{"id":37259,"date":"2003-12-18T11:11:00","date_gmt":"2003-12-18T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=37259"},"modified":"2022-09-18T03:37:47","modified_gmt":"2022-09-18T01:37:47","slug":"lektion-33-computer-und-recht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2003\/12\/lektion-33-computer-und-recht\/","title":{"rendered":"Lektion 33: Computer und Recht"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"120\" height=\"120\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/compi.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-29635\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/compi.gif 120w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/compi-60x60.gif 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der Leserbrief, zumal wenn er in rauhen Mengen von dickleibigen und alkoholisierten Brieftr\u00e4gern in die Redaktion gebracht wird, ist die Gei\u00dfel des Kolumnisten. Wiewohl so mancher recht brisanten Inhalts ist und letztlich von solch allgemeinem Interesse, dass selbst ich, der ich das Leserbriefbeantworten f\u00fcr gew\u00f6hnlich meiner neuen Praktikantin, Fr\u00e4ulein Theophile Hor-Mon, \u00fcberlasse, h\u00f6chstselbst zur Tastatur greife und die zumeist verzweifelten und nicht selten vor Rechtschreib- und anderen Fehlern nur so strotzenden Erg\u00fcsse der Leserschaft beantworte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(Anmerkung: Wenn Sie diesen Satz beim ersten Durchlesen verstanden haben, erhalten Sie das Recht, weitere zehn Hinternetseiten kostenlos zu lesen.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ja, genau. Es geht um das Recht. Um das Recht an sich, im Allgemeinen, pars pro toto, brutto f\u00fcr netto und besonders: im Internet. Ein nun aber auch derma\u00dfen hei\u00dfes Eisen, dass ich mir am liebsten die Finger daran verbrenne, wenn ich sie gerade im Ausschnitt von Fr\u00e4ulein Hor-Mon positioniert habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr Walter D\u00fcrr aus Weil am Rhein (fr\u00fcher wohnte der Scherzkeks wahrscheinlich in Warum am Neckar) schreibt mit einigem Hang zur v\u00f6lligen Verzweiflung:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLieber Experte! Seit zehn Monaten unterhalte ich eine Homepage, auf welcher in mein Steckenpferd, das Sammeln von Moorleichen und Bierdeckeln, der interessierten Welt vorstelle. Nun erhalte ich unter dem gestrigen Datum eine sogenannte `Abmahnung\u2019 des Rechtsanwaltsb\u00fcros Greifab &amp; S\u00f6hne. Ich m\u00f6chte daraus kurz zitieren:<\/p>\n\n\n\n<p>`Sehr geehrter Herr D\u00fcrr! Seit Monaten unterhalten Sie eine Homepage mit dem Namen &lt;Moorleichen-und-Bierdeckel-Sammeln.de&gt;. Dort verwenden Sie u.a. auch den Namen &lt;Walter D\u00fcrr&gt; und behaupten, dies sei IHR Name. Das mag f\u00fcr den Familiennamen stimmen. F\u00fcr den Vornamen Walter jedoch besitzen wir Titelschutz, Copyright und Urheberrechte. Hiermit untersagen wir Ihnen also erstens die Online-Verwendung des Vornamens Walter und stellen zweitens eine Abmahngeb\u00fchr von 10000 Euro in Rechnung, welche sie bitte umgehend auf untenstehenden Konto \u00fcberweisen wollen.\u2019<\/p>\n\n\n\n<p>Sie k\u00f6nnen sich vorstellen, lieber Experte, dass ich sowohl sauer als auch ratlos als auch in panischer Stimmung bin. Ist das ein Witz? Abzocke? Versteckte Kamera? Bitte kl\u00e4ren Sie mich auf!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Lieber Walter D\u00fcrr! Nein, es ist kein Witz, keine Abzocke, und auch die versteckte Kamera werden Sie in diesem Fall vergeblich suchen. \u201eGreifab und S\u00f6hne\u201c handeln v\u00f6llig im Einklang mit dem geltenden Recht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist n\u00e4mlich so: Wird ein Mensch geboren, so h\u00f6rt er quasi zwangsl\u00e4ufig auf einen Familiennamen, der qua Gewohnheitsrecht von einer Generation auf die n\u00e4chste \u00fcbergegangen ist. Es gibt also keinen eigentlichen \u201eErfinder\u201c oder besser \u201egeistigen Urheber\u201c des Namens. Und selbst wenn es ihn g\u00e4be: Sie k\u00f6nnen ja nichts daf\u00fcr, dass Sie D\u00fcrr hei\u00dfen! Ihre Eltern auch nicht!<\/p>\n\n\n\n<p>Das aber ist der springende Punkt, denn bei Ihrem sehr sch\u00f6nen Vornamen Walter liegen die Umst\u00e4nde anders. Den haben Ihnen Ihre werten Eltern aus freien St\u00fccken ausgew\u00e4hlt, d.h. der Wahl des Vornamens liegt immer eine freie Willensentscheidung zu Grunde, die nolens volens so oder so und nicht anders mit einer Verantwortung im Sinne des Strafrechts gekoppelt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war n\u00e4mlich so: Vor vielen hundert Jahren, als noch Burgen und Schl\u00f6sser auf jedem H\u00fcgel thronten und das Burgfr\u00e4ulein vom Minnes\u00e4nger flei\u00dfig angeminnt und nicht selten geschw\u00e4ngert wurde, sa\u00df man an fernsehfreien Abenden (und derer gab es in Ermangelung der Erfindung des Fernsehens mehr als genug) in der Kemenate und vertrieb sich die Zeit mit dem Selbstbasteln von Vornamen f\u00fcr die noch ungeborene Frucht des Fr\u00e4uleinleibes. Es entstanden solche Perlen der deutschen Sprache wie \u201eEdelgart\u201c, \u201eNonsensius\u201c, \u201eKarl-Interruptus\u201c oder \u201eSpermazine\u201c, und leider auch die mehr mittelalterlicher Phantasielosigkeit entstammenden \u201eR\u00fcdiger\u201c, \u201eGuido\u201c oder eben \u201eWalter\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Will sagen: Es gibt definitiv URHEBER der Vornamen und somit auch URHEBERRECHTE.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Mensch kann, wie es die Firma Greifab und S\u00f6hne tat, diese Rechte f\u00fcr sich beanspruchen, wenn sie nur nachweisen kann, IRGENDWIE und IRGENDWANN mit dem M\u00d6GLICHEN Urheber (meist ein l\u00e4ngst untergegangenes Adelsgeschlecht) verwandt gewesen zu sein oder doch immerhin VIELLEICHT&#8230; Der Gesetzgeber verf\u00e4hrt in solchen F\u00e4llen ziemlich gro\u00dfz\u00fcgig, solange man die Geb\u00fchren p\u00fcnktlich entrichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Sie bislang nicht behelligt wurden, liegt daran, dass sie Ihren Vornamen immer nur zum Privatgebrauch ge\u00e4u\u00dfert haben. Zum Beispiel sagten Sie gewiss schon einmal: \u201eHallo, Spermazine, ich bin der Walter und habe einen langen Nonsensius in der Hose.\u201c Eine solche Verwendung im kleinen Kreis ist durchaus usus und erlaubt!<\/p>\n\n\n\n<p>Anders verh\u00e4lt es sich, wenn Sie den Namen via Internet theoretisch der gesamten Menschheit mitteilen. Die Rechteinhaber (in Ihrem Fall \u201eGreifab und S\u00f6hne\u201c) geht dann von einer gewerbsm\u00e4\u00dfigen Verwendung des Namens aus. Da sie diese mit den Inhabern nicht im Vorfeld geregelt haben, d\u00fcrfen Sie sich \u00fcber eine moderate Abmahnung nicht wundern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich empfehle Ihnen daher, sich einen sogenannten \u201eInternetvornamen\u201c zuzulegen. Sie k\u00f6nnen ihn selbst erfinden und sch\u00fctzen lassen oder aber, zum Beispiel, von mir beziehen. Ich besitze die Rechte an einer Reihe wundersch\u00f6nster Namen, etwa \u201eGottfuck\u201c, \u201eJesusblasius\u201c (falls Sie gl\u00e4ubig sind) oder \u201eVollhose\u201c, \u201eQualit\u00e4tsriemen\u201c, \u201eImmermann\u201c, so Ihr Sinn eher nach den deftigeren Freuden des Lebens steht. Sagen Sie mir einfach Bescheid, und ich verkaufe Ihnen Ihren Wunschnamen f\u00fcr teuer Geld.<\/p>\n\n\n\n<p>In der n\u00e4chsten Folge unserer beliebten Kolumne vertiefen wir die Problematik Internet und Recht an zwei weiteren Leserbriefen, die jetzt hier vor mir auf dem Schreibtisch liegen. Es geht um Daniel-K\u00fcblb\u00f6ck\u2013CDs und, ganz hei\u00df, die Frage, ob ich als geb\u00fcrtiger Taliban im Internet zum Massenmord aufrufen darf und daf\u00fcr belangt werden kann, obwohl ich Mitglied der Gr\u00fcnen bin. Sie werden \u00fcberrascht sein!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Leserbrief, zumal wenn er in rauhen Mengen von dickleibigen und alkoholisierten Brieftr\u00e4gern in die Redaktion gebracht wird, ist die Gei\u00dfel des Kolumnisten. Wiewohl so mancher recht brisanten Inhalts ist und letztlich von solch allgemeinem Interesse, dass selbst ich, der ich das Leserbriefbeantworten f\u00fcr gew\u00f6hnlich meiner neuen Praktikantin, Fr\u00e4ulein Theophile Hor-Mon, \u00fcberlasse, h\u00f6chstselbst zur Tastatur [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[3767],"tags":[],"class_list":["post-37259","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wir-lernen-computer"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37259","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37259"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37259\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37259"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37259"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37259"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}