Olivia

Bisher war´s meine Lisa Simpson-Tasse, die mir an Tagen des Grauens die nötige Frauenpower gab. Seit neuestem ist der Name „Olivia“ dazugekommen. Mein innerer Bund mit einem grimmigen Schweinemädchen, das den Kopf voller Ideen hat und nie verzagt, lässt die schlimmsten Tücken schon nicht mehr ganz so mächtig erscheinen. Ich identifiziere mich mit einem Schwein mit zu großem Kopf und spirreligen, krummen Haxen. Himmel, hilf!

Olivia

Aber die Olivia-Bücher sind meine neueste Entdeckung aus der Welt der Kinderbücher. Es war Liebe auf den ersten Blick. Und der Chefredakteur muss sich seitdem gezwungenermaßen von mir giggelnd großformatige Bücher mit wenig Text vorlesen lassen.

Olivia ist New Yorkerin. Ihr Lieblingsbild ist die “Ballettprobe” von Degas, zu der kann sie herrlich träumen. Sie baut monströse Sandburgen, muss sich manchmal mit Macht ihren kleinen Bruder vom Leib halten. Und die Katze Edwin, die sie spazieren führt, sieht nicht wirklich glücklich aus.

Olivia trägt nur Rot. Wenn sie überhaupt ´was trägt. Sie kann tolle Kunstwerke auf die Tapete malen. Und abends verkündet sie ihrer Mutter frohgemut, dass heute abend nur fünf Gutenacht-Bücher vorzulesen sind.

Olivia ist stark, selbstbewusst und mutig. Und sie ist herrlich gezeichnet. Ian Falconer ist Karikaturist für verschiedene Zeitungen. Und vielleicht kommt daher auch sein Gottvertrauen in ein Buch ohne Handlung. Es sind allenfalls Miniaturen, die hier aneinandergereiht sind. Aber es funktioniert! „Olivia“ zeichnet ein rundes Psychogramm der kleinen Schweinin. Man weiß, wie ihr Tag beginnt und endet. Welches ihre Leidenschaften sind und womit man bei ihr besser rechnet!

Dass ich sie so liebe, liegt am trockenen Humor des Buches. An seinem lakonischen Ton. Und an der göttlichen Physiognomie von Olivia und ihrer ganzen Familie. Nach diesem Buch sieht man Schweine mit anderen Augen. Und staunt nur noch leise darüber, dass sich Schweine – genau wie wir – Hunde und Katzen als Haustiere halten. Olivia rules!

Ian Faconer - Olivia (Oetinger)