Nicht nur in Krimis wird gestorben

Seinem Ruf als Totengräber des Kriminalromans wird Kollege Ludger Menke heute wieder gerecht. Er betrauert die Ableben von →Joseph Hayes und Colin Forbes. Nicht nur in seinem Krimiblog, sondern bald auch im Krimijahrbuch 2007. Das schon jetzt so proppenvoll ist, dass wir alle KrimiautorInnen herzlich darum bitten müssen, ein für 2006 geplantes Löffelabgeben auf das nächste Jahr zu verschieben. Danke für Ihr Verständnis.

Willkommen Willkomm

Wer 1838 einen Roman „Die Europamüden“ schreibt, kann kein ganz schlechter Mensch sein. Wer mit dem „Jungen Deutschland“ um Karl Gutzkow sympathisiert, schon gar nicht. Und wer dann, fast fünfzigjährig, ein Mädchenpensionat eröffnet, nun, den Mann wollen wir pausenlos loben und beneiden: Ernst Willkomm. Und lesen jetzt, in der immer umfangreicher werdenden →„Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts“, seinen 1857 in der „Gartenlaube“ erschienenen Krimi „Der verhängnißvolle Schatten“. Natürlich mit scharfem Eß.

Laura Lippman: Charm City

Mit ihren Kriminalromanen um die Privatermittlerin Tess Monaghan zählt die Amerikanerin Laura Lippman nun schon seit geraumer Zeit zu den Lieferantinnen solider Spannungsware. Perfekte, globaltaugliche Mischungen aus privaten Irrungen und kriminellen Wirrungen, im überschaubaren Milieu Baltimores lokalisiert, einer Stadt, die sich selbst „Charm City“ nennt, aber natürlich en détail so charmant nicht ist.
Eine amerikanische Mittelstadt, sportliche Provinz. Da trifft es sich gut, dass der reiche Geschäftsmann Gerard „Wink“ Wynkowski eine komplette Basketballmannschaft kaufen und für Baltimore in die Profiliga schicken will. Großes Tamtam, doch, wir ahnen es schon, so schnörkellos geht die Sache nicht über die Bühne.

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Die Bescholtenen

Schon im 19. Jahrhundert war das Saarland ein Hort gehobener Kriminalunterhaltung. Beweis: Der in Saarlouis geborene Eugen Hermann von Dedenroth, der auch unter dem originellen Pseudonym „Ernst Pitawall“ veröffentlichte. „Die Bescholtenen“ (1880) sind eine erste Kostprobe seines kriminalliterarischen Schaffens. Natürlich als pdf, natürlich kostenlos, natürlich bei den →alten Krimis.

Das Kriminalerbe

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Krimifreunde wissen es: Der Mensch ist ein sterbliches Wesen. Wen nicht einer der zahllosen Serienmörder vom schönen Erdboden senst, der gibt unprosaisch den Löffel ab, sehr zu Nutzen und Frommen der lachenden Erben. Zurück nämlich bleibt: das Materielle. Bargeld, Bankkonten, Immobilien und, vielleicht, eine wertvolle Bibliothek. Da winkt der Krimifreund resigniert ab: Was büchermäßig von ihm bleiben wird, ist halt nur Altpapier, schnell gelesen, schnell vergessen, für die Nachfolgenden von allenfalls historischem Wert. Aber das muss nicht so sein.

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Emailnot

Folgend beschriebener Notzustand hat sich nach Intervention aus der Chefetage erledigt:

Irgend etwas stimmt nicht mit unserem Mailaccount. Wer mich momentan unter der bekannten Emailadresse erreichen will, hat kein Glück, ich kann die Nachrichten leider nicht abrufen. Ausweichmöglichkeit: chef@alte-krimis.de – bis auf Widerruf.

Es darf wieder normal hierher gemailt werden – bis auf Widerruf…

Die andere Meinung

Es ist schon angeklungen und lässt sich nicht länger verheimlichen: Tobias Gohlis‘ Beurteilung von Friedrich Anis „Idylle der Hyänen“ weicht von der meinigen in so ziemlich allen Punkten ab. Das ist nicht schlimm, das ist kein Drama, das ist Literatur, das ist spannend. Auch für den Leser, der die Meinung von Tobias Gohlis →hier erfahren kann.

Temme 1860

Unermüdlich fronen die Leibeigenen in den Scan-Bergwerken der alten Krimis. Herr Temme ist ein dankbares Objekt, hat er doch an die 150 Romane und Erzählungen veröffentlicht. Vier dieser Erzählungen, sämtlich der „Gartenlaube“ des Jahrgangs 1860 entnommen, können nun im PDF-Format bei den →alten Krimis besichtigt werden. Und die Scanner glühen weiter…

Charles Willeford: Sperrstunde

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[Krimis out of print. Lesen kann man sie dennoch. Vorher antiquarisch erwerben. Diesmal auf besonderen Wunsch einer besonderen Autorin und wtd-Stammleserin: Charles Willefords „Sperrstunde“. Die Rezension wird übrigens Grundlage eines kleinen Kapitels in einem kleinen Buch über die besondere Autorin und wtd-Stammleserin sein. So wird bei Hinternet alles optimal und ökologisch sinnvoll wiederaufbereitet und verwertet.]

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Val McDermid: Das Moor des Vergessens

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Eine 200 Jahre alte Leiche im Moor, auf Südseeart tätowiert; die Legende, Fletcher Christian, Meuterer von der „Bounty“ sei in seine englische Heimat zurückgekehrt und habe sich dort dem berühmten Dichter Wordsworth offenbart, der seinerseits ein langes Gedicht daraus machte; eine Literaturwissenschaftlerin, die dieses Gedicht sucht; unheimliche Konkurrenz, die auch vor Mord nicht zurückschreckt.

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Friedrich Ani: Idylle der Hyänen. Letzter Teil

[Nach dem →ersten und dem →zweiten Teil nun der Schluss unserer längeren Betrachtung]

So. Der trügerische Moment ist vorbei. Und mit ihm die Illusion, Friedrich Ani habe in „Idylle der Hyänen“ „Genregrenzen“ bewusst übertreten. Sagen wir stattdessen die bittere Wahrheit: Friedrich Ani erweist sich in „Idylle der Hyänen“ als langweiliger, pfuschender, in höchstem Maße uninspirierter Autor von „Kriminalromanen“. Er muss, das ist meine feste Überzeugung, Kriminalromane verabscheuen und weist ihnen zum äußeren Zeichen seiner Verachtung eine Sprache zu, aus der so ziemlich alles, was Sprache zu Literatur macht, eliminiert wurde:

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Rea-lies-muss

Ach, nein, Kommando zurück: Pieke Biermanns Real-Reportagen MENSCHEN-ORTE-KRIMINALITÄT kann man ja gar nicht lesen, nur hören. Alle vier Wochen sonnabends im RBBinfoRADIO 93,1. Aktuell am 16.September 2006 um 11:45 Uhr, Wiederholungen um 19:45 und in der folgenden Nacht um 00:45 und 05:45, damit man Gelegenheit hat, sie aufzuzeichnen, abzuschreiben und als Liesmuss real auswendig zu lernen. Diesmal erzählt Dr.Behnaz Memari, Unfallchirurgin aus der wahren Idylle der Hyänen.

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Juhu!

Jetzt hab ich’s schriftlich: Meine brotberufliche Tätigkeit endet „definitiv“ zum 30.9.2006, wegen „fehlender Projekte und Fördergelder“. Heißt: Aus meinem berufsbegleitenden Krimibloggen wird ein vollzeitlich ehrenamtliches, nicht einmal mit einem Euro die Stunde honoriertes Krimibloggen. Das hebt doch.

Friedrich Ani: Idylle der Hyänen. Teil zwei

[Und es geht weiter. Nach →Teil eins nun die Fortsetzung der Rezension von Friedrich Anis „Idylle der Hyänen“]

In Ordnung. Wir wiegen uns noch immer in der trügerischen Illusion, hinter alledem stünde ein souveräner Schöpfer, ein Autor=Gott gewissermaßen, der sowohl die Ansicht, Romane müssten Geschichten erzählen, negiert als auch dem Genre, das ihn über Jahre gut genährt hat, ein Armutszeugnis ausstellt.

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Wie ich einmal einen Saal zum Kochen brachte

Reist ein Saarländer in die Pfalz, kann er was erzählen. So wie der gute Markus Walther von →saarkrimi.de, den eine Lesung des Krimiautors Bernd Franzinger bis nach Kaiserslautern trieb, Heimat des schlechten Fußballs und der gespuckten Mundart. Tja, und siehe da: Herr Franzinger liest Hinternet – und heizt auf meine Kosten die Stimmung an.

„Kaum hatte ich mir in den hinteren Sitzreihen noch einen Platz ergattert, startete Bernd Franzinger mit seiner Lesung. Während ich jetzt erwartet hatte, dass er gleich aus seinem neuen Buch vortragen würde, begann er jedoch über die Kritik zu seinen vorangegangenen Büchern zu sprechen. Als Beispiel hatte er eine Rezension von Dieter Paul Rudolph aus dem Hinternet zu seinem Buch Dinotod gewählt, die er nun genüsslich in allen Einzelheiten vortrug. Die „freundliche“ Beschreibung der Pfälzer heizte die Stimmung Stück für Stück, Zeile für Zeile an. Gegen Ende der Rezension kochte der Saal. Während ich mich langsam fragte, ob man mich etwa als Saarländer erkennen könne, glättete Franzinger jedoch die Wogen, indem er erklärte, dass er sich ob derartiger Kritik nun darin bestätigt sehe, dass er bisher in jedem seiner Bücher einen Seitenhieb auf die Saarländer untergebracht hätte.“

Sollten auch Sie zufälligerweise in der Pfalz gastieren und einen Saal zum Kochen bringen müssen: →hier ist das Spezialrezept aus der Musterküche von Hinternet.

Die offizielle Leseprobe

Es war ein einziges Basteln, ein Konstruieren und Verwerfen, aber jetzt wird daraus allmählich ein brauchbares Ergebnis. „Die Zeichen der Vier“ heißt meine Studie zu Astrid Paprottas Ina-Henkel-Krimis, hoffentlich noch vor Weihnachten via NordPark Verlag wohlfeil auf dem Gabentisch des Krimilesers befördert, und da man bei Geschenken schon mal leicht den Deckel öffnen und reinspitzen lassen sollte, gibt es jetzt eine Leseprobe. Nach einer notwendigen kurzen Vorbemerkung.

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Regula Venske: Mord im Lustspielhaus

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Der Beginn unserer Eisenbahnlektüre der neuen Kaliber .64 – Krimis steht unter einem schlechten Stern. Okay: der Sommer ist zurück und mit ihm das fröhliche Geschnatter luftig bekleideter junger Damen, die wahrzunehmen natürlich nichts mit Eros zu tun hat, sondern nur mit Ästhetik und schierem Ergötzen an bunten Stoffen. Nicht okay: kurzhemdsärmlig schwitzende Mittelaltermänner, die sich gegenseitig aus der BILD-Zeitung vorlesen und die Kommentare zuwerfen wie ploppende Tennisbälle: „Schumi hört auf! Weißte schon?“ „In echt? Find ich nicht gut.“ „Nee, obwohl. Und jetzt wolln’se auch noch die Tabaksteuer erhöhen!“

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Für die gebildeten Stände

Ich wende mich heute an diejenigen, denen Krimi nicht genug ist, diejenigen, die sich in Metaphern suhlen, in Weisheiten wälzen wollen, bei denen sich der Höhenrausch der Dichtung erst im Tiefsinn der Gedanken einstellt, diejenigen, die selbst einem umgefallenen Fahrrad die philosophische Zuwendung nicht versagen wollen. Kurz: All diejenigen, die notorisch nachdenken, sobald man ihnen etwas vordenkt, erhalten von mir, ganz exklusiv, nun ein Geschenk. Krimisätze für die gebildeten Stände.

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