Kurt Bracharz: Der zweitbeste Koch

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Der zweitbeste Koch ist immer besser als der erstbeste, denn der heißt bekanntlich Hunger. Nur leider ist der zweitbeste, ein Chinese, spurlos verschwunden. Er hat in einer Art Mega-China-Event-City mitten in Wien gekocht, einem fernöstlichen Disneyland mit Restaurants, Hotels, einem Riesenrad (kleiner als das im Prater) – und einem Zoo. In diesem kulinarischen Paradies verkehrt auch Romanheld Xaver Ypp und das von berufswegen, er ist nämlich Gourmetkritiker der Zeitschrift „Lukull“.

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Revisited: Deutschland, ein schlechtes Krimimärchen

Hallo Deutschland, wie bist denn du wieder drauf? Taumelst durch dich selbst und stellst dir unerhört sinnhafte Fragen, wie ich in den letzten Tagen leider „den Medien“ entnehmen durfte. Was ist gute Unterhaltung, „Wetten dass“ oder „Dschungelcamp“ („Maybrit Illner“)? Soll man mit Drill oder ohne erziehen („Hart aber fair“). Hat ein Minister „gespickt“ (überall)? Entschuldige, Deutschland, aber das ist ungefähr so wichtig wie das „Wer war’s“, das einen Krimiautor umtreibt, also völlig ohne Belang, aber leider: Es zählt.

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Der neue Schauer

Auf den Einfluss des Schauerromans, der Gothic Novel, auf die Entwicklung der Kriminalliteratur muss eigentlich nicht mehr hingewiesen werden. Er hat seine Spuren auch anderswo hinterlassen, von Schiller über Jean Paul bis ETA Hoffmann und darüber hinaus, viele ihrer Elemente finden sich später eben auch im „Krimi“ wieder und einer der zentralen Begriffe der Gothic Novel wurde geschickt trivialisiert, der des „Genius“ nämlich.

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Kitsch, Kunst, Studer

Klassiker Glauser

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Die Wachtmeister-Studer-Romane Friedrich Glausers gehören seit den siebziger Jahren zum Inventar einer im Nachhinein gezimmerten Tradition der deutschsprachigen Kriminalliteratur. Anlass dieser „Wiederentdeckung“ war vor allem eine Reihe von TV-Verfilmungen, in deren Gefolge man diesen in mancherlei Hinsicht merkwürdigen Autor aus dem großen Vergessen zurückholte. Inzwischen ist nicht nur ein Krimipreis nach ihm benannt, er gilt vielen gar als DER Kirchenvater der deutschsprachigen Kriminalliteratur, das Pünktchen, mit dem „Krimi als Schund“ endet und „Krimi als Literatur“ beginnt.

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Fragen an die Klassiker

Auf den Schultern von Riesen steht es sich gut. Sie heben uns, sie stützen uns, leider begrenzen und bevormunden sie uns auch, spielen die Gesetzgeber, was wie im richtigen Leben zwei Seiten hat, eine konstitutive und eine repressive, eine bewahrende und eine hemmende. Aber sind es wirklich die Klassiker des Genres oder doch nur die Exegeten der Klassiker des Genres? Wie haben es die Meister denn nun wirklich angestellt, Meister zu werden?

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Elmore Leonard: Road Dogs

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Warum sollen wir eigentlich Elmore Leonards „Road Dogs“ lesen? Erwarten uns „gesellschaftliche Relevanz“, „packende Milieustudien“, gar „psychologische Tiefer“? Eher nicht. Ein bisschen ist das wie ein Roman von Saul Bellow. Es wird einem was erzählt und man braucht schon einiges Abstraktionsvermögen, um herauszufinden: Hey, der schreibt da grad über mich.

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Helmut Zenker

Gestern gleich zweimal über den Geburts- und Todestag von Helmut Zenker (11.1.1949 – 7. 1.2003) gestolpert und für ein paar Gedanken liegen geblieben. Zenker erfand den Polizeimajor Kottan – hieß er nicht Adolf mit Vornamen? – Held einer Serie, die einem die hedonistischen 80er Jahre erträglich machte, wenn es überhaupt die 80er waren, gefühlt auf jeden Fall, keine Lust zu googeln.

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Etwas übertrieben

Joe Gores ist tot. Er starb am 10.1.2011 und das ist natürlich sehr traurig. Man kann dem Mann nichts Schlechtes nachsagen, nicht einmal nach seinem Tod, er war hierzulande unverdientermaßen ein wenig im Schatten, sein Klassiker „Hammett“ aber fand weltweite Beachtung. Aber jetzt kommts: Auch Dashiell Hammett starb an einem 10.1., zwar 1961, aber immerhin exakt 50 Jahre nach Gores. Zufall? Ja klar. Wir kennen sie doch, die Zufälle in Krimis und rümpfen die Nase darüber. Hier hat Gores übertrieben, aber vielleicht wars auch der liebe Gott oder einfach der Zufall selber, der mal im richtigen Leben wie im Krimi sein wollte. Farewell, Joe.

Zwei Protagonistinnen

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Sie haben vieles gemein. Ihre Abenteuer erleben sie in Krimis des Ariadne Verlages, ihre SchöpferInnen haben, nach positiv aufgenommenen Debüts, ihre jeweils zweiten Romane vorgelegt, sie sind Frauen in den frühen Dreißigern und beileibe nicht das, was man kantenlos nennt. Beider Profession ist nicht das Klären von Mordfällen. Die eine, Nikola Rührmann, arbeitet als Meteorologin im Hamburg des Jahres 1999, die andere, Lilly Sommer, schlägt sich als erfolglose Schauspielerin mehr schlecht als recht durch Wien.

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Propheten des Untergangs

Als journalistisches Leitmedium in Sachen Kriminalliteratur ist uns die „Süddeutsche Zeitung“ bislang eher nicht aufgefallen. Vor Jahr und Tag, als man die hauseigene „SZ Kriminalbibliothek“ mit bequemen Wiederverwertungen sogenannter „Klassiker“ vermarktete, schien sich das zu ändern, aber es war dann doch nur schlichtes Marketing und endete mit dem erwarteten vollständigen Abverkauf der Bücher. Jetzt hat die SZ wieder zugeschlagen und lässt einen sicheren J. Käppner einen →Abgesang auf den Krimi singen.

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Claudia Piñero: Die Donnerstagswitwen

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Noch ein Buch, an dessen Beispiel man sich trefflich über Sinn und Unsinn des Krimi-Begriffes und seiner dramaturgischen Agenda streiten könnte. Claudia Piñero, seit „Ganz die Deine“ auch hierzulande mit einem guten Ruf, erzählt in „Die Donnerstagswitwen“ die Geschichte dreier Leichen in einem Swimmingpool und vieler Scheintoter in einer Luxussiedlung am Rande von Buenos Aires. Was sie uns da berichtet, ist nicht überraschend. Doch wie sie das macht, besitzt Raffinesse.

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