Bevor am Ende von „Tödliche Schlagzeilen“ das große Geheul ausbricht und die vor dem Zubettgehen notorisch schmökernde Krimimimi die Schwarte gen Frisierkommode feuert, verrate ich dieses Ende lieber. Also: Der Mörder von Ronny Lawtons Vater wird nicht ermittelt. Stattdessen heißt es im Epilog: „Sie fragen sich immer noch, wer Ronny Lawtons Vater umgebracht hat? Genausogut könnten Sie sich fragen, welches spezifische Ereignis die Schließung unserer Fabriken und den Tod unserer Stadt zur Folge hatte. (…) Wer ist daran schuld, dass wir unsere Produktionsstätten im Stich gelassen und nicht länger Dinge mit unseren Händen erschaffen? Es gibt unzählige Verdächtige, aber zu einer Verurteilung wird es vermutlich niemals kommen.“
WeiterlesenAutor: dpr
Die Rache des Stiftes
Unseren Azubi Jochen haben wir mit einem lachenden und einen weinenden Auge ziehen lassen. Weinend, weil der Bursche wirklich eine Menge bei uns gelernt hat und sein Wissen nun den besser zahlenden Kollegen von der Krimicouch zugute kommt. Lachend, weil wir ihn endlich los waren.
WeiterlesenPym?

Das ist jetzt eine spannende Beschäftigung für unsere Freunde von der Lit-Wiss-Front: Was hat Paul Rosenhayns „Der Fall Pompejus Pym“ mit Edgar Poes „Arthur Gordon Pym“ zu tun? Überhaupt etwas? – Poes Meisterstück kann man überall nachlesen, Rosenhayn hingegen… ist ab sofort in der →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ abrufbar. Wie immer umsonst und mit hohem Erkenntnisgewinn.
Hausmitteilungen
1. Die Oktober-Ausgabe von wtd – die Zeitschrift wird ausfallen. Einmal aus Zeitgründen – schließlich muss mit Hochdruck am nächsten Krimijahrbuch gearbeitet werden – und außerdem, um zu überlegen, ob das Konzept überhaupt trägt und akzeptiert wird. Spätestens zum Ende November gibt es weitere Nachrichten.
WeiterlesenThomas Wörtche: Das Mörderische neben dem Leben
Thomas Wörtche, dessen Wirken man an dieser Stelle nicht mehr vorzustellen braucht, hat sich zu einem Kompendium seines Schaffens aufgerafft, „Das Mörderische neben dem Leben“ genannt, dreizehn Aufsätze, zwei davon neu (einer über seine Zeit als Herausgeber der vielgerühmten metro-Reihe), der Rest über die Jahre hier und dort erschienen, für die Buchausgabe teilweise leicht überarbeitet. Endlich also, „nach nur wenigen Jahren geduldiger Nachfrage“, wie es im Abspann des Verlages heißt, versammelt da einer, der es wissen muss, die Mosaiksteinchen seiner Überlegungen zu einem Kompendium, zu einem „Wegbegleiter durch die Welt der Kriminalliteratur“ und knipst das definitive Licht der Erkenntnis an.
WeiterlesenTony Hillerman gestorben
Wie ich gerade von Sarah Weinman erfahre, ist Tony Hillerman gestern gestorben. Er wurde 83 Jahre alt. Links zur Würdigung des Autors finden sich im →Beitrag Weinmans.
Mord beim Mordspektakel

Endlich: Kurzratekrimi-Erfolgsautor Dale Patrick Rutherford präsentiert ein neues Ermittlerpaar mit geradezu tragisch-griechischem Potential. Freuen Sie sich auf Kriminalhauptkommissar Bonifatius Majakowski, der unter latentem Schwulsein in einer Machogesellschaft leidet, und seine Kollegin Kriminalhauptkommissarin Svantje Butzbach, bekennende Nymphomanin und nebenberufliche Betreiberin einer Blow-Jobagentur (Arbeitslose bitte nur mit Vermittlungsgutschein bewerben).
WeiterlesenSamstägliches, Herbstliches
Der Krimitag beim Titel-Magazin beginnt heute mit einer Würdigung der ganz besonderen Art. Matthias Penzel empfiehlt eindringlich und teilweise autobiografisch unterfüttert das OEuvre von →Hans Herbst.
WeiterlesenÜber das Abscheuliche
Man neigt ja dazu, jede öffentliche Diskussion sogleich auf die Kriminalliteratur zu münzen und Erkenntnisse, die einem beim Bedenken der Kriminalliteratur untergekommen sind, auf das öffentliche Leben. Die jüngste Aufregung um Herrn Reich-Ranickis Äußerungen zur Qualität des Fernsehens – nebst sofortiger Hilfestellung von Frau Heidenreich – könnte man mit einem oder mehreren Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen, sich fragen, wie denn da einer, der seit Jahrzehnten im Fernsehen reüssiert, nicht wissen kann, wohin er geraten ist, und wie da eine, die Literaturkritik zum Flachevent hat verkommen lassen, plötzlich glaubt, sie sei im falschen Medium. Aber eigentlich reflektiert dieses ganze Bohei nur, was die Kriminalliteratur und ihre Rezeption seit Jahr und Tag, ja, seit den Tagen ihrer Jugend malträtiert: die scheinbar unüberwindliche Kluft zwischen Hoch- und Trivialliteratur.
WeiterlesenNeues Futter für die sieben Glorreichen
So, es wird Zeit für ein wenig Bewegung. Neu bei den sieben Glorreichen sind Michael Collins mit „Tödliche Schlagzeilen“ (schämt euch wieder einmal, deutsche Titelgeber) und, weil wir auch der Krimitheorie eine Chance geben wollen, Thomas Wörtche mit „Das Mörderische neben dem Leben“; die lange erwartete Best-Of-Kompilation des sympathischen Kritikers und Schalträgers. Ausführlich besprochen werden beide Titel nächste Woche. Und zwar bei wtd, nicht bei wtd-die Zeitschrift. Die fällt in diesem Monat aus, aber dazu schreibe ich nächste Woche auch noch was. Ausscheiden müssen leider Anne Chaplet und Tana French, zwei Frauen, was aber rein zufällig ist. Alle Titel, die jemals bei den Glorreichen Sieben vertreten waren, bleiben auch dann gut, wenn sie nicht mehr dort vertreten sind. Da kann der Patzerschorsch noch so mosern.
Pieke lässt klettern

Kaum ist la Biermann von der Buchmesse zurück, steckt sie auch schon wieder im düsteren Alltag. Das heißt: Ein bisschen Licht gibt es schon. Zum Beispiel, wenn aus Feindschaft Seilschaft wird. Ein Experiment. Hoffentlich erfolgreich. Worum es geht, erfährt man am Freitag, 24. Oktober 2008 im RBB-Inforadio 93,1 um 10:27 und 13:27 Uhr und am Sonnabend, 25. Oktober 2008 in DER TAGESSPIEGEL. Oder nach intensiver Linksuche auf obigem Bildchen.
Weiterlesen2008: the best and the worst
So, heute seid ihr wieder dran. Wir würden gerne wissen, welches Werk der Kriminalliteratur des Jahres 2008 euch bisher am meisten beeindruckt und / oder am nachhaltigsten enttäuscht hat. Zwei, drei erläuternde Sätze wären prima. Wenn genügend Interessantes zusammenkommt, könnte man das als „the peoples‘ voice“ fürs Krimijahrbuch zusammenstellen. Also scheut euch nicht. Kurz überlegen und dann…
Krimijahrbuch 2009

Ob in obskuren Kölner Büros oder zugigen Frankfurter Messekojen: Wenn diese Drei zusammensitzen, wird Krimigeschichte geschrieben. Soeben haben Christina Bacher (links), Ulrich Noller (Mitte) und dpr (rechts) das Krimijahrbuch 2009 in trockene Tücher gewickelt. Es wird bei Pendragon erscheinen, seine Herausgeber reich machen und die interessierte Leserschaft glücklich.
WeiterlesenWarum ich Krimis hasse
„Zu Riesling und Leberwurst, Silvaner und Spargel passt auch eine Leiche zum Dessert.“
„Es interessiert weniger der spektakuläre Einzelfall als der breite Ansatz: Ressourcenknappheit, Verteilungskämpfe, Klimawandel, Verschmutzung, Handel mit Wasser, Privatisierung. Innerhalb dieses Rahmens sei gegen eine dekorative Wasserleiche natürlich nichts einzuwenden.“
WeiterlesenThor Kunkel: Kuhls Kosmos
Schön, wenn ein Kriminalroman einen Anhang hat. Der von „Kuhls Kosmos“ ist reichhaltig, eine Liste der im Besitz des am 31.12.1979 ermordeten Rio Bravo vorgefundenen Schallplatten, sämtlich Produkte dessen, was man zur damaligen Zeit „Diskowelle“ nannte. Zusammengestellt hat die Liste der mit der Aufklärung des Falles beauftragte Frankfurter Kriminalkommissar Jörg Herbricht, kurz bevor er die Akten schließt. Der Fall nämlich ist „an Komplexität kaum zu überbieten“, die Auflistung der Schallplatten ein letzter verzweifelter Versuch, die Zeichen zu lesen. Gibt es da nicht Satanismen? Was bedeutet es, dass Giorgio Moroder der Neffe von Louis Trenker ist? Was hat die Hochfinanz mit der Sache zu tun? Aberwitzige Dechiffrieransätze.
WeiterlesenEmpfehlung für die Gegenwart

Nächsten Monat erscheint, so nichts (Börsencrash, Finanzdesaster, Weltkrieg) dazwischenkommt, der erste Band der →„Criminalbibliothek 1850 – 1933“, Emilie Heinrichs mit „Leibrenten. Roman aus der Gegenwart“. Aus der Gegenwart? Der von 1867, als das Buch zum ersten- und für 141 Jahre auch zum letztenmal erschien? Nein, nein, nicht nur …
WeiterlesenNein, nein, ich gucke nicht den TATORT
Sondern hab soeben etliche Male herzlich lachen müssen. Über diese – ups – →Rezension. Sehr schön. Wunderbar. Morgen Schlagzeile in der Bildzeitung: „Deutschland hat Angst vor einer Rezension!“ Genau. Ich weiß, welche gemeint ist.
dpr
*geht zum Abheulen in den Keller
Okay: Eigenwerbung
Jetzt wirds international. Der schweizer →„Tages-Anzeiger“ hat die schöne Besprechung der „Menschenfreunde“ von Thomas Klingenmaier aus der →„Stuttgarter Zeitung“ übernommen. Im Netz find ichs nicht (wahrscheinlich im „Archiv“ nach Anmeldung), aber unten ein Stück des Beweisstücks. Für dessen Zusendung ich Paul Ott herzlich danke. – Und morgen gehts gleich weiter mit einer – halben – Eigenwerbung. So macht man das.
WeiterlesenSamstagspflicht mit Kür
Buchmessensamstag ist nur einmal im Jahr, Titelmagazin-Krimisamstag aber immer zwischen Freitag und Sonntag. Auch diesmal und natürlich mit dem Schwerpunkt „Türkei“. Der →Chef selbst wirft einen nicht sehr netten Blick auf türkische Kriminalliteratur, →Dieter Paul Rudolph tut es – auch nicht sehr nett – en détail bei Pinar Kürs „Mordsfakultät“. Und →Matthias Penzel kramt, völlig abseits von Türkei, Geschichtliches zum Gangsta-Rap aus seinem umfassenden Gedächtnis. Also wie gehabt: „Rätsel, Nebel, Manie“; um es mit →Velimir Chlebnikov dichterisch zu sagen.
Impressionen 2008
Drei Bilder, die mehr sagen als drei Worte, geben einen Eindruck von der Natur jener eigentlich unerträglichen Buchmesse, die jedes Jahr Tausende von Menschen anzieht, obwohl sie sich im Innersten ihrer Seele fragen: Warum bin ich eigentlich hier? Nun, vielleicht weil…
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