Röyksopp: Eple

„Was ist denn das für ein bizarrer Namen? Müssen wohl Skandinavier sein.“ Mein erster Gedanke sollte sich bewahrheiten. Schön seltsam und etwas überkandidelt dachte ich mir. Ich sollte recht behalten- und das in der angenehmsten Art und Weise, die man sich vorstellen kann.

Pitch Modulation Rad mutwillig vergessen aus der Off-Stellung zu bewegen. Dann ein seltsamer Eier-Effekt, der eine einschmeichelnde Melodie zum Hüpfen bringt. Fetter Groove, der manchmal wie um eine Millisekunde gedroppt dem Fluss Haken und Ösen beibringt. Im Remix kommt der Effekt unter die Produzenten-Räder. Reduziert und hochgepitcht wirkt das Original wesentlich spinnerter. Der Remix wirkt als hätte man die sich im Original überlagernden Grundspuren einfach auseinander dividiert und als eigene Parts editiert. Auf Ladomat hätte Björn Torske einen absoluten Hit gelandet.

Dann siegt die B – Seite vollends. „Röyksopp´s Night Out“ ist die Nummer, nach der ich aus dem Bereich der elektronischen Musik in letzter Zeit gedürstet habe. Das Thema zur Neuverfilmung von Hitchcock-Epen unterlegt mit einem synkopierten Jazzbeat, theatralisch abgerundet durch grosse Gesten, wie einem Orchesterbreak. Gestört wird die Soundtrackästhetik durch Fiepsen und Gescratche. Streicher verfrachten die Szenerie in den kalten Schnee, aus schwarz wird ein undurchsichtiges weiss. Nach etwa zwei Minuten wird die erdrückende weisse Pracht durch die Macht der gefilterten Wahwah – Gitarre durchpflügt, der Track entschlackt und beruhigt sich, wird rhythmisch straight. Aus einem solchen Part würden weniger Begabte einen anderen Track schustern. Röyksopp sind aber ein Füllhorn an Ideen und so wird sogar ein dritter Part selbstverständlich zugefügt. Durch den alles mutenden Filter fährt die Verfolgungsjagd durch den Schnee ein verschärftes Tempo. Der Regisseur verliert sich im Gestöber. Bleibt zu hoffen, das Röyksopp nicht das gleiche Schicksal erleiden und am Ende doch als Helden aus ihrer selbstgeschriebenen Story hervorgehen. Ich kann das Album kaum erwarten.

Röyksopp: Eple
(Wall Of Sound/Virgin)

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