Das Kindheits-Vater-Muster. Eine Notiz

Irgendwie habe ich es dieses Jahr mit der neueren deutschen Kriminalliteratur. Und den Wiederveröffentlichungen, seien es freudig begrüßte Neuauflagen in Vergessenheit geratener Klassiker oder privat aus den Regalen gezogene, leicht angegilbte Taschenbücher. Gegenwart, Vergangenheit also – und ein Schuss Zukunft, wenn man über die Grenzen der Genres schaut, von der sogenannten „Hochliteratur“ zum sogenannten „Krimi“ zur sogenannten „Science Fiction“, dann sind die Grenzen plötzlich keine mehr und man weiß noch weniger, was das eigentlich ist, mit dem man sich seit Jahren beschäftigt. Gut so.

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Victor Koman: Der Jehova-Vertrag

koman_jehova.JPGKein Krimijahr ohne Wiederentdeckung. 2011 brachte die Rückkehr von David Osborns „Jagdzeit“ und „Flussfahrt“ von James Dickey, deren erneutes Auftauchen aus dem weitgehend dümpelnden Teich des Regionalserialkillercomedy-Chichi für Belebung sorgte. Dass beide Texte thematisch miteinander verwandt sind, ist zufällig. Hier wird eine existentielle Wurzel von Kriminalliteratur, das Archaische unter einer dünnen Membran namens Zivilisation, sehr beeindruckend hochgezüchtet. Einem nicht minder großen Thema widmet sich der Roman, dem man so bald wie möglich eine Wiederentdeckung hierzulande wünscht, Victor Komans „Der Jehova-Vertrag“.

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Krimineller Kaffeesatz

koman_jehova.JPGDass die Autoren von Kriminalromanen über hellseherische Fähigkeiten verfügen, ist nach den Ereignissen von Norwegen ein Faktum und beschäftigt die Weltpresse. Rechtsradikale Massenmörder in egalitären Gesellschaften? Einfach bei den Skandinaviern nachlesen. Hätte man auch früher wissen können, denn immerhin sagen Sjöwall/Wahlöö schon in den frühen Siebzigern die Ermordung eines schwedischen Ministerpräsidenten in den Achtzigern voraus. Ein Zufallsfund der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft „Krimi und Kaffeesatzlesen“ belegt nun aber Sensationelles: Nicht nur Skandinavier können in die Zukunft blicken – auch Amerikaner verfügen über diese Begabung.

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Neues aus der unsichtbaren Stadt

Und wieder gibt es drei neue Rezensionen zu „Pixity – Stadt der Unsichtbaren“, einem sehr käuflichen Buch des wtd-Betreibers. Und sowieso gibt es die informative Seite zum Buch, →hier nämlich. Aber widmen wir uns den Rezensionen.
„Selten schaffte es ein Buch mich so sehr zu fesseln, wie dieses. Man will regelrecht wissen, wie es weitergeht und legt bevor man das nicht weiß das Buch aus der Hand.“

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Oslo sichten, Oslo sehen

asimov_sonne.jpeg In Isaac Asimovs Science-Fiction-Krimi „Die nackte Sonne“ verschlägt es den Protagonisten zur Aufklärung eines Mordfalles auf den fernen Planeten Solaria. Nur 20.000 Menschen, Nachkommen früher Auswanderer von der Erde, „Spacer“ genannt, leben dort, weitab voneinander auf riesigen Anwesen, von Heerscharen willfähriger Roboter versorgt und von der Angst besessen, einander zu begegnen, sich leibhaftig SEHEN zu müssen. Ihre sozialen Bedürfnisse befriedigen sie durch SICHTEN, dreidimensionale Projektionen, die die Illusion eines direkten Kontaktes garantieren, im Grunde aber nichts anderes sind als Fern-Sehen. Man ist da und doch weit weg. Der Ekel vor der Unmittelbarkeit des Sehens, die schaurige Vorstellung, verbrauchte Atemluft eines anderen menschlichen Wesens in die eigenen Lungen zu saugen, ist nicht angeboren, dieser Ekel wird anerzogen. Einzige Ausnahme: Ehepartner, doch auch hier nur unter Qualen, aus Gründen der Fortpflanzung indes unumgänglich. Andererseits haben Solarier bei aller verqueren Sexualität kein Problem damit, beim Sichten nackt zu sein, wie unser Protagonist gleich zu Beginn seines Aufenthalts peinlichst berührt erfahren muss.

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250

Dass ein Autor nicht weiß, wohin ihn sein Weg führt, wenn er einen Krimi beginnt, nun ja, so neu ist das nicht. Aber die meisten haben einen PLAN, wenigstens die Ahnung eines Plots, eine Plastiktüte voller Ideen, beim großen Discounter Kriminalliteratur in den Einkaufswagen geworfen, und dann gehen sie daran, sich daraus ihr eigenes Süppchen zu kochen. Und irgendwann wird alles anders, das Ding entwickelt EIGENDYNAMIK und das ist entweder gut oder schlecht, aber wurscht, it’s Krimi.

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