Zep – titeuf: Ganz schön spannend

Früher war es ziemlich einfach zu erkennen, ob ein Film, in den man hineingezappt hat, eine amerikanische oder eine französische Produktion war. Amerikanische Fernsehbadezimmer waren immer antiseptisch clean, die französischen charmant schmuddelig. Diesen Charme haben sich auch einige französische Comics bewahrt. Zeps „titeuf“ ist einer davon.

‚titeuf‘ ist ein kleiner, die Grundschool (respect!) besuchender Dreikäsehoch, der jedoch im Gegensatz zu seinem inzwischen in die Jahre und ins Kino gekommenen amerikanischen Counterpart „Dennis“ seinen Lebensinhalt nicht darin sieht, die Eltern oder den lieben Nachbarn zu ärgern. titeuf hat ganz andere Probleme, die in seinem Alltag gemeistert werden wollen: Wie soll man mit den aufkeimenden Hormonen klarkommen, wenn einem die Eltern ständig vorhalten, daß man für alles mögliche zu klein ist? Und wenn dann die Infos im Aufklärungsunterricht kommen ist das auch mal grade so spannend wie eine Erdkundestunde. Irgendwas stimmt doch da nicht!

Und eben damit schlägt sich titeuf rum, rauszukriegen, was da nicht stimmt! Ein harter Job zugegeben, aber titeuf schlägt sich durch. Na eigentlich steht er nicht selten im letzten Panel mit einer dicken Backe da, auf der sich fünf Finger abzeichnen, die er als Antwort auf eine durchaus ernst gemeinte Frage erhalten hat. Es bleibt verwirrend – Erwachsene sind einfach verwirrend!

Zep, eigentlich Philippe Chappuis, hatte diese Zeit der Verwirrung wohl noch gut vor Augen, als er titeuf ins Leben rief. Sympathisch schnoddrig läßt er den Kleinen Seite für Seite die bewegendsten Fragen der Menschheit angehen. Okay, Chappuis One-Pager sind nicht immer der Knaller schlechthin, aber für die schwächeren wird man durch andere vollends entschädigt, die den Nagel auf den Kopf treffen.

(bg)

Zep
TITEUF - Ganz schön spannend
Carlsen 16,90 DM
ISBN 3-551-73331-7

Andreas: Capricorne – Das Objekt

Irgendwie scheint es nichts Neues mehr unter dem Comic-Himmel zu geben und das in einer Zeit wo die Kunstszene in allen erdenklichen Formen wuchert und die seltsamsten Triebe zeigt. Tief im Dekor und im Geist der 80er ist ‚Capricorne‘ steckengeblieben: Hochgradig postmodern: harmonisch zusammengefügte Zeitzitate wie Zeppeline und mittelalterliche Bibliotheken, Chicago 1925 mit Gangstern in schwarzen Anzügen und Orwellschem Überwachungsstaat. Ausgeführt wird das Szenario im Stil von Moebius und bringt als Plot einen geheimnisvollen Fremden – Capricorne – der im endzeit-winterlichen New York in die Suche nach einem mysteriösen Objekt verstrickt wird. Einziges Manko: Gegenwärtiger Zeitpunkt 1998, wo das alles nicht mehr sooo originell wirkt.

Andreas
CAPRICORNE - Das Objekt
Carlsen 18,90 DM
ISBN 3-551-73351-1

Convard/Siro: Polka – Demokratie

Nachdem der von Polka im ersten Band aufgedeckte Organschacher zum Sturz der Regierung geführt hat, ist Paris im Jahre 2038 nicht nur total verdreckt und desolat, sondern auch im Wahlfieber. Doch da scheint nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen. Ein Gremium von altehrwürdigen grauen Eminenzen, die sich selbst als letzte redliche Hüter einer bürgerlichen Demokratie sehen, befürchten Schlimmstes. Um Licht in die dunklen Machenschaften der antretenden Kandidaten auf das Präsidentenamt zu bringen, schalten sie eine Person ein, deren offizielle Existenz getilgt ist, die aber gewieft und loyal ist, diese Aufgabe zu übernehmen – den Ex-Bullen Polka. Und richtig, irgendwas ist arg faul im Staate Frankreich.

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Urban Blau – Salomes letzter Sommer

Der Krimi reagiert wie kaum ein anderes Genre auf gesellschaftlichen Veränderungen. Klar, als realistisch angelegte Erzählung ist er auch darauf angewiesen eine populäre Rahmenhandlung zu bieten, um neues, ungewöhnliches, kriminelles Potential zu entwickeln. Ein solches Potential hat beispielsweise die Wiedervereinigung und die fünf Minuten danach erfundene Wiedervereinigungskriminalität geboten. Es lassen sich aber auch marginalere Trends festmachen. Auf der Hip-Liste der deutschen Städte in Kriminalromanen ist neben Berlin und Hamburg inzwischen auch die boomende Medienhauptstadt Köln im Kommen, siehe Kakonis, Karr & Wehner. Aber auch die Provinzen sind im Kommen: Berndorfs Eifel, aber auch die Urlaubsinsel der Schönen und Wohlriechenden – Sylt.

Nachdem schon Jörn Ingwerson als Einheimischer seinen Krimi „Schafsköpfen“ dort angesiedelt hat, läßt nun Urban Blau, ein weiterer gestandener Insulaner, seine Leichen dort anspülen. Die wird von dem Journalisten Max Heller gefunden, der dort auf Geheiß seines Chefredakteurs einen ‚echten Insider-Artikel‘ schreiben soll, wie sich das Leben der Sylter in der winterlichen Nachsaison darstellt, nachdem die Touris sich den Rücken wieder an der heimischen Heizung wärmen.

Nicht gerade das prickelnde Thema schlechthin für eine Gestalt wie Heller: kaum größer als ein aufgeklappter Klodeckel und ausstaffiert mit der Garderobe von Helge Schneider. Zur Zeitung gekommen war er wie die Jungfrau zum Kinde, wie das passieren konnte, darin hüllt sich der Autor in Schweigen. Blau gibt nur soviel Preis, daß Heller „Ende der sechziger Jahre zwei Semester Psychologie und Soziologie studiert (hatte). Es dann aber vorgezogen hatte, bei Geschäften mit Haschisch und Mädchen schnelles Geld zu verdienen.“ Nach einer Solinger Aussprache mit der ortsansässigen Patenschaft und dem nachfolgenden mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt zog es Heller dann doch vor, ins journalistische Gewerbe umzuschulen.

Wie dem auch sei, Heller ist auf Sylt gelandet, läßt sich eine unangenehm feucht-steife Brise um die Nase wehen, ohne was nennenswertes für seinen Artikel in die Maschine zu tippen, wie gesagt, bis er in einem angespülten Kutter die enthauptete Leiche einer ortsansässigen Mätresse findet. Der Blick, hinter die betulich, bürgerlichen Sylter Kulissen, der sich ihm bei den Hintergrundrecherchen bietet, ist der übliche Sumpf, der sich von Oberammergau bis, ja eben bis Sylt bietet: Korruption, Spekulation, zweifelhafte politische Meinungsmache, käufliche Liebe, Eifersucht und so weiter. Und in diesem Tenor entwickelt sich denn auch die Tätersuche. Bekannte Kost vor Nordseeambiente. Aber aus Sylt-Ambiente und einer kuriosen Figur wie Heller hätte Urban Blau etwas mehr machen können. Eine Liaison mit der ortsansässigen Pfarrerin reißt das nicht raus.

Urban Blau
SALOMES LETZTER SOMMER
Goldmann 9,90 DM
ISBN 3-442-05971-2

Stephen Fenichell: plastic – unser synthetisches Jahrhundert

Mehr als lästig und unästhetisch: Bücher, womöglich in Leinen gebundene Hardcover, die in Folie eingeschweißt sind wie Fertiggerichte aus der Kühltruhe auf denen man auch guten Gewissens den Aufdruck „Futter Synthetik“ anbringen könnte. Aber nicht immer. Manchmal fügt sich doch das eine zum anderen zu einem Gesamtheitlichen Etwas wie beispielsweise bei Stephen Fenichells Werk über die Geschichte des Plastiks. Auf eine verständliche und unterhaltsame Art, wie sie von deutschsprachigen Autoren viel zu selten anzutreffen ist, dokumentiert der Amerikaner seine Haßliebe zum synthetischen Stoff, aus dem die Träume des ausgehenden 20. Jahrhunderts sind.

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Colin Bateman – Der Engel mit der Rosenschere

Dan Starkey, Kolumnist bei einem Belfaster Tagesblatt und ausgerüstet mit einer Vorliebe für Cola als morgendliches Erfrischungsgetränk und der Fähigkeit, von einem Schlamassel nahtlos in den nächsten zu geraten, trifft fast der Schlag. Bei ihm um die Ecke bahnt sich ein wahres Wunder an. Durch glückliche Umstände wird ein Hinterhofboxer irischer Meister – und Herausforderer für Mike Tyson. Als ob das noch nicht Wunder genug wäre, soll Starkey das Team nach New York begleiten und ein Buch über den Titelkampf schreiben.
Entgegen seiner Befürchtungen ist Fat Boy McMaster, der irische Übergewichtsmeister, ein netter Kerl, der seine Lage realistisch einschätzt und hofft, bis zur vierten Runde durchzuhalten und seine öffentliche Hinrichtung zu überleben.

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Pieke Biermann – Vier, fünf, sechs

Keine Frage, es ist ein hartes Gewerbe, einen Ermittler oder Ermittlerin immer und immer wieder in die triste Welt des Verbrechens zu schicken und das fortwährend mit dem nötigen Maß an Originalität und einer Portion Unterhaltung zu verbinden. Drehbuchautoren können ein Lied davon singen. Pieke Biermann, das Fräuleinwunder des deutschen Kriminalromans, auch.

Das Lied, das sie mit den Taktzahlen vier, fünf, sechs anstimmt, kommt auch nicht richtig in die Gänge. Die Mitspieler können sich anfangs nicht so recht auf ein gemeinsames Tempo und Thema einigen. Nach einer gewissen Zeit hat sich dieses Problem ausgependelt und eingeränkt, aber, was kommt ist nichts, was Kritiker vom Hocker haut.

Der Krimifan kommt mit dieser Situation sichtlich besser zurecht. Er weiß schließlich, warum er zu Pieke Biermann gegriffen hat. Er weiß auch warum er eine weitere Episode aus dem Leben von Kommissarin Karin Lietze verfolgen will. Es ist letztlich eine Frage der Einstellung: Auch beim hundertsten Mal schmeckt Muttis Kuchen, warum also darauf verzichten.

Schreiben kann Pieke Biermann, und das Szenario paßt auch gut in die Zeit des großen Sandkastens Berlin, in dem sich die Bauunternehmer die Förmchen in die Hand geben und von den Großen, die im Sandkasten das Sagen haben gegen kleine Gefälligkeiten das Wasser reichen lassen. Als aber ein Ordnungshüter mit gehörigem Wumms in die Luft fliegt, sieht es so aus, als ob die ganzen schönen Sandburgen davon Risse bekommen und auseinanderzubröckeln drohen…

Pieke Biermann
VIER, FÜNF, SECHS
Goldmann Manhattan 18,- DM
ISBN 3-442-54030-5

Wallace & Gromit: Jahrbuch für Käseliebhaber

Die Idee sich ein Handy zuzulegen und ein Filofax war ja vielleicht vor zwei, drei Jahren zwar auch nicht gerade originell, um als Mann/Frau von Welt zu gelten, aber wenigstens an und ab erfolgreich. Anno 1997, wo’s zum Jogginganzug auch gleich die farblich passende Telefonprothese gibt, ist diese Pose jedoch endgültig abgehalftert. Und wer heute noch mit bibelgroßen Kalendern rumrennen muß ist einfach nur zu bedauern. Wen interessiert ein Visitenkartensammeltascheninlet, wenn er mal über das Alter der Sammelbildchen und Quartettspiele hinausgekommen ist? Was ist von einem Faltplan der Tokioer U-Bahn zu halten, wenn er von Personen Gassi geführt wird, deren Japankenntnisse zwischen Nintendo und Sony angesiedelt sind? Alles Schnickschnack für Schrumpelmenschen.

Die Frau und der Mann von Welt, die mit Stilsicherheit und Charakter aufwarten, präsentieren sich im kommenden Jahr mit dem „Wallace & Gromit Jahrbuch für Käseliebhaber“ und beweisen damit wieder einmal auf der ihnen eigenen weltmännischen Art, daß sie die Nase vorne und im Wind haben. Da gibts nicht viel zu basteln, neue Inlets zu kaufen, pseudowichtige Notizen reinzukritzeln und ähnlich Entwürdigendes.

Das „Wallace & Gromit Jahrbuch für Käseliebhaber“ ist ein ausgereiftes und wohldurchdachtes Konzept, wie es von einem Künstler wie Nick Park zu erwarten ist. Das Buch ist komplett und vom Fleck weg zu verwenden: Persönliche Angaben sind bereits eingetragen, alle wichtigen Geburtstage markiert, Urlaubsfotos eingelegt und alles Wesentliche, was an den einzelnen Tagen des nächsten Jahres passieren wird, ist bereits heute notiert und nachzulesen. Dazu gibt es jede Menge Informationen über Käse, unter anderem eine Geruchsprobe, die durch anrubbeln ihr ganzes Aroma entfaltet. Und damit ist dieses Jahrbuch auch im Dunkeln zu finden – und dem Filofax, im wahrsten Sinne des Wortes eine Nasenlänge voraus. Sonst noch Fragen?

Wallace & Gromit
Jahrbuch für Käseliebhaber
Aardman animation & ehapa 19,80 DM
ISBN 3-7704-0215-4

Der Verlierer in uns allen

Eine Abhandlung über das Phänomen Dilbert

Dilbert bei der Arbeit

Dilbert ist ein moderner Held. Ein Mann mit edlen Qualitäten, der im Kampf gegen das Übel dieser Welt das wertvollste Gut eines Menschen aufs Spiel setzt: seine Karriere. Unermüdlich kämpft er tagtäglich gegen fiese Kollegen, unfähige Vorgesetzte und den inneren Schweinehund. Das er den ungleichen Kampf langfristig verliert, kann ihn nicht abschrecken. Der untersetzte Ingenieur mit dem weißen Kurzarm-Hemd, der widerspenstigen gestreiften Krawatte und den stilsicheren weißen Socken ist in den USA längst zu einer Kultfigur geworden. Der Versager, der regelmäßig feststellen muß, daß Intelligenz nur sehr wenig praktische Verwendung findet, hat in der Realität einen Erfolg, von dem der Comic-Held in seiner zweidimensionalen Welt nur träumen kann: Er wurde vom US-amerikanischen Time Magazine zu einem der 25 einflußreichsten Amerikaner gekürt.

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Planet ohne Erinnerung 1, Der zweite Mond

Es war einmal auf einem fernen Planeten, in einer fernen Galaxie. Dort blühte eine reiche Zivilisation, die alles hatten, von der Mikrowelle bis hin zu bezahltem Urlaub. Doch eines Tages – man und frau weiß ja: Hochmut kommt vor dem Fall – rebellierte das geschundene Volk der Zwerge gegen ihre menschlichen Unterdrücker, die den Turm, den mystischen Ort des Reichtums und des Wissens bewohnten. Der Tradition eines ordentlichen Bürgerkriegs folgend, löschte dieser die Infrastruktur und das Wissen der Hochkultur aus, und es brachen nun düstere Zeiten herein.

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Timo Wuerz/Niki Kopp: XCT 2

Was ist das für ein Gefühl, als einzige zu wissen, daß ein Stadion nicht nur mit 25.000 hippen Kids vollgestopft ist, die sich ein Megakonzert anhören wollen, sondern auch mit munter tickernden Sprengsätzen, die ihrer digitalen Fernzündung freudig entgegensehen? Ein Scheißgefühl, vor allem wenn man glaubt, noch eine verschwindend geringe Chance zu haben, die Sache aufzuhalten.
Mit diesem Attentat versucht ein Erzschurke Corky, ein Powergirly wie es im Comic steht, zu erpressen, um ihr die Information über ein Waffenlager zu entlocken, das sie vor Jahren entdeckt hat. Angesichts der Tatsache, daß im jungen 21. Jahrhundert kein Mensch mehr Waffen besitzt, stellt diese Information eine ähnliche Bedrohung dar wie die Sprengungdes Stadions. Sonnige Alternativen tun sich da auf, und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Niki Kopp und Timo Wuerz legen sich auch mit dem zweiten und letzten Band von XCT wieder mächtig ins Zeug. Statt sich orwellschen Visionen zu verschreiben projizieren sie die gegenwärtige Jugendszene in die nahe Zukunft. Statt auf SF-Versatzstücke wie den Cyberspace zurückzugreifen entwerfen sie ein dekadentes Szenario, das alle Elemente der Gegenwart von der Netzkultur übers Pillenschlucken und Technocult verarbeitet und sich aus der Masse der zukunftsnahen Comics heraushebt, die derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen. Dieser Eindruck wird nicht zuletzt durch das für Comics ungewöhnliche Artwork unterstrichen: Montagen, harte szenische Schnitte, halt alles, was das MTV-geschulte Auge so liebt. XCT liest sich wie im Endorphinrausch.

Timo Wuerz/Niki Kopp
XCT - band zwei
Carlsen Verlag 16,90 DM
ISBN 3-551-72892-5

Martin Frei: Gregor Ka im 21. Jahrhundert

Ein wiedervereinigtes Deutschland hätte auch anders aussehen können. Wirtschaftskonzerne hätten die Macht übernehmen können und ein Schattenkabinett hätte den demokratischen Schein nach außenhin gewahrt. Für Zucht und Ordnung hätte eine Volkspolizei gesorgt und statt einer innerdeutschen Mauer wären die Grenzen zum Ausland dichtgemacht worden.

Ein solches Szenario hat Martin Frei entworfen und – wen überraschts – in der (zu) nahen Zukunft, im Jahr 2005 angesiedelt.

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Dragon Ball 1 – Das Geheimnis der Drachenkugeln

Kulturredaktionen sind für gewöhnlich schnell zu schockieren. Kaum sind hundert Jahre vergangen, fordern irgendwelche modernistischen Wirrköpfe auch schon eine Anpassung der Rechtschreibung an die gegebenen Verhältnisse, ohne zu ahnen, daß sie damit alles tun, um die abendländische Kultur vom Rand der Scheibe zu schubsen. Und als ob das noch nicht genug wäre, bringt der Carlsen-Verlag jetzt den ersten naturbelassenen Manga im orignal japanischen Layout auf den deutschen Markt. Geradeso als ob sich ein Manga nicht vollständig eindeutschen ließe. Akira Toriyamas „Dragon Ball“ kommt im Taschenbuchformat daher und wird von hinten nach vorn und von rechts nach links gelesen. Marketing-Gag eines Comic-Verlags, um ein eher mäßiges Manga zu verkaufen oder das i-Tüpfelchen auf einem erstklassigen Manga-Genuß?

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Grant McCracken: Big Hair – Der Kult um die Frisur

Man sollte keine Frau auch nur in die Nähe einer Flasche Bleichmittel lassen. Es ist genauso wie mit dem Feuerwasser bei den Indianern. Sie wissen einfach nicht, wann sie aufhören müssen.
Charles Revson, 1961

Hunderttausende von Jahren ist es bereits her, seit die Evolution beschlossen hat, im Stammbaum der Primaten eine Abzweigung einzufügen und ein zweibeiniges Lebewesen auf den Weg zu schicken, das sich in seinem Verhalten zuweilen nur geringfügig von seinen Brüdern und Schwestern unterscheidet: den Menschen. Vieles ist geblieben, beispielsweise die Vorliebe für Bananen und der Hang zu zeitaufwendiger Körperpflege. Obwohl der Hang zur Hygiene bei bestimmten Bevölkerungsschichten bis in die Gegenwart erfolgreich unterdrückt wurde, blieb ein Rudiment aus den Primatenzeiten der Zweibeiner unablässiger Quell für Ärgernisse aller Art: Haare.

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Dallas Barr – Unsterblichkeit zu verkaufen

Inzwischen ist es nicht mehr so außergewöhnlich, daß Papis Tochter den neuen Kleinwagen als Geschenk zum bestandenen Abitur verschmäht und sich stattdessen einen langgehegten Mädchentraum erfüllt, die heißersehnte Stupsnase oder eine optimal ausgepolsterte Oberweite. Der Wunsch nach Schönheit ist zu einer Sucht geworden, die biologische Unzulänglichkeiten nicht mehr akzeptiert. Neben der kosmetischen Chirurgie boomt der Markt mit allen möglichen Behandlungsmethoden, die den Alterungsprozeß aufhalten sollen. Doch allen Anstrengungen und allem Hype der Pharmaindustrie zum Trotz, sehr nahe ist man dem Ziel von der ewigen Jugend noch nicht gekommen.

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William S. Burroughs – Agent in eigener Sache

Viele haben überhaupt nicht mehr damit gerechnet, doch das Unwahrscheinliche ist eingetreten: Am Sonntag dem 3. August 1997 starb der Übervater der Underground-Kultur William Seward Burroughs im Alter von 83 Jahren an Herzversagen.

Foto William Seward Burroughs

Burroughs, Kammerjäger, Privatdetektiv und schließlich Schriftsteller, ist seit seinem ersten öffentlichen Auftreten Ende der Vierziger Jahre zu einer generationenübergreifenden Kultfigur des Undergrounds geworden. In den Fünfziger Jahren und in den Roaring Sixties wurde er zur grauen Eminenz der Beat Generation. In den Siebzigern wurde er zur Ikone der Popwelt, und nachdem es in den Achtzigern etwas ruhiger geworden war um den zerknitterten alten Mann in seinem Buchhalteranzug, tauchte er in den Neunzigern wie ein Phönix aus der Asche und wurde auch von den jüngsten Wilden der Popfraktion hofiert. Fast alle seine Mitstreiter und Jünger hat er überlebt: Jack Kerouac, Allen Ginsberg, Nico, Andy Warhol, Frank Zappa, Kurt Cobain und seine deutsche Epigone Jörg Fauser. Einer, der in dieser Verlustrechnung vorkommt, aber fast immer unerwähnt bleibt, ist sein Sohn William Burroughs Jr.. Ihm erging es wie den anderen. Sie alle haben ihm gehuldigt, ihn imitiert und keiner hat ihn überlebt. Was bei vielen auch daran lag, daß sie seinen exzessiven und selbstzerstörerischen Lebensstil kopierten und sich damit zugrunde richteten. Was war dran an diesem mumienhaften Mann, der sie alle in seinen Bann schlug und der heute auf einer 29 Cent Briefmarke abgebildet ist?

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Maxim Biller – Land der Väter und Verräter

Die Tempojahre sind vorbei für Maxim Biller, das klang bereits 1990 an, als seine Erzählungen ‚Wenn ich einmal reich und tot bin‘ erschienen sind, spätestens jedoch 1991, als eine Reprise seiner Texte aus TEMPO unter dem Titel ‚Die Tempojahre‘ erschienen ist, war es offenkundig geworden. Inzwischen ist TEMPO tot – Maxim Biller lebt. Das stellt er unzweifelhaft klar in seinem Buch Land Der Väter Und Verräter, das mit dreijähriger Verzögerung nun seinen Weg als Paperback über die Ladentheken antritt.

Was ist nun aus dem zynischen jungen Autor mit der großen Klappe geworden, der inzwischen, mit 37, die wilden Jahre hinter sich und die Midlife-Crisis vor sich haben müßte? Schwer zu sagen. Gerüchten zufolge schreibt er in Richtung Klagenfurt. Das Wesen von Gerüchten ist allerdings auch, daß sie eindimensionale ‚Wahrheiten‘ beinhalten, daß ihre Aussage solange stimmt, bis man länger darüber nachdenkt und ein „aber . . .“ dranhängt. Aber, so einfach wie die Autoren von Gerüchten macht es sich Biller nicht. So wie er sich bereits als Temporedakteur ständig zwischen die Stühle der Popfraktion und der etablierten Kultur-Intelligenzia gesetzt hat, so setzt er sich jetzt, da er sich seiner Situation als deutscher Jude immer bewußter wird, immer noch zwischen die Stühle. Nur die, die nun rechts und links von ihm sitzen, haben sich verändert. Seine Geschichten drehen sich jetzt um Opfer und Überlebende, um Sieger und Besiegte, um Deutsche und Juden. Weil er ein waches Auge hat, schreibt er von Begebenheiten, wie sie im täglichen Leben anzutreffen sind, ohne Gebrauchsanleitung für Gut und Böse. Weil er dazu auch noch schreiben kann, tut er dies auf die ihm eigene Art: entlarvend, manchmal zynisch und immer faszinierend.

Maxim Biller ist von einem Redakteur zu einem Autor geworden, dem es gelingt, schwerverdauliche Themen anzugehen, und lebensnah zu schildern, ohne in hermetischen Innenwelten gegen Wände zu laufen oder sich in affektierte Klugscheißerei zu ergehen. Endlich mal wieder ein Beweis, daß anspruchsvolle Literatur nicht wehtun muß.

Maxim Biller
Land der Väter und Verräter
dtv 19,90 DM
ISBN 3-423-12356-7

Wallace & Gromit – Unter Schafen

Nick Parks Karriere als Regisseur begann still und heimlich. Zuerst drehte er Werbespots für britische Energieversorgungsunternehmen, dann einen Videoclip für Peter Gabriel und erst danach entstand sein erster längerer (46min) Film „A Grand Day Out“ (dt. „Alles Käse“), der prompt einen Oskar gewann. Zu verdanken hatte Nick Park dies vor allem seinen Hauptdarstellern Wallace & Gromit, zwei, mit verlaub, sehr britischen Knetfiguren.

Für alle, die nicht genug bekommen können, die den Wallace&Gromit Radiowecker, das T-Shirt und den Teapot schon haben, gibt es nun auch das Buch. Es gibt zwar keine neuen Einsichten in den Plastilinkosmos der beiden Lebenskünstler und Käseliebhaber, dafür werden aber die bewegensten Momente aus den Filmen „Unter Schafen“ und „Die TechnoHose“ noch einmal vor Augen geführt. Es lindert die grausame Wartezeit auf das hoffentlich kommende nächste Filmabenteuer der beiden.

Nick Park
WALLACE & GROMIT
Unter Schafen und andere Abenteuer
Ehapa 19,90 Mark
ISBN 3-7704-0213-8