Krimijahrbuch – der Skandal

Noch ist das Krimijahrbuch 2006 nicht erschienen, da hat es auch schon einen Skandal verursacht, der ganz Krimideutschland erschüttert. Eine Autorin mokiert sich öffentlich darüber, wie „schlecht“ sie der Herausgeber behandelt habe, ja, von Zensur ist die Rede, vom Zerstören einer gerade erst hoffnungsvoll begonnenen Karriere. Das sind schwerwiegende Beschuldigungen.

Frau Anobella, um die es hier geht, hat für das Krimijahrbuch 2006 einen Kurzkrimi geschrieben, in dem ein gewisser Wenzel von seiner Frau vor eine Straßenbahn gestoßen werden sollte. Der Herausgeber hat, nach Lektüre des Werkes, der Autorin nahegelegt, auf die finale Tötung zu verzichten und es bei der Tötungsabsicht zu belassen. Die Autorin hat dem zugestimmt (Beweise sind vorhanden!). Doch schon kurze Zeit später begann sie in ihrem Blog (zum letztenmal → hier) und gar in dem des notorisch an Schlammschlachten interessierten Ludger Menke (→ hier etwa, 15. Kommentar) gegen den Herausgeber Stimmung zu machen.

Der so ins Visier einer enttäuschten Autorin Geratene hat sich deshalb entschlossen, dem Kurzkrimi der Frau Christiane Geldmacher, als „Anobella“ sehr rührig, wenn auch erfolglos im Bloggewerbe tätig, eine kleine Nachbemerkung anzufügen. Nämlich diese:

(Nachbemerkung des Herausgebers: Ursprünglich wollte Frau Geldmacher, eine junge und aufstrebende Kriminaldichterin, den armen Wenzel sterben lassen. Der Herausgeber hat es ihr ausgeredet und muss sich seitdem bei allerlei Gelegenheiten auch öffentlich von der Autorin vorwerfen lassen, ihren Krimi verhunzt zu haben. Der Herausgeber erklärt dazu folgendes: Ein Mord im Krimi – nichts dagegen. Aber nicht, wenn dieser Mord absehbar ist. Krimis leben von Überraschungen, auch auf die Gefahr hin, dann keine Krimis mehr zu sein. Überhaupt ist der Herausgeber der festen Überzeugung, dass Mord als notwendiger Bestandteil eines Krimis im 21. Jahrhundert seine Berechtigung verloren hat. Wir brauchen mehr Krimis, die am Ende einfach nur ein schlechtes Gefühl hinterlassen. So wie bei Wenzel, dessen Irritation um einiges größer geworden sein dürfte. Der Herausgeber bittet die Autorin, von weiteren Schuldzuweisungen in aller Öffentlichkeit abzusehen. Die Zeit ist auf seiner Seite.)

Der Leser wird mir, da bin ich sicher, nach Lektüre des Krimis zustimmen. Und Frau Anobella hoffentlich in sich gehen und ihren Irrtum einsehen. In Wahrheit hat ihr der Herausgeber nicht geschadet, sondern ihrer Karriere jene Richtung gegeben, die zwangsläufig im Massenerfolg enden muss. Frau Christiane Geldmacher ist die deutsche Donna Leon, sie wird ihre Werke wie geschnitten Brot verkaufen. Und wem hat sie es zu verdanken? Dem Herausgeber des Krimijahrbuchs 2006, das man → hier bestellen kann. Die Welt ist schlecht und ungerecht. Frau Anobella, nehmen Sie Vernunft an!

der Herausgeber

18 Gedanken zu „Krimijahrbuch – der Skandal“

  1. Ist hier ja fast so schlimm wie in einem gewissen Theater in Frankfurt.

    Ich distanziere mich ausdrücklich von den Äußerungen des Herrn dpr. Ich bin nicht notorisch an Schlammschlachten interessiert. Wer hier Skandale und Skandälchen inszeniert ist doch offensichtlich.

    gez.
    Ludger

  2. Damit hast du dich verraten, Bester! Jedes Kind weiß doch, dass solche „Distanzierungen“ erst einen Skandal ins Laufen bringen! Bravo!

    bye
    dpr

  3. Das ist ja nun mal Quatsch. Ich möchte nur nicht in den Strudel des ständig sinkenden Niveaus hier hineingezogen werden. Die Damen und Herren des Montségur-Autorenforums werden sich die Hände reiben.

    Ludger
    * hört „Blogging down the House (David Byrne vs. dpr Ugly Row Remix)“

  4. „Quatsch“ – „ständig sinkendes Niveau“ – „Hände reiben“ – voilà, meine lieben Leserinnen und Leser, das ist das Vokabular der Skandalomanen, direkt aus dem Wörterbuch der Quertreiber gezogene Versatzstücke! Meiden Sie den Blog eines Mannes, der nicht einmal davor zurückschreckt, alte Talking-Heads-Schlager in neuer Abmischung zu hören! „Psychokiller, qu’est-ce que c’est?“

    bye
    dpr

  5. Das Krimijahrbuch? Kann nicht sein.
    Schwarzwaldau? Das kriegst du nächste Woche umsonst geschickt.
    Ludger Menkes „Meine 100 schönsten Blogeinträge“? Wär ihm zuzutrauen.
    Highsmith? Arno Schmidt? Nabokov? ICH HAB KEINE AHNUNG!

    bye
    dpr

  6. falschfalschfalsch!
    weiterraten!
    ich geb dir einen tipp: es ist ziemlich mainstream!

    (hast du´s gesehn? smarf schlägt vor, dass ich deine haut in streifen schneiden soll).

    🙂

  7. Weiterraten, weiterraten! Das ist seelische Grausamkeit! Donna Leon? Noch mainstreamiger? Smarf, der nicht nur keine Sexszenen kann, sondern eine Phantasie hat wie ein lustlos vor sich hin pubertierender Greis? Wenn ich meine Büttenrede für Montag nicht schon fertig hätte, würde ich ihn erwähnen. Aber ist er es wert? Kafka? Der ist total mainstream geworden, seit ihn Max Brod herausgegeben hat. Also sag schon! Doch nicht etwa meinen sehr raren experimentellen Roman…?

    bye
    dpr

  8. Nee, heut abend rat ich nicht mehr. Zu müde. Aber ich kriegs noch raus…oder einer der Leser? Wers zuerst rät, bekommt einen handsignierten Winzerkrimi. Plus Kopie des Verrisses meinerseits.

    bye
    dpr

  9. Schön, schön…und wenn Ammer Uthmann lobt, dann ist Uthmann gut! Merken Sie sich das! Kein Defätismus hier! Wer ist das eigentlich…

    bye
    dpr

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