{"id":3735,"date":"2000-09-10T11:11:00","date_gmt":"2000-09-10T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/archiv\/?p=3735"},"modified":"2022-06-23T18:10:48","modified_gmt":"2022-06-23T16:10:48","slug":"manfred-krug-2-alben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/09\/manfred-krug-2-alben\/","title":{"rendered":"Manfred Krug: Das war nur ein Moment\/Ein Hauch von Fr\u00fchling"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.musik-sammler.de\/cover\/346000\/345535_300.jpg\" alt=\"Das War Nur Ein Moment \/ Ein Hauch Von Fr\u00fchling | CD (1994, Compilation)  von Manfred Krug\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Vor seiner \u00dcbersiedlung in die Bundesrepublik im Jahre 1977 war Manfred Krug nicht nur einer der gefragtesten Schauspieler der DDR, sondern auch ein beliebter S\u00e4nger und Musical- bzw. Operetten-Darsteller. Als Schauspieler konnte er im Westen fast nahtlos an diese Erfolge ankn\u00fcpfen, als S\u00e4nger startete er zwar den Versuch (an den ich mich noch dunkel erinnern kann), allerdings fand dieser wenig Beachtung, und so ist die musikalische Seite des Manfred Krug heute kaum noch gegenw\u00e4rtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist ein Jammer, denn diese beiden auf CD wiederver\u00f6ffentlichten Schallplatten aus den Siebziger Jahren sind Kostbarkeiten, deren Originalit\u00e4t und musikalischer Reichtum nicht hoch genug einzusch\u00e4tzen sind. Was Krug als S\u00e4nger, G\u00fcnther Fischer als Komponist und Arrangeur und Clemens Kerber als Texter da produzierten, ist nichts weniger als &#8211; Achtung festhalten! &#8211; gro\u00dfer DDR-Soul, real existierender Bar-Jazz oder auch intelligente, spannende, gehobene deutschsprachige Unterhaltungsmusik.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Zugegeben, in den nicht so brillanten Momenten dieser beiden Alben k\u00f6nnte man eventuell auch auf den Begriff `Schlager\u00b4 verfallen, aber da der Gesamteindruck der Werke mit dem, was heute so unter deutschem Schlager gehandelt wird, wirklich und Gott sei Dank nichts zu tun hat, solltet Ihr dieses h\u00e4\u00dfliche Wort im Krug-Zusammenhang schnell wieder vergessen. Fazit dieser haarspalterischen Reflexionen: La\u00dft mich in Ruhe, nennt es wie Ihr wollt, es ist phantastisch!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe keine Ahnung, was aus G\u00fcnther Fischer und Clemens Kerber geworden ist, aber ich bef\u00fcrchte, dieses Wissen mu\u00df man auch nicht haben. Zu eng sind &#8222;Das war nur ein Moment&#8220; und &#8222;Ein Hauch von Fr\u00fchling&#8220; an eine bestimmte Zeit, an eine Epoche der Musik und wohl auch der gesellschaftlich-kulturellen Atmosph\u00e4re gebunden, als da\u00df man heute \u00e4hnlich faszinierende Ergebnisse von den K\u00fcnstlern erwarten k\u00f6nnte. Oder einfacher gesagt: Schaut Euch an, was aus Krug geworden ist (routiniert abgedrehte, immer gleich angelegte Fernsehrollen und notorische Werbespots) und vergleicht es mit dem, was einmal war (&#8222;Spur der Steine&#8220; &#8211; f\u00fcr mich der beste deutsche Kinofilm \u00fcberhaupt).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bemerkenswerteste an diesen insgesamt 20 St\u00fccken sind die Arrangements und die von Text und Gesang ausgehende spezielle Atmosph\u00e4re, die heute kaum noch zu finden ist, schon gar nicht in der deutschsprachigen Musik.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Orchestrierung ist schlicht genial und l\u00e4\u00dft keinen Zweifel, da\u00df ein Bestandteil des imperialistischen Einflusses, den die Ostpolitik letzten Endes doch in den Arbeiter- und Bauernstaat gebracht hat, der dramatische 70er-Jahre-Soul war. Ganz deutlich ist zu erkennen, da\u00df G\u00fcnter Fischer schon mal von Marvin Gaye und Isaac Hayes und ihrer Arbeit geh\u00f6rt hat. Die Ch\u00f6re jauchzen, die Streicher schmeicheln, die Fl\u00f6ten schwelgen und Manfred Krug croont, da\u00df es eine helle Freude ist. Seine Gesangsstimme ist um einiges h\u00f6her, als es seine heutige Sprechstimme vermuten lie\u00dfe, und wenn er dann &#8222;La\u00df&#8216; mich nicht gehn, so ohne Abschiedsgru\u00df&#8220; in das Mikro haucht, dann wei\u00df der H\u00f6rer, hier wird verhandelt, was das einzig wichtige im Ost-Soul, im West-Soul und im Leben \u00fcberhaupt ist: LIEBE.<\/p>\n\n\n\n<p>In allen St\u00fccken geht es um Fr\u00fchlingsgef\u00fchle, Trennungsschmerz, Verlangen, Eifersucht, Zur\u00fcckweisung, Liebeskummer. Das volle Programm. Immer wieder essentiell und selten so ergreifend mit deutschen Texten umgesetzt. Krugs Interpretation ist im besten Sinne &#8222;lyrisch&#8220;, und das bedeutet: Keine Angst vor poetischen, stark emotionalen Formulierungen. Kenner wissen nat\u00fcrlich: Keine Sch\u00f6nheit ohne Gefahr &#8211; hier speziell besteht die Gefahr darin, gelegentlich ins Blumige, Schlagerhafte abzurutschen, manches klingt antiquiert, aber im ganzen ist diese Musik so seri\u00f6s und wahrhaftig, da\u00df alle Vergleiche mit bundesdeutschen Schlageraltlasten verstummen m\u00fcssen. Diese Songs sind absolut ungebrochen, nichts daran ist ironisch oder super-fucking-cool-and-clever, d. h. sie sind komplett 90er-Jahre-frei.<\/p>\n\n\n\n<p>Also liebe neuzeitliche Trash-Idioten, la\u00dft bitte die Finger von dieser wunderbar abgedrehten Musik. Wenn Ihr Euch unbedingt \u00fcber gef\u00fchlsbetonte deutsche Texte und schwelgerische Musik am\u00fcsieren wollt, dann bleibt bei Guildo Horn und Dieter Thomas Kuhn,-denn dort seid Ihr richtig.<\/p>\n\n\n\n<p>What&#8217;s going on, Manfred, oder: If loving you is wrong, I don&#8217;t want to be right.<\/p>\n\n\n\n<p>(km)<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden Amiga-Alben wurden 1994 von BMG auf einer CD wiederver\u00f6ffentlicht<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor seiner \u00dcbersiedlung in die Bundesrepublik im Jahre 1977 war Manfred Krug nicht nur einer der gefragtesten Schauspieler der DDR, sondern auch ein beliebter S\u00e4nger und Musical- bzw. Operetten-Darsteller. 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