Mariah Carey: Glitter

Die psychischen Probleme der Popsirene Mariah Carey scheinen schwerwiegender zu sein, als angenommen. Sie ließ vor einiger Zeit verlauten, ausgebrannt und erschöpft zu sein. Was verständlich ist, arbeitete sie zeitgleich an dem Film „Glitter“ (ab 15. November in europäischen Kinos zu sehen) und dem gleichnamigen Album, das die Musik für das Stück Zelluloid stellen wird. Andererseits könnte man ihr auch vorwerfen, vom vielen Posen – Brüste und Po raus, Bauch rein! – ausgelaugt zu sein. Aber lassen wir das.

„Glitter“ ist zur Hälfte ein hippes, tanzbares Album geworden. Der Rest ist von teils schmalzigen Balladen in bester Carey-Manier gekennzeichnet. Was anderes hatten wir auch nicht erwartet. Sie – wie auch viele andere Popstars in letzter Zeit – kann es sich leisten, hochkarätige Gäste und Produzenten zu engagieren. Man möchte mit aller Macht eine Baulandung vermeiden. So beginnt das Album mit einem treibenden Remix ihrer aktuellen Single „Loverboy“ (mit den Gästen Da Brat und den heiß begehrten Ludacris). Ganz im Zeichen des US-Mainstream-HipHop natürlich. Im krassen Gegensatz dazu steht die rührselige Ballade „Lead The Way“ – siehe auch „Reflections (Care Enough)“ sowie die waschechten Disney-Balladen „Never Too Far“ und „Twister“. Das ist die Mariah Carey, wie wir sie seit Jahren kennen. Im Abendkleid steht sie vor schillernder Kulisse, die Arme ausgebreitet, den Kopf gen Himmel gehoben, die Augen geschlossen, bringt sie ihre unverwechselbaren Stimmbänder zum Schwingen. Wahrscheinlich Kandidat für die Weihnachtssingle. Ganz sicher. Bestimmt.

„If We“ widmet sich wiederum dem HipHop. Willkommen in der Welt der wackelnden Popos, halbbedeckten Brüste und Weed rauchenden Rapper. Dieses Mal in der balladesken Variante. Auch gut, da wieder potenzieller Charthit. Plötzlich ist Mariah Chaka Khan und singt „Didn’t Mean To Turn You On“, was verdammt na an Chaka Khans Prince-Cover „I Feel for You“ rankommt. Im weiteren Verlauf des Albums wird James Brown aus dem Archiv gezerrt und gesampelt („Don’t Stop (Funkin‘ For Jamaica)“) und mit DJ Clue, Busta Rhymes und Fabolous der Club-Hit „Last Night A DJ Saved My Life“ neu interpretiert. Popballaden mit Tanzflächenfüllern im Wechsel. Wie gesagt: Man will auf Nummer sicher gehen. Vor allem, wenn man das erste Album für den neuen Vertragspartner abliefert.

Alles gut und schön und absolut Pop. Nur hätte sie sich einige Male mit dem Trällern zurückhalten können. Ihre Stimme entflieht in solche Höhen, dass man Angst haben muss, die Gläser in der Vitrine könnten zerspringen. Sie kann ja singen. Aber muss sie das alle paar Minuten mit quiekenden und stöhnenden Lauten beweisen?

Mariah Carey: Glitter
(Virgin)

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