Swosh! – The Whole Nine Yards

Nach „Spin Around“, der Vorabsingle gilt es jetzt, das Debütalbum der vielversprechenden Newcomer Swosh! genau unter die Lupe zu nehmen. So intensiv und kritisch man sich auch mit diesem Album befasst, hier Fehler oder Mängel zu entdecken, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Jeder Song ein Kracher. Die Produktion von Guido Lucas und Kurt Ebelhäuser angemessener und besser nicht sein. Über Sänger Tino Oac noch groß Worte zu verlieren, wäre wie Eulen nach Athen zu tragen. Er zeigt seit längerem schon bei den Söhnen Mannheims, dass er sein Handwerk meisterlich beherrscht. Axel Niers, Schlagzeuger, und Enzo Miucci, Bassist, rollen souverän den groovenden Rhythmusteppich aus, auf dem sich die Gitarristen Mita Troup und Woolf Schönecker mit ihren präzisen und harten Riffs austoben.

Wenn im Zusammenhang mit „The Whole Nine Yards“ von Queens Of The Stone Age, Soundgarden, Muse, Tool oder gar Blackmail die Rede ist, dann ist das keine Spinnerei eines übereifrigen Promoters oder eines überschwänglichen Musikkritikers. Es ist schlichtweg Fakt. Parallelen zu Muse sind etwa in „Front Door“ auszumachen. Der Einfluss von Tool und Queens Of The Stone Age schimmert in dem dröhnenden „Bound“ durch. Was aber alles gar nicht heißen soll, dass Swosh! sich überall etwas abgekupfert hätten. Ihr Sound ist einzigartig. Sie haben eine eigene Nische im Alternative Rock-Bereich gefunden und sich dort hoffentlich langfristig eingenistet.


Swosh!
The Whole Nine Yards
Capitol/EMI)
VÖ: 9.8.2004

Fünf Sterne Deluxe – Wir Sind Im Haus

„Leude, Leude, Leude, ihr glaubt es nicht, es ist endlich so weit…“ So kündigen sich die Fünf Sterne Deluxe an, die nach überlanger Pause wieder zusammengefunden haben und diese mit der EP „Wir Sind Im Haus“ beenden. Die ist nur der Appetizer.Im Sommer gehen sie dann auf Festivaltournee, und im Herbst folgt das nächste Album. Trotz der Pause hat sich bei den Hamburger Jungs nix verändert. Außer, dass sie noch verrückter und experimenteller geworden sind. Ansonsten geben sie immer noch die durchgeknallten, verkifften Rapper ab, denen gerne ein Spaß über die Lippen geht. So lieben wir sie und so sind wir es von ihnen gewohnt. Die Fünf Sterne sind wieder im Haus, Hände und Arme hoch und bounct zu ihren fetten Beats. Das ist große Abendunterhaltung. Tobi Tobsen, Das Bo, Marcnesium und DJ Coolmann – ihr seid die Größten!

Fünf Sterne Deluxe - Wir Sind Im Haus
YoMama/Sony Music
VÖ: 5.7.2004

The (International) Noise Conspiracy – Armed Love

Erfunden haben sie ihren Sound nicht. Das weiß jeder Kenner der Szene. Zu der Musik, die vor allem dank der missionarischen Arbeit von The Make-Up mittlerweile allseits bekannt sin dürfte, gehörte im Falle von The (International) Noise Conspiracy immer schon ein sozialkritisches Konzept. Antiglobalismus, linke Gedanken – das verband man immer mit der Band des ehemaligen Refused-Sängers Dennis Lyxzén.

Revolutionär sind immerhin noch die Covergestaltung und das Booklet von „Armed Love“. In den Texten vermisst man hingegen deftige linkspolitische Parolen. Anscheinend haben sie – obwohl sie in der Zwischenzeit von Sara Almgren, der Quotenfrau in der Band, verlassen wurden – den Soul und die Liebe entdeckt. Hieß es früher in Anlehnung an die Pamphlete von The Make-Up „Wir sind alle kulturelle Prostituierte“, haben sie sich heute das Motto einer revolutionären Gruppe aus Uruguay zu Eigen gemacht. Die lautet: „Entweder tanzt jeder oder keiner“. An anderer Stelle heißt es im Booklet: „Ihr schmiedet Pläne, wir machen Geschichte“. Also, der Eindruck, das Revolutionäre sei ihnen gänzlich abhanden gekommen, ist nur ein oberflächlicher. Tief im Innern ihrer Herzen sind sie kleine Revoluzzer geblieben.

Auch musikalisch bleibt sich die Band treu. Neu ist Aushilfsorganist Billy Preston, eine Ikone in der Funk- und Soul-Szene, der einen 1A-Job macht. Die Orgel leiert wie in bester Jon Lord-Manier (Deep Purple). Dass Rick Rubin, der über ein Jahr bei Lyxzén & Co. Klinken putzen gegangen war, um diesen Job zu bekommen, ein Weltkasse-Produzent ist, darüber muss man wohl kein Wort mehr verlieren. „Armed Love“ ist ein weiterer Klassiker.


The (International) Noise Conspiracy
Armed Love
Burning Heart/SP
VÖ: 12.7.2004

Tiger Army – III: Ghost Tigers Rise

Was für schöne Namen: Nick 13, Geoff Kresge und Fred Hell. Sie sind die Tiger Army. Rekruten haben sie mit ihren ersten beiden Veröffentlichungen schon viele angeworben. Ihr Name ist in der Psychobilly/Surf- und Rock’n’Roll-Szene durchaus ein Begriff. Dass Hell nicht auf diesem Album die Schlagzeug-Parts einspielen konnte ist alleinig dem tragischen Umstand zuzuschreiben, dass er im Frühling letzten Jahres von einem Einbrecher in seiner eigenen Wohnung vier Mal angeschossen wurde. Trotz intensiver Reha-Maßnahmen musste Drum-Tech Mike Fasano einspringen. Hell ist mach wie vor Army-Mitglied und auf dem Wege der Besserung. Was die Musik betrifft, „III: Ghost Tigers Rise“ ist das solideste und lebendigste Album des Trios. Produziert wurde es von Nick 13, der einen ganz formidablen Job gemacht hat.


Tiger Army - III: Ghost Tigers Rise
Hellcat/SPV
VÖ: 28.6.2004

Tiger Lou: Is My Head Still On?

Meine Damen und Herren, wir möchten ihnen einen jungen Mann vorstellen, der auf sein Debütalbum wundervolle melancholische Songs gepackt hat, von denen wir noch lange zehren werden. Er ist 23 Jahre jung, glücklich verheiratet und heißt Rasmus Kellermann, tritt uns allerdings als Tiger Lou entgegen. Er ist ein zahmer Tiger. Würde jemand sagen, Kellerman käme nicht aus Skandinavien, aber aus Großbritannien, niemand würde zweifeln. „Is My Head Still On?“ ist gefühlvoller Singer/Songwriter-Pop; mal zerbrechlich und persönlich, mal schwelgerisch und bis zu gigantischer Größe aufgebauscht. „Mir ist es sehr wichtig, nett zu den Leuten zu sein. Ich mag keine Musiker mit arroganter Attitüde. Ich finde das langweilig. Es sind immer die gleichen dummen Sprüche„, erklärt einer, den Selbstzweifel plagen, bei dem, was er macht. Er sollte sich um seine musikalische Zukunft keine Sorgen machen – zumindest nicht, wenn er den Weg weiterverfolgt, den er mit diesem beeindruckenden Debüt eingeschlagen hat.


Tiger Lou - Is My Head Still On?
V2/Rough Trade
VÖ: 1.6.2004

Sedoussa – Sedoussa

„Wir sind süchtig wie ein Kind nach Schokolade, wie ein Junkie nach ’ner Nadel und ein Teenie nach dem ersten Kuss“, heißt es in der in Soul gebetteten Liebeserklärung „Süchtig“, die Celina an ihren imaginären Partner richtet. Auf Anhieb überzeugenden deutschen Soul, das hat man schon lange nicht mehr erleben dürfen. Wenn überhaupt schon mal, denkt man länger drüber nach.

Celina ist nur ein Drittel von Sedoussa. Die Band besteht zudem aus Leon (Bass) und Chriz (Schlagzeug), alles Berliner Anfang 20. Der Soul wird hier noch mit Instrumenten gespielt. Und nicht nur Soul. Auch R&B und Funk sind Rezeptgrundlagen. Dazu servieren sie Beats, Samples und deutsche Texte. Denn die Scheu, auf deutsch Gefühle zu zeigen, die haben Sedoussa nicht. Warum auch?

„Sedoussa“ überrascht in allen Belangen: Songwriting, Celinas herzerweichende Stimme, die Produktion und die auf den Hörer übergehende Wärme sind nur einige der positiven Auffälligkeiten.


Sedoussa – Sedoussa
Four Music/Sony Music
VÖ: 26.7.2004

The Catheters: Howling… It Grows And Grows!!!

Aus der Heimatstadt des traditionsreichen Sub Pop-Labels kommt diese vielversprechende Garage/Rock’n’Roll-Band: The Catheters. Neu ist sie nicht, vielleicht aber vielen bisher verborgen geblieben. Sie gründete sich vor fünf Jahren und veröffentlichte das selbstbetitelte Debüt auf Empty Records und dessen Nachfolger „Static Delusions And Stone-Still Days“ auf Sub Pop.

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Ikara Colt: Modern Apprentice

Ikara Colt haben ein beneidenswertes Gespür für Ohrwurm-Melodien und ein glückliches Händchen, mit ihnen Hits zu basteln. Auf ihrem zweiten Album sind davon einige zu hören: „I’m With Stupid“, „Rewind“ und der grandiose Opener „Wanna Be That Way“ sollen nur einer vorläufigen Auswahl angehören. Produziert hat dieses Noise- und Garage Rock-Gewitter Alex Newport, der früher Frontmann der britischen Band Fudge Tunnel war und mit Max Cavalera an dem Industrial-Hardcore-Projekt Nailbomb gearbeitet hatte. Newport hat das vielschichtige Musikgebilde von Ikara Colt im Studio fachgerecht kanalisieren können.

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The Album Leaf: In A Safe Place

Trauer kann schöne Seiten haben. Der Zeitpunkt, eine Platte wie diese zu hören, könnte dann nicht günstiger sein. Rühre die Trauer von dem Verlust eines guten Bekannten, von Einsamkeit oder aus sonstigen Gründen her. Es sollte Abend sein, man sollte allein sein und draußen sollte kein Sterbenslaut zu hören sein. Dann ist der Weg bereitet, um sich The Album Leaf zuzuwenden und damit „In A Safe Place“. Hinter der Pseudoband steckt Jimmy LaValle. Er lebt in San Diego und wurde bekannt durch seine Mittäterschaft bei Tristeza und The Black Heart Procession. Seit fünf Jahren nimmt er auch Solo-Songs auf.

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The Devastations: The Devastations

Karen O von den Yeah Yeah Yeahs sagte zuletzt, „The Devastions“ sei das Beste, was sie seit Jahren hören durfte. Eine solche Aussage macht natürlich neugierig. Vor allem, da die Devastations nicht dem Lauten, sondern dem Leisen frönen. Das Trio aus Melbourne ging aus der Band Luxedo hervor. Zur Referenz könnte man an dieser Stelle Melancholiker wie die Tindersticks, Nick Cave oder The Birthday Party anführen.

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King Khan & The Shrines: Mr. Supernatural

King Khan tingelt seit Jahren durch die kleinen Clubs dieses Landes. Der Tausendsassa ist Sohn indischer Einwanderer, geboren in Montreal. Mitte der Neunziger heuerte er bei der kanadischen Band Spaceshit an und tourte mit ihr durch Nordamerika. Ein erster Europa-Abstecher war folgenschwer für King Khan. Er blieb in Deutschland zurück und gründete King Khan & The Shrines, eine mehrköpfige Soul-Funk-Garage-Big Band.

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Mellow Mark: Das 5te Element

Wüsste man es nicht besser, man könnte annehmen, Mellow Mark sei der uns bisher verheimlichte Bruder von Patrice. Ist er aber nicht. Der nunmehr 29-jährige Mark Schlumberger ist mit Patrice nicht verwandt. Zumindest nicht genetisch. Geistig vielleicht. Beide lieben deutschen Reggae. Was Mellow Mark auf „Das 5te Element“ macht, lässt sich gut und gerne mit dem Schaffen von Patrice und Seeed vergleichen.

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Ballboy: A guide for the daylight hours

Sie kommen aus Schottland, machen etwas zwischen Folk und niedlichem britischem Indierock und sprechen mit ihrer Musik jeden Belle & Sebastian-Fan dieser Welt an. Etwas flotter und lebendiger ist „A Guide For The Daylight Hours“ allerdings im Vergleich zu den Kompositionen von Stuart Murdoch & Co. Songtitel wie „I wonder if you’re drunk enough to sleep with me tonight“ erklären sich wohl von selbst. Schotten eben.

(8 Fritten)

Ballboy: A guide for the daylight hours
(Sputnik/Cargo)

Suffocation: Souls To Deny

Gegen Suffocation sind Cannibal Corpse ja Waisenknaben. Der Drumstick rattert schneller über das Ride-Becken und das Snare-Fell als der Sekundenzeiger. Schlagzeuger Mike Smith Hat keine ruhige Sekunde. Frank Mullen röhrt dazu wie ein im Sterben liegender Elch, während Gitarre und Bass das Inferno vollenden. Grindcore-Fans werden entzückt sein. Unsereins reagiert derweil eher irritiert und zurückhaltend.

(5 Fritten)

Suffocation: Souls To Deny
(Relapse/SPV)

Sticks And Stones

Nee, Free-Jazz-Saxophon-Gedudel, das geht mir zu weit. Strukturen kann ich nicht erkennen. Nur ein heilloses Durcheinander. Eigentlich mag ich Thrill Jockey. Doch bei dieser Platte, auf der Musiker von Town & Country mit Leuten des Chicago Underground Duos werkeln, reißen mir alle Geduldsfäden. John Zorn lässt grüßen, ich gehe geschwind ab.

(3 Fritten)

Sticks And Stones: Shed Grace
(Thrill Jockey/Rough Trade)