Notdienst 1

Uh, uh, der Chef hat gerade eine lesbische Jungpharmazeutin in einem Flüsschen ertränkt… da wollen wir ihn gar nicht stören. Sondern nur sagen, dass bei der Krimi-Couch dem Chef seine →Dezemberkolumne jetzt auch offiziell online ist. Ein kleiner Jahresrückblick mit vielen Geschenktipps! Und dann hat er noch eine →kompakte Besprechung von Andrea Maria Schenkels „Bunker“ geschrieben, weil ihn der Herr König von der Couch dazu genötigt hat. So, jetzt aber auf leisen Sohlen aus der Redaktion und schon mal das Badewasser eingelassen. Nach dem Dichten ist der Chef immer so verschwitzt.

Oxana und Elena, diensthabende Zwangspraktikantinnen

Unaufgeräumte Krimienden

„Zwei Figuren und Romandrittel lang hält Rudolph den Provinzkrimi bravourös durch, dann schlägt er einen gewagten Haken. Mit dem dritten Erzähler strapaziert er vorsätzlich die Glaubwürdigkeit. Er will die Aufgeräumtheit eines normalen Krimiendes und die Fassbarkeit von Figuren und Verhältnissen sabotieren.“

Weiterlesen

Hugo Bettauer: Hemmungslos

Ach, das waren lustige Tage! Ein Vatertagsausflug auf Staatskosten mit Aussicht auf fremde Länder und Ordensbrust. Man skandierte „Jeder Schuß ein Russ‘, jeder Stoß ein Franzos'“ oder – auch der Wortwitz sprühte in jenen Tagen – „Serbien muss sterbien“. Ob man die „Dicke Berta“ sehen würde, jene legendäre Großkanone aus dem Hause Krupp? Oder gar, wer weiß?, auf dem Feld der Ehre einen ähnlich dicken Fisch an die Angel bekäme wie damals 70/71 den französischen Kaiser persönlich? – Doch es sollte kein Feld der Ehre mehr geben. Statt dessen Massenvernichtung mit zeitgemäßer Hightech. Verdun, die nordfranzösischen, belgischen Schützengräben, Ypern, Giftgas und Granaten, Verrecken in der eigenen Scheiße. Erster Weltkrieg.

Weiterlesen

Eine Geschäftsidee

Eine pfiffige Idee, auch in Zeiten der Finanzkrise auf ihre Kosten zu kommen, hat die Arbeitsgemeinschaft der Freunde des literarischen Landhauskrimis (Internetauftritt wird vorbereitet). Die vehementen Verfechter einer nachzuholenden deutschen Krimitradition (Motto: „Ingrid Noll die deutsche Agatha Christie? Nur über unsere Leichen!“) kämpfen nicht nur für eine Wiederbelebung alter und bewährter Strickmuster der Kriminalliteratur. Sie wissen auch, wie man damit Geld verdienen kann…

Weiterlesen

Geht alles

„Das heißt, jede Entscheidung verschüttet Möglichkeiten, und dem kann man nach Feyerabend nur mit einem bedingungslos demokratischen Kulturverständnis antworten. “ … ich sagte, Die Kunst DES Volkes sei Dallas oder Jerry Cotton und daß man erst diese studieren müsse, wenn es einem daran gelegen sei, Kunst und Volk ein wenig näher zu bringen“(…)“

Weiterlesen

Christine Lehmann: Mit Teufelsg’walt

Lisa Nerz, das ist schon eine. Gelegenheitsjournalistin (nach einer Erbschaft kommt sie auch ohne regelmäßige Arbeit über die Runden), Detektivin aus Überzeugung, Trägerin von Männerklamotten, ein bisschen bi, momentan mit einem Oberstaatsanwalt namens Richard Weber verbandelt („Lebensabschnittsirrtum“). Für den diplomatischen Dienst absolut nicht zu gebrauchen. War schon mal auf dem Mond und mischt sich bevorzugt in Dinge ein, die sie nichts angehen oder nichts angehen sollen. Zum Beispiel eines frühen Morgens, als es in der Wohnung über der ihren rumort und schreit. Einige Damen vom Jugendamt wollen den kleinen Tobias Habergeis abholen und in ihre „Obhut“ nehmen. Gestapomethoden sind das, befindet Lisa Nerz und geht dazwischen. Prompt steckt sie in ihrem nächsten Kriminalfall, einem besonders heiklen.

Weiterlesen

Verbrechersuppe

lesung.jpg

Saarländer? Morgen noch nix vor? Mal dpr auf die Pelle rücken? Was Gutes essen? Für lau? – Kein Problem. Morgen ist die 2. Conte-Kriminacht in der Erlebnisgärtnerei Storb in Brebach-Fechingen. Es gibt „Verbrechersuppe“ zur Stärkung. Ursprünglich hieß das „Rotwein und Brezeln“, jetzt halt Rotwein mit reingebröselten Brezeln.

Weiterlesen

Hirnüberzuckerung

„Es gibt keinen großen Roman, der nicht auf einem gesunden Fundament aus Trivialität stünde.“

Ah, denkt man, hier wird’s interessant. Und dann auch noch in der „Welt“. Mit obigen Worten macht uns →der Alligator Lust auf →Hannes Steins Artikel zu dem, was der Amerikaner „Brain Candy“ nennt, der Deutsche aber „Trivialliteratur“ oder, wenn er gerade seinen nichtakademischen Tag hat, „Flughafenliteratur“.

Weiterlesen

Der allgegenwärtige Krimiautor

Hallo. Ich bin ein Krimiautor in den Zeiten des Internets, der großen Vernetzung. Ich bin der Souverän meinerselbst und bedauere meine Vorgänger, die, wenn sie bekannt werden wollten, immer auf DIE ANDEREN angewiesen waren: die Presse, die Fernsehfritzen, die Germanisten, die aus dem Werbevollen schöpfenden Verleger. Heute ist das ganz anders. Ich stromere durchs Netz und stelle mich meinen zukünftigen LeserInnen vor. Der Weltruhm ist nur eine Homepage weit entfernt.

Weiterlesen

Jochen Schmidt: Gangster, Opfer, Detektive (Schluss und darüber hinaus)

Noch immer streite ich mit Jochen Schmidts „Gangster, Opfer, Detektive“, und inzwischen hängt der Haussegen beträchtlich schief, der Gang zum Scheidungsanwalt scheint unvermeidlich. Dass dieses Werk solche Emotionen auszulösen vermag, ist seine große Stärke, die aber vor allem aus seinen großen Schwächen resultiert. Auch als reine Informationsquelle wird das Buch mehr und mehr verzichtbar. Fazit: ziemliche Ernüchterung…

Weiterlesen

Wie alles anfängt und so manches endet

Ach, im Moment hab ich wenig Zeit, mir über Krimis Gedanken zu machen, im Moment schreib ich selber einen. Und damit ihr schon mal wisst, wie alles anfängt, hier der Anfang, was sonst. Es ist die Fortsetzung der „Armen Leute“, aber den Titel sag ich noch nicht. Es ist auch nicht der nächste Krimi, der erscheinen wird, denn der ist schon längst fertig und ihr habt gar nichts davon mitbekommen. Hier also:

Weiterlesen

Jan Zweyer: Goldfasan

Zwei Dinge sprechen gegen „historische Krimis“: Dass sie selten die Denkweisen einer vergangenen Zeit rekonstruieren können, sehr wohl aber „Fakten“, und dass diese Fakten dann wie aus Kübeln auf die armen LeserInnen regnen, sehr zum Nachteil des Erzählduktus, nebenbei. Der Autor steckt in einer Zwickmühle. Präsentiert er zu wenig Fakten, mag dies dem Text zugute kommen, alle mit der beschriebenen Zeit nicht vertrauten Leser jedoch düpieren. Übertreibt er es, riskiert er vor lauter gutgemeintem Infotainment Stilbrüche, der Erzähler wird zum Dozenten. Schauen wir, wie sich Jan Zweyer aus dieser Lage herausgewunden hat.

Weiterlesen

Trend 2009?

Nach Gabriele Brinkmanns „Ehre, wem Ehre gebührt“ (wir erinnern uns an den Skandal, der die Nation erschütterte), gibt es ein weiteres Werk der kritischen Kriminalliteratur zum Thema: Rose Gerdts-Schifflers „Ehrenhüter“. Der Berichterstatter der →„Kreiszeitung“ verrät uns, worum es geht: „Während der Vater despotisch die Familie regiert, versteht die Kopftuch tragende Mutter sich devot unsichtbar zu machen, wenn das Familienoberhaupt in Zorn gerät.“ Ja, „die Kopftuch tragende Mutter“, das hat sie jetzt davon… Doch bevor solche tabulosen, politisch natürlich völlig inkorrekten Krimis zum neuen Trend ausgerufen werden, bestehen wir auf der Feststellung, dass Friedrich Schillers „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ nicht dazugehört. Oder trägt Mutti dort ein Kopftuch? (Danke an →frauenkrimi.net für den Hinweis).

Die allgegenwärtige Kamera

Eine Polizistin, die mit Kleinkind und WG-Mitbewohner, einem schreibblockierten Kriminalautor, urlaubt. Gestattet sich Astrid Paprotta hier, in ihrem ersten Tatort-Drehbuch „…es wird Trauer sein und Schmerz“, einen augenzwinkernden Scherz? Handy. Ein Bäckermeister ist erschossen worden, das dritte Opfer eines „Sniper“. Kommissarin Lindholm, zufällig in der Nähe des Geschehens, ermittelt mit den Braunschweiger Kollegen, während ihres Urlaubs.

Weiterlesen