Norbert Horst: Todesmuster

Authentische Polizeiarbeit ist eine triste Sache. Berufsalltag halt und daher nur in Maßen krimitauglich. Da ist es fast ein Glück, dass die meisten Autoren nichts von Polizeiarbeit verstehen, ihr Wissen von Vorgängern übernehmen, die auch nichts davon verstanden haben oder ein recherchiertes Faktengerüst mit den Ergebnissen ihrer Phantasie behängen.

Norbert Horst versteht etwas von Polizeiarbeit; sie ist sein täglich Brot. So gesehen, beginnt man die Lektüre von „Todesmuster“ mit einer gewissen Befürchtung ob der drögen Dinge, die einem da wohl geschildert werden. Es braucht indes nur wenige Seiten, diese Befürchtung als unbegründet ad acta zu legen.

Weiterlesen

Verfall

171.gif

„Vom Verfall einer Familie“ handelt Thomas Manns nobelpreisgekrönter Roman „Buddenbrooks“. Den Verfall eines Krimiblogs kann man zur Zeit in Echtzeit verfolgen. Ludger Mähnke, Deutschlands renommiertester →Kritiker von Schafskrimis, hat sich nun die Krimiforenbesucher vorgeknöpft und ihnen, als ein wahrhaft zorniger Gott, →zehn Gebote vom Berg Sinai seiner Zweitwohnung in St. Georg vor die Füße geknallt. Muss das wirklich sein? Ist Mähnkes Absage an den seriösen Journalismus nicht schlimm genug? Darf man seine Leser wirklich so beschimpfen? – Traurig sitzen wir im Frühstücksraum der Hinternet-Redaktion und beißen sinnierend in unsere Käsebrote. (Abbildung: Ludger Mähnke schockiert einen Forumsbesucher)

Wahlplots -4-

168.gif

Merkwürdig still ist es um Deutschlands Krimiautorenelite geworden. Lesereisen wurden abgesagt, Autorenblogs bleiben ungepflegt. Denn die Autoren schreiben. Sie schreiben Wahlthriller, Wahlwhodunnits, Wahlregionalkrimis, ja selbst ein Wahlkatzenkrimi und ein Wahlweinkrimi sind in Arbeit. Die Zeit drängt, denn spätestens Anfang September müssen die Offsettrommeln rotieren.

Wir haben in bewundernswerter Recherchearbeit einige der Plots ermittelt und stellen sie bis Ende des Monats in loser Folge vor. Heute präsentieren wir: A-MAN JAGT E-WOMAN.

Weiterlesen

Charles Benoit: Relative danger

Im US-amerikanischen Krimi kann man über die letzten Jahre eine Verschiebung, weg von verwurbelten Rätseln hin zum erzählenden Roman beobachten. Charles Benoits Erstling „Relative Danger“ ist ein gutes Beispiel für die neue Stilistik. Er ist ein Krimi gewordener Reiseroman, geschrieben für eine Nation, bei der man das Gefühl hat, dass für sie die Juden der Gegenwart die Moslems sind.

Weiterlesen

Schlagt mich

… aber ich sage es trotzdem: Mehr als die Hälfte der Leser von Belletristik sind Analphabeten; nicht das Wort selbst ist ihnen Geheimnis, es ist der Wortsinn, der ihnen zu schaffen macht. Sie schicken die Wörter wie Bandnudeln durch ihre eindimensionalen Gehirne, lassen sie im Sud ihrer Klischees und Vorurteile köcheln – und wundern sich dann, wenn eine matschige Masse im Bewusstsein ankommt, ein Morast, ein Sumpf, kurz: eine Welt- und Lebensanschauung ganz in Kotzgrün. Das nenne ich noch Leserbeschimpfung.

Weiterlesen

Leerstellen

Journalismus goes Literaturtheorie. Das kann ja nur ins Leere laufen:

„Detailgenauigkeit ist eine Stärke der Lokalkrimis. Im Roman „Das Schapdetten-Virus“ beschreibt der Münsteraner Krimiautor Jürgen Kehrer eine Autofahrt so präzise, daß der Leser keinen Shell-Atlas mehr braucht: „Wir nahmen die Autobahn bis Nottuln, dann die B 67.“ Die sogenannten Leerstellen, von denen in der Literaturtheorie die Rede ist, die Momente, in denen sich die Phantasie des Lesers verselbständigt, sind in solchen Büchern eher rar.“

– So lehren es uns die Herren Hammelehle und Lindemann in ihrem →Beitrag zu „Regionalkrimis“ in der „Welt am Sonntag“. Und was lernen wir daraus? Spricht die Literaturtheorie von „Leerstellen“, dann meint sie damit, dass man einen Shell-Atlas braucht. Respektive: Schriebe Herr Kehrer „Wir nahmen die Autobahn und dann die Bundesstraße.“, könnte sich die Phantasie verselbständigen. Everything goes.

Weiterlesen

Sommerkrimi -6-

Italien dort, wo es stirbt. Ein kleiner Ort im Hinterland der Adria, ein paar Zwanzig Menschen, viele schon älter, eine Gemeinschaft, die vergangenen Zeiten nachtrauert und von den gegenwärtigen vergessen wurde. Und dann ist alles anders: In diesem drückend heißen Sommer wird ein Mann von einer Viper gebissen, und eine andere Person sorgt dafür, dass jede Rettung zu spät kommt. Etwas bewegt sich in Montesecco.

Bernhard Jaumann erzählt uns in „Die Vipern von Montesecco“ eine hochmoralische Geschichte, den allmählichen Einbruch des „Anderen“ in eine auf den ersten Blick idyllische Welt. Das Verbrechen schürt Misstrauen, bringt Dinge ans Tageslicht, die besser verborgen geblieben wären, und je mehr diese Welt ins Wanken gerät, desto bedrohlicher schiebt sich eine andere in die harmlose Topografie Monteseccos. Eine Welt ohne Ordnung, ohne Gesetz, eine Welt am Rande des Archaischen.

Weiterlesen

Ankündigung

Frage nicht, was dein Discounter für dich tun kann, sondern was du für deinen Discounter tun kannst. Diese Aufforderung John F. Kennedys ist für Hinternet angesichts der aktuellen Ereignisse oberste Maxime. Um dem defätistischen Wind, der da aus Hamburg zu uns herunterweht, eine Mauer aus Optimismus und ruckweiser Tatkraft entgegen zu setzen, verleihen wir ab sofort bei jeder sich bietenden Gelegenheit und in Zusammenarbeit mit den Interessenverbänden des deutschen Einzelhandels

Das große Hinternet-Dum-Dum-Geschoss der Krimikritik.

Weiterlesen

Gunnar Steinbach: Prälat Abels letzte Fahrt

Bei Krimis legt man nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Sie sind handlungsorientiert und verbauen einen Gutteil ihrer Energien in Spannungsbogen. Die Sprache bleibt sekundär. Sie sollte uns nicht quälen; nicht gekünstelt sein aus „Literaturgründen“, nicht hingerotzt aus „Authentizitätsgründen“.

Aber es ist kein Naturgesetz, dass sich Sprache stets mit dem Transport von Inhalten begnügen muss, auch nicht in Krimis. Chandlers Sprache etwa war eins mit dem Inhalt. Ja, und weil dem so war, wurde sie selbst Inhalt. Das kann so weit gehen, dass, wie etwa bei Wolf Haas, die Sprache den Inhalt dominiert. Zu dieser Gruppe kann man auch Gunnar Steinbach mit seinem Romandebüt „Prälat Abels letzte Fahrt“ rechnen.

Weiterlesen

Urlaubsvertretung: geschafft!

Na endlich! Alfred Miersch hockt, die Schwimmhilfen noch um die dicken Oberarme, wieder am Rechner, der Rest der Alligatoren stöhnt unter schwerem Sonnenbrand und Sangria-Entzug. Aber sie arbeiten wieder! →Hier! Voller Stoff! Und ich widme mich wieder den wirklich wichtigen Dingen des Lebens, als da wären: unsere neue Praktikantin, Fräulein Tiefblick, ein Fläschlein Cidre aus der schönen Bretagne und der idyllische Anblick des stillen Fräulein Katja, das gedankenversunken über seiner Häkelarbeit sitzt.

Jean Amila: Mond über Omaha

Jean Amila (1910 als Jean Meckert geboren, 1995 gestorben) war ein Vertreter der „série noire“, jener französischen Nachkriegsvariante des amerikanischen hard boiled. Eine sehr eigenständige Bewegung, die den moralischen Zynismus, die schriftstellerische Ökonomie der Vorbilder um einige Errungenschaften der „alten Welt“ ergänzte. Lakonische Parolen, wütend hinausgespuckte Moral, dabei politisch wach, literarisch durchaus am Experiment und an der Provokation interessiert.

Weiterlesen

Warnung!

Getreu dem Motto Friedrich Schillers, hat sich „Watching the detectives“ der Beförderung des „Wahren, Schönen und Guten“ verschrieben. Das Leben ist schwer genug, da hat der Krimileser ein ehrliches Recht auf etwas positive Ansprache. Doch leider sieht man das in einem gewissen anderen Krimiblog nicht so.

Weiterlesen

Wahlplots -3-

168.gif

Merkwürdig still ist es um Deutschlands Krimiautorenelite geworden. Lesereisen wurden abgesagt, Autorenblogs bleiben ungepflegt. Denn die Autoren schreiben. Sie schreiben Wahlthriller, Wahlwhodunnits, Wahlregionalkrimis, ja selbst ein Wahlkatzenkrimi und ein Wahlweinkrimi sind in Arbeit. Die Zeit drängt, denn spätestens Anfang September müssen die Offsettrommeln rotieren.

Wir haben in bewundernswerter Recherchearbeit einige der Plots ermittelt und stellen sie bis Ende des Monats in loser Folge vor. Heute präsentieren wir: AU WEH! EIN WESTERWALD KRIMI.

Weiterlesen