Das Krimijahr 2006 -Prognose -2-

Und weiter geht’s mit der Zukunft aus dem Kaffeesatz. Was in den → beiden ersten Quartalen des neuen Jahres geschehen wird, wisst ihr schon. Auf, auf, zum Rest!

Drittes Quartal

Die Versuche der KGB-Agentin Ludmilla, den metro-Herausgeber zu umgarnen, bleiben erfolglos. „Nichts da, Frollein! Ich bin erzkatholisch!“ Und, so setzen wir hinzu, weiterhin auf der Jagd nach dem ersten kamtschuktschischen Krimi, ebenso wie der Grafit-Verleger, und beide sitzen in beheizten Abteilen des Transsibirien-Express. Nach weiteren Abenteuern kommt es zum Showdown: Auf dem Dach des Zuges kämpfen metro-Herausgeber und Grafit-Verleger um Leben, Tod und Übersetzungsrechte. Im Eifer des Gefechts fallen beide vom Dach, bleiben unverletzt, doch der Zug fährt weiter. Und es sind noch 3000 km bis nach Kamtschatka. Gemeinsam machen sie sich auf, ihr Ziel zu erreichen. So weit die Füße tragen…

Turbulenzen bei der diesjährigen Buchmesse. Der Schwarzwaldkrimi boomt. Auslöser: Carl von Holteis „Schwarzwaldau“, ein Krimi der Extraklasse, seit Monaten Nummer 1 sämtlicher Bestsellerlisten. Und die Epigonen haben zugeschlagen: „Schwarzwaldmord“, „Schwarzer Wald und blaue Bohnen“ … Wenige nur schreiten die Parade dieser Werke kaltblütig und leise lächelnd ab. Besitzen SIE doch ein limitiertes und nummeriertes Subskriptionsexemplar von „Schwarzwaldau“, das man zu Jahresanfang→hier und jetzt! bestellen konnte.

Einer der weiteren Höhepunkte der Messe: „Chickenmassaker“, der sensationelle Geflügel-Thriller von Trixi Rotta. Wie wohlinformierte Kreise raunen, versteckt sich hinter diesem Pseudonym eine mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnete amerikanische Autorin.

Auch Anne Chaplet ist endlich zu Potte gekommen und präsentiert „Dr. Altenburg und Mister Seghers“, die ergreifende Charakterskizze einer diabolisch gespaltenen Persönlichkeit. Tagsüber schreibt Dr. Altenburg 1 A Hochliteratur, abends gewinnt sein zweites Ich die Oberhand und schlampt Kriminalromane in die Leselandschaft. Mehrere Damen bringen den Unhold schließlich zur Strecke. Ein fürchterliches Lektüreerlebnis.

Jan Seghers erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Aus der Laudatio: „Hat es der Autor verstanden, durch sein Werk zur Auflösung des Syndikats beizutragen, jener zänkischen Autorenvereinigung, ohne die der Weltfrieden sicherer geworden ist.“ So ist es!

Viertes Quartal

Endlich! Kamtschatka! Sämtliche Nadelhölzer der sibirischen Taigo hängen voller Weihnachtsschmuck, als der metro-Herausgeber und der Grafit-Verleger das Lager der Kamtschuktschen erreichen und dem Autor des ersten kamtschuktschischen Krimis leibhaftig gegenüberstehen! Was haben sie nicht alles erlebt und erlitten! Freunde sind sie fast geworden und haben sich die Beute ihres endlosen Fußmarsches redlich geteilt. Der metro-Herausgeber erhält die Übersetzungsrechte für den ersten bummbaktschischen Börsenthriller, der Grafit-Verleger freut sich über „Glatteis auf dem Ob“, den ersten sibirischen Schamanenthriller, der im rabutschuktschischen Theatermilieu spielt. Und wer erhält nun den ersten kamtschuktschischen Krimi? – Natürlich die „watching the detectives“-Edition, die den Deal schon im April klargemacht hat! Der mit „Schwarzwaldau“ steinreich gewordene Herausgeber war mit seinem Privathelikopter herangeschwebt, hatte die Trinkprobe (30 Wodka ex) glänzend bestanden und den Autor wie gehabt gnadenlos über den Tisch gezogen. Bodenlose Enttäuschung bei metro-Herausgeber und Grafit-Verleger. Und jetzt müssen sie den ganzen Weg wieder zurück…zu Fuß, denn die Kohle ist längst alle.

David Peace hat seine Lesereise durch Deutschland beendet. So etwas hat man bislang hierzulande nicht erlebt! Vierzig Original-Kübelszenen des Autors! „1977“ ist längst ein Bestseller.

Nach dem sagenhaften Verkaufserfolg des „Krimijahrsbuchs 2006“ werkelt der Herausgeber am „Krimijahrbuch 2007“. 178 Autoren haben sich gemeldet, 60.000 Vorbesteller um eines der heißbegehrten Exemplare beworben. Auch hier gilt: Wer vorbestellt, hat mehr vom Jahrbuch! Gilt auch noch für das →Krimijahrbuch 2006!

Zu Weihnachten veröffentlichen die Mitglieder der neugegründeten G.A.N.G. (Gemeinschaft ausgesuchter neudeutscher Griminalschriftsteller) einen Sammelband mit dem Titel „Who killed Jan Seghers?“. Ludger Menke, immer noch alleiniger Herr im Syndikat, geißelt sofort den menschenverachtenden Titel und wählt seinerseits Herrn Seghers zum „Man of the Year“. Ein gutes Krimijahr 2006, wie schön, dass es vorbei ist!

10 Gedanken zu „Das Krimijahr 2006 -Prognose -2-“

  1. Weil du nicht zu Potte kommst, verehrte Kriminaldichterin! Erst wars ein Winzer-, dann ein Weblogkrimi, dann war er fertig, dann musste er umgeschrieben werden, und jetzt soll auch noch Thomas Bernhard darin paraphrasiert vorkommen! Das hat meinen Kaffeesatz völlig verwirrt, und ich verdenke es ihm nicht!

    bye
    dpr

  2. Liebe Anobella,

    danke, dass du mir die Arbeit abnimmst. Aber: Das Hinternet Weblog spielt in einer anderen Liga als Krimiblog oder was auch immer. Wir sind eine der legendärsten Internetillustrierten und rechnen immer nur im Hunderttausenderbereich. Den Krimiblog halten wir uns nur hobbyhalber, weil man ja auch etwas Abwechslung braucht, gelt? Früher haben wir Briefmarken gesammelt, aber das hat uns dann doch nicht intellektuell befriedigt. Übrigens habe ich soeben im Kaffeesatz gelesen, dass du 2006 einen großen blonden Dänen kennenlernst, mit ihm nach Kopenhagen ziehst, fünf Kinder bekommst (die bringt er nämlich schon mit) und aufhörst, Krimis zu schreiben und zu bloggen. Daraufhin habe ich gleich die Flasche Schaumwein geköpft, die wir doch eigentlich heute abend auf der legendären Hinternetsylvesterpartie trinken wollten. Das gibt Ärger! Nur deinetwegen!

    bye
    dpr

  3. ich habe noch mal nachgedacht, wegen watching the detectives und nächstem jahr. du musst ja AUCH pläne machen, sonst zieht ludger im schwanzvergleich davon und du hast schlechte laune.
    wo also sind deine stärken?
    im theoretischen bereich!
    ein interessanter aspekt zum beispiel, den du noch gar nicht ausgeleuchtet hast, ist der zwischen krimirezensent und krimiautor auf einem BLOG. konkret: inwieweit nimmt der rezensent schon während des schreibprozesses einfluss auf die erscheinenden werke? aus meiner erfahrung kann ich da zum beispiel berichten, dass du mir in bezug auf eine kleine krimigeschichte von einer leiche abgeraten hast. ich, beeinflussbar, sitze jetzt also da mit einer krimigeschichte OHNE leiche (anfängerfehler!) und das zwischen lauter kritikern.
    *toll!

  4. Ja, toll! Alle diese Kritiker werden das Jahrbuch natürlich (unter Pseudonym) loben – nur deine Geschichte nicht! Irgendjemand muss ja immer das Opfer sein!

    bye
    dpr

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