Pieke arbeitet nachts

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Berlin, wenn es dunkel wird. Prächtige Boulevards, gute Stimmung, freundliche Menschen. Probleme? Nö, wo denn? Na, vielleicht in Wedding? Ach was! – In ihrer neuesten Kriminalreportage legt Pieke Biermann eine „Nachtschicht am Kiez“ ein und berichtet wie immer aus der Wirklichkeit jenseits der Propaganda. Am Freitag, 26. September 2008 im RBB-Inforadio 93,1 um 10:27 und 13:27 Uhr und am Sonnabend, 27. September 2008 in
DER TAGESSPIEGEL. Und im Internet, wenn man weiß, wie man auf eine Grafik klickt.

Berlin-Wedding. Auch so ein “Problemkiez”. Das Schicksal von Neukölln ist ihm zum Glück erspart geblieben: Zur “Bronx von Berlin” hat ihn (noch) niemand gehypet. Aber seine Probleme haben dieselbe Quelle – jahrzehntelange politische Ignoranz.

So entstand das Gemisch aus Eingeborenen und Zugezogenen, die alle – aus verschiedenen Gründen – nicht richtig geerdet und verwurzelt sind. Hier klafft die Schere nicht zwischen arm und reich, sondern zwischen arm und noch ärmer, zwischen bloß lästig und ganz abgeschrieben, zwischen Phlegma und Gewaltausbruch.

Hier gibt’s Einsätze wegen häuslicher Gewalt in Treppenhäusern, an denen jeder Hauptstadt-Optimismus abprallt. Hier schmeißen Leute ihren Müll aus dem Fenster, anstatt den Innenhof zum Grillen und Spielen zu nutzen. Hier entsorgen sie ihren kaputten Fernseher auf dem Kinderspielplatz. Hier gerinnen all die kleinen Verwahrlosungen zum Bild, aus dem – wenn keiner aufräumt – am Ende nur noch antisoziale, kriminelle Energie strömt.

Hier ist das Revier von “Äi-Dschäi” und “Schumi”. Zwei Streifenbeamte, die auch in einer ruhigen Nacht genug zu tun haben, weil sie dagegenhalten.

3 Gedanken zu „Pieke arbeitet nachts“

  1. Sickerwitz: die broken-windows-Hypothese ist schon lange widerlegt, schon gar, wenn es um das Strömen antisozialer, krimineller Energien geht.

    Mit freundlichen Grüßen!

  2. Egregio signor JL – bin entzückt, dass mein specialmente-per-JL-Satz eingeschlagen hat! In prekären Zeiten wie den unsrigen tun Leute, die so pünktlich sind, dass man die Uhr danach stellen kann, einfach gut – danke! Und wenn Sie doch mal die Nase vom Schreibtisch heben möchten, ich könnte Ihnen ein paar ausgedehnte Spaziergänge empfehlen (nicht nur in Wedding).
    Immer um Ihr Wohl besorgt – P.

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