{"id":967,"date":"2004-04-09T13:50:54","date_gmt":"2004-04-09T11:50:54","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/archiv\/?p=967"},"modified":"2022-07-03T23:05:33","modified_gmt":"2022-07-03T21:05:33","slug":"polka-party","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2004\/04\/polka-party\/","title":{"rendered":"Polka Party"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/hinternet.de\/archiv\/images\/jameslast\/images\/cover\/polka_party.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Oh ja, jetzt, beim zweiten St\u00fcck \u2013 nach dem eher betulichen Auftakt-\u201eSt\u00e4ndchen\u201c \u2013 groovt sich das Ding schon richtig ein. Heisst ja auch \u201eTrompeten Muckel\u201c. Jaaa! James Last spielt die psychedelischsten Polkas, die ich je geh\u00f6rt habe. Wenn <i>das<\/i> Bierzelt-Musik ist, dann will man in einem Bierzelt leben! In Wirklichkeit ist das nat\u00fcrlich keine Bierzelt-Musik. Denn Bierzelt-Musiker k\u00f6nnen in der Regel nicht swingen. Und schon gar nicht so toll blasen, wie die James-Last-Bl\u00e4ser. Das ist einfach super: da wabert der Ton noch, wenn er lange schon geblasen wird. Das geht so wellenf\u00f6rmig. Nicht: Puff = Raus. Nein: der kriegt immer noch mal in den Hintern getreten, der Ton. Auch wenn er denkt, seine Verfolger l\u00e4ngst abgesch\u00fcttelt zu haben.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wollen doch mal sehen, womit der Polka-Siegeszug von James Last begann. Schlie\u00dflich ist das die erste Folge der legend\u00e4ren Polka-Reihe: Trompeten Muckel, Sch\u00fctzenliesel, Tritsch-Tratsch, Untern Linden, Liechtensteiner Polka. She\u00b4s too fat for me, Die M\u00fchle im Schwarzwald, Flieger-Marsch, Ambo\u00df-Pola, Annen-Polka und Heinzelm\u00e4nnchens Wachtparade.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin mir sicher, die H\u00e4lfte der St\u00fccke hat er wegen ihrer tollen Namen draufgenommen. Leider kenn ich die Tritsch-Tratsch-Polka in einer wirklich kick-assenden Fassung von Max Greger. Dagegen ist das hier Wiener Walzer. Wenn auch mit tollen, strahlenden Trompeten. Ja, macht schon Super-Laune. Happy Music halt. Fr\u00f6hlich. Optimistisch. 70er. Von wann ist die hier eigentlich? Keine Ahnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Oh, die Liechtensteiner-Polka: super, super, super. Klingt wie ein Wettkampf: wer kann lauter? Die Trompeten? Die Pauke? Oder dieser rasselnde Weihnachtsbaum, der irgendwie mit ins Studio geraten sein muss und sich fortw\u00e4hrend sch\u00fcttelt? Und da h\u00f6rt man auch schon ein erstes, sch\u00fcchternes Party-Gejohle im Hintergrund, wie es ja sp\u00e4ter Markenzeichen des James-Last-Partysounds wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>She\u00b4s too fat for me: entweder schlagen die Nachbarn gleich die T\u00fcr ein und konfiszieren meinen Plattenspieler. Oder alle Trachtengruppen dieser Erde marschieren in Zweiergr\u00fcppchen und winkend in meine Wohnung ein. Hey, jetzt geht\u00b4s aber los! Uffta Uffta&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Und die ungekr\u00f6nte K\u00f6nigin der James Last-Polkas: die Ambo\u00df-Polka! Ert\u00f6nt sie in einem Studio des Saarl\u00e4ndischen Rundfunks, kann man altgediente Technikerinnen seufzen h\u00f6ren. \u201eAch, damals. Die deutsche Schlagerparade&#8230; Da haben wir mit den Single-Schallplatten nur so um uns geworfen. Konnte gar nicht schnell genug gehen, die flogen dann einfach hinter uns.\u201c Auch der Moderator jener legend\u00e4ren Deutschen Schlagerparade erinnert sich nostalgieumw\u00f6lkt: \u201eJa, die hatte diese tollen Pausen, wo man so gut reinsprechen konnte.\u201c Was wie eine Beleidigung klingt, ist die berufsbedingte Sicht eines echten Fans: Dieter Thomas Heck. Und wie bestimmt jeder wei\u00df, war diese Deutsche Schlagerparade auf der Europawelle Saar der legitime bildlose Vorl\u00e4ufer der ZDF-Hitparade. Nun, jedenfalls die Keimzelle der Idee, so was auch mal mit Bild, mit S\u00e4ngern und Live-Gesang zu machen. Und mit sichtbarem Publikum. Und nat\u00fcrlich mit Dieter Thomas Heck. Genug davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Ah, die Annen-Polka: Ach die ist das&#8230; Auch sie spielt bei einem gewissen Programm des Saarl\u00e4ndischen Rundfunks eine wichtige Rolle. Leitet sie doch die sogenannten \u201eErbschleicher\u201c ein. Die Gl\u00fcckwunsch-Liste f\u00fcr Jubilare jenseits der Bewegungsf\u00e4higkeit und meist auch der 80. Ist auch eher was f\u00fcr sich zierlich drehende F\u00fc\u00dfchen und ondulierte L\u00f6ckchen als f\u00fcr wild galoppierende Paare und schwei\u00dfnasse Haarstr\u00e4hnen in ekstatisch erhitzten Gesichtern. Wie es bei <i>echten<\/i> Polka-T\u00e4nzern sein <i>muss<\/i>!<\/p>\n\n\n\n<p>Toll nat\u00fcrlich auch die Party-Anleitung auf der Plattenh\u00fclle. Bei James Last hat die Polydor ja meistens richtige H\u00f6r-Instruktionen mitgeliefert. \u201eEs muss nicht immer Beat oder Slow sein. Wie w\u00e4r\u00b4s mal mit \u00b4ner knackigen Polka?\u201c H\u00f6r ich hier etwa eine versch\u00e4mte Rechtfertigung raus? Das darf nicht wahr sein! Sie fragen sich: was haben die Menschen in den 70ern nur zu solcher Musik getrunken? Steht alles hier drauf: \u201eein gutes Fa\u00df Bier und \u2013 auf los geht\u00b4s los.\u201c Aha. Aber es wird noch besser: \u201eDie Band tanzt aus den Rillen und dreht sich mitten unter uns.\u201c Ich m\u00f6chte einmal den Menschen, der die Covertexte f\u00fcr James Last geschrieben hat, in seiner Drogenh\u00f6lle treffen und interviewen. \u201eJames Last hilft uns auf die Spr\u00fcnge. Er wei\u00df, was m\u00fcde Leute munter macht.\u201c Der Texter sicher auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Und man vergleiche die deutschen S\u00e4tze mit der direkt daneben stehenden englischen Fassung. \u201eVersuchen Sie\u00b4s doch mal mit dieser Polka-Party. Give yourself a chance\u201c. Heisst auf englisch: \u201cTry the Polka Party. Get with it!\u2019.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, try the Polka Party! Mit dem Mann, der deutscher Humpta-Marschmusik ein freundliches, ja mild l\u00e4chelndes Antlitz mit \u00fcbergro\u00dfen Pupillen gegeben hat. Danke, Mann!<\/p>\n\n\n\n<p>Aber hat der Sch\u00f6pfer dieser wunderbaren Musik sie am Ende selbst nie geh\u00f6rt? Warum schaut er auf dem Cover so melancholisch? Warum ist die altdeutsche Schmucker-Stube hinter ihm so leer? Fehlt hier der Aufdruck: \u201eVorher\u201c? Nein, vermutlich nicht. Denn sieht man das Cover von \u201ePolka Party 2\u201c, dann kann man nur vermuten, dass sich die Konsumenten der James Last-Polkas in einer eigenen Therapiegruppe auf der geschlossen Abteilung f\u00fcr stark Suizidgef\u00e4hrdete zusammenfinden. Kann ich bitte mal den Fotografen sprechen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oh ja, jetzt, beim zweiten St\u00fcck \u2013 nach dem eher betulichen Auftakt-\u201eSt\u00e4ndchen\u201c \u2013 groovt sich das Ding schon richtig ein. Heisst ja auch \u201eTrompeten Muckel\u201c. Jaaa! James Last spielt die psychedelischsten Polkas, die ich je geh\u00f6rt habe. Wenn das Bierzelt-Musik ist, dann will man in einem Bierzelt leben! In Wirklichkeit ist das nat\u00fcrlich keine Bierzelt-Musik. 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