{"id":9510,"date":"2005-02-22T23:18:41","date_gmt":"2005-02-22T23:18:41","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/archiv\/?p=1335"},"modified":"2022-04-19T03:33:38","modified_gmt":"2022-04-19T01:33:38","slug":"gonzos-gone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/02\/gonzos-gone\/","title":{"rendered":"Gonzo&#8217;s gone. Ein Nachruf auf Hunter S. Thompson"},"content":{"rendered":"\n<p>Es musste ja so kommen. Hunter S. Thompson, Erfinder des &#8222;Dr. Gonzo&#8220; und, nun ja&#8230;\u00e4h, Kultbuchautor, hat sich, wie es die Presse vornehm umschrieb, &#8222;eine t\u00f6dliche Schusswunde beigebracht&#8220;. So what?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gebe zu, dass mich &#8222;Fear and Loathing in Las Vegas&#8220;, Thompsons Hauptwerk, \u00fcber weite Strecken gelangweilt hat. Vom 2001-Versand in den Endsiebzigern (waren&#8217;s die Endsiebziger? Es k\u00f6nnen nur die Endsiebziger gewesen sein) penetrant beworben, hatte ich mir das Buch gekauft, um vor allem jenen Dr. Gonzo kennenzulernen, der als Namensgeber f\u00fcr den &#8222;Gonzo-Journalismus&#8220; herhalten musste, das Gegenteil eines &#8222;Spiegel-Journalismus&#8220;, k\u00f6nnte man sagen, nicht objektiv, nicht feingeistig, nicht distanziert-ironisch, sondern halt: gonzo. Subjektiv, grob, mittendrin.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignright\"><a href=\"http:\/\/hinternet.de\/archiv\/wp-content\/uploads\/2005\/02\/fearandloathing.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/hinternet.de\/archiv\/wp-content\/uploads\/2005\/02\/fearandloathing-176x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2828\" title=\"Fear and Loathing in LasVegas\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Aber &#8222;Fear and Loathing in Las Vegas&#8220; war, obwohl es Drogen verherrlichte, Sex mit Minderj\u00e4hrigen pries und lobenswerterweise die L\u00fcge \u00fcber die Wahrheit stellte, weil die eh nur ein Fake des Wahrhaftigen sein kann, &#8222;Fear and Loathing&#8220; also war vor allem auch eins: vorhersehbar. Alles in diesem Buch. Jeder Schritt. Jede Aktion. Jeder Upper, jeder Downer, den sich die beiden Reisenden Dr. Gonzo und Mr. Duke einpfiffen. Endsiebziger, wie gesagt, und vielleicht hatte man auch einfach nur anderes im Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch: Grantler sind mir generell lieber als Feingeister, und \u00fcber &#8222;intellektuellen Humor&#8220; vermag ich schon lange nicht mehr zu lachen. Also viva Nabokov, Schmidt &amp; Thompson, denn wer Richard Nixon<br \/>einen miesen Ganoven und gnadenlosen Kriegsverbrecher nennt, hat schon einen dicken Pluspunkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gonzo-Journalismus. Auch in Deutschland gab es einen Dr. Gonzo, der f\u00fcr Sounds und sp\u00e4ter den Musikexpress schrieb, aber er hat in den Achtzigern den Verfall des Musikjournalismus ebenso wenig aufhalten k\u00f6nnen wie Hunter S. Thompson den der politischen Herolde und ihrer schreibenden Soldateska. Wohl hat noch einjeder sein Fett wegbekommen, vor allem der alte Bush, den, w\u00e4re es nach Thompson gegangen, ein Elch h\u00e4tte ficken sollen, aber daraus wurde nichts, weil Elche zu \u00e4sthetische Tiere sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Indes: Die Burschen wurden immer professioneller darin, sich das Fett wie Staub abzuwischen. Es schadet ihnen l\u00e4ngst nicht mehr, und man muss schon Michael Moore hei\u00dfen, um \u00fcberhaupt noch darauf aufmerksam zu machen, was l\u00e4uft. Das Ergebnis ist bekannt und gibt zu Optimismus keinen Anlass.<\/p>\n\n\n\n<p>Wurde es still um Thompson? Ja und nein. Ja, weil er eigentlich keine Rolle mehr spielte in den harten Zeiten der New Economy und der haarstr\u00e4ubenden politischen Dummheit, ja, weil er Kult war und blieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor etwa drei Jahren habe ich anl\u00e4sslich einer Neugestaltung meiner Bibliothek noch mal kurz in &#8222;Fear and Loathing&#8220; hineingeschaut und festgestellt, dass ich Ende der Siebziger wohl tats\u00e4chlich etwas anderes im Kopf hatte. Thompson, 67 ist er geworden, hat das Handtuch geworfen, aber ihm zu Ehren sollte man wohl tats\u00e4chlich noch einmal was von ihm lesen: &#8222;Fear and Loathing&#8220; revisited und eben &#8211; Gonzo-Journalismus, denn es k\u00f6nnte ja sein, dass er uns Heutigen doch noch etwas zu sagen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>P.S. Unter \u2192 <a href=\"http:\/\/www.gonzo.org\"> gonzo.org <\/a> gibt es alles Wissenswerte, was in diesen knappen Nachruf leider nicht mehr unterzubringen war.<\/p>\n\n\n\n<p>(dpr)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es musste ja so kommen. Hunter S. Thompson, Erfinder des &#8222;Dr. Gonzo&#8220; und, nun ja&#8230;\u00e4h, Kultbuchautor, hat sich, wie es die Presse vornehm umschrieb, &#8222;eine t\u00f6dliche Schusswunde beigebracht&#8220;. So what? Ich gebe zu, dass mich &#8222;Fear and Loathing in Las Vegas&#8220;, Thompsons Hauptwerk, \u00fcber weite Strecken gelangweilt hat. 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