{"id":7025,"date":"2008-11-01T11:11:00","date_gmt":"2008-11-01T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=7025"},"modified":"2022-09-08T05:23:03","modified_gmt":"2022-09-08T03:23:03","slug":"pattie-boyd-wonderful-tonight","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/11\/pattie-boyd-wonderful-tonight\/","title":{"rendered":"Pattie Boyd: Wonderful tonight"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/patti-boyd-wonderful-tonight.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/patti-boyd-wonderful-tonight.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12966\" width=\"175\" height=\"238\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/patti-boyd-wonderful-tonight.jpg 294w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/patti-boyd-wonderful-tonight-110x150.jpg 110w\" sizes=\"auto, (max-width: 175px) 100vw, 175px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Nein, die Single, die ihm seine Freundin damals zusammen mit ihrer WG-Genossin in der kleinen Bude vorspielte, mochte er nicht. &#8222;We played him &#8222;My boy Lollipop&#8220; by the Jamaican artist Millie Small, which we both thought was great. He couldn\u00b4t believe we liked such an awful song.&#8220; Der Mann hatte Geschmack. Er hie\u00df George Harrison.<\/p>\n\n\n\n<p>Und sie war die Frau an seiner Seite, seine erste Ehefrau. Viel wusste man nicht \u00fcber sie. Aber cooler konnte ein Leben doch nicht sein: Sixties-Model im Swinging London, Beatle-Gattin, Clapton-Gattin, Adressatin wundervoller Liebeslieder wie &#8222;Something&#8220;, &#8222;Layla&#8220; und &#8222;Wonderful tonight&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Pattie Boyd schien ein echtes Rolemodel f\u00fcr kleine Hipsterinnen zu sein. Aber wenn man ihre Autobiographie liest, denkt man entsetzt: Finger weg. Ein Leben an der Seite verdrogter Rockstars. Immer nur eine von vielen in der Crowd. Und zu Hause hat man nichts zu melden. Geschweige denn, dass man je ein eigenes Zuhause hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist Boyd Photographin, ihre Bilder sind in Ausstellungen zu sehen. Das d\u00fcrfte auch mit den Ber\u00fchmtheiten auf den Bildern zu tun haben: George Harrison, Eric Clapton und Co. In Boyds Rockstargattin-Leben gaben sich die Legenden die Klinke in die Hand: Mick Jagger, Marianne Faithfull, Ron Wood, die Beatles, Frank Sinatra, Mike Rutherford, Ronnie Lane&#8230; Und ihr Hobby von damals &#8211; das Photographieren &#8211; gibt Boyds Leben heute Halt. Denn die Liaisons mit ber\u00fchmten M\u00e4nnern haben sie aus der Umlaufbahn geschleudert.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber von Anfang an: die kleine Pattie w\u00e4chst zum Teil in Kenia auf, bei ihren damals noch reichen Gro\u00dfeltern. Ein paar gl\u00fccklichen Jahren folgen harte Zeiten, mit der frustrierten Mutter, dem grausamen Stiefvater und einem Kulturschock nach der R\u00fcckkehr ins kalte, strenge England. &#8222;All I knew was Africa &#8211; I could talk about lions, zebras, and elephants, and snakes coming into my bedroom, which didn\u00b4t go down at all well. They would say to each other, &#8222;Don\u00b4t talk to Pattie Boyd. She\u00b4s mad.&#8220; Die Geschwister halten zusammen, doch drumherum br\u00f6ckelt jede Sicherheit. Scheidungen, Umz\u00fcge, Schulwechsel.<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Wunder, dass Pattie bei erstbester Gelegenheit nach London flieht, um als Azubi bei Elizabeth Arden zu arbeiten. Sie rutscht ins Model-Business, und als sie ein Schulm\u00e4dchen in einem Beatles-Film spielen soll, dauert es nicht lange, bis sie die Frau an der Seite eines der Hauptdarsteller ist: &#8222;George, with velvet brown eyes and dark chestnut hair, was the best-looking man I\u00b4d ever seen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Photos von damals kennt man sie als ernst blickende, geheimnisvolle Sch\u00f6nheit, die so gar nicht zum spr\u00f6den Harrison passt. In Boyds Buch gibt\u00b4s den Blick ins &#8222;Dahinter&#8220;. Auf zun\u00e4chst sehr gl\u00fcckliche Jahre. Beide sind gerade mal um die 20, sehr sch\u00fcchtern, und es ist anr\u00fchrend zu lesen, wie Beatles-Manager Brian Epstein im Grunde ihr erstes Date lenkt. Wenn die Beatles nicht auf Tour sind, lebt Pattie Boyd tats\u00e4chlich den Traum von Millionen: sie geh\u00f6rt zum Allerheiligsten, zum Epizentrum der Beatlemania. Sie beschreibt, wie wichtig der weltl\u00e4ufige, gebildete Epstein f\u00fcr die rauhen Beatles-Jungs war. Aber auch, wie sehr er vereinsamte, als sie sich ins Studio zur\u00fcckzogen und nicht mehr tourten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Boyds Leben an der Seite eines Weltstars wird ein goldener K\u00e4fig. Luxusreisen, eine gr\u00f6\u00dfere Wohnung und schlie\u00dflich das Eheleben im Wahnsinnsanwesen &#8222;Friar Park&#8220; &#8211; Harrisons M\u00e4rchenschloss, das Pattie Boyd f\u00fcr ihn auftat. Aber Harrison will auch, dass Boyd nicht mehr arbeitet. Also gibt sie ihre Modelkarriere auf. Diese ersten &#8211; damit beendeten -Schritte in die Selbst\u00e4ndigkeit, mitten in der fiebrigen Aufbruchzeit des K\u00f6nigreichs: sie geh\u00f6ren zu den sch\u00f6nsten Passagen des Buches. Wenn Boyd erz\u00e4hlt, wie Models noch selbst f\u00fcrs Make up sorgen mussten. Und wie man Models an den dicken Taschen erkennen konnte, die sich mit sich schleppten. Gef\u00fcllt mit allen m\u00f6glichen Accessoires und Kleidungsst\u00fccken. Um diese kurze und wilde, freie Zeit im London der beginnenden Beat-\u00c4ra beneidet man Pattie Boyd noch.<\/p>\n\n\n\n<p>Und zun\u00e4chst findet das ausgebremste, aber lebenshungrige Model auch Wege, sich zu besch\u00e4ftigen. Mit einer Freundin liest sie die Zeitung: &#8222;when we came upon an advert for transcendental-meditation classes in London. Perfect.&#8220; Schritt Eins in Richtung Maharishi ist gemacht. Der Rest ist bekannt. George Harrison wird v\u00f6llig aufgehen in indischer Mystik und Religion. Und f\u00fcr Pattie Boyd sind die gl\u00fccklichen Tage vorbei. Harrison wird d\u00fcsterer, schreibt sie. Er ist oft nicht mehr ansprechbar. Und in der riesigen Menschenblase, mit der sie nun in Friar Park leben, f\u00fchlt Boyd sich verloren. Harrisons Frauengeschichten setzen ihr zu. So gibt sie schlie\u00dflich dem heftigen Werben eines Harrison-Freundes nach: dem Eric Claptons.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt wird alles noch schlimmer. Clapton hat offenbar gewaltige Drogenprobleme. Boyd beteuert zwar ihre Leidenschaft f\u00fcr Clapton, aber sie ist schlicht von einem Macho zum n\u00e4chsten gewechselt. Auch in Claptons Haus hat sie nichts zu sagen, gegen die \u00dcbermacht seines v\u00e4terlichen Managers kommt sie ohnehin nicht an. Es wird eine On-Off-Beziehung, in der sie bald zum Schluss kommt, dass sie f\u00fcr Clapton nur eine Troph\u00e4e ist: erbeutet und damit uninteressant. Sie w\u00fcrde gern schwanger, versucht es sogar mit In Vitro-Befruchtung &#8211; ohne Erfolg. Es dauert eine gef\u00fchlte Ewigkeit, bis sie aus der Beziehung zu Clapton herausfindet. Am Schluss sitzt sie auf einem Scherbenhaufen, muss sich erstmal wiederfinden und im Grunde auch wieder laufen lernen. &#8222;It was hard to go from being a rock star\u00b4s wife, with someone to take care of everything, to being an ex with nothing.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie kommt wieder auf die Beine. Mit Hilfe ihrer Photos, ihrer Freunde und ihrer Offenheit. Sie reist, sie &#8211; die begeisterte K\u00f6chin -arbeitet sich in Ern\u00e4hrungswissenschaft ein, und sie sucht Arbeit bei renommierten Fotographen. Aber erst mit Hilfe ihres Bilder-Fundus findet sie eine neue Aufgabe. Und sie nimmt die Chance dankbar an.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wonderful tonight. George Harrison, Eric Clapton, and me&#8220;: unbedingt lesen! Ein fesselndes Buch, von der ersten bis zur letzten Seite. Die spinnen, die Briten. Das geht von kleinen M\u00e4dels, die dank kolonialer Ausw\u00fcchse in Afrika aufwachsen. \u00dcber junge M\u00e4nner, die wie in einem besonders fiesen soziologischen Experiment pl\u00f6tzlich als verunsicherte, steinreiche Weltstars aufwachen und irgendwas mit ihrer Zeit anfangen m\u00fcssen. Bis hin zu einer legend\u00e4r sch\u00f6nen Frau, die quasi als Schlusswort offenbart, dass diese Vogue-Covers ein Vogue-Covergirl verdammt fertig machen. Weil das Foto eben eine Illusion ist, die man im Alltag verzweifelt versucht, aufrecht zu erhalten. Sie hat\u00b4s gepackt. Und wenn Leute sie ansprechen, ob sie nicht Pattie Boyd ist, &#8222;I give them a big smile and say, &#8222;Yes! I\u00b4m Pattie Boyd!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Pattie Boyd with Penny Junor:\n\"Wonderful tonight. George Harrison, Eric Clapton, and me\"\n(engl.) ca. 11 Euro \n(offenbar handelt es sich um die amerikanische Ausgabe - \ndas britische Original hei\u00dft lustigerweise \"Wonderful today\")<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, die Single, die ihm seine Freundin damals zusammen mit ihrer WG-Genossin in der kleinen Bude vorspielte, mochte er nicht. &#8222;We played him &#8222;My boy Lollipop&#8220; by the Jamaican artist Millie Small, which we both thought was great. He couldn\u00b4t believe we liked such an awful song.&#8220; Der Mann hatte Geschmack. Er hie\u00df George Harrison. 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