Beck: Midnite Vultures

Es sei bewundernswert, wie Schwarze „I wanna fuck“ singen könnten, und trotzdem klinge es einfach nur rein und liebevoll. Er selbst höre privat gern R. Kelly, erzählte Beck jüngst in Interviews. Der gute, alte Adept. Voll der Anerkennung und des Respekts für die Kollegen, von denen er sich immer gern inspirieren läßt. Um dann wieder eine seiner eklektizistischen Fundgruben abzuliefern, ohne den Vorbildern dabei die Füße zu küssen.

Denn das Schöne an Beck ist, dass er niemals nur bei einem Stil borgt, es sind stets mehrere, die er auf verblüffende Weise fusioniert. Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen – doch gerade das unterscheidet ihn positiv von Retros wie Lenny Kravitz, die zwar schöne Musik machen, aber im Endeffekt nur bewundernde Erben bleiben und ihre Ikonen höchstens an Popularität überrragen. Beck dagegen verleibt sich seine Blaupausen auf spielerische Weise ein, getragen von unstillbarer Neugier, und kann am Ende noch selbstbewußt auf etwas Eigenes schauen.

Beck in Black: „Midnite Vultures“ ist das bislang schwärzeste Album des sympathischen Milchgesichts. Sexy und lasziv – mal soulig-versponnen und laid back, mal aufgekratzt und horny. Sly Stone und Prince lassen grüßen – und dürfen Marc Bolan die Hand reichen, denn Funk und Glam sind die Hauptkoordinaten des Albums. Jede Menge Sound-Effekte aus der Steinzeit der Elektronik, vom Flipperautomaten bis zum WahWah. Es funkelt und glitzert, pluckert und fiept, dass es eine Freude ist.

Das Meiste kommt fröhlich bis manisch daher, aber auch dunkler Groove hat seinen Platz. Dazu ein wenig Psychedelic, beatle-esque Refrains, rythm´n´bluesiges Delta Feeling, klackernde Marimbas, folkige Banjos und hämmerndes Honky-Tonk-Piano, Bläser-Sections wie bei Blood, Sweat&Tears geklaut, Schratching und Break-Beats, orientalische Hooks und Streicher-Kakophonien wie im „Day in the life“ (sic!) der Fab Four. Ein munteres Stil-Feuerwerk mit dem gewohnten Beck´schen Humor!!!

Beck: Midnite Vultures
(Geffen)
VÖ: 23.11.1999

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert