Noch Fragen?

Man muss, sagt der Verleger, die KrimileserInnen über die Schiene des Basisdemokratischen erreichen. Wenigstens das gute Gefühl, nicht nur zu konsumieren, sondern interaktiv an der Entstehung eines Meilensteines der deutschen Kriminalsekundärliteratur mitgearbeitet zu haben, das sollte man ihnen schon geben. Dann kaufen sie nämlich auch. Und, schließt der Verleger, nur darum geht es im Biz. Also.

Die erste Folge der zweiten Crime School hat, sehr erfreulich, einiges an Reaktionen gezeitigt. Für den Autor wertvolle Hinweise, wo er Schwerpunkte setzen sollte, welche Fragen am dringlichsten sind. Ja, und da wären wir auch beim Thema: Welche Fragen möchten die Leser denn noch so beantwortet haben? Wo klafft die Bildungslücke am bedrohlichsten? Interessiert es zum Beispiel jemanden, was „vor Krimi“ war? Oder sind es eher technische Fragen – Was ist ein Plot? Gibt es eine spezielle Krimisprache und wie hat sie sich entwickelt? – Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Kriminalliteratur und der Zeit, die sie hervorgebracht hat?

Geht in euch. Überlegt, was euch noch interessieren könnte, was hingegen nicht so sehr. Der Autor, der vom Zustand der Allwissenheit weit entfernt ist, wird dennoch sein Möglichstes tun, seine LeserInnen zu erhören. Natürlich fließen auch die Diskussionen der einzelnen Schulstunden in die Überlegungen zur Konzeption von „Crime School – das Buch“ (unbedingt hier vormerken lassen!) mit ein. Wenn schon demokratisch, dann bitte richtig!

10 Gedanken zu „Noch Fragen?“

  1. Eine Frage hast Du schon selbst gestellt

    „Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Kriminalliteratur und der Zeit, die sie hervorgebracht hat?“ – das würde mich sehr interessieren.

    Weiterhin: Oftmals wird die Romantik bzw. sogenannte „romantische“ Autoren als eine der Wurzeln der Kriminalliteratur gesehen. Stimmt das so, was sagst Du dazu, ist das über- oder unterbewertet? Wie wichtig etwa war E.T.A. Hoffmann – für Poe und Konsorten, aber auch für deutsche Autoren? Welche anderen „Vorläufer“ – auch außerhalb des deutschen Sprachraums, Stichwort Anne Katherine Green – gab es? Spielte etwa die „Gothic Novel“ eine Rolle (oder nicht)?

    Zeitsprung: Wie sieht es mit den Kriminalromanen nach der Jahrhundertwende aus? Dort würde ich mir Vertiefungen z.B. zu Frank Heller und anderen wünschen.

    Mir fällt sicher noch mehr ein. Wenn Du es unsinnig findest, lass es einfach weg – ich bin da sehr basisdemokratisch 😉

    Liebe Grüße
    Ludger

  2. Mich interessieren eher die stilistischen, sprachlichen Seiten. (Alles andere aber auch.) Was ist Krimi-Sprache? Wann ist ein Krimi gelungen, als Krimi? (siehe ürgendwie Haas). Wieentwickelte sich die Trivialität, wie und wann wurde mit welchem Erfolg versucht, sie zu vermeiden?

    Und jetzt kommt’s dicke: Was ist ein literarischer Krimi?

    Wo sind die Genre-Grenzen? Was kann alles in einen Krimi, was nicht? (Da bin ich mal gespannt: ich bin ja der Meinung, dass alles reinkann, wenn’s der Autor kann.)

    Was ist deine Kontonummer? Zum Lehrergehaltüberweisen?

  3. Vorankündigung: Dietrich van der Kreimskuhl – Kein Krimi! Wolf Haas und seine sogenannten Kriminalromane. Suhrkamp 2007. 490 Seiten. 24,90 €, jetzt schon mal vorbestellen!
    Danke, Leute, das ist eigentlich alles ür-gönd-wü vorgesehen. Eins muss klar sein: Ich habe nicht vor, eine „Geschichte des Kriminalromans“ zu schreiben oder mich an einer Generaldefinition zu versuchen. Was ist Krimi? kann ich mir immer nur ohne Fragezeichen vorstellen, keine Eingrenzung, sondern eben Entgrenzung. Die historischen Entwicklungslinien werden natürlich zwangsläufig gezogen werden. Gerade die Frage nach dem Zusammenhang von Krimi und „Wirklichkeit“ ist hier äußerst spannend. Und die nach der Sprache desgleichen, dear Dschordsch, dazu gibt es auch schon Überlegungen. „Literarische Krimis“ – hm, noch einmal wollen wir das nicht breittreten, aber ganz dran vorbei kommen wir selbstredend nicht. – NOCH Fragen? Anregungen?

    bye
    dpr

  4. ich finde ja extrem wichtig das thema schlechtes lektorat und schlechte übersetzung, aber das ist natürlich nicht krimispezifisch. trotzdem auch da ärgerlich, weil viele denken, ach krimis, da brauchst du dich in kein lektorat reinzusteigern, das sparen wir uns.

  5. „Ich habe nicht vor, eine „Geschichte des Kriminalromans“ zu schreiben…“

    Verständlich, trotzdem schade, da Du doch sehr viel über „alte“ Krimis geschrieben hast und interessante Autoren „ausgegraben“ hast.

    Weiterhin: Schön wären auch
    „Ästhetik des Kriminalromans des ausgehenden 20. Jahrhunderts in drei Bänden“,
    „Morphologische Studien zum Kriminalroman im deutschsprachigen Raum“
    „Die Bedeutung der Ermittlerfigur im Hinblick auf die aufklärerischen Momente des deutschen Soziokrimis“
    „Methodik des Mordens – wie wird in Kriminalromanen gestorben?“
    „Der Giftmord in der finnischen Kriminalliteratur“ sowie „‚Da habe ich Rot gesehen‘: Über die Korrelation von Haarfarbe und Kriminalroman“.

    Suhrkamp dürfte sich freuen.

    Ludger

  6. Entgrenzung. Ja, das kann ich mir vorstellen…

    Wie wäre’s mit der Frage nach, huch, „Frauenkrimis“? A. Beller und Theo Dorner und Victoria Warshawski und A. Pap Rotta und so. Oder Josephine Tey, die ich jetzt gerade komplettiert habe. Sind das Frauenkrimis? Literarische Krimis?

  7. Das wäre, lieber Ludger, reichlich vermessen, „eine Geschichte des (deutschen?) Kriminalromans“ zu versprechen…aber den einen oder anderen Schlenker gibts natürlich, etwa die auffällige Verschwisterung von Kino und Krimi in den Zwanzigern, wie sich da Techniken überblendeten, übernommen wurden etc. Die anderen von dir vorgeschlagenen Themen sich sicher HOCHINTERESSANT – aber die bearbeitet Konkurrent Wörtche ja schon, dem will ich nicht reinpfuschen.
    @Anobella: Nee, nicht krimispezifisch, aber mal sehen…
    *Georg: Frauenkrimi? Schade, ich hab schon dem Hühnerkrimi den Vorzug gegeben („Der Hühnerkrimi als Paradigma der Subgenres“). Und jetzt bitte nicht frech werden und kommentieren, Frauen und Hühner, das sei ja eigentlich…

    bye
    dpr

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