Christian Gude: Mosquito

kurzkritik.gif

Nettes Debüt. Hie und da knirscht es noch ein wenig im Gebälk, vom Potential her ist Gude aber durchaus jemand, den man im Auge behalten sollte. Wäre da nicht…

„Mosquito“ beginnt mit dem Fund einer Leiche im „Großen Woog“, einem Darmstädter See. Es stellt sich heraus, dass der Tote seit wenigstens fünfzig Jahren in Wasser und Schlick vor sich hin modert, kein leichter Fall also für Hauptkommissar Rünz. Dessen Nachforschungen führen zurück in jene Septembernacht des Jahres 1944, als britische Bomber Darmstadt in Schutt und Asche legten.

Genau in der präzisen, sogar mit Zeichnungen illustrierten Schilderung dieser Ereignisse liegt die Stärke von „Mosquito“. Ein Krimi, der auch ansonsten durch Genauigkeit überzeugt, es moderat menscheln lässt und seine Geschichte nicht ohne Humor zu erzählen versteht.

Die für Erstlingswerke obligatorischen Schwächen erwähnen wir der Ordnung halber. Protagonist Rünz kommt etwas mentally overdressed daher, leidet an Emotophobie (Angst vor Erbrechen), was den Leser auf Schritt und Tritt verfolgt, um die Ehe des Beamten steht es auch nicht so gut. Sollte sich Christian Gude mit dem Gedanken tragen, seinen Rünz zur Serienfigur auszubauen, empfehlen wir hier ein wenig Zurückhaltung. Das Phänomen, an und für sich gute Ideen auf Teufel komm raus im Text unterzubringen, selbst wenn sie den Handlungsverlauf unnötig hemmen, lässt sich auch bei Gude beobachten, ist aber zukünftig durch ein hilfreiches Lektorat, das über Duden-Hilfsarbeiten hinausgeht, in den Griff zu kriegen.

Hm, und da wären wir schon beim „Aber“. Nicht dass der Rezensent die Kommafehler in einem Text zählen würde. Aber was man sich in „Mosquito“ diesbezüglich leistet, ist des Guten zuviel. Sätze, in denen die Verwendung von Kommata für notwendige Strukturierung sorgen sollte, findet man in „Mosquito“ völlig ohne diese hilfreiche Zeichensetzung. Und das eben nicht nur vereinzelt, sondern in rauen Mengen. Ärgerlich, unverständlich, weil vermeidbar. Wenn man sich überhaupt ein Lektorat leistet.

Christian Gude: Mosquito. 
Gmeiner 2007. 322 Seiten. 9,90 €

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.