Wenn Männer leiden

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(Auch wir haben jetzt endlich unseren Serienhelden. Kommissar Wickius: erfahren, helle, vor allem aber: belesen. Er kennt die Verbrechens- und Kriminalliteratur der letzten ca. 2500 Jahre in- und auswendig, er löst jeden Fall, indem er das literarische Muster dafür sucht. Und Sie? Wissen auch Sie, welche klassischen Fälle den hier in loser Folge geschilderten Mordtaten zu Grunde liegen? Dann nichts wie ran an die Kommentarfunktion!)

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Deutsche Krimis 2006 – erste Annäherung

Wenn die Blätter zu fallen beginnen, wollen die Blätter des neuen Krimijahrbuchs vollgeschrieben werden. Das ist unser Schicksal, und ein besonders heimtückisches hat mich auch dieses Jahr dazu erkoren, den deutschen Krimi des Jahres 2006 zu bilanzieren. Nun, das Jahr ist noch nicht vorbei; gut so. Denn, ehrlich, ein erstes Fazit fiele einigermaßen ernüchternd aus. Ganz so erfreulich wie im letzten Jahr ist es diesmal nicht. Aber auch keine Katastrophe.

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Nobelpreis für Orhan Pamuk

Aber die Diskussion, ob mit Pamuk ein Kriminalautor den Nobelpreis bekommen hat, die führen wir hier nicht. Das machen jetzt die Edelfedern der Edelzeitungen. Schön aber, dass nicht auch hier ein US-Amerikaner zugeschlagen hat. Die sollen Naturwissenschaften machen. Und ob George Bush nicht vielleicht doch den Friedensnobelpreis bekommt? Also: „Schnee“ lesen.

Yasmina Khadra: Die Algier-Romane

Manchmal ist ein Mord nur der Lockvogel, um Leser von Kriminalromanen in die Abgründe der stillen und großen Verbrechen zu stürzen. Nehmen wir die Energiemafia. Dass in diesem Winter möglicherweise viele Wohnungen unbeheizt bleiben werden, hat etwas mit Börsenspekulation und Monopolmissbrauch zu tun. Oder die munter weiter praktizierte Arbeitslosenhatz. Das schreiende Unrecht hüllt sich in Gesetzeskonformität und bleibt doch schreiendes Unrecht. Zwei Themen – ein Problem: Wie es dem Krimileser schmackhaft machen? Durch Morde vielleicht? Ein Börsenspekulant treibt bäuchlings im Main, ein „Sozialpolitiker“ hängt am First seines Ferienhäuschens. Damit kriegt man Krimileser. In Algerien hat man so etwas nicht nötig.

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Heimgezahlt

Eine neue Erwerbung in der →„Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts“: Adolf Bäuerles „Zahlheim“ von 1856, vielleicht der erste auch so genannte „Criminal-Roman“ (bis uns ein früheres Werk bekannt wird). Bäuerle war Österreicher, Wiener – aber nix da mit Schmäh und Gemütlichkeit. Der Demokrat Bäuerle teilte das Schicksal seines deutschen Kollegen Temme und musste ins Zürcher Exil, wo er wenige Monate später starb. Ham’s ihm heimgezahlt, die Wiener Oberen.

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Krimis, Menschen, Sensationen

Buchmesse! Donnerstag, nur für Fachbesucher. Fachbesucher ist jeder, der nachweisen kann, schon einmal ein Buch gelesen zu haben, wobei es genügt, die physische Existenz dieses Buches durch Vorzeigen am Ticketschalter zu bestätigen. Da der Transport dieses Buches indes von Stunde zu Stunde beschwerlicher fällt, man es aber aus Kulturgründen nicht in eine der zahlreichen mit „Papier“ beschrifteten Abfalltonnen werfen will, verwundert es nicht, dass die Regale an den Ständen immer voller werden. Diskret abgestellt in diesem Jahr vor allem: Eva Hermans „Das Profitmaximierungsprinzip“, die bekannte, durch sämtliche Medien gejagte Anleitung, wie man sich trotz fortgeschrittener Denk- und Schreibschwäche als Bestsellerautorin etabliert, sofern man blond genug ist.

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Birkefeld & Hachmeister: Deutsche Meisterschaft

Historische Krimis haben ein Problem. Sie müssen die Zeit, in der die Handlung angesiedelt ist, so genau beschreiben, dass auch ein mit dem politisch-gesellschaftlichen Milieu Unvertrauter nicht die Orientierung verliert; sie müssen dies so tun, dass es nicht wie ein Fremdkörper auf die eigentliche Story drückt; und sie dürfen nicht zu sehr in die Tiefe gehen, denn wir wollen einen Krimi lesen und keine historische Analyse.

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Blogfrei

Morgen bin ich auf der Messe und mache blogfrei. Die Donnerstagsrezension gibts am Freitag. Weil ich aber weiß, dass jetzt einige aufjaulen und „Wir wollen endlich wissen, welchen Krimi der Kommissar Wickius am →Montag nachgespielt hat!“ greinen, gibts jetzt die Auflösung. Schämt euch!

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Letztenendes ist man doch allein

„Idylle der Hyänen“ gibt einem zu denken, macht einige Gewissheiten unsicher und unterhält sehr intelligent und sehr spannend. „

Schreibt Georg Patzer über Friedrich Anis neues Werk bei →literaturkritik.de. Jetzt also auch du, Georg. Das gibt einem tatsächlich zu denken. Der Vorkämpfer gegen schlechtes Deutsch badet jauchzend in einem Kübel mit schlechtem Deutsch. Georg, Georg…wenn das Anobella erfährt…

Der IT-Mord

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(Auch wir haben jetzt endlich unseren Serienhelden. Kommissar Wickius: erfahren, helle, vor allem aber: belesen. Er kennt die Verbrechens- und Kriminalliteratur der letzten ca. 2500 Jahre in- und auswendig, er löst jeden Fall, indem er das literarische Muster dafür sucht. Und Sie? Wissen auch Sie, welche klassischen Fälle den hier in loser Folge geschilderten Mordtaten zu Grunde liegen? Dann nichts wie ran an die Kommentarfunktion! Für alle Unbelesenen gibt es die Auflösung immer ein paar Tage nach der Veröffentlichung der Geschichte.)

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The long good-bye

Ja, liebe FreundInnen, nun heißt es Abschied nehmen. Der Schreibtisch ist leer, das Chaos auf demselben verschwunden. Eine Frau wird hier wohl bald ihren Platz finden, ich selbst – nun, ich werde schnell vergessen sein. Es ist vorbei. Es war schön. Es war hart, aber schön. Eine Träne wagt sich ins linke Auge und wird sofort resolut weggewischt. Keine Sentimentalitäten. Nur ein einfaches: tschüs.

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Saufen und kiffen mit Pieke

Ob Krimis immer etwas mit Wirklichkeit zu tun haben und was das eigentlich ist – darüber streiten sich die Halbgelehrten. Dass Pieke Biermanns Kriminalreportagen Wirklichkeit abbilden, ist dagegen offensichtlich. „Umleitung ins Leben“ heißt die nächste, am Sonnabend 30.September 2006 in DER TAGESSPIEGEL zu lesen und auf RBBinfoRADIO 93,1 um 11:45 Uhr zu hören. Wer um diese Zeit grundsätzlich mit Ohropax durch die Gegend läuft, kann sich det Janze auch um 19:45 Uhr und in der folgenden Nacht um 0:45 und 5:45 durch die nun hoffentlich unverpackten Ohren reinziehen.

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Horst Eckert: Der Absprung

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Eigentlich ist das Zugfahren ein schönes Bild, mit dem man das Lesen erklären kann. Man sitzt in einem Wagen, der einen, mehr oder weniger gleichmäßig sich bewegend, von A über B und C nach D transportiert, man schaut aus dem Fenster in eine Landschaft, man ist in dieser Landschaft und ist doch nicht drin. Man sieht, was man sehen kann. Ein noch schöneres Bild wäre das: Man fährt, man sieht – und kann den Zug anhalten, sich etwas durch die Landschaft bewegen, sich manches angucken, das man durch die Fensterscheibe gar nicht sehen konnte – und dann nimmt man wieder im Abteil Platz und die Fahrt geht weiter.

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Messefreuden

Man zeige mir einen Krimifreund, der zum Büchergucken auf die Messe geht. Gibt es nicht. Gibt es nämlich alles schon in den Katalogen. Und bei uns Glücklichen, die wir für Krimis nichts zahlen müssen, weil sich unser Lesen für die Verlage auszahlen soll, liegen die Dinger längst auf dem Stapel. Frischware. Warum also nach Frankfurt reisen? Weil es dort so schön ist? Mal die Heidenreich gucken oder in Eva Hermans volle Blondheit? Nein, nein, da weiß der Rezensent Besseres.

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