Buchmesse 2010

Willkommen zu unserem jährlichen Buchmesse-Krimireport. Wie stets das Wichtigste zuerst: schwarze Strumpfhosen. Sie sind der offensichtliche Modetrend der Saison, schwarze Strumpfhosen, die in ebenso schwarzen Stiefeln – auch apart mit Stulpen – enden, dazu kurze bis mittellange Röcke in, man staune, Schwarz oder allen Varianten von Grau. Nebentrends: Damenhosen haben wieder Schlag, die zahlreich auf der Messe herumlungernden Fernsehregisseure – „Bring ma Stativ!“ – tragen die letzten Reste des ergrauten Haares nicht mehr pferdeschwänzig, sondern haben es zu einer Art Königsberger Klops im Nacken zusammengeknotet.

Irritierend: Es gibt mehr „Leseinseln“ als früher. Das tut der Orientierung nicht gut, denn die Dinger wurden mitten in die Ganglandschaft hineingefräst, du bist in Gang B, durchquerst eine der „Leseinseln“ und kommst in Gang D wieder raus. Schlimmer noch: Es wird auf diesen Leseinseln tatsächlich gelesen. Schönster aufgeschnappter Satz: „Sie strich sich mit dem Finger das Haar hinter dem Ohr glatt.“ Merkwürdig. Unsereiner benutzt statt des Fingers eine Panzerfaust.

Kommen wir zum Krimi. Was läuft? Der Endzeitkatastrophenthriller, natürlich, aber bitte mit Humor. An einem Stand in Halle 3.1. – Rowohlt? Fischer? Dtv? – aufgeschnappt: „Sie treiben die Spannung auf die Spitze, sodass man unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Aber sie schreiben auch mit Humor. Ist das nicht schwer?“ Antwort des Autors: keine Ahnung, irgendjemand – weiblich, schwarze Stiefel, schwarze Strumpfhosen – haut mir den Ellenbogen in die Seite, widerlich, dieses Gedränge, ich komme vor dem Stand einer Pädagogenklitsche wieder einigermaßen ins Gleichgewicht und nehme sofort Reißaus.

Dabei hatte der Morgen wunderbar begonnen und mir den running gag des Tages geliefert. „Ich war heute morgen schon mit einer Krimiautorin auf ihrem Hotelzimmer.“ Wow! Zweideutige Antworten der Gesprächspartner, natürlich. „Und was habt ihr da so….“ Kaffee getrunken, geraucht, gequatscht, was sonst? Aber war schön, Frau B. aus B.

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Am Stand des Conte Verlags, wo der neue Krimi von Peter J. Kraus – „Joint Adventure“ – für Furore sorgt. Auf dem Plakat Cannabisblätter, desgleichen auf der Postkarte, die zu einem must have der vorbeiziehenden Besucherschar – der jugendlichen insonderheit – wird. Gegenüber der Stand eines „Designverlags“, dessen Damen rosa Osterhasenohren aus Plüsch tragen sowie einen roten Rokokostuhl, diesen anscheinend plan- und ziellos durch die Halle 4.1, was kein Mensch versteht, aber wohl ein wunderbarer Designgag ist. Rätselhafte Messewelt, rätselhafte Designverlage.

Suche nach netten Menschen, aber Ariadne ist diesmal nicht auf der Messe. Schade. Auch andere finde ich nicht, bis auf Frau G., die sich wie immer jedem Modetrend hartnäckig widersetzt, nix schwarze Strumpfi, nix schwarze Stiefel. „Dein Krimitrend, Schätzchen?“ Sie haut mir – von wegen „Schätzchen“ – die obligatorische Backpfeife und muss eh gleich weiter zum Facebook-Treffen. Zum was? Soziale Netzwerke haben inzwischen auch Frankfurt erobert, so dass ich schließlich einsam am Bahnsteig stehe und auf meinen Zug warte. Wie war das also mit dem Krimi 2010? Es gibt ihn. Er ist wieder einmal hervorragend (Fragen Sie die Aussteller, die werden nicht müde, es Ihnen vorzubeten), die Aussichten allerdings sind miserabel – „Macht einfach keinen Spaß mehr.“, aber das sagen sie jedes Jahr – der Kaffee auch wie immer grenzwertig, die Brezeln warm und genießbar und – da! – eine junge Frau mit NACKTEN Beinen. Vorbote des Modetrends 2011? Wir werden Sie auf dem Laufenden halten.

6 Gedanken zu „Buchmesse 2010“

  1. So einfach sind Messebesuche, zieh die Stiefel an!
    Und wie sieht es aus mit der Veröffentlichung von Faketown? Wenn das nicht klappen sollte, mache ich den Klappentext, das Lektoriat, die Werbung, die Flyer….. Ich warte drauf

  2. Mensch, dpr! Ohne dich stünde ich doof und nackt in meiner Südstaatenödnis, ohne jede Ahnung was da in Fränkfürt, Germany, so alles läuft. Das Foto ist aber hübsch, die Stimmung am Stand scheint…hüstel…recht gelassen-intellektuell, der Besucher orientiert sich offenbar gerade.

    Schön ist´s, wenn man Neues erfährt. Asbach time, Alter,

    und Gruss,
    Peter

  3. Ja, bist ein armes Schwein, mein guter Alter! Nicht auf der Buchmesse!!! Unglaublich!!! Ist ein Leben ohne Messe eigentlich lebenswert? Und die vier intellektuellen Herrschaften haben gleich im Anschluss an die Aufnahme dein Büchlein zu einer fetten Tüte gerollt und vollständig aufgeraucht. Der ganz links ist heute noch zugedröhnt…

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