Okay, dann lektoriert mal

Ein wahllos aus einem Krimi herauskopierter Text. Der Autor fragt: Gut so? Bedenken? Einwände? IHR seid die LektorInnen! Ihr könnt hier nach Herzenslust…Wir wollen ja in Zukunft gute Krimis lesen, oder? Dann mal los!
Noch so einer mit Bügelfalten in der Trainingshose: Gupphorst; schon der Name. Hüpfte am Spielfeldrand auf der Stelle, klatschte in die Hände – was sie ihm bei einem Seminar als akustisches Motivationsmittel beigebracht hatten – schrie seine Anweisungen in grammatisch korrekten und vollständigen Sätzen aufs Feld, wo sich die Halbwüchsigkeit hinter Bällen herbemühte.

Noch keine 25 konnte der sein, dieser Lockenkopf. Selbst schon in der A-Jugend wegen offenkundiger Talentlosigkeit ausgemustert, trainierte er jetzt die B-Jugend, einer, der „mit seinen Spielern kommunizierte“, auch das seminarmäßig eingetrichtert. Lanhoff spazierte zu ihm hin, räusperte sich, als er noch zehn Meter zu gehen hatte, der soll der Gefahr ins Auge blicken, drehte sich auch tatsächlich um.
„Hallo.“
Ja, du weißt nicht, warum ich hier bin, ich hörs aus diesem einen Wort. Hör endlich auf zu hüpfen.
„Hallo. Na, wie stehn die Aktien?“
Gupphorst wie aus der Pistole: „Wir haben ein paar wirkliche Talente an Bord.“
An Bord. Soso.
„Freut mich zu hören. Sag mal…“
Ihn jetzt zu duzen, festigt das Herr-Knecht-Verhältnis. Wag bloß nicht, zurückzuduzen.
„… hättest du nicht Lust… ich bin ja nun anderweitig ziemlich involviert…mal meinen Assistenztrainer zu machen?“
Gupphorst hüpfte tatsächlich nicht mehr. Es hüpfte in ihm; das, was er Gedanken nennen dürfte, machte rhythmische Sportgymnastik für Anfänger.
„Ja, oh, äh, gerne, ich meine, das ehrt mich, ja, klar, mach ich, prima.“
Es war kurz vor Mittag, Samstag, der Bus musste gleich kommen. Einige der Spieler saßen auf der Tribüne, schauten verzagt zu ihrem Chef, der sich Gupphorst jetzt auf Armlänge genähert hatte.
„Okay. Reden wir Montagmittag drüber. Kannst du dann überhaupt?“
Gupphorst, das wusste Lanhoff natürlich, arbeitete als Sachbearbeiter bei der Stadt, öffentlicher Dienst, kein Problem, sich einen Nachmittag frei zu nehmen.
„Ich nehme mir den Nachmittag frei.“
„Schön so. Ist auch nur aushilfsweise, verstehst du? Und wir trainieren ja spätnachmittags, nur am Montag hätte ich dich halt gerne zu einer Vorbesprechung hier. Sagen wir um zwei?“
„Um zwei.“
Lanhoff tat, als verfolge er interessiert die Bemühungen der B-Jugendspieler auf dem Platz. Gupphorst folgte seinem Blick. Die Jungs schoben sich die Bälle zu, Genauigkeit beim Passspiel, aber ohne Gegenspieler, was?
„Hast du eigentlich einen Kevin in der Mannschaft?“
Gupphorst gluckste.
„Einen? Fünf!“
„Kevin Kuhn.“
„Ach der.“
Überblickte die Häupter seiner Schäfchen, blieb an einem hängen, wies drauf.
„Der da ganz links. Der jetzt mal wieder den Ball verspringen lässt. Ergänzungsspieler. Gut, wenn d…man die Brechstange braucht, einen, der auch mal mit beiden Füßen zuerst.“
Lanhoff nickte. Klar, hatte er nicht anders erwartet. Filigran war etwas anderes.
„Könntest du mir den mal herrufen?“
Konnte Gupphorst. Ohne zu wissen wozu das jetzt. War nicht sein Bier, bloß nicht danach fragen.
„Kuhn!“
Der zuckte zusammen, hob den Kopf.
„Herkommen!“
Keine Autorität, dachte Lanhoff. Der lernts nie. Kevin Kuhn setzte sich in Trab, Lanhoff hatte sich umgedreht, winkte Gupphorst zu, gab Kuhn ein Zeichen: Komm mal mit. Sie gingen Richtung Umkleidekabinen.
„Zieh dich schnell um. Zwei Minuten.“
Drei Minuten später:
„Ich hab nix davon gesagt, dass du auch noch duschen sollst.“
Kevin schaute ihn nur an.
Natürlich hockte auch Kevin bisweilen auf der Tribüne und verfolgte das Training der ersten Mannschaft. Natürlich geisterten wahre und für wahr erklärte Anekdoten durch die Reihen der Jugendspieler, Horrorfilme, Splattervideos, in deren Mittelpunkt ein Bösewicht namens Lanhoff stand, der seine Spieler mit Worten in Scheißehaufen verwandeln konnte. Das alles hatte Kevin Kuhn, der darauf bedacht war, einen Sicherheitsabstand von einem guten Meter zu Lanhoff zu halten, selbst gese-hen, gehört, sich in seiner Phantasie zurecht gelegt. Jetzt stritten in ihm Angst und Neugierde, Verwirrung und die Vorboten einer plötzlich lichkeit gewordenen Vision, er, Kevin, Abräumer mit begrenzten technischen Möglichkeiten, war IHM aufgefallen, im Raster hängengeblieben, eines zweiten Blickes für würdig befunden worden. Er würde ihn ausbilden, ja. Man brauchte auch Arbeiter, das wusste Kevin, das sagten sie ihm daheim, das sagten sie ihm in der Schule, das wurden die Fußballre-porter nicht müde zu behaupten, auch Arbeiter, nicht nur Künstler, denk bloß an den Müll, der muss ja auch irgendwie weg von der Straße.
Aber warum schleppte er ihn nun an den Umkleidekabinen vorbei zum Parkplatz, wo der Bus, mit dem die Mannschaft zum Auswärtsspiel fahren würde, jede Minute eintreffen musste?
Kevin Kuhn hatte plötzlich keine Angst mehr. Angst hat man nur, wenn man über die Dinge, die man nicht versteht, nachdenkt, und das hatte Kevin noch nie getan. Die Dinge waren die Dinge.
Er sah sich um. Die Spieler hatten die Tribüne verlassen, folgten dem seltsamen Paar zum Parkplatz, wo andere Spieler bereits warteten, schwiegen, als der Trainer, einen Pimpfen im Schlepptau, an ihnen vorbeiging, sie nicht ansah. Die haben voll die Angst, dachte Kevin Kuhn. Ich

nicht. Ich auch. Aber mir ist Angst so was von egal. Mit mir wird passieren, was passieren muss.
Weiß ich doch, du kleine Ratte. Insgeheim hoffte Lanhoff, seine Mannschaft möge verlieren. Er würde sie vor Augen und Ohren des Kleinen zusammenfalten, diese Augen und Ohren würden sehen und hören, was Angst ist, besser noch: Sie würden es fühlen. Schon in den besseren Zeiten des Mittelalters hatte man die Erfahrung gemacht, dass Angst etwas war, das mit den Sinnen aufgenommen wurde. Zeig ihnen die Instrumente. Erklär ihnen, wie Daumenschrauben und Eiserne Jungfrauen funktionieren. Lass sie zusehen, wie andere damit gequält werden. Das erzeugt die Angst, die man braucht. Nicht die Folter selbst schafft Angst, denn Schmerz verdrängt alle anderen Empfindungen, macht sogar stark. Bis zu einem gewissen Punkt, natürlich. Irgendwann ist jeder weichgeklopft.
Als sämtliche Spieler eingestiegen waren, ihre Plätze eingenommen hatten, legte Lanhoff seine Rechte auf Kevin Kuhns Hinterkopf und registrierte befriedigt, wie durch den Besitzer dieses Kopfes ein seismografisch zu erfassendes Vibrieren lief. Und er sprach:
„Du wirst jetzt mal sehen, wie das so läuft, ja?“
Kevin Kuhn versuchte zu nicken, was ihm, die Hand des Trainers auf dem Hinterkopf, gründlich misslang.
„Das volle Programm, Kleiner. Du darfst sogar zusehen, wie sie nach dem Spiel ihre Schwänzchen abduschen.“
Ich bin doch nicht schwul, dachte Kevin, aber er freute sich drauf.
„Danach gehen wir ne Runde spazieren. Wenn wir wieder daheim sind, ja? Bisschen durch den Wald.“
Ach du Scheiße. Vielleicht ist DER schwul?
„Und dann stelle ich dir eine Frage, und diese Frage wirst du mir wahrheitsgemäß beantworten. Du weißt doch, was wahrheitsgemäß bedeutet?“
Werds schon rausfinden, war sich Kevin sicher, und scheiterte beim zweiten Versuch zu nicken.
„Wunderbar. Und jetzt steig ein. Gleich die erste Bank. Setz dich ans Fenster und genieß die Fahrt.“

31 Gedanken zu „Okay, dann lektoriert mal“

  1. Da ist ein Umbruchfehler drin, und mindestens zwei Kommas fehlen. Und ein Bindestrich zuviel –

    Ansonsten isses ok. Aber richtig lektorieren kann ich erst, wenn ich den ganzen Text habe. Hier könnte ich nur etwas rumkorrigieren. Und das ist denn doch was anderes.

  2. ach, dann probiere ich es doch mal, wenn georg gerade nicht kann.
    *fleißkärtchen

    guter text. macht spaß zu lesen, voller kniffs und tricks. nur ein paar kleinigkeiten … unterstrichenes sind streichungsvorschläge.

    Noch so einer mit Bügelfalten in der Trainingshose: Gupphorst; schon der Name. Hüpfte am Spielfeldrand auf der Stelle, klatschte in die Hände – was sie ihm bei einem Seminar als akustisches Motivationsmittel beigebracht hatten – schrie seine Anweisungen in grammatisch korrekten und vollständigen Sätzen aufs Feld, wo sich die Halbwüchsigkeit hinter Bällen herbemühte.
    Noch keine 25 konnte der sein, dieser Lockenkopf. Selbst schon in der A-Jugend wegen offenkundiger Talentlosigkeit ausgemustert, trainierte er jetzt die B-Jugend, einer, der „mit seinen Spielern kommunizierte“, auch das seminarmäßig eingetrichtert. Lanhoff spazierte zu ihm hin, räusperte sich, als er noch zehn Meter zu gehen hatte, der soll der Gefahr ins Auge blicken, drehte sich auch tatsächlich um.
    „Hallo.“
    Ja, du weißt nicht, warum ich hier bin, ich hörs aus diesem einen Wort. Hör endlich auf zu hüpfen.
    „Hallo. Na, wie stehn die Aktien?“
    Gupphorst wie aus der Pistole: „Wir haben ein paar wirkliche Talente an Bord.“
    An Bord. Soso.
    „Freut mich zu hören. Sag mal…“
    Ihn jetzt zu duzen, festigt das Herr-Knecht-Verhältnis. Wag bloß nicht, zurückzuduzen.
    „… hättest du nicht Lust… ich bin ja nun anderweitig ziemlich involviert…mal meinen Assistenztrainer zu machen?“
    Gupphorst hüpfte tatsächlich nicht mehr. Es hüpfte in ihm; das, was er Gedanken nennen dürfte, machte rhythmische Sportgymnastik für Anfänger.
    „Ja, oh, äh, gerne, ich meine, das ehrt mich, ja, klar, mach ich, prima.“
    Es war kurz vor Mittag, Samstag, der Bus musste gleich kommen. Einige der Spieler saßen auf der Tribüne, schauten verzagt zu ihrem Chef, der sich Gupphorst jetzt auf Armlänge genähert hatte.
    „Okay. Reden wir Montagmittag drüber. Kannst du dann überhaupt?“
    Gupphorst, das wusste Lanhoff natürlich, arbeitete als Sachbearbeiter bei der Stadt, öffentlicher Dienst, kein Problem, sich einen Nachmittag frei zu nehmen.
    „Ich nehme mir den Nachmittag frei.“
    „Schön so. Ist auch nur aushilfsweise, verstehst du? Und wir trainieren ja spätnachmittags, nur am Montag hätte ich dich halt gerne zu einer Vorbesprechung hier. Sagen wir um zwei?“
    „Um zwei.“
    Lanhoff tat, als verfolge er interessiert die Bemühungen der B-Jugendspieler auf dem Platz. Gupphorst folgte seinem Blick. Die Jungs schoben sich die Bälle zu, Genauigkeit beim Passspiel, aber ohne Gegenspieler, was?
    „Hast du eigentlich einen Kevin in der Mannschaft?“
    Gupphorst gluckste grinste. (männlicher)
    „Einen? Fünf!“
    „Kevin Kuhn.“ Na ja. Namensgebung?
    „Ach der.“
    Überblickte die Häupter seiner Schäfchen, blieb an einem hängen, wies drauf.
    „Der da ganz links. Der jetzt mal wieder den Ball verspringen lässt. Ergänzungsspieler. Gut, wenn d…man die Brechstange braucht, einen, der auch mal mit beiden Füßen zuerst.“ ???
    Lanhoff nickte. Klar, hatte er nicht anders erwartet. Filigran war etwas anderes.
    „Könntest du mir den mal herrufen?“
    Konnte Gupphorst. Ohne zu wissen wozu das jetzt. War nicht sein Bier, bloß nicht danach fragen.
    „Kuhn!“
    Der zuckte zusammen, hob den Kopf.
    „Herkommen!“
    Keine Autorität, dachte Lanhoff. Der Lernts nie. Kevin Kuhn setzte sich in Trab, Lanhoff hatte sich umgedreht, winkte Gupphorst zu, gab Kuhn ein Zeichen: Komm mal mit. Sie gingen Richtung Umkleidekabinen.
    „Zieh dich schnell um. Zwei Minuten.“
    Drei Minuten später:
    „Ich hab nix davon gesagt, dass du auch noch duschen sollst.“ (Superszene)
    Kevin schaute ihn nur an.
    Natürlich hockte auch Kevin bisweilen auf der Tribüne und verfolgte das Training der ersten Mannschaft. Natürlich geisterten wahre und für wahr erklärte unwahre Anekdoten durch die Reihen der Jugendspieler, Horrorfilme, Splattervideos, in deren Mittelpunkt ein Bösewicht namens Lanhoff stand, der seine Spieler mit Worten in Scheißehaufen verwandeln konnte. Das alles hatte Kevin Kuhn, der darauf bedacht war, einen Sicherheitsabstand von einem guten Meter zu Lanhoff zu halten, selbst gese-hen, gehört, sich in seiner Phantasie zurecht gelegt. Jetzt stritten in ihm Angst und Neugierde, Verwirrung und die Vorboten einer plötzlich lichkeit gewordenen Vision, er, Kevin, Abräumer mit begrenzten technischen Möglichkeiten, war IHM aufgefallen, im Raster hängengeblieben, eines zweiten Blickes für würdig befunden worden. Er würde ihn ausbilden, ja. Man brauchte auch Arbeiter, das wusste Kevin, das sagten sie ihm daheim, das sagten sie ihm in der Schule, das wurden die Fußballre-porter nicht müde zu behaupten, auch Arbeiter, nicht nur Künstler, denk bloß an den Müll, der muss ja auch irgendwie weg von der Straße.
    Aber warum schleppte er ihn nun an den Umkleidekabinen vorbei zum Parkplatz, wo der Bus, mit dem die Mannschaft zum Auswärtsspiel fahren würde, jede Minute eintreffen musste?
    Kevin Kuhn hatte plötzlich keine Angst mehr. Angst hat man nur, wenn man über die Dinge, die man nicht versteht, nachdenkt, und das hatte Kevin noch nie getan. Die Dinge waren die Dinge. Ich weiß zwar, was gemeint ist, trotzdem besser pointierten
    Er sah sich um. Die Spieler hatten die Tribüne verlassen, folgten dem seltsamen Paar zum Parkplatz, wo andere Spieler bereits warteten, schwiegen, als der Trainer, einen Pimpfen im Schlepptau, an ihnen vorbeiging, sie nicht ansah. Die haben voll die Angst, dachte Kevin Kuhn. nicht anbiedern Ich

    nicht. Ich auch. Aber mir ist Angst so was von egal. Mit mir wird passieren, was passieren muss.
    Weiß ich doch, du kleine Ratte. Insgeheim hoffte Lanhoff, seine Mannschaft möge verlieren. Er würde sie vor Augen und Ohren des Kleinen zusammenfalten, diese Augen und Ohren würden sehen und hören, was Angst ist, besser noch: Sie würden es fühlen. Schon in den besseren Zeiten des Mittelalters hatte man die Erfahrung gemacht, dass Angst etwas war, das mit den Sinnen aufgenommen wurde. Zeig ihnen die Instrumente. Erklär ihnen, wie Daumenschrauben und Eiserne Jungfrauen funktionieren. Lass sie zusehen, wie andere damit gequält werden. Das erzeugt die Angst, die man braucht. Nicht die Folter selbst schafft Angst, denn Schmerz verdrängt alle anderen Empfindungen, macht sogar stark. Bis zu einem gewissen Punkt, natürlich. Irgendwann ist jeder weichgekloppt.
    Als sämtliche Spieler eingestiegen waren, ihre Plätze eingenommen hatten, legte Lanhoff seine Rechte auf Kevin Kuhns Hinterkopf und registrierte befriedigt, wie durch den Besitzer dieses Kopfes ein seismografisch zu erfassendes Vibrieren lief. Und er sprach:
    „Du wirst jetzt mal sehen, wie das so läuft, ja?“
    Kevin Kuhn versuchte zu nicken, was ihm, die Hand des Trainers auf dem Hinterkopf, gründlich misslang. schön
    „Das volle Programm, Kleiner. Du darfst sogar zusehen, wie sie nach dem Spiel ihre Schwänzchen abduschen.“
    Ich bin doch nicht schwul, dachte Kevin, aber er freute sich drauf.
    „Danach gehen wir ne Runde spazieren. Wenn wir wieder daheim sind, ja? Bisschen durch den Wald.“
    Ach du Scheiße. Vielleicht ist DER schwul?
    „Und dann stelle ich dir eine Frage, und diese Frage wirst du mir wahrheitsgemäß beantworten. Du weißt doch, was wahrheitsgemäß bedeutet?“
    Werds schon rausfinden, war sich Kevin sicher, und scheiterte beim zweiten Versuch zu nicken. *lacht
    „Wunderbar. Und jetzt steig ein. Gleich die erste Bank. Setz dich ans Fenster und genieß die Fahrt.“

  3. Der Satz bitte nochmal:

    Natürlich geisterten wahre und unwahre Anekdoten durch die Reihen der Jugendspieler, Horrorfilme, Splattervideos, in deren Mittelpunkt ein Bösewicht namens Lanhoff stand, der seine Spieler mit Worten in Scheißhaufen verwandeln konnte.

    Wer hats denn geschrieben?

  4. Oh nee … die Unterstreichenfunktion funktioniert hier nicht. Also noch:

    „Ich nehme mir den Nachmittag frei.“
    Satz weg

    Weiß ich doch, du kleine Ratte.
    „kleine“ weg

    Die haben voll die Angst, dachte Kevin Kuhn.
    „voll“ weg, nicht anbiedern

  5. Nun gut, auch wenn der Text hier weitgehend durchgewunken wird, in meinen Augen hat er zahlreiche Probleme.

    Sprachlich ist teilweise der Flow, der Rhythmus gestört: Zu fett, zu schwer, zu lange Sätze, zu umständlich.

    was sie ihm bei einem Seminar als akustisches Motivationsmittel beigebracht hatten warum das Adjektiv „akustisches“ und überhaupt zu kompliziert: warum nicht „Folge eines Motivationsseminars“ [oder was für ein Seminar das auch immer gewesen sein mag]

    Warum in grammatisch korrekten und vollständigen Sätzen aufs Feld und nicht einfach „in korrekten und vollständigen Sätzen aufs Feld“

    seminarmäßig eingetrichtert klingt nicht gut, entweder Slang oder der Wortteil „mäßig“ impliziert m.M. eine Ähnlichkeit, also doch kein Seminar. Warum, nicht „im Seminar angelernt“

    Lanhoff nickte. Klar, hatte er nicht anders erwartet. Filigran war etwas anderes.
    „Könntest du mir den mal herrufen?“
    Konnte Gupphorst. Ohne zu wissen wozu das jetzt. War nicht sein Bier, bloß nicht danach fragen.
    Warum nicht: „Lanhoff nickte. ’Könntest du mir den mal herrufen?’ Konnte Gupphorst. Ohne zu wissen wozu das jetzt.“

    Statt Anekdoten besser „Geschichten“ [Anekdoten, Horrorfilme, Splattervideos eine eigentümliche Reihung]

    Kevin Kuhn hatte plötzlich keine Angst mehr. Ist nicht überzeugend, vorher hatte er ja auch keine richtige Angst, sondern Angst und Neugier stritten miteinander und woher kommt das plötzlich, passt auch nicht zum folgenden Satz. Angst hat man nur, wenn man über die Dinge, die man nicht versteht, nachdenkt, und das hatte Kevin noch nie getan. Die Dinge waren die Dinge. Breiig, quarkig, umständlich

    Vielleicht stimmiger „Nein, Kevin hatte nicht wirklich Angst. Angst hat nur, wer über die Dinge nachdenkt, die er nicht versteht und das hatte Kevin noch nie gemacht: Die Dinge waren die Dinge.“

    Die Spieler hatten die Tribüne verlassen, folgten dem seltsamen Paar zum Parkplatz, wo andere Spieler bereits warteten, schwiegen, als der Trainer, einen Pimpfen im Schlepptau, an ihnen vorbeiging, sie nicht ansah. „schwiegen“ stört mich, ebenso dass „das seltsames Paar“ und „Trainer, einen Pimpfen im Schlepptau“ zweimal in einem Absatz auf die Beiden Bezug nimmt.

    Und dann dieser Wechsel der Perspektive. Lanhoff dritte Person, Lanhoff erste Person und manchmal ist eigentlich nicht erkennbar [soll vielleicht auch nicht], welcher von beiden Erzählern spricht Gupphorst hüpfte tatsächlich nicht mehr. Es hüpfte in ihm; das, was er Gedanken nennen dürfte, machte rhythmische Sportgymnastik für Anfänger. passt natürlich zu Lahnhoff erste Person, passt aber auch zum Erzähler am Anfang der sich übers Seminar belustigt hatte … stört mich, lenkt ab, wirkt zerfahren.

    Die Dialoge wirken nicht ganz passend […] Gut, wenn d…man die Brechstange braucht, einen, der auch mal mit beiden Füßen zuerst.“ ich gebe zu, dass ich nicht jeden Tag auf den Sportplatz bin, aber gerade diesen abgebrochenen Satz verstehe ich nicht.

    So jetzt langt es. Einiges gäbe es noch

    Beste Grüße

    bernd

  6. der einwand gegen die eigentümlichkeit der reihung ist vollkommen richtig – anekdoten, horror, splatter.

    der slang hingegen ist gefällt mir, der hat einen rhythmus, da darf man nicht zu genau reingehen, die dialoge auch. mit dem perspektivenwechsel hatte ich auf den ersten blick keine probleme, manchmal aber mit den zeiten, das geht glaube ich noch was durcheinander.

    müsste man jetzt alles lesen, aber es ist alles da, was man braucht. nach lektorat gut.

    *unterstreicht ihren punkt

  7. Okay. Natürlich stammt der Text von mir—er ist weitgehend unkorrigiert, und ich werde genau drei Änderungen vornehmen:

    „Noch keine 25 konnte der sein, dieser Lockenkopf.“ – das „dieser“ fliegt raus.
    statt „Anekdoten“: Geschichten
    Von „weiß ich doch…“ bis „weichgeklopft“: Hab ich beim ersten Lesen ein großes Fragezeichen an den Rand gemacht, muss überarbeitet werden.

    Wenn ich das jetzt richtig sehe, hat sich euer Lektorat auf zwei Gebiete konzentiert: Wortwahl und Stilistik (zu lange Sätze…), zu letzterer gehört auch der Perspektiv- und Zeitenwechsel. Zur Wortwahl: Das ist natürlich ein Ding, das gegen Unendlich geht. Wenn ich das zwanzig Leute machen lasse, hab ich am Ende 20 Varianten. Perspektivwechsel etc.: Das nun lässt sich an den vorgestellten drei Seiten gar nicht „kritisieren“ (im Sinne von „von allen Seiten betrachten“), weil dazu natürlich die Kenntnis des Gesamttextes gehört. Man kann sagen: Gefällt mir generell nicht; gut.
    Sehr interessant war Bernds Einwand zu „Kevin Kuhn hatte plötzlich keine Angst mehr.“ Das ist eine Interpretation, der ich mich als Autor überhaupt nicht anschließen kann, denn natürlich hat Kevin Angst, fürchterliche Angst sogar, wozu es etliche Hinweise gibt, am schlüssigsten aber wohl der, dass er dem Trainer ohne ein Wort des Widerspruchs in allem Folge leistet.

    Wenn ich als Autor also diesen Text von meinem Lektor mit den von euch angebrachten Bemerkungen zurückbekäme, würde ich die sicher alle prüfen, aber in den wesentlichen Punkten eben auch ignorieren. Die Perspektivwechsel sind ein durchgehendes Stilmittel des Romans, würde ich sie killen, wärs ein anderer Roman, ein m.E. misslungener.

    Das „d…man die Brechstange braucht“ bezieht sich natürlich auf das „Wag bloß nicht, zurückzuduzen“. Genau das hat Gupphorst nämlich hier schon auf den Lippen: Wenn du die Brechstange brauchst, was noch nicht mal ein direktes Duzen wär, aber er verkneift es sich.
    Usw. Ich würde mich also mit meinem Lektor „anlegen“. Er hätte etwas getan, was ihm nich zusteht, er hätte nämlich in meine Sprache eingegriffen. Dabei geht es nicht um einzelne Wörter wie z.B. „Anekdote“, ein Ausdruck, der tatsächlich durch „Geschichten“ ersetzt werden sollte, es geht um das, was Bernd den „Flow“ genannt hat. Hier gibt es einen anderen „Flow“, zu dem u.a. Perspektivwechsel gehört, dass Außen- und Innensicht übergangslos wechseln. Wenn das dem Lektor partout nicht passt, muss ich ihn bitten, mir den Text zurückzugeben, dann suche ich mir einen anderen Verlag.
    Mit diesem kleinen Exempel wollte ich aber nur zeigen, dass „Lektorieren“ zwar eine feine Sache ist und ich für jede Kritik in dieser Phase dankbar bin, dass es aber sehr schnell an einen Punkt kommt, wo ich auf meine Souveränität als Autor pochen muss. ICH muss es verantworten, MEIN Name steht vorne drauf, es ist MEIN Text, nicht der des Lektors. Heißt wie gesagt nicht, dass ich mir, was diese Perspektivsache angeht, nicht Gedanken machen würde. Hat der Lektor nicht vielleicht doch Recht? Ist das verwirrend? Allerdings müsste ich dann die Alternative betrachten, und die kann mir nicht gefallen.

    bye
    dpr

  8. so, und jetzt ersetzen wir mal den lektor durch den kritiker:

    „Mit diesem kleinen Exempel wollte ich aber nur zeigen, dass „Kritisieren“ zwar eine feine Sache ist und ich für jede Kritik dankbar bin, dass es aber sehr schnell an einen Punkt kommt, wo ich auf meine Souveränität als Autor pochen muss. ICH muss es verantworten, MEIN Name steht vorne drauf, es ist MEIN Text, nicht der des Kritikers.“

    damit sagst du also als autor, ihr zwei lektor und kritiker, könnt handstand machen, es ist mein text, ihr habt nicht wirklich was zu sagen und ihr seid nicht wirklich wichtig und eure beiträge zu meinem text mediokrer natur.

    und damit gräbst du als autor dem du als kritiker das wasser ab. ob der kritiker vorher als lektor hart am text gearbeitet hat, ist völlig wurscht.

    klar übernimmt ein autor nicht jeden vorschlag eines lektors. aber dass überhaupt einer satz für satz mitdenkt, das sollte man schätzen können.

  9. Genau da liegen wir meilenweit auseinander, Liebste. Ich hab dieses kleine Experiment vor allem mal gemacht, weil mir diese „Teamarbeit“ äußerst suspekt ist. Wäre ich ein böser, arroganter Mensch (bin ich natürlich auch), müsste ich nämlich sagen: Liebe LektorInnen, ihr habt euren Job nicht gemacht. Euer Job wäre es nämlich gewesen, erstmal rauszukriegen, worum es auf diesen paar Seiten geht. Damit fängt alles an, nicht mit Detailkritik. Und worum geht es hier? Klar, Lanhoff will eine Information aus dem kleinen Kevin rausholen, und seine Methoden sind nicht die sanftesten. Er setzt auf Angst, auf Einschüchterung. Hauptperson in dieser Szene ist aber der kleine Kevin. Kevin hat Angst, er ist wie paralysiert. Gleichzeitig macht er sich Hoffnungen (Eh, hat der mich entdeckt? Macht der was aus mir?). Ist aber grundsätzlich Fatalist (Die Dinge sind die Dinge). Das sind die Mechanismen, um die geht es, wie sie zusammenwirken etc.
    Ein Lektor, eine Lektorin, die nicht genau HIER beginnt, kann auch die zweite Stufe nicht treffen. Perspektivwechsel. Der MUSS hier kommen, um das Phänomen Kevin von innen und außen zu beleuchten. Natürlich ist das immer auch Geschmacksache, welchen „flow“ ich haben will. Ein Beispiel: Mein literarisches Erweckungserlebnis war die Lektüre von Arno Schmidts „Das Steinerne Herz“. Der Roman beginnt hübsch expressionistisch, fast lyrisch, ganz „poetische Literatur“. Und plötzlich, ohne Vorwarnung, meldet sich der Protagonist (oder Autor?) mit einer inzwischen legendären Einlassung: „Intelligenz lähmt, schwächt, hindert?! Ihr werd’t euch wundern! Scharf wie’n Terrier machtse!“ — Ich stelle mir gerade Arno Schmidts Lektor (den guten Ernst Krawehl) vor, wie er an den Rand schreibt: „Zu verwirrend, versteh ich nicht.“ Ein wenig später noch mal son Ding, das, zufällig, zufällig, auch in der heutigen Wickiusfolge steht, die Sache mit dem „macadamisieren, warn Schwager Coopers nebenbei“ — hä? Da haut Schmidt den Text schon wieder aus dem „Flow“. Für mich war das damals wie ein Tritt in den Hintern, da erst hab ich kapiert, wozu Literatur fähig ist.
    Aber zurück zum Teamgedanken. Ich krieg inzwischen die Krise, wenn wieder mal „Teamfähigkeit“ gefordert wird. Das heißt im Klartext: „Halt am besten dein Maul, wenn die hohen Herrschaften reden, lass dich auf jeden Kompromiss ein, gib bloß nicht zu erkennen, dass du es besser kannst.“ Am Ende steht, wenn überhaupt, Mittelmaß, Wischiwaschi, ich habs – jetzt nicht literarisch – selbst erlebt, nein, es war am Ende nicht mal mehr Mittelmaß.
    Aber ich möchte hier nicht meine „Lektoren“ kritisieren. Ich wollte nur mal zeigen, dass der Teamgedanke in der Literatur ein ganz gefährliches Ding ist. Dass ich die Ansichten von Testlesern nicht ignoriere, mag man daran sehen, dass ich einen zweiten Krimi in petto habe, der momentan aber brachliegt. Grund: Zwei äußerst kompetente Vorableser haben mich – voneinander unabhängig, mal weiblich-sanft, mal männlich-derb, aber völlig berechtigterweise auf den Schwachpunkt des Textes hingewiesen. Und ich musste ihnen recht geben. Jetzt liegt er also und wartet darauf, neu durchdacht zu werden. Aber da ging es nicht um einzelne Ausdrücke, da ging es um das Konstrukt an sich. — Mit solchen Lektoren arbeite ich gerne zusammen, auch wenns wehtut. Lektorat als besseres Kaffeekränzchen aber – nee.

    bye
    dpr

  10. Nachtrag: Lektor / Kritiker. Die Kritik ist die Instanz, die NACHDEM DER TEXT ABGESEGNET WURDE diesen betrachtet. Sie soll den Text nicht verbessern, sondern begutachten. Sie soll Ihre Meinung möglichst nachvollziehbar rüberbringen, sich also nicht auf ein „liest sich wie Butter, sauspannend“ beschränken. Eine Kritik, die sich nur darauf beschränken würde, Details zu bemängeln, wäre lachhaft. Soll sie natürlich, wenn es für die Gesamtqualität des Textes von Belang ist. Aber sie muss eben alles-in-allem sehen, wie ein guter Lektor auch, der mit dem Autor an einem Text ARBEITET. Ein Kritiker aber muss keine „Verbesserungsvorschläge“ machen, das ist überhaupt nicht sein Job.

    bye
    dpr

  11. ich weiß nicht, wie du auf die idee kommst, ein lektor würde nicht die story an sich lesen oder den plot. dazu braucht er natürlich deine ganze story und nicht was rausgerissenes paarseitiges aus einem deiner blogexperimente. und dann macht er n a t ü r l i c h auch die detailarbeit.

    aber ich gebs auf, bevor wir redundant aneinander vorbeireden … ist alles sehr schön so. super.

  12. Auf die Idee komme ich ja auch gar nicht…Aber HIER ist der Text eben das Rausgerissene und da erwarte ich von einem LEKTOR schon auch, dass er erst einmal das Allgemeine guckt…Ich sag ja nicht, nö, diese Detailisten haben Unrecht, interessiert mich alles nicht. Von einem Lektor, wie DU ihn dir vorstellst, erwarte ich aber MEHR. Und gezeigt werden sollte nur: Das kann problematisch werden. Heißt doch nicht: Uh, alles toll, der Autor nimmt keine Ratschläge an, alter Egozentriker etc. Aber bloß als Abnicker? Nö, muss nicht sein…

    bye
    dpr

  13. *schlägt dpr auf den kopf

    dein kleines „lektoriert-mal-diesen-beliebigen- ausriss-hier-damit-ich-euch-beweisen-kann-wie-wenig-lektoratsarbeit-taugt war nicht g a n z f a i r, mein lieber.

    also, info: der lektor liest auf sprache, stil, plot, alles.
    das ist so ne art berufsbild …
    … hat was mit engagierter verlagsar…

    *fängt sich ab
    **nickt dir zu
    ***verbindet deinen kopf, rennt in den unterricht

  14. Au! Dabei wollte ich doch nur die Tücken des Verhältnisses Autor – Lektor aufzeigen…kein gemütliches Beisammensitzen…existentielle Probleme…gewisse Reihenfolge in der Vorgehensweise…ob ich mit einer gewalttätigen Frau nach Amrum fahre?…und dort notgedrungen zum Alkoholiker werde…?

    bye
    dpr

  15. Lieber dpr,

    ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich mich vorgeführt fühlen soll. Natürlich beurteilt man einen Text im Ganzen anders als einzelne Auszüge daraus [deshalb finde ich ja Autorenlesungen auch relativ sinnlos – wenn sie vielleicht auch eine nette Unterhaltung darstellen mögen], aber ich dachte um diesen Teil ginge es.

    Und natürlich war es eine von drei Möglichkeiten, dass der Text von Dir stammt – wegen akustisches Motivationsmittel habe ich ihn verworfen.

    Was den Perspektivwechsel betrifft, war meine erste Überlegung ihn redaktionell kenntlich zu machen (z.B. kursive Schreibweise). Aber geht auch nicht gut, sah ich ein. Mir fiel nur auf, dass in diesem Textstück die Wechsel meine Aufmerksamkeit von dem Inhalt auf das Handwerk lenken. Im längeren Text … geschenkt.

    Gehe ich recht in der Annahme, dass die „Behauptung“ Lanhoff sei schwul, ein Versuch ist diesen Gedanken beim Leser zu platzieren, um ihn später wieder aufzugreifen.

    Beste Grüße

    bernd

  16. Nein, lieber Bernd, nichts lag mir ferner, als hier irgendjemanden vorzuführen! Ich wollte nur einmal die Problematik verdeutlichen. Die Sache mit dem „akustischen Motivationsmittel“ etwa. Das ist ja nicht MEINE Sprache. „was sie ihm bei einem Seminar als akustisches Motivationsmittel beigebracht hatten“: Da stellst du dir ein solches Seminar vor, einen Dozenten, der „akustische Motivationsmittel“ an die Tafel schreibt und darunter halt „in die Hände klatschen“ etc. Das ist,natürlich, Handwerk, aber es sollte, das siehst du richtig, nicht vom Inhalt ablenken. In diesem Fall wäre ich sogar bereit, auf gutes Zureden meines Lektors auf das „akustische“ zu verzichten.
    Aber stell dir mal vor, ich würde deine und Anobellas Korrekturen übernehmen und dann wieder zur Diskussion stellen. Der nächste „Lektor“ würde möglicherweise genau diese Korrekturen monieren und selbst wieder andere Varianten ins Spiel bringen. Ein Fass ohne Boden. Entscheidend ist aber das Große=Ganze.
    Wenn ich nur drei Seiten Text vorgesetzt bekomme, ist das natürlich in dem Moment „der ganze Text“. Und hier beginnts halt. Ich würde mich mit einem Lektor wahrscheinlich nicht über einzelne Formulierungen streiten, aber das mit den Perspektivwechseln wäre halt so ein Punkt, an dem es krachen könnte. Die kommen im Roman immer mal wieder vor, dominieren aber nicht, das sind eher Kameraschwenks, eine atmosphärische Geschichte. Was nun nicht automatisch heißt, dass der Lektor, dem das nicht gefällt, falschliegt. Aber er müsste mir das von der erzählerischen Absicht ausgehend begründen können. Dein Einwand, es werde vom Inhalt auf das Handwerk abgelenkt, ist ja kein schlechter Einwand. Die Gefahr besteht immer. Andererseits bedeutet diese Ablenkung aber vielleicht auch, dass sich dem Leser eine andere Ebene öffnet, etwas, das ihn aus dem „flow“ bringt. DAS würde mich freuen! Sich zu fragen: Mensch, warum benutzt der jetzt diese Technik, warum erzählt er die Geschichte nicht einfach so runter, ist ja mit eine der spannenderen Fragen beim Lesen. Fällt mir gerade ein: Robert Littells „Zufallscode“ (sehr zu empfehlen): Die Geschichte wird in der 3. Person Singular erzählt, dann plötzlich ein Abschnitt 1. Person Singular. Perspektivenwechsel also, sichtbar gemacht durch Blocksatz (3. Person), Flattersatz (1. Person). Das lenkt natürlich auch ab…soll es aber auch!

    bye
    dpr

  17. Lieber dpr,

    verstehe mich bitte nicht verkehrt. Ich habe überhaupt nichts gegen Perspektivenwechsel, meinetwegen auch viele, ständig und intraszenisch. Ich würde da auch nicht unbedingt von Ablenkung sprechen, es ist Teil des Programms und funktioniert oder funktioniert nicht.

    Ich nehme es „klaglos“ hin, was ein Autor mir serviert. Seine Entscheidung, wird sich das gut überlegt haben. Am Ende, natürlich, komme ich zu einem Urteil und kann vielleicht auch begründen, wo es für mich nicht passt. Aber der Text ist und bleibt das Gegebene [sehe gerade: Ist eigentlich eher eine Antwort auf Anobella].

    Und ganz klar, wenn fünf Kritiker in einem Raum sind, hat man ebenso viele Meinungen – warum sollte es bei Lektoren anders sein.

    Noch ein wenig Futter von Murderati für den Spamfilter – beachte auch die Diskussion

    http://murderati.typepad.com/murderati/2007/02/whats_your_poin.html

    Bei dem Beispiel welches ich in meinem Kommentar gegeben hatte, ging es mir beim Lesen so, dass ich erst den Wechsel aufnahm, dann realisierte, dass da ein Satz sich nicht eindeutig zuordnen lässt und dann dachte „wie pfiffig“. Ich habe mich mit dem Trick beschäftigt, nicht mit dem Inhalt. Nun gut, ich gebe zu, dass mach ich bei Ellroy auch, man kann es also machen. Aber – ich kenne ja das gesamte Buch nicht – damit durch kommen „only the brave“.

    Beste Grüße

    bernd

  18. ja, hübscher Link, Bernd, kein Wunder, dass unser Spamfresser da zupackt…
    Dass man dir auch Perspektivisches servieren kann, weiß ich, lieber Bernd, und ich hoffe natürlich, dass dir auch der ganze Roman gefallen wird. Als Dankeschön für deine Bemühungen erhältst du natürlich ein handsigniertes Exemplar… Insgesamt, dies zur Beruhigung, ein Text, der „voll im Genre“ steht, mit allen Ingredienzien etc. Nein, kann man noch nicht vorbestellen, Georg, weg vom Mailknopf…

    bye
    dpr

  19. Das ist nicht nur ein grandioses Bonmot, das ist eine grandiose WAHRHEIT! Der Text ist der Text, es steht nichts „zwischen den Zeilen“, außer heißer Luft, der Kritiker muss den Text nicht qua Interpretation erschaffen, er muss ihn nur analysieren.

    bye
    dpr

  20. Ich merke schon: Wir werden auf Amrum oder wo auch immer heiße Nächte verbringen. LITERATURTHEORIE ALS STREITGESPRÄCH. Merken. Sofort Buch draus machen. Georg: subskribieren!

    bye
    dpr

  21. Liebe Anobella,

    könntest Du zu unserer Belehrung Deine Vorbehalte substanziieren ?

    Wobei natürlich, lieber dpr, die „Bedeutungsenergie“ des Textes aufgrund der unterschiedlichen „Leseroberflächen“ ganz unterschiedlich „auskristallisieren“ kann.

    Mit anderen Worten: Texte befinden sich in einem Kontext und wurden von Autoren in deren sozialen, sprachlichen, bildungs-, u.A. Kontext erschaffen. Leser mit anderen Kontexten werden den Text also u.A., auch bei guten Willen ihrerseits, anders verstehen, als vom Autor beabsichtigt. Es scheint mir auch eine Aufgabe des Kritikers zu sein, hier vermittelnd (kongenial) tätig zu sein.

    Beste Grüße

    bernd

  22. nee bernd, ichkannnich … erst ist der text gegeben, und jetzt in einem kontext. das i s t zu viel … dpr fällt bestimmt was substanzielles dazu ein. ich glaube, er will doch am liebsten an die uni. humboldt, berlin, minimum. schön von usedom aus einmal pro woche zu einer vorlesung reinpendeln, und ich stelle schön rotwein und kerzchen bereit, wenn er von mit gefurchter denkerstirn zurückkehrt.

    *lacht
    **mag euch

  23. * subskribiert ALLES
    ** wartet auf sein Fleißkärtchen
    *** Anobella: zwischen den Zeilen oder zwischen den Laken
    **** macht Taiji-Schule auf Usedom auf

  24. Viel drängender, lieber JL, finde ich die Frage, warum Anne Chaplet über die Geschichte Polens und Preußen liest. Plant sie einen historischen Krimi? Anne! Machet nich! Nicht historischer Krimi! Alles! Aber das nicht!

    bye
    dpr

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