Ben Becker: Und lautlos fliegt der Kopf weg

„Und lautlos fliegt der Kopf weg“ ist die erste CD des Schauspielers Ben Becker. Der Bruder der Chanteuse und ebenfalls Schauspielerin Meret Becker („Noctambule“) begann vor einem Jahr, eigene Lyrik vorzutragen. Musikalische Unterstützung fand er dabei in Ulrik Spies und Jaki Engelken, die bereits für verschiedene Film- und Theaterprojekte die Musik beisteuerten. Der ungewöhnliche Titel ist gleichzeitig Programm: „Das Wort ‚lautlos‘ hat etwas Weiches, der Rest hört sich sehr brutal an. Erst wenn Gegensätze aufeinanderprallen passiert was“.

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Barry Adamson: The Murky World Of Barry Adamson

Mit „The Murky World Of Barry Adamson“ legt Adamson eine Werkschau der letzten 10 Jahre seines Soloschaffens vor. Der ob seines genialen Baßspiels geschätzte Brite ging nach fruchtbarer Zusammenarbeit mit Howard Devoto, Pete Shelly und Nick Cave eigene Wege, um seine assoziativen und suggestiven Musiken als Solokünstler zu realisieren. Sein Faible für Filmmusiken zeigte sich bereits in Magazine’s Coverversion von John Barry’s „Goldfinger“. Adamsons 89er Solo-Debut „Moss Side Story“ – Musik zu einem imaginären Film – machte einige Regisseure auf ihn aufmerksam. Es folgten zwei echte Filmmusik-Alben: „Delusion“ und „Gas, Food, Lodging“, aber auch auf den Soundtracks zu David Lynch’s „Lost Highway“ und Oliver Stone’s „Natural Born Killers“ wirkt Adamson mit. Auf seinen Solo-Alben verzichtet er allerdings nach wie vor auf real existierende Bilder und überläßt es dem Hörer, in seine eigene imaginär-phantastische Welt zu entschwinden. Die Bilder spielen sich vorzugsweise im Kopf des Hörers ab, am besten in einem abgedunkelten Zimmer.

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The Murky World Of Barry Adamson

Mit „The Murky World Of Barry Adamson“ legt Adamson eine Werkschau der letzten 10 Jahre seines Soloschaffens vor. Der ob seines genialen Baßspiels geschätzte Brite ging nach fruchtbarer Zusammenarbeit mit Howard Devoto, Pete Shelly und Nick Cave eigene Wege, um seine assoziativen und suggestiven Musiken als Solokünstler zu realisieren. Sein Faible für Filmmusiken zeigte sich bereits in Magazine’s Coverversion von John Barry’s „Goldfinger“. Adamsons 89er Solo-Debut „Moss Side Story“ – Musik zu einem imaginären Film – machte einige Regisseure auf ihn aufmerksam.

Es folgten zwei echte Filmmusik-Alben: „Delusion“ und „Gas, Food, Lodging“, aber auch auf den Soundtracks zu David Lynch’s „Lost Highway“ und Oliver Stone’s „Natural Born Killers“ wirkt Adamson mit. Auf seinen Solo-Alben verzichtet er allerdings nach wie vor auf real existierende Bilder und überläßt es dem Hörer, in seine eigene imaginär-phantastische Welt zu entschwinden. Die Bilder spielen sich vorzugsweise im Kopf des Hörers ab, am besten in einem abgedunkelten Zimmer.

Adamsons Coverversion des klassischen Movie-Themes „The Man With The Golden Arm“ von Elmer Bernstein eröffnete bereits das 89er Album „Moss Side Story“. Fette Brass-Sounds und Hammond-Orgel vereinen sich hier zu einem insistierenden Groove, Ska-Elemente bestimmen „A Fantasy Bond Theme“. Aus allen musikalischen Bereichen stammen die Techniken, deren sich Adamson bedient, um verschiedene Stimmungen zu schaffen. Jazz, Industrial, Orchestersounds, Bigband, HipHop, R&B, Dance, Trance, Experimental, TripHop usw. usw. Mancini meets Tom Waits in der düsteren Geschichte „Jazz Devil“, „The Vibes Ain’t Nothin‘ But The Vibes“ läßt die samtige Atmosphäre fast greifbar werden, Prodigy meets Tricky in „The Snowball Effect“, „Can’t Get Loose“ hat mit seinem melodischem Gesangspart und dem samtigen Easy-Listening-Vibraphon gar Ohrwurmqualität, im Hintergrund wabert (zumindest in meinen Ohren) das Bond-Theme herum. „Mitch and Andy“, scheinbar eine bedrohliche aufwühlende Kurzgeschichte mit Gestalten aus Schwarz-Weiß-Filmen, verweist mit seinem nahezu skelettierten Sound auf Adamsons musikalische Vergangenheit bei Magazine, Birthday Party und den Bad Seeds. Der Eindruck, in ein frühes Bad-Seeds Album geraten zu sein, wiederholt sich auch in „Walk The Last Mile“, aber schließlich hat Adamson mit seinen Mute-Kollegen vier Alben eingespielt.

Wer Adamsons Alben noch nicht kennt, hat mit „The Murky World Of Barry Adamson“ einen guten Einstieg erwischt, leider aber auch ein katastrophales Booklet, das keinerlei Credits enthält.

Barry Adamson
The Murky World Of Barry Adamson
(Mute CDSumm 174/Intercord INT 484624-2)
VÖ: 3.5.1999

Meret Becker: Nachtmahr

Hat Meret auf ihrer ersten CD „Noctambule“ noch überwiegend Interpretationen von Hollaender-Liedern, Brecht-Chansons und traditionellem Liedgut geliefert, handelt es sich bei „Nachtmahr“ um ihre erste selbstkomponierte CD. Bei den Texten nahm die 29jährige Anleihen bei Erich Kästner („Traum vom Gesichtertausch“), Gottfried Keller („Ballade vom kleinen Meretlein“) und Lewis Caroll („Geistgestört“), alles andere stammt aus ihrer Feder. Und wie der Titel schon vorwegnimmt, kreist das zentrale Thema des Albums um Zustände, bei denen Wirklichkeit und Unwirklichkeit verschmelzen, Alpträume, Gespenstisches, fantastische Assoziationen.

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Sampler: Tibetan Freedom Concert


Der Mönchstaat Tibet ist seit 1949 von China besetzt. Sein Oberhaupt, der Dalai Lama, lebt im indischen Exil und versucht von dort aus die Geschicke in seiner Heimat zu lenken. Stichworte sind gewaltloser Widerstand und Religiöse Transzendenz. Sympathie für seine politischen Anliegen waren dem Dalai Lama auf seinen Reisen in den Westen zwar entgegengebracht worden, wirkliche Unterstützung blieb aber mit Rücksicht auf Peking immer aus. So gelang es der Exilregierung bisher nicht, auch nur einen Staat zu ihrer diplomatischen Anerkennung zu bewegen. 1989 bekam der Dalai Lama wenigstens den Friedensnobelpreis verliehen, dem in den nächsten Jahren weitere internationale Auszeichnungen folgten.

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Leonard Nimoy, William Shatner: Spaced Out

Nach dem erfolgreichen Start der STAR TREK-Serie 1966 fand man in den DELISU-Studios, die Akteure könnten sich auch mal im Singen hervortun. 1967 erschien dann die erste LP von Leonard Nimoy: „Leonard Nimoy presents Mr.Spock’s Music from Outer Space“. Produziert wurde sie natürlich von STAR TREK-Erfinder Gene Roddenberry. William Shatners Debut „The Transformed Man“ erschien 1968 bei Decca und enthält eine Mischung aus Songs und dramatischem Sprechgesang.

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Pia Ambroschs Inselplatten

Metallica: „Metallica“
Mit dem schwarzen Album wird dem Genre des gut gemachten Gitarrenrock endlich wieder mal alle Ehre angetan. In der Bandbreite von hart bis lieblich zeigen Lead- und Rhythmusgitarre zu straightem Bass und stellenweise vertrackten Schlagzeugrhythmen einmal was Heavy Metal sein kann. Hetfields einwandfrei intonierendes Organ versorgt das Ganze mit den nötigen Inhalten. Am besten laut zu Hören, dann wummert der Bass so richtig! Ein grandioser Wurf, jeder einzelne Titel eine sorgfältig ausgeklüngelte Einheit der 4 Men in Black, es stimmt eben alles. Und ganz nebenbei bestätigt sich wieder, daß die schönsten Balladen von Metallern stammen.

Sisters Of Mercy: „First and last and always“
Alles was gut war. Andrew Eldritch in Bestform. Diese Platte ist hervorragend geeignet, alten Zeiten nachzuhängen. Mehr sag ich nicht…

Nick Cave: „From her to eternity“
Das erste Album. Es wird für mich immer das erste bleiben. Man munkelt, daß nach „Murder Ballads“ und „The Boatman’s Call“ mal wieder was Wilderes kommt …glaube ich aber nicht… schließlich wurde Cave grad vierzig. Nichtsdestotrotz mag ich aber auch alle anderen Alben, aber dieses muß mit. Schon wegen des gehetzten und geschundenen Klaviers im Titelsong.

Johann Sebastian Bach: „Das Wohltemperierte Klavier“ (Klavier: Friedrich Gulda)
Die beim ersten Hören vielleicht verwurstelten, nach mehrfachem aufmerksamen Hören aber klar hervortretenden Linien sind ideal zum Abschalten. Besonders die Strukturen der vierstimmigen Fugen haben es zum Teil schwer in sich. Bei weniger polyphonen Stellen – man nennt sie glaube ich homophon – läßt Gulda die Töne dermaßen gleichmäßig und glasklar aufeinander folgen, daß man danach greifen zu können glaubt.

Nirvana: „Unplugged In New York“
Dieses Konzert vom November 1993 polarisierte die Anhänger der Band. Die einen blieben absolute Fans, die anderen fanden das Album einfach Scheiße und kehrten Nirvana den Rücken. Während die Vorzeige-Grunger auf ihren drei vorherigen Platten alles aus ihrem Equipment rausholten, lassen sie auf diesem Album leise Töne anklingen: akustische Gitarren, gedämpftes Schlagzeug, Cello. Derart spärlich umrahmt gelingt es Cobain, hinlänglich bekannte Nirvana-Stücke wie „Come as you are“, „Something in the way“, „Apologies“ oder „Pennyroyal tea“ auf eigene, einmal andere Weise zu präsentieren. Kurt Cobain setzte sich, ohne es zu wissen, ein Denkmal. Seine ganze Attitüde während des Konzertes läßt im Nachhinein Raum für Spekulationen … Besonders „Pennyroyal Tea“, das Kurt zum Teil liebenswert falsch spielt, vermag mich immer wieder zu fesseln.

Einstürzende Neubauten: „5 auf der nach oben offenen Richterskala“
Das Album zwischen „Halber Mensch“ und „Haus der Lüge“ stellt einen Kompromiß zwischen musikalischer Zerstörungsphilosophe und Rückkehr zu herkömmlicheren Liedstrukturen dar, ohne allerdings an Intensität einzubüßen. Von „Zerstörte Zelle“ über „Modimidofrsaso“ bis „Keine Schönheit ohne Gefahr“ geben die Jungs um Blixa Bargeld ihr Konzept von musikalischen und textlichen Strukturen zum Besten.

Catherine Bott: Mad Songs
Die Sopranistin Catherine Bott präsentiert Proben der Wahnsinnslyrik des 17. Jahrhunderts in Vertonungen von Henry Purcell, John Eccles u. a. Dieses In-Musik-Setzen extremer Empfindungen von Geisteskranken und Verwirrten, die eigens zu diesem Zwecke in Tollhäusern beobachtet wurden, mag heute gefühllos erscheinen, gibt aber ein teilweise kuroses Bild davon, womit sich die Leute früher beschäftigt haben. Vielleicht auch ein Tip an Nick Cave für seine Sammlung für die Insel.

Yes: „Yessongs“
Auf das Dreifachalbum gingen schließlich die meisten Roger Dean-Coverzeichnungen drauf, die man beim Hören der Musik betrachten kann. Nee, also jetzt ehrlich: Es sind einfach viele der besten Songs drauf, die ich so sehr mag. Außerdem bekommt jeder der 5 Musiker ausreichend Raum, seine individuelle Virtuosität unter Beweis zu stellen, was das Album sehr abwechslungsreich macht. Der Vorteil von Vinyl: Du kannst das Cover aufklappen und hast voll was in der Hand, der Nachteil: du mußt laufend die Scheibe umdrehen.

Talking Heads: „Stop Making Sense“
Meine absolute Sommerplatte. Gruß an F. und das Selfmade-Cabriolet.

Hayden: „Everything I long for“
yeah ……………… (schauder)…. diese Stimme, diese Gitarre (muß ich noch mehr sagen?). Bisher wußte ich nicht, daß man Gitarren derart runterstimmen und schrömmeln kann, aber bei dieser Stimme blieb Hayden wohl auch nichts anderes mehr übrig. Vielleicht hat er aber auch solche Wurstfinger, daß er nur einen halben Meter vom Schalloch entfernte Saiten befummeln kann…

Meret Becker: Noctambule

Das Multitalent Meret Becker legt mit „Noctambule“ nun auch ihr Debüt als Gesangskünstlerin vor. Unterstützt wird sie hierbei von befreundeten Musikern und Musikerinnen und ihrem mittlerweile Ehemann Alexander Hacke, dem Gitarristen der Einstürzenden Neubauten. Diese wurden ja bereits vom „Spiegel“ 1989 als der „als Edel-Avantgarde begehrteste Exportartikel deutscher Kultur“ bezeichnet. Und deutsches Kulturgut ist auch auf der vorliegenden CD zu hören. Das Eröffnungsstück von „Noctambule“ hat den passenden Titel „Schwarz“ und trägt typische Merkmale der Musik der Einstürzenden Neubauten, zu düsteren Klängen klagt Meret eindringlich gegen das Verlassenwerden.

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