{"id":37244,"date":"2001-01-17T11:11:00","date_gmt":"2001-01-17T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=37244"},"modified":"2022-09-18T04:05:44","modified_gmt":"2022-09-18T02:05:44","slug":"lektion-21-der-speicher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2001\/01\/lektion-21-der-speicher\/","title":{"rendered":"Lektion 21: Der Speicher"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"120\" height=\"120\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/compi.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-29635\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/compi.gif 120w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/compi-60x60.gif 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Neulich, als ich auf dem Dachboden meiner tessiner Zweitvilla nach meinem alten Teddyb\u00e4ren suchte, weil mein neuer, mit dem ich meine N\u00e4chte zu verbringen pflege, unauffindbar war, neulich also auf dem Dachboden, da dachte ich so f\u00fcr mich: Das ist ja komisch. Eine anst\u00e4ndige tessiner Villa und ein anst\u00e4ndiger Computer m\u00f6gen nicht viel gemeinsam haben, aber eines doch: den Speicher. Woher kommt das? Wohin geht das? Und warum, um nicht zu fragen: wieso?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Schon die ersten Computer besa\u00dfen einen Speicher. Das war noch nicht komisch. Sie waren n\u00e4mlich so gro\u00df wie eine tessiner Villa und zehnmal so teuer. Der Speicher befand sich ganz oben und diente zur Aufbewahrung all des Tr\u00f6dels, der sich im Laufe der Zeit eben so in einem Rechner ansammelt: die Pornobildsammlung aus den seligen Jahren der s\u00fc\u00dfen Pubert\u00e4t, Programme wie &#8222;Der gro\u00dfe Akne-Terminator&#8220;, ein Renner der f\u00fchrenden europ\u00e4ischen Softwareschmiede Data Becker, oder gar die ph\u00e4nomenale Anwendung &#8222;Wir h\u00e4keln uns eine Textverarbeitung&#8220;, die besonders unter den Damen der Computergemeinde ungeheure Wertsch\u00e4tzung geno\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter, als die Rechner kleiner, die Anwender gr\u00f6\u00dfer und die Damen emanzipierter wurden, erfand man die sogenannten &#8222;Speichermedien&#8220;. Es handelte sich dabei im einzelnen um das Diskettenlaufwerk, das CD-Laufwerk , den Arbeitsspeicher und die Festplatte. Die ersten drei wurden auch &#8222;fl\u00fcchtige Speicher&#8220; genannt, weil alles, was man dorthin verfrachtete, sp\u00e4testens f\u00fcnf Sekunden sp\u00e4ter unauffindbar war, so da\u00df man es auch gleich lassen konnte. Einzig die Festplatte war ein verl\u00e4\u00dflicher Genosse und hob alles auf, was man ihr anvertraute. Das hatte aber einen gro\u00dfen Nachteil: Sie wurde sehr schnell voll und mu\u00dfte entr\u00fcmpelt werden. Zu diesem Zweck kaufte man sich 674 Disketten, lud allen Festplatteninhalt auf diese, kehrte die Platte schlie\u00dflich fein sauber aus und schmiss anschlie\u00dfend alles von den Disketten wieder auf die Festplatte, woraufhin diese zwar wieder genauso voll wie vorher wurde, aber jetzt wenigstens staubfrei. Denn merke: Der gr\u00f6\u00dfte Feind einer Festplatte ist der Staub.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter konnte man die 674 Disketten durch zwei oder drei CDs ersetzen. Man st\u00f6berte einfach in seiner privaten CD-Sammlung, w\u00e4hlte zwei oder drei besonders nervige Scheiben (z.B. von den Small Faces, Townes Van Zandt oder Joni Mitchell, \u00fcber die \u00fcbrigens eine wunderbare, bei Amazon.de zu bestellende Biografie erschienen ist, die in keinem anst\u00e4ndigen Haushalt fehlen sollte) und \u00fcbertrug nun den Inhalt der Festplatte auf diese sogenannten &#8222;Medien&#8220;. Was wiederum einen kleinen Nachteil hatte: Es klappte nicht. Erst Jahre sp\u00e4ter erfand man spezielle CDs, die keine Musik enthielten und auf die man Daten speichern konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der finsterste Gesell unter allen Speichern ist der Arbeitsspeicher. Denn er arbeitet, was schon suspekt genug ist. Kaum hat man den Rechner eingeschaltet, um sich bei einem Spielchen zu entspannen oder doch noch einmal die pubert\u00e4re Pornobildersammlung zu inspizieren, da meldet sich der Genosse auch schon mit dem Befehl, nun werde aber flei\u00dfig gearbeitet, er tue es n\u00e4mlich auch.<\/p>\n\n\n\n<p>In solchen Situationen ist es am besten, man teilt dem Arbeitsspeicher irgendeine Arbeit zu, die ihn so besch\u00e4ftigt, da\u00df er einen nicht mehr st\u00f6ren kann. &#8222;Eh Alter, deinstalliere mal mein Windows!&#8220; kann man ihm zum Beispiel zurufen oder &#8222;Los, Junge, jetzt aber mal die Festplatte geputzt. Ist ja nicht mehr auszuhalten bei dem ganzen Staub!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Besitzt man einen besonders dummen Arbeitsspeicher, macht er auch wie ihm aufgetragen, und man hat seine Ruhe. Intelligente Arbeitsspeicher hingegen weigern sich und melden: &#8222;Noch so einen Gag, mein Lieber, und ich mache \u00dcberstunden!&#8220; Dann hilft nichts mehr. Fluchend \u00f6ffnet man seine Textverarbeitung und tippt irgendeinen Text, z.B., wie G\u00fcnter Grass es macht, einen neuen Roman oder, darauf schw\u00f6rt Verona Feldbusch, 6812 mal den Buchstaben &#8222;a&#8220;, weil das so sch\u00f6n beruhigt und ja auch von der chinesischen Naturheilkunde empfohlen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend kann man jedenfalls sagen: Speicher? Das ist doch alles nostalgisches Zeugs! So wenig wie ich neulich meinen alten Teddyb\u00f6ren wiedergefunden habe, so wenig findest du im Speicher deines Rechners irgendetwas von dem, das du gerade suchst. Manchmal findest du daf\u00fcr andere sch\u00f6ne Sachen, so wie ich auf dem Dachboden meiner tessiner Villa zum Beispiel eine wunderbare Pornosammlung aus dem Jahre 1968, als Rudi Dutschke noch Rudi Dutschke war und Verona Feldbusch noch keine Br\u00fcste hatte. Aber das ist schon wieder ein anderes Kapitel im gro\u00dfen Buch der Computerwissenschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neulich, als ich auf dem Dachboden meiner tessiner Zweitvilla nach meinem alten Teddyb\u00e4ren suchte, weil mein neuer, mit dem ich meine N\u00e4chte zu verbringen pflege, unauffindbar war, neulich also auf dem Dachboden, da dachte ich so f\u00fcr mich: Das ist ja komisch. 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