Luna: Romantica

Luna: Romantica
(Beggars Banquet)
Kleines Namedropping gefällig? Dean Wareham spielte bis 1990 bei der Indie-Legende Galaxy 500, holte sich nach Auflösung der Band Unterstützung von den Feelies und den Chills, um seine neue Band Luna ins Leben zu rufen. Mitte der Neunziger spielten Luna dann auch auf ausdrücklichen Wunsch von Lou Reed Support für die Velvet Underground Tour. Um noch weiter abzurunden, wurde Romantica von Dave Fridmann (Mercury Rev/Flaming Lips) produziert.

Selbst wenn man die Band nicht kennt, kann man sich schon vorstellen, wonach das in etwa klingt. Genau, Luna spielen psychedelischen Gitarren-Pop aus der Velvet-Schule vom Feinsten. Und so gut wie hier ist ihnen das schon seit dem 95er Album Penthouse nicht mehr gelungen. Zwar ist Penthouse mit Sicherheit immer noch der kreative Höhepunkt, aber mit neuer Bassistin, Zusammen mit Britta Phillips (ex-Ben Lee), lässt Dean „Poetry is about small observations“ Wareham die Saiten flirren wie schon lange nicht mehr. Dave Fridmann plazierte in seinem Studio dann noch einiges an skurillen Soundeffekten um einfache und effektive Textzeilen wie, „once we have dreams, now we have schemes“ oder „In 1995 I told a thousand lies“. Relevant ist das für die Welt wie wir sie kennen natürlich überhaupt nicht, aber vielleicht für… Dein Leben.

„Wrap your troubles in dreams“, sag ich da mal.

Luna: Romantica
(Beggars Banquet)

Avril: That horse must be starving

Es ist so eine Sache mit den Infos des Labels zur CD von Fred „Avril“: Unser junger (27), französischer Held machte mit 12 seine ersten Aufnahmen auf der eigenen 4-Spur-Maschine mittels Gitarre und Piano, um dann mit 18 der Musik erstmal den Rücken zu kehren und sich dann (klar, so ist das mit den Franzosen) der Literatur zuzuwenden. Die sechs Jahre dazwischen hat er noch dazu genutzt, Punk Rock und John Lennon mitzunehmen. Natürlich fand er noch die Zeit, alle Soli von Jimi Hendrix auswendig zu lernen und Ton für Ton nachzuspielen.

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Dubblestandart: Streets of Dub

Die Herren aus Wien haben ja schon mit jedem grossen Namen aus Jamaica zusammen gearbeitet, der noch nicht erschossen worden ist. Lee Perry oder Dillinger, zum Beispiel. Im Geschäft sind sie auch schon zehn Jahre. Da hat sich einiges an Erfahrung angesammelt. Man könnte also grosses erwarten. Allerdings dümpelt Dubblestandart leider im seichten Fahrwasser der mittlerweile zu Stars gewordenen Kollegen aus der Heimatstadt.

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Rocko Schamoni & Jogging Mystique: Showtime

Na Leute, könnt ihr euch auch noch an Zeiten erinnern, in denen sich „Jugend“ und „CDU“ noch weitestgehend ausgeschlossen haben? Sowohl begrifflich, als auch inhaltlich.
Das war ungefähr zu der Zeit, als uns Rocko Schamoni, damals noch mit dem Beinamen „King“ ausgestattet, mit seinem Beinahe-Radiohit „Ich will Liebe“ den Sommer versüßte. Ja, Goldene Zeiten.

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Freischwimmer, 5 Years Kitty-Yo

Fünf Jahre Kitty-Yo. Ein Grund zum Feiern und auch ein Grund zur Werkschau. Auf zwei CD’s oder wahlweise auch vier LP’s bietet das Berliner Label einen Überblick über die bisherigen Veröffentlichungen und auch einen Einblick in die zu erwartenden Releases neuer Künstler.
Gleichzeitig auch ein Blick auf die immense Entwicklung, die „deutsche“ Popmusik in den letzten fünf Jahren erlebt hat. Woran Kitty-Yo ja auch erheblich beteiligt war. Eine Entwicklung weg von der Dominanz der Gitarre, über Experimentierfreudigkeit, hin zum verstärkten Einsatz digitaler und analoger Elektrik. Pop im weitesten Sinne. Aufgeblasen, gedehnt, überdehnt, wie eine Gasblase, immer nach allen Richtungen in Bewegung aber stetig aufsteigend. Im Labelkatalog finden sich dann auch Bands/Projekte/Individuen, die in ihrem Kontext „im weitesten Sinne“ agieren, an ihre Grenzen gehen. Das ist natürlich nicht immer gut zu verkaufen, aber das ist auch nicht der prinzipielle Ansatz einer Kitty-Yo-Veröffentlichung.

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Mouse on Mars: Niun Niggung

Laßt es mich so formulieren: Das neue Album von Mouse on Mars ist nicht so schlecht, wie man vielleicht, nach den ersten Takten der neuen Single “ Distroia“ hätte erwarten können. Der Opener „Download Sofist“ kommt mit Akustik- Gitarrenintro und Bläsern, die schon nach kurzer Zeit völlig entgleisen, um dann in den gewohnten Mouse on Mars- Groove zu rutschen . Ihr wisst schon, den Groove mit dem Off- Beat. In Finnland nennt man das, glaub ich, Humpa.

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Kristofer Åström & Hidden Truck: Go,went, gone

Nein, er ist kein Unbekannter. Kristofer ist vielleicht dem Leser als Sänger der schwedischen Band Fireside ein Begriff. Im Gegensatz zum Sound von Fireside, übt sich Åström im klassischen Songwriting mit Akkustik-Gitarre. Wie so viele seiner Musikerkollegen, muß man eigentlich sagen. Denn der Akkustik-Klampfen-Output ist seit dem großen Erfolg des Unplugged-Konzerts von Nirvana seinerzeit unvermindert hoch. Kaum ein Sänger der Grunge-Generation, der sich nicht dazu berufen fühlt sein „persönliches und reduziertes Album“ heraus zu bringen. Die Anzahl der Veröffentlichung dieser Art ist natürlich auch proportional zur Größe des Mittelmaßes unter diesen Alben. Das, in der Tat gefällige, Name-Dropping scheut sich nicht, große Namen, wie Nick Drake, Red House Painters oder Elliott Smith ins Rennen zu schicken. Leider kommt Kristofer Åström über ein „Klingt wie …“ mit seiner Platte nicht hinaus.

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Pole: LP2

Ich hätte ja nicht gedacht, daß es so schnell geht. Stefan Betke legt schon einen nach. War doch seine LP1 erst vor vier Monaten an gleicher Stelle die Schönheit der Ausgabe. Muß man bei musikalischen Schnellschüssen eigentlich immer mißtrauisch sein, gibt es bei Pole keinen Grund dazu. LP2 macht genau da weiter, wo der Vorgänger aufhörte. Basierte LP1 strukturell noch auf dem Knacken eines defekten Waldorf-Filters, das mit unglaublich fetten Dub-Bässen unterlegt war, so verzichtete Stefan Betke bei den neuen Aufnahmen auf den defekten Filter.

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Blumfeld: Old Nobody

Es könnte ganz gut passieren, daß sich Herr Distelmeyer mit seinem neuem Album „Old nobody“ von seiner alten Fangemeinde verlassen sieht. Er macht es ihr auch nicht gerade leicht. Hat er doch jetzt den Sound der Achtziger für sich entdeckt. Insbesondere der Sound von George Michael und von Prefab Sprout hat es ihm angetan. Dumm nur, daß sich der größte Teil seiner Hörerschaft von diesem Sound eher peinlich berührt fühlen dürfte und damit wohl auch kaum Verständnis für seine neu entdeckte Liebe zu cleanen Pop-Sounds aufbringen kann. Unverdient, wie ich meine. Denn Jochen Distelmeyer hat die seltene Gabe Emotionen in Worte zu fassen und damit auch dem Zuhörer verständlich zu machen. Er hat wohl auch die Frau seines Lebens getroffen, zumindest hat er sich die letzten beiden Jahre ausführlich mit der Thematik beschäftigt.

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The Black Crowes: By your Side

Eigentlich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, „By your Side“ zur Schönheit der Ausgabe zu machen. Gott sei Dank, kam dann aber noch Pole auf meinen Plattenteller. Ansonsten hätte ich mich wahrscheinlich mit schweren Anfeindungen seitens der Redaktion konfrontiert gesehen. Retro hin oder her, die Black Crowes klingen natürlich wie eine Southern Rockband aus dem Jahre 1972. Aber das machen sie verdammt gut! Und es macht verdammt viel Spaß!

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Stol: s/t

STOL, Avantgarde-Musiker aus Berlin und Saarbrücken, arbeiten an den Grenzbereichen der musikalischen Wahrnehmung im pop-kulturellen Zusammenhang und gegen song-strukturellen Formatierungen. STOL machen Musik für den Raum und für den Menschen im Raum. Möglicherweise klingt das jetzt abstrakter und theoretischer als der Ansatz des Musik-machens der dieser Musik zugrunde liegt eigentlich ist. Um genau zu sein, geht es bei STOL mehr um Soundstrukturen, denn um Songstrukturen. Die nun vorliegende EP, die am 29.10. bei Kitty yo! veröffentlicht wird, faßt mehrere Soundspuren der Band, nun zum ersten Mal auch für eine breitere Öffentlichkeit, zusammen.

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Torococo rot + d: Setthissandypieceascompassesgocopabeiallemwasdumachstadaylong

Nachdem schon beim Titel die Hälfte der mir selbst auferlegten maximalen Zeichenzahl erreicht wurde, muß ich mich jetzt kürzer fassen, als sonst von mir gewohnt. (Na ja, da wollt‘ ich schon immer dran arbeiten.) Übergangsmäßig paßt das Teil ganz gut in die Endlosrille der „Fechterin“- EP, obwohl natürlich noch eine Veröffentlichung dazwischen lag: Torococo rot haben sich wieder mehr von den „natürlichen“ Sounds der EP und der Sachlichkeit, die „Veiculo“ noch dominierte, entfernt und nähern sich über Rauschgeneratoren und kratzige Sounds einem Wärmegrad an, der wirklich beeindruckend ist.

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A Tribe called Quest: The Love Movement

Lange haben sich Q-Tip, Phife und Ali Shaheed Muhammad mal wieder Zeit gelassen zur Veröffentlichung eines neuen Albums. Nicht ganz so lange wie beim letzten Mal ( drei Jahre ), nein diesmal waren es nur zwei. Lange genug, wie ich meine, konnte man doch nach Q-Tip’s Zusammenarbeit mit Janet Jackson bei deren letzt-jährigem Hit „Got it ,til it’s gone“ und seiner Mitarbeit am brillanten „Lyricist Lounge“- Sampler von Rawkus doch auf großes hoffen. Zeichnete sich, nach dem Meisterwerk „Midnight Marauders“, beim letzten Album „Beats, Rhymes and Life“ ein leichter kreativer Stillstand ab, ist es ATCQ mit dem neuen Album gelungen sich von alter Last zu befreien und zu neuen Ufern aufzubrechen.

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Interview: Red Snapper

„Die große, braune Kiste ist ein Baß!“

RED SNAPPER, die Band aus England, die mit ihrem letzten Album „Prince Blimey“ und der dazugehörigen Tour (u.a. mit Prodigy) auch im Rockbereich für Aufsehen sorgen konnte, legt jetzt das neue Album „Making Bones“ vor. Eigentlich schon für den 13.7. diesen Jahres angekündigt, konnte man vermuten, daß die Verschiebung des VÖ’s aus den üblichen produktions-technischen Gründen erfolgte. Aber weit gefehlt:
„Wir dachten, daß die Fußball WM und ein neues RED SNAPPER-Album einfach zuviel für die Menschheit gewesen wäre. Außerdem gehen die Geschäfte für Tonträger im Moment nicht sonderlich gut.“

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Pole: LP 1

POLE ist Stefan Betke aus Berlin. Er arbeitet in einem Mastering- Studio in Berlin und bei der Gelegenheit ist ihm der namensstiftende Pole-Filter mal irgendwann zu Boden gefallen, was uns, den Hörern, jetzt diesen typischen, an verkratzte Schallplatten erinnernden Sound beschert hat. Ein absolut charakteristischer Sound, der, in seiner Einzigartigkeit und gleichzeitigen Un-Kontrollierbarkeit, aber „nur“ ein Teil eines Gesamt-Sounds ist, der im Tief-Frequenzbereich mit beiden Beinen im Dub und Reggae verwurzelt ist. Deswegen ist LP 1 auch eine rundum entspannte Sache für entspannte Leute geworden.

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Dubadelic: Bass Invaders

„Propelled beyond the time zone into a dark dimension of space we rejoin the story after the end of the world.“

Da sitz ich jetzt. Nach dem Ende der Welt. In einer dunklen Dimension des Weltraums und ich bin schon wieder mittendrin in der Story. Ging der erste Teil (Dubadelic-„2000: A Bass Odyssey) bekanntlich damit zu Ende, daß Prinzessin Leia mit Darth Vader in den Honeymoon zum Planeten Deirdre im Quadranten Casopeia 9834 entschwand um endlich einmal vor diesen beiden Blecheimern sicher zu sein sind unsere Helden (Bill Laswell, Spectre, Dr. Israel und The Eye), auch diesmal beschützt von der „Mighty Unseen Force“, wieder unterwegs zur Erforschung des Geheimnisses der verschollenen Dubplates. Und wieder einmal sind faszinierende Abenteuer im Tieffrequenzbereich zu bestehen.

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Clipper: Schön gedacht (Demo-MC)

Sechs Titel von der jungen Band aus dem Saarland. Gut produziert und schön verpackt. Songs der etwas anderen Art mit deutschen Texten von bisher unerreichter Qualität, zumindest das Saarland betreffend. Gut , ich hör‘ euch schon „Hamburger Schule“ rufen und seh‘ euch schon gähnen, aber obwohl „Hamburger Schule“ und „Pullunder Rock“ Begriffe sind, auf die sich Clipper in ihrem Info auch direkt beziehen, werden diese abgedroschenen Schlagwörter der Band nicht gerecht.

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Fink – Loch in der Welt

Nach dem letztjährigen Debüt- Album „Vogelbeobachtungen im Winter“, das schon überall gehypt wurde, legen FINK aus Hamburg, mit „Loch in der Welt“ jetzt noch Einen nach, wenn nicht sogar noch Einen drauf.

FINK sind die legitime, deutsche Antwort auf „16 Horsepower“. Für die Unwissenden unter euch: Bei beiden Bands dient amerikanische Country- Musik als Basis für das Songwriting, das aber auch Rockeinflüße mit einbezieht.

Wurde der amerikanische Country auf dem ersten Album noch fast 1:1 übernommen, gelingt es FINK auf dem neuen Album, die bilderreiche Sprache desselben in eine eigene Sprache umzuwandeln. Und die ist nun einmal „Deutsch“. Aber es funktioniert trotzdem. FINK erzählen in ihren Songs Geschichten von entwaffnender Einfachheit und ergreifender Schönheit. Sänger Nils Koppruch balanciert mit seinem Gesang und seinen Texten konsequent auf dem schmalen Grat zwischen Wolf Maahn und Element of Crime, zwischen Garth Brooks und Merle Haggard oder einfach zwischen Dummheit oder Genialität. Und während er so die Mitte hält, setzt er immer wieder zu Höhenflügen an, um im nächsten Moment wieder volle Bodenhaftung zu haben. Und genau dadurch erhalten die Songs eine Spannung des Banalen und Privaten.

Dank FINK wird einem klar, daß das echte Action-Kino im Alltäglichen liegt und, daß der echte Horror gleich um die nächste Straßenecke geschlendert kommt. Das fängt dann gleich morgens um sechs mit dem Aufstehen an und endet, wenn überhaupt, mit dem letzten Drink auf Pump an der Theke der „netten“ Banhofskneipe. Diese Platte solltet ihr eigentlich immer hören. Zumindest aber solange, bis die Kühe nach Hause kommen.

Fink
Loch in der Welt
(iXiXeS-records/Indigo)