ESC 2010: Lettland

Aisha: „What for“

Düstere Balladen mit spärlicher Synthie-Begleitung scheinen dieses Jahr irgendwie in zu sein. Typische Schluchz-Ballade und auch sonst irgendwie zum Heulen, unter anderem durch den Akzent der Sängerin, für den sie natürlich nichts kann – aber muss es unbedingt auf englisch sein? Kein Herz, keine Wärme, reichlich nerviger Refrain, der am Ende die Rampe zur großen stimmlichen Leistungsschau bildet. Typisches furioses Finale, tausendmal gehört.
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ESC 2010: Finnland

Kuunkuiskaajat: „Työlki ellää“

Entschuldigung, ist das türkisch? Nein, was sich erst so anhört, mündet in eine Polka (mit Geige, klar), muss also irgendwo aus dem Norden kommen. Und richtig: die Finnen. Mit vielen harten gerrrrrrrrrrrollten Rrrrrrrrrrrrrrrrrrs. Musikantenstadlfreunde können mitschunkeln, und in dunkeln Kaschemmen kann man sich zu solcher Musik auch prima ins Koma saufen.
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ESC 2010: Slowakei

Kristina: „Horehronie“

Wunderbare Folkpop-Ballade. Vielleicht überlagern die Ethno-Beats ein bisschen zu sehr die wirklich sehr schöne Melodie. Denn dies hier ist ein feiner Ohrwurm, den man auch im Stil der isländischen Sängerin vom letzten Jahr ganz schlicht als klassische reduzierte Ballade hätte gestalten können. Daumen hoch für den Mut zur Perkussion – vielleicht macht das auch einfach den Hintergrundtänzern die Sache leichter. Erkennbar balkanesk, aber nicht aufdringlich – diese Musiksprache versteht man auch im Westen.

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ESC 2010: Estland

Malcolm Lincoln: „Siren“

Juiii! Sehr düster, sehr ausgefallen. Beginnt als spartanisch instrumentierte Ballade mit gespenstisch verzerrtem Chor, wechselt zum Refrain in flotteres Tempo, um dann zurückzufallen in die schluffige Anfangsgangart. Das ist keine ESC-Allerweltskost, Respekt. Aber man muss schon großer Depeche Mode- oder Joy Division-Fan sein, um „Siren“ zu goutieren. Und man muss viel gute Laune mitbringen, um diesen Downer zu überstehen.

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ESC 2010: Russland

The Peter Nalitch Band: „Lost and forgotten“

Was ist das denn, um Himmels Willen? Hier hat aber keine ESC-Beratungsschmiede gegen einen sechsstelligen Eurobetrag am Beitrag gewerkelt. Das hier ist Marke Eigenbau. Schleppende, entsetzlich elegische Ballade. Durchaus Ohrwurm, aber der Sänger liegt irgendwo zwischen Knödeltenor und Kastrat. Ohren auf bei den kuriosen Akzenten, die der Hintergrundchor setzt!

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ESC 2010: Der Doktor ist… da

Nach längerer Sendepause meldet sich unsere Gemeinschaftspraxis mit einer kleinen Fleißarbeit zurück. Im Vorfeld des diesjährigen Eurovision Song Contest und der beiden Halbfinale werden wir alle 39 Bewerber vorstellen und eine Prognose über ihr Abschneiden abgeben. Grundlage sind die Videos der Teilnehmer, die man u.a. hier finden kann: ↑NDR – Die Kandidaten im Porträt.

Unsere Prognosen sind natürlich fachkundigst, trotzdem ist nicht auszuschliessen, dass Europa völlig anders abstimmen wird als von uns erwartet. Denn auch in Oslo gilt: die Wahrheit liegt auf dem Platz. Wenn sich im entscheidenden Moment der passende Ton verweigert oder gar das Trickkleid streikt, dann hilft das beste Video (und die profundeste Prognose) nichts mehr.

Freut Euch auf eine 39teilige Komödie der Irrungen, Wirrungen und der ganz großen Gefühle. Ab morgen früh hier bei Hinternet.

gemein 017

Ich glaube, ich kenne kein nervenderes Popstück der letzten zehn Jahre als Röyksopps „Happy Up Here“ (…) Daß der Rökysopp-Song so nervt, liegt sicherlich auch daran, dass das Stück von deutschen TV-Redakteuren nahezu allen Bildstrecken, in denen Menschen beim Kochen, beim Snowboarden, beim Straßeentlanggehen und beim Von-der-Schaukel-fallen zu sehen sind, unterlegt wird. Mancher mag einwenden, dafür könnten Röyksopp ja nichts. Doch, sie können! Denn Röyksöpp machen Bildstreckenunterlegungsmusik unterster Latrine.

Röyksopps Musik hat die brüllend dämliche Aura eines Party-Events für Zahnärzte mit Niedlichkeitsfetischismus. Röyksopp ist Air für Modeopfer.

Eric Pfeil in seinem Pop-Tagebuch (FAZ): ↑Mein Kaffee ist keine Bildstrecke – Aufzeichnungen eines genervten Vollgedudelten

Moral

Wenn einem Autor nichts mehr einfällt, wird er moralisch. Damit kriegt er sie alle. Und wenn einen nicht, dann ist der eben unmoralisch. Das Wort „Moral“ ist das Pflaster auf den Wunden eines Textes, die billige Blitzheilung siecher Plots, das Placebo gegen Sätze mit Sinn-Alzheimer, das Dach, unter dem sich die intellektuell obdachlose Aussage vor sich selbst versteckt. Naja, eben ein Scheißkrimi, aber er thematisiert wenigstens den Fremdenhass. Schon tausend Mal gelesen, den ungelenken Mist, aber immerhin geißelt er den Ehrenmord. Schon wieder Nazi-0815, aber wir erfahren doch, wie schlimm es damals war und dass es auch gute Deutsche gab. Moral eben. Unangreifbar, mit eingebautem Applaus.

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Conte kann

Ach, es ist schön, durch die →Herbstvorschau des Conte Verlages zu blättern, fast gänzlich unbeteiligt, denn den nächsten dpr aus dem feinen Saarbrücker Haus gibts erst im Frühjahr. Ein kleines Nachwort für einen alten Franzosen und, große Freude, die Gewissheit, dass es endlich gelungen ist, dem phantastischen Peter J. Kraus eine neue Heimat zu verschaffen. „Joint Adventure“ heisst das Werklein und wärmt nicht nur von außen. Und dann gibt es noch einen Amila und ein mysteriöses Tapirtier, aber das schaut ihr euch jetzt alles selber an, gell?

KC im Mai

Mit geziemender Verspätung erschienen: →die neueste Ausgabe der Krimi-Couch, Deutschlands größtes und beliebtestes Krimimagazin. Mit vielen Rezensionen und Interviews, u.a. auch zwei dringend notwendigen Nachholarbeiten des Bloggers. Der hat sich, auch mit Verspätung, Stefan Kiesbyes →„Nebenan ein Mädchen“ zur Brust genommen und ist des Lobes voll. Da der Titel nun auch als Taschenbuch erscheint, sogar eine verblüffend aktuelle Rezension. Christine Lehmanns ebenfalls besprochener →„Allmachtsdackel“ siecht derweil der Altersschwäche entgegen, ist aber dennoch sehr lesenswert.