amp; Supermax, Pyranja und Skills En Masse.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-37003","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musik"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Kai Florian Becker","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/kaiflorian\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37003","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37003"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37003\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37003"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37003"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37003"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}