Geht alles

„Das heißt, jede Entscheidung verschüttet Möglichkeiten, und dem kann man nach Feyerabend nur mit einem bedingungslos demokratischen Kulturverständnis antworten. “ … ich sagte, Die Kunst DES Volkes sei Dallas oder Jerry Cotton und daß man erst diese studieren müsse, wenn es einem daran gelegen sei, Kunst und Volk ein wenig näher zu bringen“(…)“

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Christine Lehmann: Mit Teufelsg’walt

Lisa Nerz, das ist schon eine. Gelegenheitsjournalistin (nach einer Erbschaft kommt sie auch ohne regelmäßige Arbeit über die Runden), Detektivin aus Überzeugung, Trägerin von Männerklamotten, ein bisschen bi, momentan mit einem Oberstaatsanwalt namens Richard Weber verbandelt („Lebensabschnittsirrtum“). Für den diplomatischen Dienst absolut nicht zu gebrauchen. War schon mal auf dem Mond und mischt sich bevorzugt in Dinge ein, die sie nichts angehen oder nichts angehen sollen. Zum Beispiel eines frühen Morgens, als es in der Wohnung über der ihren rumort und schreit. Einige Damen vom Jugendamt wollen den kleinen Tobias Habergeis abholen und in ihre „Obhut“ nehmen. Gestapomethoden sind das, befindet Lisa Nerz und geht dazwischen. Prompt steckt sie in ihrem nächsten Kriminalfall, einem besonders heiklen.

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Verbrechersuppe

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Saarländer? Morgen noch nix vor? Mal dpr auf die Pelle rücken? Was Gutes essen? Für lau? – Kein Problem. Morgen ist die 2. Conte-Kriminacht in der Erlebnisgärtnerei Storb in Brebach-Fechingen. Es gibt „Verbrechersuppe“ zur Stärkung. Ursprünglich hieß das „Rotwein und Brezeln“, jetzt halt Rotwein mit reingebröselten Brezeln.

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Hirnüberzuckerung

„Es gibt keinen großen Roman, der nicht auf einem gesunden Fundament aus Trivialität stünde.“

Ah, denkt man, hier wird’s interessant. Und dann auch noch in der „Welt“. Mit obigen Worten macht uns →der Alligator Lust auf →Hannes Steins Artikel zu dem, was der Amerikaner „Brain Candy“ nennt, der Deutsche aber „Trivialliteratur“ oder, wenn er gerade seinen nichtakademischen Tag hat, „Flughafenliteratur“.

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Der allgegenwärtige Krimiautor

Hallo. Ich bin ein Krimiautor in den Zeiten des Internets, der großen Vernetzung. Ich bin der Souverän meinerselbst und bedauere meine Vorgänger, die, wenn sie bekannt werden wollten, immer auf DIE ANDEREN angewiesen waren: die Presse, die Fernsehfritzen, die Germanisten, die aus dem Werbevollen schöpfenden Verleger. Heute ist das ganz anders. Ich stromere durchs Netz und stelle mich meinen zukünftigen LeserInnen vor. Der Weltruhm ist nur eine Homepage weit entfernt.

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Jochen Schmidt: Gangster, Opfer, Detektive (Schluss und darüber hinaus)

Noch immer streite ich mit Jochen Schmidts „Gangster, Opfer, Detektive“, und inzwischen hängt der Haussegen beträchtlich schief, der Gang zum Scheidungsanwalt scheint unvermeidlich. Dass dieses Werk solche Emotionen auszulösen vermag, ist seine große Stärke, die aber vor allem aus seinen großen Schwächen resultiert. Auch als reine Informationsquelle wird das Buch mehr und mehr verzichtbar. Fazit: ziemliche Ernüchterung…

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Wie alles anfängt und so manches endet

Ach, im Moment hab ich wenig Zeit, mir über Krimis Gedanken zu machen, im Moment schreib ich selber einen. Und damit ihr schon mal wisst, wie alles anfängt, hier der Anfang, was sonst. Es ist die Fortsetzung der „Armen Leute“, aber den Titel sag ich noch nicht. Es ist auch nicht der nächste Krimi, der erscheinen wird, denn der ist schon längst fertig und ihr habt gar nichts davon mitbekommen. Hier also:

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Jan Zweyer: Goldfasan

Zwei Dinge sprechen gegen „historische Krimis“: Dass sie selten die Denkweisen einer vergangenen Zeit rekonstruieren können, sehr wohl aber „Fakten“, und dass diese Fakten dann wie aus Kübeln auf die armen LeserInnen regnen, sehr zum Nachteil des Erzählduktus, nebenbei. Der Autor steckt in einer Zwickmühle. Präsentiert er zu wenig Fakten, mag dies dem Text zugute kommen, alle mit der beschriebenen Zeit nicht vertrauten Leser jedoch düpieren. Übertreibt er es, riskiert er vor lauter gutgemeintem Infotainment Stilbrüche, der Erzähler wird zum Dozenten. Schauen wir, wie sich Jan Zweyer aus dieser Lage herausgewunden hat.

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Trend 2009?

Nach Gabriele Brinkmanns „Ehre, wem Ehre gebührt“ (wir erinnern uns an den Skandal, der die Nation erschütterte), gibt es ein weiteres Werk der kritischen Kriminalliteratur zum Thema: Rose Gerdts-Schifflers „Ehrenhüter“. Der Berichterstatter der →„Kreiszeitung“ verrät uns, worum es geht: „Während der Vater despotisch die Familie regiert, versteht die Kopftuch tragende Mutter sich devot unsichtbar zu machen, wenn das Familienoberhaupt in Zorn gerät.“ Ja, „die Kopftuch tragende Mutter“, das hat sie jetzt davon… Doch bevor solche tabulosen, politisch natürlich völlig inkorrekten Krimis zum neuen Trend ausgerufen werden, bestehen wir auf der Feststellung, dass Friedrich Schillers „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ nicht dazugehört. Oder trägt Mutti dort ein Kopftuch? (Danke an →frauenkrimi.net für den Hinweis).

Die allgegenwärtige Kamera

Eine Polizistin, die mit Kleinkind und WG-Mitbewohner, einem schreibblockierten Kriminalautor, urlaubt. Gestattet sich Astrid Paprotta hier, in ihrem ersten Tatort-Drehbuch „…es wird Trauer sein und Schmerz“, einen augenzwinkernden Scherz? Handy. Ein Bäckermeister ist erschossen worden, das dritte Opfer eines „Sniper“. Kommissarin Lindholm, zufällig in der Nähe des Geschehens, ermittelt mit den Braunschweiger Kollegen, während ihres Urlaubs.

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Declan Burke gibt auf

Zwei Bücher hat der irische Krimiautor Declan Burke herausgebracht. Hochgelobt in den angloamerikanischen Landen, noch nicht ins Deutsche übersetzt, von Bernd Kochanowski indes auch hierzulande gepriesen. Burke führt zudem einen feinen Blog mit dem hintersinnigen Namen →Crime Always Pays, und auf diesem teilte er nun seiner bestürzten Leserschaft mit, er gebe das Schreiben von Krimis auf. Er müsse eine Familie ernähren, was ihm mit journalistischen Arbeiten besser gelinge als dem mühseligen Zusammenbosseln von „fiction“, dieser zeitraubenden und schlechtbezahlten Tätigkeit. Wir soll man sich eines gutes Gewissens erfreuen, wenn man seine Familie vernachlässigt, sie in ökonomische Nöte stürzt – und das werte Publikum, aller Jubelarien zum Trotz, dann doch lieber zum üblichen Massenfroufrou greift?

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Ross Thomas: Voodoo, LTD.

Der Stein, der alles ins Rollen bringt, ist ein Kieselchen, wenn überhaupt. Das erfahren wir natürlich erst zum Ende des Romans, aber gedacht haben wir uns das schon früher. Denn irgend etwas an „Voodoo, LTD.“, dem abschließenden Teil von Ross Thomas‘ Wu/Durant-Trilogie, ist von Anfang an merkwürdig, nein, die ganze Story ist es. Völlig unglaubwürdig, überkandidelt – man kann es nennen wie man will. Also: ein Fehlgriff?

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Jochen Schmidt: Gangster, Opfer, Detektive (erster Eindruck)

Ein Ziegelstein? Eher ein Backstein. Unhandlich und kiloschwer, kein Schnäppchen aus der Krabbelkiste: Jochen Schmidts „Gangster, Opfer, Detektive“ in überarbeiteter, aktualisierter und stark erweiterter Neuausgabe der Erstveröffentlichung von 1989 bei Ullstein. 1127 Seiten, Großformat. Ein Buch, über dessen Existenzberechtigung nicht zu streiten ist, ein Buch aber auch, das nur dann wertvoll wird, wenn man sich MIT IHM streitet.

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