Ausgerechnet das dunkle, prollige Brooklyn gebiert das musikalische Edelweiß dieses Herbstes: eine Truppe gestandener Instrumentalisten namens „Melomane“.
Verschroben, verspielt und voll Poesie: „Resolvo“ verzaubert. Schwerfällig und rustikal, aber auch traumhaft schwebend, hängt es irgendwo zwischen rumpeliger Trucker-Polka und zarter Psychedelik. Streift Folklore, Jazz und gleitet ab in unwirklich-leuchtende Klangwelten. Experimentiert mit Sound-Collagen, symphonischen Arrangements, simplen Folk-Mustern und Harmoniegesang. Für den schillernden Klang sorgen typisches Rock- und Folk-Equipment, aber auch Streicher, Bläser, warm wabernde Orgel und fremdartig-irreales Vibraphon.
Bei allem Aufwand: das Geheimnis von Melomane liegt in ihrem Minimalismus. Der Trupmf der Truppe liegt in ihrer großen Verständlichkeit. Egal, wie üppig die Klangwolke und wie farbenprächtig ihr Schein: das Sextett hält es mit bekannten Mustern. Die Harmonien klingen merkwürdig bekannt, von Latino bis Chanson. Die Melodien schwanken zwischen Melancholie und Manie, naiv und unpräteniös der Gesang: LowFi im HiFi-Gewand. „Melomane“ paaren die Elegik der Tindersticks mit den Harmonien der Mamas&Papas, den Melodien der Beach Boys und den Vokal-Ruinen der Crash Test Dummies. Oder anders gesagt: die Pearlfishers treffen auf Calexico.
Archaisch, kindlich und leicht schräg: „Melomane“ schwelgen in Romantik, Ironie und Pragmatik. „Resolvo“ verschmilzt die Sonne der Zitrusplantagen Floridas mit der Beschwerlichkeit des Arbeiterlebens und den Träumen ewig Junggebliebener. Wie wenn ein Riese Kinder-Harfe spielt. Ein bißchen Disharmonik klingt immer durch – Dis-Organik nie.
Melomane: Resolvo
(iXiXeS 015 Indigo CD 0560-2)