Dagmar Scharsich: Der grüne Chinese

Zu „historischen Kriminalromanen“ habe ich ein eher gespanntes Verhältnis. Was einem da an „akribisch recherchiertem und atmosphärisch dichtem Zeitbild“ gepinselt wird, entkommt selten den Biederkeiten kriminalliterarischen Mittelmaßes und scheitert in den meisten Fällen an der Tatsache, dass sich bestimmte Dinge eben nicht so einfach recherchieren lassen. Die Denkweise der Menschen zum Beispiel.

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Unwählbar: CDU/CSU

Wenn´s schon so losgeht: „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum“. In diesem Fall handelt es sich um das Wahlprogramm der Union (naja, genau gesagt erst um den Entwurf, aber man sollte wohl nicht annehmen, dass sich da noch wesentliches ändert). Gefordert werden u.a. auch Netzsperren nach Vorbild unserer französischen Nachbarn.  Dass deren Verfassungsgericht das Gesetz wieder einkassiert scheint auf die Partei von Wolfgang Schäuble keinen Eindruck zu machen.

Kai Biermann in der Zeit: →Ahnungslos im Netz

Unwählbar: J. Trittin

SPIEGEL: Beobachten Sie manchmal an sich selbst eine Tendenz zur gediegenen Bürgerlichkeit?
Trittin: Ich lege demnächst wieder als DJ auf, da spiel ich die „Toten Hosen“ und ihr: „Es gibt tausend gute Gründe, auf dieses Land stolz zu sein. Warum fällt uns jetzt auf einmal kein einziger mehr ein?“
Wenn Sie das spießig finden – bitte.

aus Spiegel 26/2009

Uff!

Meine Fresse, was für ein stressiger Tag gestern! Krimikulturblog beziehfertig machen, die Leutchen reinlassen – umständlicher als erwartet, aber allmählich schlurfen sie ins gemachte Nest und beziehen ihre Zimmer. Dann große Zulassungsprüfung, schließlich sind wir die zukünftige Krimielite.

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Das Dies und das Das

Tja… So kanns gehen. Man freut sich auf ein Buch, weil es ein verlockendes Thema – alte Krimis – zu behandeln verspricht. Und dann vergisst man es einfach. So ergangen mit Dagmar Scharsichs „Der grüne Chinese“, irgendwann im Herbst 2008 erschienen. Sehr ärgerlich. Um so mehr, als sich jetzt, da man den Roman endlich in Händen halten und durchschmökern kann, zeigt, was einem monatelang aus eigener Schusseligkeit vorenthalten wurde. Rezension wird aber baldigst nachgeholt, versprochen.

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Hasenkatzen und anderes

Wunderliches am heutigen Krimisamstag des Titelmagazins. Klaus Kamberg erläutert uns u.a. in seiner →übersetzerkritischen Glosse, warum Katzen Hasen sind. →Frau Dr. Lehmann lässt die Profiler am Tatort herumstolpern – oder doch nicht? Thomas Wörtche berichtet über →Schulfunk in BIldern, aber dann wirds endlich wieder normal: It’s Rezitime! Nadja Israel hat sich →Walter Mosleys „Cinnamon Kiss“ noch einmal vorgenommen, Henrike Heiland schwärmt von →Michael Robotham, eine erbarmungslose Anna Veronica Wutschel schimpft auf →Jack Bailey und Jörg von Bilavsky ergötzt sich an →Jörg Juretka. Doch all das kann →César Vallejo, Autor des Krimigedichts, nicht trösten…

Neue E-Petition

Die GEMA bot nicht übermäßig erfolgreichen Musikern immer schon reichlich Grund zur Kritik (unklare Verteilungsschlüssel, GEMA-Vermutung, u.ä).  Durch eine geplante drastische Gebührenerhöhung für Livekonzerte fühlen sich jetzt besonders Klein- und Hobbyveranstalter bedroht. Eine Veranstalterin schlägt jetzt mit einer E-Petition beim Deutschen Bundestag zurück: Weiterlesen

When the music´s over

Keine Popkomm in diesem Jahr. „Who cares?“ könnte man sagen. Oder: „War ja abzusehen“. Den Tag über klang es allerdings so als habe Dieter Gorny die Popkomm aus Protest gegen „die Internetpiraterie“ abgesagt. Dabei ist Gorny zwar so was wie der Erfinder der Popkomm aber längst nicht mehr ihr Big Chief (dafür seit 2007 Vorstandsvorsitzender des ↑Bundesverbands Musikindustrie). Und zum angeblichen Grund der Absage meinte Tim Renner in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur (↑ Musikproduzent: Konzept der „Popkomm“ hat sich überholt)

„Wenn das der Grund ist, dann fällt er den Beteiligten sehr spät auf. Denn die Hauptschäden im Verlust des Umsatz haben sich abgespielt zwischen 1998 und 2003. Wie Herr Gorny immer betont vom Bundesverband Musikindustrie, fällt der Markt kaum mehr. Weshalb dann jetzt die Messe absagen? Mein Gefühl ist, das Konzept der Messe hat sich überholt. Es ist weder ein Talent-Event noch ist es ein Publikums-Event. Es ist eine Selbstdarstellungsfeier der Musikindustrie. Und die hat in der Tat wenig zu feiern in dem Moment, wo sie ihr Geschäftsmodell nicht mehr im Griff hat.“

P.S.: Ah, die Popkomm kann sich tatsächlich auch selbst absagen: ↑Popkomm-Macher bestätigen Aus für 2009

Krimikultur: Zusammenfassung

Also, halten wir fest: Die IG Krimikultur ist ein lockerer Zusammenschluss von Menschen, die daran interessiert sind, die Beschäftigung mit „Krimi“ zu fördern. Wie das geschehen soll? Das werden die Interessierten in einer „Klausur“ diskutieren. Zu diesem Zweck wurde ein nichtöffentlicher Blog eingerichtet, der in den nächsten Tagen bezogen werden kann.

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Raise your flag

Der Bundestag beschließt wider besseres Wissen (wenn auch nicht das eigene) von der Leyens Stoppschild-Gesetz und René von Nerdcore scheint darob ein bisserl verstimmt zu sein:

Liebe Politik,
nach diesem Beschluß eines Gesetzes, das in mehreren Punkten gegen das Grundgesetz verstößt (Aushebelung der Gewaltenteilung, Verhinderung der Aufklärung von Straftaten), wird es auf sie in diesem Internet nur noch Scheiße regnen. Das ist ein Versprechen.

Das Gesetz für Netzsperren ist beschlossen: Meine Unabhängigkeitserklärung des Internets von der deutschen Politik

Das Geheimnis des Wassers

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Nein, das ist kein „Wasserkrimi“, so wie es „Weinkrimis“ gibt. Sondern ein ehrwürdiger Vertreter der deutschen Kriminalliteratur der Zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Und Robert Kohlrausch ein durchaus fähiger Autor mit großem Talent zur Spannungserzeugung. „Das Geheimnis des Wassers“ kann jetzt endlich auch von modernen Leserinnen und Lesern gelüftet werden. In der →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“, wo sonst. Ein Stück erfolgreich praktizierter Krimikultur.

Der grüne Tunnel

Seit einigen Tagen raunt es durch die Blogosphäre: Da gibt es einen neuen Krimiblog… ganz geheim… nur für Eingeweihte… nicht fürs profane Lesevolk… ein grüner Tunnel führt in dieses unterirdische Feen- und Gnomenreich… Manche haben ihn sogar schon gefunden, allein: Sie kommen nicht rein. PRIVAT! steht an der Tür, und die ist fest verschlossen. Öffnen kann sie nur ein Passwort, das aber erhalten ausschließlich diejenigen, deren Interesse an KRIMIKULTUR bekundet wurde.

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Zwischen den Genres

„Was Krimis und Phantastik gemeinsam haben“ nennt der Blogger molosovsky die →kleine Betrachtung der Genres, zu der ihn mein Gespräch mit Thomas Klingenmaier für die „Stuttgarter Zeitung“ angeregt hat. Tatsächlich finden sich diese Gemeinsamkeiten; so scheint etwa auch die Phantastik Schwierigkeiten zu haben, sich zu organisieren. Es gibt allerdings auch Unterschiede, die in der sich anschließenden Diskussion betont werden.

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Horst Eckert: Sprengkraft

So etwa muss man sich einen normalen Arbeitstag im Leben des Horst Eckert vorstellen: Der Autor am Frühstückstisch, vier bis sieben Zeitungen, von BILD bis FAZ zwischen Kaffeetasse, Brötchen und selbstgekochter Marmelade ausgebreitet; die stilvoll ins Mobiliar integrierten Fernseher (geschätzte fünf) radauen, der Laptop (gleich neben dem Honigtöpfchen) hält eisern die Leitung zum Netz, diverse Radiogeräte kakophonen Nachrichten.

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Eine Kiste explodierender Rezensionen…

… das ist der heutige Krimisamstag des Titel-Magazins. Thomas Wörtche eröffnet den Budenzauber mit einem Porträt des Autors →Mohammed Hanif und seines Buches „Eine Kiste explodierender Mangos“. Eher klassische Unterhaltung bevorzugte Doris Wieser bei der Lektüre des →„Großen Sherlock-Holmes-Buches“. Agis Sideras hat →Martin Kohan gelesen und Eva Karnofsky →zwei kubanische Kriminalromane in einem Band. Über die neueste Zusammenarbeit von →Bruen / Starr hat sich Frank Göhre amüsiert, derweil Frank Rumpel mit →Don Winslow surft. Bei dieser geballten Rezipower sollten wir Henrike Heiland nicht vergessen, die →Håkan Nesser interviewt hat – wahrscheinlich zu Klängen der →Beatles, die das heutige Krimigedicht zu verantworten haben.

Kleiner Unterschied

Ja, verstanden. Dass man ein Buch mit dem Originaltitel „Thirty-three Teeth“ in Deutsch „Dr. Siri sieht Gespenster“ nennt, ist okay. Warum ein Krimi „Verblendung“ heißt, wenn der schwedische Originaltitel „Männer, die Frauen hassen“ zu übersetzen ist, mag ebenfalls gute Gründe haben. Aus Reginald Hills „Good Morning, Midnight“ „Welch langen Weg die Toten gehen“ zu machen oder aus Lisa Jacksons „Absolute Fear“ das hübsch bilinguale „Cry – meine Rache ist der Tod“ – nun, das werden die Titelgeber einst vor ihrem Schöpfer verantworten müssen.

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