…Ist das, was →hier auf der „Krimicouch“ passiert (danke, Jochen!). Ein Kritiker bespricht ein Buch, es gefällt ihm nicht. Einige LeserInnen melden sich zu Wort, ihnen gefällt das Buch, aber der Kritiker gefällt ihnen nicht. Ein weiterer Leser greift ein, ihm gefallen die LeserInnen nicht, weil sie gute Bekannte der Autorin zu sein scheinen. Und dann gehts ab. Sehr schön. Sehr erhellend.
Autor: dpr
Na schön
Damit das anderswo mal in Gang kommt, hier zwei Hinweise in meiner Eigenschaft als Ersatzalligator: In der →TAZ werden die neuen Romane von Christiane Lehmann und Astrid Paprotta besprochen. Und auch bei den Kollegen von →Kaliber 38 gibts ebbes Neues, u.a. einen langen, langen Aufsatz von →Thomas Wörtche „zur ungeklärten Nachbarschaft von Science Fiction und Kriminalliteratur“.
Kapitel XVI

Was bisher geschah: Wickius hat die künstliche Südseeinsel IDIOT erreicht, auf der die deutschen Krimischaffenden Fortbildungskurse in Plotten, Surfen und Deutsch besuchen. Er wird inhaftiert. Die bezaubernde US-amerikanische Geheimagentin Claudine Schrunz befreit ihn. Doch der böse Alte macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Der zugedröhnte Giorgio zielt mit einer Schrotflinte auf Wickius. Er drückt ab. — Das Kapitel endet mit orgiastischen Kopulationsszenen und ist daher für zartbesaitete Gemüter kaum geeignet.
WeiterlesenDiesmal nicht
Der Alligator hat wieder Urlaub. Ich weiß auch wo. In einem Land mit ausgeprägter Krimikultur, manche nennen das, was von dort kommt, skurril. Momentan steht wieder einer von denen ziemlich hoch in der Bestenliste. Aber darum sollte es hier eigentlich gar nicht gehen. Sondern: Sorry, ich kann diesmal die Alligatorvertretung nicht übernehmen. Hab genug anderes zu tun. Also müssen andere ran. Wer überwindet sich? Ludger, Bernd, Axel, Georg, Anobella, JL? Oder alle zusammen?
Neues für die Wortschatztruhe
Auch Kriminalromane leben vom Wortschatz ihrer Macherinnen und Macher. Nun ja, wird man sagen, die deutsche Sprache ist reichhaltig genug, da findet ein jeder was er braucht. Das ist richtig. Dennoch kann es nie schaden, von Zeit zu Zeit neue krimispezifische Wörter zu kreieren. Wir beginnen mit vier davon, denen gemeinsam ist, dass sie garantiert bei jeder Google-Suche zu 0 Treffern führen. Bis jetzt…
WeiterlesenPieke und die Kaffeesteuer

Was zoll’s, sagte sich Pieke Biermann schön apostophphil und ging für ihre neue Krimireportage aufs Zollamt Berlin-Schöneberg. Was sie dort erlebt hat, kann man unter dem Titel „Drei, zwei, eins – keins!“ hören oder lesen oder beides. Und zwar am Sonnabend, 1. September 2007 in DER TAGESSPIEGEL (lesen) und im RBB-Inforadio 93,1 um 11:45 Uhr (hören). Wiederholungen zum Hören: um 19:45 Uhr und in der folgenden Nacht um 0:45 und 05:45 Uhr. Podcast: aufs Bild klicken. Sechs, fünf, vier – viel Pläsir!
WeiterlesenErklär mir das mal jemand
„Um Kriminalromane zu schreiben, braucht man Weltkenntnis“, schreibt Tobias Gohlis in seiner →Ritzel-Rezension. Das versteh ich ja doch. Aber dann setzt er als Konsequenz hinzu: „deshalb geben erstaunlich viele Krimiautoren „Journalist“ als Erstberuf an“. Und jetzt bin ich baff. Heißt das, als Journalist verfüge man per se über „Weltkenntnis“? Kann doch wohl nicht gemeint sein, oder? Ich frag ja nur.
Mechtild Borrmann: Morgen ist der Tag nach gestern
Man vermisst sie manchmal, die solide gearbeiteten Kriminalromane, denen nicht jedes vertraute Muster gleich zum Versatzstück gerät. Mechtild Borrmanns zweiter Krimi „Morgen ist der Tag nach gestern“ besticht durch die Disziplin, mit der eine Geschichte dramaturgisch und sprachlich nach bekannten Regeln erzählt wird – und genau dadurch angenehm überrascht.
WeiterlesenLesenotiz Derek Raymond: Er starb mit offenen Augen
Mit der Ermordung des gescheiterten Schriftstellers Charles Staniland steigt der namenlose Detective Sergeant aus den Albträumen des Autors in das literarische London der achtziger Jahre. Er arbeitet in der Abteilung für unaufgeklärte Todesfälle, A 4, die sich in einem „Factory“ genannten Polizeigebäude befindet, „die mit Abstand unbeliebteste und unbequemste Truppe“.
WeiterlesenKapitel XV

Was bisher geschah: Wickius sitzt voll in der Scheiße! Nämlich in einem Kerker! Wo? Auf IDIOT, der künstlichen Südseeinsel! Was passiert dort? Sämtliche deutsche KrimiAutorInnen befinden sich auf IDIOT, um eine Weiterbildungsmaßnahme zu absolvieren! Sagt der komische Alte! Aber er lügt! Und Wickius deliriert said Stunden! Wow! Spannend! Klar, dass diese Folge mit einem sauguten Cliffhanger endet!
WeiterlesenArgumente
„Passma auf, Axel“, sag ich, „das Dumme ist: Ich weiß, wo du wohnst. Noch dümmer: Ich neige von Natur aus zu körperlicher und seelischer Gewalt. Am allerdümmsten: Ich müsste nicht einmal selbst nach Berlin kommen, ich kenn dort ein paar ziemlich harte Jungs, die mir noch einen Gefallen schuldig sind. Also?“ – Und sieh an: Heute endlich hat Kollege Bussmer seine →Besprechung des formidablen Paprotta-Porträts „Die Zeichen der Vier“ auf dem Blog. Danke, Axel!
Darf man? Darf man nicht?
Unsere verfeinerte Zivilisation hat einige begrüßenswerte Errungenschaften gezeitigt. Dass in Gesellschaft weder gerülpset noch gefurzet werden sollte, zum Beispiel. Selbst die deutsche Krimikultur, mag sie als solche auch selten erkennbar sein, hat ihre Höflichkeitsregeln. Die erste und wichtigste: Beschmutze, oh Schaffende/r, niemals dein eigenes Nest! Hm. Aber genau das ist mein Problem.
Denn spätestens ab Juli 2008 werde ich wohl alle Bedingungen erfüllen, um einen Mitgliedsantrag beim SYNDIKAT, der Vereinigung deutschsprachiger KrimiautorInnen, stellen zu können. Rein theoretisch jedenfalls. Das sind dann also alles meine Kolleginnen und Kollegen, wir sitzen im gemeinsamen Nest und bemühen uns, nicht mit Dreck aufeinander zu werfen. Genau das tue ich aber seit geraumer Zeit – nicht mit Dreck werfen, aber doch die eine, den anderen meiner zukünftigen Mitschaffenden rezensionsmäßig am Näschen fassen, sozusagen. Und das darf ich dann nicht mehr?
Ich bin ratlos. Nein, besser: zerrissen. In Zukunft keine Krimirezensionen mehr? Oder nur noch positive (das darf man nämlich merkwürdigerweise immer!)? Wer kann mir bei dieser Entscheidungsfindung helfen? Niemand? Doch! Eine! Anne!
An Frau Chaplet scheiden sich die Geister. Nicht nur, was ihre literarische Produktion betrifft, aber das gehört eh zum Berufsbild, dass dich die einen lieben und die anderen nicht ausstehen können. Nein, was man Anne Chaplet vor allem verübelt, ist ihre Frechheit, auch vor KollegInnenschelte nicht zurückzuschrecken.
Nehmen wir den →Tagebucheintrag vom 21. August 2007. Es beginnt mit einem geschickten Verweis auf Chaplets Tätigkeit als FOCUS-Krimikritikerin. Wir erinnern uns: Im Focus kritisieren KollegInnen (außer Chaplet noch Henrike Heiland, Manuela Martini, Ralf Kramp, Harry Luck und Horst Eckert) KollegInnen, und zwar straight to the rules, also ausschließlich lobeshymnend. In ihrem Tagebuch weicht Anne davon ab und verflucht ihre Tätigkeit, „für die man manchmal auch Kriminalromane eines Blickes würdigen muß, die man lieber nicht zuende liest. Da wird oft derart ins Klischee gegriffen, daß man Margit Schreiner versteht, wenn sie sich vom Gedanken verabschiedet hat, es auch einmal mit einem Krimi zu versuchen.“ (Der Frau Schreiner möchte man ins Gebetbuch schreiben, dass nur der oder die aus dem Klischee nicht herauskommt, die bereits hüfttief drinsteckt.)
Hernach kommt sie – das Fräuleinchen Anobella wird’s freuen – auf Juli Zeh zu sprechen, die ja gerade das Genre aufmischt. „Was ist da wohl Großes zu erwarten von einer Autorin, die sich mit Nabokov vergleicht und bei der selbstredend nichts an der Oberfläche bleibt? Hoffentlich mehr als so ein unglaublich dummes Geschwätz.“
Und nach einem Klatscher für die Herren Kirchhof und Spinnen fasst die Chaplet zusammen: „Mit manchem möchte man sich eben nicht gemein machen. Nicht mit den Verhunzern des Genres, die sich bei mäßigen Autoren ebenso finden lassen wie bei den Echtliteraten, die zum zigsten Mal die Gesetze des Genres lustvoll brechen möchten. Würg.“
Wer sich so artikuliert, braucht in Deutschland um sein Image nicht zu fürchten. Eine Neiderin, ein Schandmaul, eine Wegbeißerin, doch, es gibt eine Menge Vokabular in unserer Sprache, die den Umstand geißelt, dass da eine die eigene Zunft massakriert. Tut man nicht. Kein Arzt tut das, kein Lehrer, kein Kritiker, kein Elektroanlageninstallateur. Man teilt natürlich aus, aber bitteschön immer extern. Der Arzt schimpft über den Lehrer, der Autor über den Kritiker, der Kritiker über die doofen Leser – Hauptsache, die Küken im eigenen Nest müssen keine Federn lassen.
Nun ist ja wer im Krimigewerbe zu tun hat, nicht per definitionem weltfremd und weiß also, dass einer und einem jeden die eigene Haut lieber ist als die fremde und eine negative Äußerung natürlich eine hinterhältige Waffe, mich in den Kleinkriegen des „Marktes“ zu behaupten. Nur: Als Generalverdacht taugt das nicht. Zumal ja wer wem ans Bein pinkelt auf das Zurückpinkeln vorbereitet sein muss. Ein wenig Aufmischen täte der Szene ganz gut, wobei wie so oft nicht alles so heiß gegessen wie gekocht wird. Mir gefällt ein Buch nicht, ich versuche zu erklären, warum es mir nicht gefällt – und das wars dann schon.
Was meinen nun die Leserinnen und Leser? Darf man, selber Krimiautor, die Ergüsse der Zunft überhaupt kritisieren? Und wenn ja: nur positiv, bitte? Oder, wenn schon, dann mit allen Konsequenzen, notfalls bis zum Verriss? Mir würde ohne letzteren schon etwas fehlen, obwohl ich lieber lobe (was mir jetzt kein Mensch glaubt, ich weiß). Um Antwort wird gebeten.
Pieke und das falsche Vorbild

Beginnen wir ausnahmsweise mit einem Zitat aus →Wikipedia: „Polohemden waren von Anfang an Teil der Skinhead-Kleidung. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich die Shirts vom englischen Tennisprofi Fred Perry, Sohn eines Baumwollspinners und Politikers, weil er der erste Wimbledon-Sieger war, der der Arbeiterklasse entstammt.“
WeiterlesenJoe R. Lansdale: Rumble Tumble
Zwischen den Konfektionstümpeln und der literarischen Tiefsee (also etwa zwischen Karin Slaughter und Jan Costin Wagner) muss, wer die Krimiwelt umsegeln will, bisweilen eine Erfrischungsinsel ansteuern. James Cook hat es ja schließlich auch getan. Festes Land mit frischen Lebensmitteln. Joe R. Lansdale.
Lansdale ist ein Genreautor; eine Berufsbezeichnung, die hiererorts sofort nach Heftchen riecht und entsprechend gerümpfter Nase goutiert wird. Er schreibt Western, Horrorgeschichten und Krimis, manchmal weder noch, das famose „Sturmwarnung“ beispielsweise, das zwar als Krimi durchgeht, dem „Genre“ aber eine Nase dreht. Einige dieser Arbeiten sind Standalones, was angesichts der Serienmanie nicht verkaufsfördernd ist, doch Lansdale hat auch seine Serie mit den Protagonisten Leonard Pine und Hap Collins.
Um ein blondes Frauenhaar…

…geht es in Robert Fuchs-Liskas gleichnamigem Roman aus dem Jahr 1937. Und wo? Natürlich in der →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“, Ihrem Marktführer in Sachen alte Krimis. Und wie immer konkurrenzlos günstig.
Kapitel XIV

Was bisher geschah: Wickius, der mehrere Mordfälle und den merkwürdigen Exidus deutscher Krimischaffender aufklären möchte, befindet sich auf IDIOT, einer künstlichen Insel, die in der Südsee als Trainingszentrum für die aus Deutschland verschwundenen Autorinnen und Autoren dient. Eingerichtet wurde sie von der KRIMILOGE, einem seit der Mitte des 19. Jahrhunderts existierenden Verein zur Förderung der deutschen Kriminalliteratur. So jedenfalls hat es ihm ein kauziger alter Mann erzählt. Aber ob das auch stimmt? Lesen wir mit Kommissarin Anne Beller weiter in den Papieren, welche Wickius per Flaschenpost geschickt hat…
WeiterlesenPieke wiederholt sich

Okay, es ist Ferienzeit. Da wird allerorten wiederholt. Aber während wir die Miss-Marple-Filme nun wirklich nicht mehr sehen können, macht uns das zweite Hören von Piekes →Blutspürhundenreportage immer noch Freude. Morgen um 11.45 Uhr im Radio, Wiederholungen um 16:45, um 22:45 und in der folgenden Nacht und 03:45: „Schnüffler vom Dienst“.
Pentti Kirstilä: Klirrender Frost
So allmählich geht es einem mit Pentti Kirstilä wie mit Reginald Hill. Man liest ihre Bücher und ist sauer, sie wieder nicht bei einer Schwäche erwischt zu haben. Dabei segeln sie ja manchmal durchaus in vorgeblichen Untiefen, aber anstatt ihre Schifflein auf Grund laufen zu lassen, manövrieren sie sie auch noch aus der größten Banalität, dem vorhersehbarsten Plot. Sehr souverän und überlegt, was die Sache noch ärgerlicher macht.
WeiterlesenGewalt

„Selbst von der Toten ließ er nicht ab. Schnitt mit seinem Messer in ihren Körper. Schnitt ihr die Scham heraus. (…) Seine Erregung ließ nicht nach, als er ihre Scham in seinen Händen hielt, das Stück herausgeschnittenes Fleisch. Daran roch. Daran leckte. Daran kaute, sich die Scham über sein eigenes Glied stülpte, sich so vorstellte, nun endlich in sie eindringen zu können. Endlich in sie eindringen. Zuletzt legte er der Toten das Stück Fleisch auf das Gesicht. ‚Da, leck an dir selbst, friss dich selbst, Schlampe!’“
(Andrea Maria Schenkel, „Kalteis“, S. 121 f)
WeiterlesenKlippen

Uh, da liegen die „Klippen“ von Anton von Perfall auch schon seit zwei Wochen fertig auf der Festplatte rum. Man kommt ja zu nichts mehr. Also jetzt hoch damit in die →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“. Und dann gleich weiter mit der Tagesarbeit.