{"id":3767,"date":"1997-01-08T11:11:00","date_gmt":"1997-01-08T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/archiv\/?p=3767"},"modified":"2022-04-19T03:14:10","modified_gmt":"2022-04-19T01:14:10","slug":"zum-tod-von-franquin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1997\/01\/zum-tod-von-franquin\/","title":{"rendered":"Das letzte Huba  &#8211; Zum Tod von Franquin"},"content":{"rendered":"\n<p>Franquin ist tot. Der Vater von Fantasio, Gaston und Marsupilami hat uns verlassen &#8211; und einen zweiten findst du nimmermehr. Keinen der so elegant die Tusche flie\u00dfen l\u00e4\u00dft, keinen der so trefflich die Feder schwingt. Von wem hat man das noch gesagt: Meister der lebendigen Linie? Picasso? Ah der!<\/p>\n\n\n\n<p>Wohl gibt es Adepten, Sch\u00fcler&#8230; allein, das Wasser konnt ihm keiner reichen. Hier wirkt eine Faust zu sperrig, da eine vorwitzige Haarstr\u00e4hne zu wenig vorwitzig, und die Knie schlie\u00dflich in all ihrer elastischen Spannung hat schon gar keiner der zahllosen Nachmacher hingekriegt &#8211; und ich mu\u00df gestehen, auch ich war einst ein solcher.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und das ist nicht alles, Geschichten hat er geschrieben, Geschichten mit Pointen, mit 1A-Pointen, die immer an der richtigen Stelle sa\u00dfen. Er beherrschte die gro\u00dfe Form, und auch die kleine Form, das 50-Seiten-Album genauso wie den Einzeiler und wenn ich zur\u00fcckblicke, so f\u00e4llt mir keines seiner Werke ein, das ich nicht mit Vergn\u00fcgen gelesen h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicher, Franquin war ein gottverdammter Moralist. In seinem Universum hetzte er fleischfressende Pflanzen auf B\u00fcroboten und sympatische Pelztiere auf B\u00fcrokraten und das alles, um zu zeigen, da\u00df es das B\u00f6se nur gibt, um das Gute am Ende siegen zu lassen. Und auch in seinen &#8222;Schwarzen Gedanken&#8220;, der Gegenwelt, die er als Sp\u00e4twerk schuf, und in der an allen Ecken und Enden Tod und Vernichtung triumphieren, geht es letztendlich nur darum, da\u00df Hochmut vor dem Fall kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist das der Grund, warum Franquin f\u00fcr mich nie zu den Autoren gez\u00e4hlt hat, von denen ich sagen kann, sie haben mich nachhaltig beeinflusst. Wohl habe ich mit vierzehn die Geschichten um Gaston, f\u00fcr uns damals JoJo, verschlungen, entsprachen sie doch nur zu sehr meiner pubert\u00e4ren Seelenverfassung, und mit zwanzig war ich verzaubert von der anmutigen Unschuld des Urwaldfabelwesens Marsupilami. Dennoch, sonderlich bewegt hat mich Franquin niemals, angeregt schon, und so m\u00f6chte ich die Stunden mit ihm nicht missen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich&#8217;s mir recht \u00fcberlege, so spielte er f\u00fcr uns die Rolle eines junggebliebenen Onkels und Hagestolzes, der oben unter dem Dach in einer mit viktorianischem Krimskrams vollgestopften Kammer wohnt. Man besucht ihn regelm\u00e4\u00dfig nach der Schule, um sich Kartentricks und seltene Briefmarken zeigen zu lassen. Dann zieht man weg und Jahre sp\u00e4ter h\u00f6rt man, er sei jetzt gestorben und man fragt sich, ob einer die Briefmarkensammlung bekommen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, hat keiner und ich sehe keinen der uns Franquin ersetzen k\u00f6nnte. Franquin ist tot und er fehlt uns, wie ein Schmetterling, der ausgestorben ist.<\/p>\n\n\n\n<p>(rw)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Franquin ist tot. Der Vater von Fantasio, Gaston und Marsupilami hat uns verlassen &#8211; und einen zweiten findst du nimmermehr. 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