Ein Blog geht ins neue Jahr

Ja, das sähen einige gerne: Wenn dieser kleine Krimiblog hier versanden würde wie ein Flüsslein in der Wüste. Ich gebe zu: Mit dem Gedanken wurde gespielt, aus vielerlei Gründen, privaten wie grundsätzlichen. Der Trend geht weg vom Blog, hin zu den „sozialen Netzwerken“, ist auch in Ordnung so, aber alles muss man nicht mitmachen. Auch Blogs sind soziale Netzwerke, wenngleich – das ist mir ebenfalls nicht entgangen – die Bereitschaft zur Diskussion etwas nachgelassen hat. Verständlich. Nach wie vor regiert die alte Mauschelbrigade und lebt fröhlich an den modernen Zeiten vorbei. So etwas törnt ab, es weckt aber auch neue Kräfte. Jedem sein „Stuttgart 21“.

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Ein Blog wünscht frohe Weihnachten

Dieser kleine Blog wünscht allen Leserinnen und Lesern das, was sie sich von Weihnachten erwarten, auch wenn sie nichts erwarten. Ein wenig vernachlässigt war er im ablaufenden Jahr, aber er existiert noch, nebst anderem. Ob das so bleiben wird, darüber reden wir im neuen Jahr. Manchmal müssen sich die Dinge ändern, manchmal ändern sie sich, indem sie so bleiben wie sie sind. Mit diesen hochphilosophischen Worten entlasse ich euch offiziell in die Besinnlichkeit. Macht was draus.

Das Gesicht der Stadt der Unsichtbaren

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Markus Dawo, Cheflayouter des Conte Verlags, hat sich mal wieder selbst übertroffen, was er zwar immer tut, aber trotzdem. Sein Cover zu meinem nächsten aus der berüchtigten Pipeline entlassenen Roman ist jedenfalls – um im Jargon des Buches zu bleiben – voll supi krass ey alda! Dafür aufrichtigen Dank aus Blieskastel-Lautzkirchen nach Blieskastel-Alschbach (kleiner Scherz für Ortskundige).

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Ron Goulart: Groucho Marx, Meisterdetektiv

Groucho Marx, der Komiker mit der bevorzugt nichtrauchenden Zigarre im Gesicht, ist unter die Detektive gegangen, wenigstens im Roman von Ron Goulart. Hat das irgend eine Bedeutung? Natürlich nicht. „Groucho Marx, Meisterdetektiv“ gehört zu den völlig sinn- und zwecklosen Kriminalromanen, mit denen man uns zu drangsalieren versucht, aber er gehört NICHT zu den scheinwichtigen, hölzern fabulierten und in ihrer Witzigkeit völlig witzlosen Elaboraten, von denen ich soeben wieder ein Halbdutzend vom Tisch gestoßen habe. Ein Krimi zum Spaßhaben also, nicht mehr, nicht weniger, also genug.

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Aufforderung zum Widerstand

Öffentlicher Personennahverkehr, du hast es gut. Liegt bei dir etwas im Argen, demonstriert ganz Deutschland, wenigstens halb Stuttgart. Da soll aus einem Kopfbahnhof ein unterirdischer werden, da geht es um alte Bäume und junge Juchtenkäfer, da erscheint Heiner Geißler höchstselbst und schlichtet grummelnd vor sich hin. Und was passiert, wenn man dem Krimi an den Kragen will? Nichts passiert.

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In Gottes Ohr

„Viele junge Kollegen wissen nichts über das Genre, blicken mich fragend an, wenn ich zum Beispiel den Namen Chandler erwähne“ (….) Es reicht eben nicht nur Deutsch zu können, um einen Krimi zu schreiben, auch wenn viele pensionierte Lehrerinnen das zu glauben scheinen.“

Sagt Frank Göhre der →TAZ. Aber obs denn hilft?

Deutscher Krimi endlich auf Weltniveau!

– oder: das bescheuertste Projekt aller Zeiten. Immerhin: Superlative verspricht das soeben freigeschaltete →„Edwin-Drood-Projekt“, der einzige Kriminalroman, der als FRAGMENT angelegt ist. Jeden Tag schreibt der Autor eine Seite – und erst der Tod wird ihm den Laptop aus der Hand nehmen. Ein unvollendeter Krimi also, vielleicht der längste Krimi der Welt – wenn der Autor nur lange genug lebt. Eine Hommage an Charles Dickens und sein „Das Geheimnis des Edwin Drood“, jetzt endlich auch in Deutschland. Also schauen Sie, lesen Sie!

Listensäue

Es war eine dieser Nächte, in denen der Gewissenswurm durch die Gedärme kriecht, das eigene Tun als ein Nichtstun vor einem steht und den Kopf schütteln würde, hätte es denn einen, eine in zermürbender Wachheit verbrachte Nacht, in der man erst einschlafen kann, wenn der Hahn kräht, doch es ist kein erquickender Schlaf, es ist ein Schlummer der Resigination, der Traum albt wie die Kuh kalbt, sagten die Altvorderen – und siehe, sie hatten recht.

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Man wird irgendwie ruhiger

… oder toter? Ja, kann sein. Jedenfalls täuscht sich gewaltig, wer von mir eine ausführlich-kritische Reaktion auf →diesen Artikel erwartet. So siehts aus, wenn sich „die Kultur“ des Krimis annimmt und von Krimikultur weit und breit nichts zu sehen ist. Tante ZEIT eben, behäbig wie meist, die Skelette sitzen im Lesezimmer und kämpfen mit dem Papier. Ach, lasst sie doch. Man lacht nicht mehr drüber, man regt sich nicht mehr auf. Man nimmt einfach nur noch zur Kenntnis. Man liegt also im Trend.

Leser als Kritiker

Jetzt hat es Thomas Willmann erwischt. Sein hoch gelobtes Buch „Das finstere Tal“ ist Gegenstand einer →„Leserunde“ auf der Krimicouch, der Autor beteiligt sich, einer schönen Tradition folgend, an der Diskussion. Ein Buch wird abschnittweise gelesen, die Initiatoren und Teilnehmer der Runde sind keine berufsmäßigen Rezensenten, sondern mehr oder weniger zufällig zusammengekommene Interessenten mit unterschiedlichen Vorstellungen von dem, was „Krimi“ sein sollte. Man geht respektvoll miteinander um, macht aus seinem Herzen aber keine Mördergrube. Den einen gefällts, den anderen weniger, manche schauen auf die Details, manche eher auf das Große-Ganze, die üblichen Fragen werden verhandelt – wer war’s warum? – und auch dieses oder jene eher abseitige Feld bestellt. Kurzum: Das ist spannend und nicht nur für den Autor, die Autorin aufschlussreich.

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Gestern in der Post

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Hatte ich schon beinahe vergessen, aber gestern lag es in der Post: ein Bändchen mit Geschichten von Jodokus D.H. Temme, „Wer war der Mörder?“ betitelt. Neben der Titelgeschichte werden die Kriminalerzählungen „In einer Brautnacht“ und „Der tolle Graf“ präsentiert sowie die westfälische Sage „Der letzte Burggraf von Stromberg“. Biografisches und Bibliografisches, ein Aufsatz des Bloggers zum Noirpotential Temmes runden das bei Pendragon erschienene Buch ab. Kostet 12.95, hat 284 Seiten und hilft vielleicht mit, einen der Ahnen des deutschen Krimis dem interessierten Publikum näher bekannt zu machen. Dann hätte es seinen Zweck erfüllt. Besprechen darf ich das Teil ja wieder mal nicht…