Kategorie: Aufgelesen
Masern
SZaW: Werden Sie sich den neuen Film von Wim Wenders anschauen?
Lemke: Weiß ich gerade überhaupt nicht. Wendersfilme muss man ja überstehen…
SZaW: Überstehen?
Lemke: Wie die Masern.
Filmregisseur Klaus Lemke im Interview mit der Süddeutschen: „Exakt seit letzten Sonntag finde ich Deutschland nicht mehr uncool“
Büdchen-Blog
Ein schönes Fotoblog über Trinkhallen in Dortmund. Und weil dort mehrheitlich Export konsumiert wird, heißt die Site ganz bescheiden → Exportweltmeister. Der Charme der Vergangenheit in einer Stadt, die auch schon bessere Zeiten gesehen hat.
P.S. Schön: die Fotos stehen stehen unter einer Creative Commons-Lizenz.
P.P.S: Exportweltmeistermacher Dirk Hesse betreibt daneben auch das charmante → Ligne Claire-Blog.
Klarer Fall von Fehlstart
„Children of the Revolution“ besingt ein Lied aus den sechziger Jahren die Aktivisten der Studentenrevolte, die im Jahre 1968 begann.
so beginnt ein Artikel auf europolitan.de über „68er gestern und heute„.
Das „Children of the Revolution“, das ich kenne stammt nicht aus den sechziger Jahren sondern von T.Rex und erschien irgendwann im Sommer 1972. Und was sollen Textzeilen wie
I drive a Rolls Royce
‚cos it’s good for my voice
wohl mit aufrührerischen Studenten zu tun haben?
Zur Entschuldigung und Aufmunterung der Autorin sei an den alten Spruch erinnert, dass, wer sich an die 60er Jahre erinnern könne nicht wirklich dabei gewesen sei.
Papa Ratzi
Aus dem Spiegel:
In einem Glückwunschtelegramm an Joseph Ratzinger schrieb Köhler in seiner Glückwunschnote: „Von ganzem Herzen gratuliere ich Ihnen zur Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche“. Dass ein Landsmann Papst geworden sei, erfülle die Deutschen mit „besonderer Freude und auch mit ein wenig Stolz“.
Nur mal so, von Laie zu Laie: Stolz, ist das nicht seit Jahrhunderten die Nr.1 in den Todsündencharts?
Die Interessen der Künstler
Ein ausführlicher → Spreeblick-Artikel über die grassierende Abmahnwelle gegen private Anbieter von Songtext-Websites und Bands (Keimzeit), die nix verstanden haben.
Auch zum Thema: die → Website der „Interessengemeinschaft Songtexte“
Bodo und Bianca
Torwart-Titan Bodo Illgner und seine Frau Bianca haben gemeinsam einen „fiktiven Tatsachenroman“ geschrieben. Der Spiegel (→ Inside Bianca) findet das Werk der „deutschen Vorläufer der Beckhams“ (Selbsteinschätzung auf → www.bodo-illgner.de) „nur peinlich“ und attestiert den „Stellen“ einen „verschwitzten Charme klebriger ‚Praline‘-Heftchen“. Der der Roman ja nur zu 80% der Wahrheit entspricht mußten die Namen der Protagonisten natürlich geändert werden. Und da haben sich die Illgners wirklich nicht lumpen lassen. Mein Lieblingsname ist der eines Trainers der deutschen Nationalmannschaft: Hans Eckenhauer.
Ganz großes Kino!
Musikgut in Deutschland
Blutleere Brüllelefanten, unsympathische Kfz-Verkäufer. Elende Krämerseelen! Joachim Lottmann in der Süddeutschen über die Echo-Verleihung: → Blutwürste in Pelle
April! April!
Zur Warnung oder Inspiration für den heutigen Tag:
→ Top 100 April Fool’s Day Hoaxes of All Time
Rosebud
Hunter S. Thompson hat keinen Abschiedsbrief hinterlassen, nur ein Abschiedswort. Ist sein „counselor“ ein letzter Scherz oder steckt irgendeine tiefere Bedeutung dahinter?
==>The Guardian: King of Gonzo has the last word.
Demystification
Ist Ma Cass wirklich an einem Sandwich erstickt. Und wie war das mit den Beatles, dem Buckingham Palace und dem Marihuana?
The Observer: → The 10 greatest rock’n’roll myths.
Namen sind Schall und Rauch
Wenn Frau Renate Anders-Poppen aus 21360 Vögelsen sich mit Gabriel di Latte aus Günzburg einlässt, der gerade Elke Klaffschenkel aus Rangendingen hat sitzenlassen – tja, dann hat sich der Schreiber dieses Satzes wohl zu lange auf der äußerst erheiternden Site → Echte Namen umgeguckt.
Willkommen im Mittelalter
Die Süddeutsche berichtet über einen Kurs an der Hochschule des Vatikans. Thema Exorzismus leicht gemacht: ↑Teufel komm raus
Diskotheken und andere Orte, wo Drogen konsumiert würden seien nachgerade „Rekrutierungsbüros für das Böse“
zitiert die SZ einen Pater Garbriele Amoth, der in seinem Leben – er ist jetzt 74 –
WeiterlesenPorphyromonas gingivalis u.a.
Geschenke für Kinder, die schon (fast) alles haben: Ebola, Hepatitis, Pfeiffersches Drüsenfieber oder Mundgeruch:
Zu finden bei → plueschmikroben.de (der Name sagt alles).
Her mit der Wurst
Einrichtungsideen für die Vegetarier unter den Hinternet-Mitarbeitern: Wurstteppich. [via Mehrzweckbeutel]
Fremde Worte
Mein Lieblingszitat aus einer Sendung des Deutschlandradios über Giuseppe Tomasi di Lampedusas neu übersetzten Roman „Der Gattopardo“ (formerly known as „Der Leopard“):
Die Vorliebe für Fremdwörter wirkt mitunter etwas technizistisch…
Jungfräuliche Katastrophe
Kurt Beck, ebenfalls Ministerpräsident, kreischt „Aufklärung! Aufklärung! Aufklärung!“ Man muss kein Bildungsbürger sein, um bei Aufklärung eher an Voltaire zu denken als an einen Sozialdemokraten aus der Pfalz, der auch mal in die Schlagzeilen möchte.
Wiglaf Droste in der taz: ↑Der lustige Schiedsrichterskandal und die Verbissenheit der Unterhaltungsbranche
Ekel und Schmerz
Das traurigste aber an dem widerwärtigen Machwerk Die Burg aber ist, wie schonungslos sie den Niedergang eines einst brillanten Musikers dokumentiert – und die Rede ist nicht vom Burginsassen Christian Anders, der schon vor langer Zeit das Ticket für den mentalen Zug nach Nirgendwo gelöst hat. Die dudelige Titelmelodie zu der Freak-Show der prügelnden Proleten stammt von Ritchie Blackmore, einst grandioser Gitarrist der großartigen Rockband Deep Purple. So hinterlässt Die Burg neben Ekel auch einen tiefen Schmerz.
Stefan Behr in der Frankfurter Rundschau: „Schmerzhaft“
Marmelade ohne das Brot
Tocotronic im FAZ-Interview über Selbsthass und Humor: Die Welt ist im Prinzip langweilig.
Interviewhighlights
Nicht neu, aber schön: Don Dahlmann listet die → Highlights einer 10jährigen Interviewer-Laufbahn auf (das nervigste/ traurigste/ längste/ etc Interview). Sehr unterhaltsam und ausserdem liebe ich es, das ein oder andere Vorteil (Willi Thomczyk, Hannes Jaenicke) bestätigt zu bekommen.
Auch sonst ist Dons Weblog → „Irgendwas ist ja immer“ sehr lesenswert (manchmal erinnert’s stilistisch an unseren verblichenen Graf Klatsch).