Nash Kato: Debutante

Nach den Schweizer „Placebo-sound-alikes“ Chewy verschafft das kleine sympatische Label B-track einer Stimme Platz auf dem europäischen Markt, die in den Neunzigern großen Einfluß auf meine Wahrnehmung amerikanischer Musik hatte. War ich bis in die Mitte dieser Decade nicht entfernt an 70er Glam-/Poserrock à la Cheap Trick interessiert, änderte sich dieser Zustand mit der Veröffentlichung von Urge Overkills „Supersonic Storybook“ auf einem meiner Lieblinglabels dieser Hochphase amerikanischer Indielabels: „Touch and Go“.

Bestärkt durch den Nachfolger „Saturation“ (Geffen), schien mir die Melange aus amerikanischem Radiorock und Undergroundcredibility fast interessanter als Nirvanas „Nevermind“ und ein weiteres Album reihte sich in meine TopTen der besten Gitarrenbands einer Generation (nein nicht die X-te, dafür war es schon zu spät). Schließlich konnte ich „Girl, You´ll Be a Woman Soon“, die Neil Diamond – Coverversion auf dem „Pulp Fiction“ Soundtrack, aufgrund von zu vielen Studentenfeten nicht mehr ertragen. Dann kam die Rettung vor dem großen kommerziellen Erfolg durch das sperrige und depressiv anmutende letzte Album Urge Overkills „Exit The Dragon“.

In Interviews laß man über die Verweigerungshaltung der drei Chicagoer: Während der Aufnahmesession warf man die Produzenten The Dust Brothers aus dem Studio, persönliche Erfahrungen machten Songs wie „View Of The Rain“ zu Deprohymnen. Mangelnde Hitausbeute ließ die Verkaufszahlen erst mal hinter den Erwartungen der Plattenfirma zurück und schließlich änderte Geffen wegen finanziellen Schwierigkeiten seine Veröffentlichungs- politik. Ergo: Urge Overkill lösten sich auf, Geffen machte weiter. Nash Kato, der den meisten UO – Songs seine rauchige Stimme schenkte, nahm in der Folgezeit mit Pearl Jam -Gitarrist Stone Gossard Filmmusik auf und begann 1999 mit eigener Band und Produzent Eric Rosse seine Arbeit an „Debutante“.

Das Ergebnis liegt nun vor: Nach dem Motto „Never change a winning team“ klingt Nash Katos erstes Soloalbum so positiv und losrockend wie der eigentliche Nachfolger zum Meisterwerk „Saturation“, mit dem Unterschied, daß nun wieder ein Indie am Zug ist, der Background Gesang von Frauenchören getragen wird und viel mehr unterschiedliches Instrumentarium genutzt wird, um den „Cheap Trick-on-Underground-Sound“ zu kreieren; so z.B. ein Saxophon , das der Ballade „Black Satin Jacket“ einen leicht jazzigen Touch verleiht.

Die Songs sind auf das erste Hören etwas vertrackt, wie etwa bei „Supersonic Storybook“, beim zweiten Mal völlig eingängig und zeitlos wie Nashs orangene Pilotenbrille, die ihn nach wie vor zum verquollen dreinschauenden Langhaarsmartie macht: Der Derrick des amerikanischen Cruisersounds. Bleibt zu hoffen, daß Herr Kato bei seiner 100. Folge immer noch so beliebt und kultig wie der Münchner Oberinspektor A.D. ist.

Nash Kato: Debutante
(b-track/Caroline)

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