{"id":975,"date":"2004-04-17T15:45:41","date_gmt":"2004-04-17T15:45:41","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/archiv\/?p=975"},"modified":"2022-05-15T02:05:04","modified_gmt":"2022-05-15T00:05:04","slug":"ein-offenes-ohr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2004\/04\/ein-offenes-ohr\/","title":{"rendered":"Ein offenes Ohr"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Frl. Katja trifft James Last<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Rente &#8211; was ist das? Mit \u00fcber 70 steht James Last noch mittendrin. In der Karriere. Im Orchester. Im Leben. Und ab und zu gibt er Einblick in seine Musik. In seinem typischen schnoddrigen, unverb\u00fcmten Ton. Ein Nordlicht eben, das aber privat unter der Sonne Floridas lebt. Wenn er nicht gerade auf Tour ist&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><b>Frage:<\/b> Hunderte von Songs haben den Weg auf Ihre Alben gefunden. Wie springt da eigentlich der Funke \u00fcber, zwischen Ihnen und einem Lied? Wippt der Fu\u00df, zuckt der Ellbogen?<br \/><b>James Last:<\/b> Ja, Fu\u00df und Ellbogen. Und im Kopf muss es stimmen. Der muss mir gefallen, so\u00b4n Titel. Und er muss f\u00fcr uns spielbar sein. Oder ich mach ihn f\u00fcr uns spielbar.<br \/><b>Frage:<\/b> Wie halten Sie sich auf dem Laufenden? Gucken Sie MTV? Gehen Sie in Plattenl\u00e4den?<br \/><b>James Last:<\/b> Alles. Ich hab immer die Top Zehn zu Hause. Ich h\u00f6r mir was Neues an. Wir gehen in Shows. Man muss sich halt informieren, dabei sein.<br \/><b>Frage:<\/b> Haben Sie sich an einem St\u00fcck mal richtig die Z\u00e4hne ausgebissen?<br \/><b>James Last:<\/b> Eigentlich nicht. Wenn\u00b4s mir gef\u00e4llt, bin ich schon ganz anders bei der Sache. Wenn\u00b4s anders w\u00e4re, wird\u00b4s ja Arbeit. Mir macht die Schreiberei immer noch Spa\u00df. Ich mach das heute am Computer. Viele Leute meinen ja, mit dem Computer geht alles schneller. Das ist Bl\u00f6dsinn. Ich brauche viel mehr Zeit. Aber ich habe nat\u00fcrlich den Vorteil, dass ich vorher h\u00f6ren kann, wie\u00b4s klingt.<\/p>\n\n\n\n<p><b>Frage:<\/b> Wie lange dauert das, am Computer zu arrangieren?<br \/><b>James Last:<\/b> Wir spielen gerade eine CD ein, mit 12 Titeln. Da sitze ich bestimmt seit acht Wochen dran, am Arrangieren. Letzte Woche haben wir in unserem Studio in Florida den Rhythmus aufgenommen. Dazu haben wir die Rhythmusgruppe aus Deutschland einfliegen lassen. Dann gehen wir nach London, nehmen da die Trompeten auf. Und die andere Woche sind wir in Hamburg und nehmen den Chor auf. Und dann hoffe ich, dass das Ding im Kasten ist. Und dann gehen wir nach China und machen Tournee.<br \/><b>Frage:<\/b> Verraten Sie, was Sie gerade produzieren?<br \/><b>James Last:<\/b> Ja, das war ein Wunsch der Firma, und ich fand das ganz gut. Die haben gesagt: Mensch, \u00b465 warst Du eigentlich der erste Disc Jockey, der einen Titel nach dem anderen gespielt hat. In Medley-Form, die ganzen aktuellen Titel. Mach doch mal so was \u00c4hnliches. Die Titel von fr\u00fcher im heutigen Sound. Und da haben wir eben so\u00b4n paar alte Dinger ausgepackt. \u201eProud Mary\u2019 ist dabei, \u201cBully Bully\u2019, \u201cNa Na Hey Hey Goodbye\u2019, \u201cPretty Woman\u2019 und so weiter. Bisschen discom\u00e4\u00dfig und ein bisschen rockm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n\n\n\n<p><b>Life on stage<\/b><\/p>\n\n\n\n<p><b>Frage:<\/b> Sie machen seit \u00fcber 50 Jahren Musik. Seit rund 40 Jahren mit eigener Band. Wenn Sie runtergucken von der B\u00fchne \u2013 was hat sich ver\u00e4ndert?<br \/><b>James Last:<\/b> Ich finde, das Publikum ist aufmerksamer als fr\u00fcher. Und auch dankbarer. Sie verstehen mehr, dass sie von Sorgen und vom Alltag abgehalten werden, wenn wir auf die B\u00fchne gehen. Darin seh ich auch meine Aufgabe. Und die Musiker ziehen da toll mit. Das amerikanische Publikum ist total begeistert, wie die da oben so ausgelassen musizieren. Die Amerikaner sagen: Wir haben gute Musiker. Aber die setzen sich hin, spielen ihr Solo, packen ihr Instrument zur Seite und warten, bis sie wieder dran sind. Bei uns, in der James Last Band, denkt jeder f\u00fcr den anderen mit. Lebt mit dem anderen mit. Und das bei 40 Leuten! Wir teilen das alles. Aber nicht nur f\u00fcr uns. Sondern wir teilen uns dem Publikum mit.<br \/><b>Frage:<\/b> Das Saarbr\u00fccker Publikum durfte Sie auch schon \u00f6fters erleben. Haben Sie noch Erinnerungen an Saarbr\u00fccker Konzerte?<br \/><b>James Last:<\/b> Ja, eine ganz negative. Vor \u00fcber 20 Jahren haben wir dort mal einen Tanz in den Mai gespielt. Aber unsere Instrumente waren unterwegs verungl\u00fcckt und kamen nicht an. Nun sa\u00dfen wir da. Der Saal war voll, und wir konnten nicht arbeiten. Wir haben versucht, irgendwie Instrumente in Saarbr\u00fccken zu bekommen. Es war nicht m\u00f6glich. Abends um elf kamen die Instrumente dann an. Da haben wir noch einen los gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p><b>Auf Tuchf\u00fchlung mit den Fans<\/b><\/p>\n\n\n\n<p><b>Frage:<\/b> Sie haben total verr\u00fcckte Fans. Die merken, wenn Sie in Ihrem Schlagzeug ein Becken austauschen.<br \/><b>James Last:<\/b> So ungef\u00e4hr, ja.<br \/><b>Frage:<\/b> Kommen die auch zu Konzerten und diskutieren mit Ihnen?<br \/><b>James Last:<\/b> Ja. Ich mache grunds\u00e4tzlich beim Soundcheck die T\u00fcren auf und lass die Fans, die schon drau\u00dfen sind, rein. Oft sind schon welche um f\u00fcnf oder sechs vor der Halle. Und eine Stunde vorm Einlass geh ich runter und sprech mit denen. Ich w\u00fcrde schon sagen, dass ich ein K\u00fcnstler zum Anfassen bin. Und die Leute, die mein Leben mit so sch\u00f6n bereiten, die meinen Geschmack teilen \u2013 zumindest in der Musik \u2013 die haben ein Recht, mit mir zu sprechen. Da ergeben sich manchmal wunderbare Dinge. Viel Gutes und viel Kritisches.<br \/>Wenn wir zum Beispiel in London spielen, dann sind mindestens hundertf\u00fcnfzig Leute vorher in der Halle. Die d\u00fcrfen eigentlich gar nicht rein. Aber wenn Hansi Last sagt, das sind meine Freunde, dann d\u00fcrfen sie alle rein. Die kriegen immer ein Glas Sekt zu trinken. Denn London ist unser Meeting Place. Da treffen sich die Leute aus aller Welt. F\u00fcr die China-Tournee haben sich schon einige angemeldet, die mitfliegen. Und wenn die Engl\u00e4nder nach Deutschland kommen, dann wohnen die bei Freunden. Wenn die Deutschen nach England kommen, wohnen sie bei den Engl\u00e4ndern. Oder die Franzosen, die D\u00e4nen&#8230; Ganz Europa geht da durcheinander. Und auch Amerikaner kommen mit hier r\u00fcber und wohnen dann bei Fans.<br \/><b>Frage:<\/b> Da w\u00e4r ich auch gern mal dabei, bei so\u00b4m Soundcheck.<br \/><b>James Last:<\/b> Ja, immer. Immer herzlich willkommen.<br \/><b>Frage:<\/b> Sie haben auch ein Lied mit den Rappern von Fettes Brot gemacht. Wie kam das zustande? Wie kommt man an Sie ran?<br \/><b>James Last:<\/b> Wenn jemand zu mir kommt, dann hab ich ein offenes Ohr. Gerade bei jungen Leuten. Ich bin ihnen ja sehr zu Dank verbunden, denn die geben mir so tolle Titel. Xavier Naidoo oder die No Angels, solche Musik hat es in Deutschland fr\u00fcher nicht gegeben. Das ist viel anspruchsvoller geworden. Wenn Leute in meinem Alter mehr hinh\u00f6ren, w\u00fcrden sie feststellen, dass es viel wertvollere Musik als fr\u00fcher ist. Die Schlager waren meistens in die Schnulzenrichtung gedacht. Mit den Rappern muss man sich auseinandersetzen. Da ist eben nicht die Melodie ma\u00dfgebend, sondern der Text. Was die in den Texten loslassen, sind unheimlich wichtige Sachen. Und die lassen sich total darin aus, stehen konsequent dahinter. Das ist bei Fettem Brot auch so, und das find ich toll, mit denen zu produzieren. Ich hab old fashioned Art gemacht, sch\u00f6n arrangiert und so weiter. Und da haben die mich angerufen und gesagt, wenn wir das machen, machen wir\u00b4s wie eine Jamsession. Dann haben wir uns ins Studio gesetzt, haben da zusammengesessen und haben besprochen, was wir machen wollen. Und dann haben sie das konsequent gemacht. Ich w\u00fcrde manchem Symphonieorchester-Musiker w\u00fcnschen, sich so konsequent mit den Sachen auseinanderzusetzen, wie das die jungen Leute machen. Von wegen, die sind nicht musikalisch, die arbeiten mit Computern und so\u00b4n Kram. Das sind dumme Ausreden. F\u00fcr mich ist das nat\u00fcrlich auch \u00b4ne ganz tolle Sache, dass Puff Daddy einen Titel von mir ausgepackt und gemacht hat. Wenn man \u00fcber 70 Jahre alt ist, und dann kommt der Puff Daddy und nimmt sich so ne alte Aufnahme von James Last, und macht da seinen Rap drauf, da bin ich aber gegen die Decke gesprungen vor Freude<br \/><b>Frage:<\/b> Was war das f\u00fcr ein St\u00fcck?<br \/><b>James Last:<\/b>Das hie\u00df bei uns &#8222;Fantasie&#8220; von der CD &#8222;Seduction&#8220;. Die hab ich damals mit David Sunburn aufgenommen, war hier auch in den Top 10 drin.<\/p>\n\n\n\n<p><b>Ein Lied f\u00fcr die Insel<\/b><\/p>\n\n\n\n<p><b>Frage:<\/b> Wenn Sie auf eine einsame Insel f\u00fchren, welches Lied w\u00fcrden Sie mitnehmen?<br \/><b>James Last:<\/b> Ich glaube, das w\u00e4re &#8222;MacArthur Park&#8220;. Denn damit fing eine andere Art Musik f\u00fcr uns an, zu leben. Das hat ja damals der Richard Harris, der Schauspieler, gesungen. Und der Titel war sechs oder sieben Minuten lang. Das war der erste Titel, der so lang war und tats\u00e4chlich voll im Radio gesendet wurde. Den hab ich in New York geh\u00f6rt, hab ihn gleich f\u00fcr uns arrangiert. Und das war jeden Abend eine sehr erfolgreiche Auff\u00fchrung, wenn wir den gespielt haben.<br \/><b>Frage:<\/b> Ich glaub, ich kenn das Lied nur von Donna Summer.<br \/><b>James Last:<\/b> K\u00f6nnte sein, da gibt\u00b4s ne Discoversion von. (Singt:) <em>MacArthur Park, slepping in the dark, dadida dada&#8230;<\/em> Wunderbare Melodie ist das auch. Und die Phrasen&#8230; Von der rhythmischen Aufteilung ein sehr sch\u00f6nes Lied.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frl. Katja trifft James Last Rente &#8211; was ist das? Mit \u00fcber 70 steht James Last noch mittendrin. In der Karriere. Im Orchester. Im Leben. Und ab und zu gibt er Einblick in seine Musik. In seinem typischen schnoddrigen, unverb\u00fcmten Ton. Ein Nordlicht eben, das aber privat unter der Sonne Floridas lebt. 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