Das allerletzte Tabu

Frauen. Sie denken anders, lieben anders, schreiben anders und fahren anders Auto. Anders als die, aus deren Rippen sie entstanden sind. Daran hat man sich im Laufe der Evolution gewöhnen müssen und eigentlich klappt das Zusammenleben trotz aller Widrigkeiten recht gut, manchmal jedenfalls. Aber jetzt: Könnte es sein, dass Frauen auch anders Krimis lesen? Und, natürliche Konsequenz, auch anders rezensieren?

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2059: ein Blick in die Zukunft

Das „Syndikat“ als Vereinigung deutschsprachiger Kriminalautorinnen und –autoren sowie die Jurorenschaft der „KrimiWelt-Bestenliste“, federführend in Sachen Krimikritik, baten mich, meine anerkannten spirituellen Fähigkeiten zu bemühen, um einen Blick auf die Krimikultur 2059 zu werfen. Meine unbestreitbaren Erfolge der jüngeren Vergangenheit (eine Frau im Kanzleramt, Wolfsburg deutscher Fußballmeister und das Auftauchen autistischer Floristinnen als Ermittler in Kriminalromanen – alles exakt vorhergesagt!) lassen uns in guter Hoffnung, dass sich auch die folgenden Prognosen in fünfzig Jahren als schnöde Wirklichkeit besichtigen lassen.

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Harri Nykänen: Ariel. Mord vor Jom Kippur

Harri Nykänen hat die Seiten gewechselt. Wanderten wir bisher mit seinem Serienhelden Raid, einem ausgewiesenen Gangster, durch die finnische Normal- und Unterwelt, tun wir dies nun mit dem Polizisten Ariel Kafka. Die sofort fällige Namensassoziation spielt keine Rolle; wohl aber das, was dahintersteht. Denn Ariel Kafka ist Mitglied der kleinen jüdischen Gemeinde von Helsinki und die wird in „Mord vor Jom Kippur“ kräftig durcheinander gewirbelt.

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Die Couch liest

– und wer „Arme Leute“ noch nicht gelesen, ja, nicht einmal im Bücherregal stehen hat, der verkneife es sich bitte, an der →Leserunde zu partizipieren (statt dessen: kaufen, lesen, weiterempfehlen. Nur so kommt Deutschland aus der Krimikrise). Aber erfahren, wie es den Teilnehmern bisher gefällt, sollt ihr dennoch…

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Herbstalibis

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Die 32. Nummer von „Alibis“, dem frankokanadischen Krimimagazin, ist soeben erschienen. Wie immer mit Kriminalerzählungen, Neuheiten und Rezensionen, dazu eine längere Abhandlung von Norbert Spehner über Nikola Tesla und sein Auftreten in diversen Thrillern. Nikola Tesla? Genau, →der berühmte Erfinder. Ein idealer Kandidat für Verschwörungstheorien, wie es scheint. Mehr zur Herbstausgabe der „Alibis“ und Bonusmaterial gibt es →hier.

SKI -2-

SKI – Serie Krimi International: Eine Reihe von Story- und Figurenvorgaben und fünf Versuche, sie in jeweils einstündigen Kriminalhörspielen weiterzuentwickeln. Über das tragfähige Konzept und die Arbeiten von Merle Kröger und Norbert Horst wurde →im ersten Teil unserer kleinen Studie berichtet. Fehlen noch die Hörspiele von Sabina Altermatt, Nathan Markov und Pieke Biermann sowie das abschließende Resümee.

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Seid doch endlich nett zueinander!

Die Welt der Spannungsliteratur schlägt Alarm. In Großbritannien verweigert →eine Kritikerin das Besprechen von Kriminalromanen mit der Begründung, diese seien frauenfeindlich (via →Menkes Twitter-Kriminaldauerdienst). Aus Deutschland erreichen uns Gerüchte, ein sensibler Großkritiker ziehe sich mit dem Argument, Krimis seien männerfeindlich, aus dem Geschäft zurück. Da dem Genre auch eine generelle Mörderfeindlichkeit nicht abgesprochen werden kann, dürfte hier ebenfalls noch einiges an Konfliktpotential vor der Eruption stehen. Der Krimi am Ende? Wir müssen handeln…

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A.A. Milne: Das Geheimnis des roten Hauses

Es gibt gleich drei gute Gründe, dieses Buch zu lesen. Einmal, weil es der einzige Krimi von A.A. Milne geblieben ist, dessen ewiger Ruhm sich seiner Schöpfung Winnie-the-Pooh verdankt. Und wer immer noch nicht weiß, was einen „Landhauskrimi“ charakterisiert, findet hier ein ideales Beispiel dafür. Drittens: Gerade weil „Das Geheimnis des roten Hauses“ alle Versatzstücke dieser Variante des Rätselkrimis verarbeitet, dient der Text in Raymonds Chandlers berühmtem Essay „The simple art of murder“ als Belegstück für die letztliche Belanglosigkeit dieser Sorte Spannungsliteratur.

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Krimijahrbuch?

Um die wachsende Nachfrage – „Wann kommt denn das KJB 2010?“ – öffentlich zu befriedigen: Nein, es wird kein Krimijahrbuch 2010 geben. Jedenfalls nicht mit den bisherigen HerausgeberInnen Bacher / Noller / Rudolph. Wenn sich andere fänden, wärs recht. Und warum werfen wir das Handtuch?

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John Grisham: Der Anwalt

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Was kann man von einem System, das Recht sprechen soll, erwarten, wenn es sich als durch und durch korrupt erweist? Geld regiert das business um Gerechtigkeit, macht gefügig und folgt seinen ganz eigenen Gesetzen. John Grisham gewährt in Der Anwalt spannende Einblicke hinter die Fassaden der Haifisch-Wall-Street-Kanzleien, steuert wie gewohnt tief durch Klischees, wandelt teilweise auf dünner Logik und erzählt – so könnte man fast den Eindruck gewinnen – eine leider flach ausgefallene, aber böse Variante seines eigenen Romans Die Firma (1990).

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SKI -1-

Eine Mischung aus Lesung und Hörspiel. Ein dramatisiertes Hörstück,
sozusagen“
, nennt Initiator und Mitautor →Ulrich Noller das Projekt „SKI – Serie Krimi International“. In der Tradition der französischen Série Noire, „aber nicht ’noir‘, sondern knallbunt: Urban, multikulturell, global“ soll es sein, und jetzt, nachdem die letzte der sechs Folgen gesendet wurde, ist Zeit für ein kleines Fazit in zwei Teilen.

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Ausgewogen

Eigentlich ist es ein Skandal. Da nötigt man junge Menschen seit Generationen zur Lektüre eines Buches, dessen Credo geeignet ist, nicht nur ganze Berufsstände in Misskredit zu bringen, sondern auch – Luft anhalten – die Zukunft des Wissenschaftsstandortes Deutschland zu gefährden. Oder was ist Goethes „Faust“ anderes als ein tendenziöses Machwerk wider den Forschergeist? Bist du ein ehrgeiziger Gelehrter, verbündest du dich mit dem Leibhaftigen, Punkt. Ausgewogenheit ist etwas anderes.

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Hören!

Mensch, hätt ich beinah vergessen. Morgen abend wird die letzte Folge von SKI ausgestrahlt, dem großen Hörspielprojekt von Funkhaus Europa. Hier gibts →nähere Informationen, und ich mach auch was drüber, wenn ich ein wenig mehr Zeit hab, aber diese letzte Folge, „Kriegskosten“ heißt sie, stammt halt von la Pieke herself. Ergo: Hörzwang! Morgen 20 – 21 Uhr, da verpasst ihr gar nix im Fernsehen, da bietet der Italiener um die Ecke auch nur die ewig alte Pizza an, und nach 21 Uhr ist der Sex eh besser, so dass mir keiner mit Ausreden komme! Hören!

Buchmesse 2009

Die wichtigste Frage gleich vorweg: Was trägt die Buchmessebesucherin heuer mit Vorliebe? Erschütternde Antwort: Strickwaren (besonders schwarze Strumpfhosen) und Stiefel. Aber kommen wir zum angenehmen Teil unseres diesjährigen Aufenthaltes im Schlaraffenland der Bücher…

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Alfred Komarek: Polt.

Nein, wir fragen jetzt nicht, was eigentlich mit den österreichischen Kollegen los ist, dass sie ihre ausrangierten Krimihelden noch einmal wiederbeleben müssen. Sondern stellen fest: Nach Wolf Haas hat auch Alfred Komarek seinen Serienermittler nach Jahren der trügerischen Ruhe erneut ins Rennen geschickt, den Gendarmen Polt, der kein Gendarm mehr ist, aber das Ermitteln nicht lassen kann.

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Nur mal so am Rande

Manchmal zieht der Zufall (oder wie immer das Ding heißen mag) gleich mehrfach das adrette Brokatdeckchen von der Wirklichkeit und man sieht, was man eh schon weiß, aber am liebsten verdrängen möchte. Am Samstag berichtete →die TAZ von der Arbeit des Walt-Whitman-Übersetzers Jürgen Brôcan, einem Leben zwischen höchster professioneller Präzision und den drohenden Abgründen von Hartz IV. Zuvor hatte →die ZEIT über das Werden eines Sachbuchs und die wirtschaftlichen Nöte seines Verfassers berichtet (→via Henrike Heiland). Und gestern abend hört man aus dem Fernsehen die ersten Worte der frisch gekürten Trägerin des Deutschen Buchpreises, Katrin Schmidt, in denen sie sich vor allem darüber freut, jetzt vielleicht jene ökonomische Sorglosigkeit genießen zu können, die sie bislang nur vom Hörensagen kannte.

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