Revisited: Deutschland, ein schlechtes Krimimärchen

Hallo Deutschland, wie bist denn du wieder drauf? Taumelst durch dich selbst und stellst dir unerhört sinnhafte Fragen, wie ich in den letzten Tagen leider „den Medien“ entnehmen durfte. Was ist gute Unterhaltung, „Wetten dass“ oder „Dschungelcamp“ („Maybrit Illner“)? Soll man mit Drill oder ohne erziehen („Hart aber fair“). Hat ein Minister „gespickt“ (überall)? Entschuldige, Deutschland, aber das ist ungefähr so wichtig wie das „Wer war’s“, das einen Krimiautor umtreibt, also völlig ohne Belang, aber leider: Es zählt.

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Der neue Schauer

Auf den Einfluss des Schauerromans, der Gothic Novel, auf die Entwicklung der Kriminalliteratur muss eigentlich nicht mehr hingewiesen werden. Er hat seine Spuren auch anderswo hinterlassen, von Schiller über Jean Paul bis ETA Hoffmann und darüber hinaus, viele ihrer Elemente finden sich später eben auch im „Krimi“ wieder und einer der zentralen Begriffe der Gothic Novel wurde geschickt trivialisiert, der des „Genius“ nämlich.

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Paula in: Sternstunden der TV-Geschichte

Natürlich hat Paula am Samstag „Wetten, dass…“ geschaut. Sie hat dazu extra das grelle Thomas Gottschalk-Solidaritäts-Outfit angezogen. Und sie trägt eine originale Wettkandidaten-Brille, die sie bei ebay ersteigert hat. Durch die Brille sieht man natürlich nix, das war ein bisschen blöd am Samstagabend, aber Paula bestand drauf. Wenigstens hatte sie die passende Knabberei für lauschige „Wetten, dass…“-Stunden. Weiterlesen

Too much entertainment

Da finden in unserer Stadt drei Veranstaltungen zeitlich und räumlich nah beieinander statt – Fußball (3. Liga!), Musical, Erotikmesse – und schon droht dem Berufsheimreiseverkehr der Kollaps. Die Polizei macht – laut Saarbrücker Zeitung – trotzdem Hoffnung:

Dabei falle die Erotikmesse verkehrstechnisch eher weniger ins Gewicht.

Kitsch, Kunst, Studer

Klassiker Glauser

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Die Wachtmeister-Studer-Romane Friedrich Glausers gehören seit den siebziger Jahren zum Inventar einer im Nachhinein gezimmerten Tradition der deutschsprachigen Kriminalliteratur. Anlass dieser „Wiederentdeckung“ war vor allem eine Reihe von TV-Verfilmungen, in deren Gefolge man diesen in mancherlei Hinsicht merkwürdigen Autor aus dem großen Vergessen zurückholte. Inzwischen ist nicht nur ein Krimipreis nach ihm benannt, er gilt vielen gar als DER Kirchenvater der deutschsprachigen Kriminalliteratur, das Pünktchen, mit dem „Krimi als Schund“ endet und „Krimi als Literatur“ beginnt.

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Fragen an die Klassiker

Auf den Schultern von Riesen steht es sich gut. Sie heben uns, sie stützen uns, leider begrenzen und bevormunden sie uns auch, spielen die Gesetzgeber, was wie im richtigen Leben zwei Seiten hat, eine konstitutive und eine repressive, eine bewahrende und eine hemmende. Aber sind es wirklich die Klassiker des Genres oder doch nur die Exegeten der Klassiker des Genres? Wie haben es die Meister denn nun wirklich angestellt, Meister zu werden?

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Elmore Leonard: Road Dogs

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Warum sollen wir eigentlich Elmore Leonards „Road Dogs“ lesen? Erwarten uns „gesellschaftliche Relevanz“, „packende Milieustudien“, gar „psychologische Tiefer“? Eher nicht. Ein bisschen ist das wie ein Roman von Saul Bellow. Es wird einem was erzählt und man braucht schon einiges Abstraktionsvermögen, um herauszufinden: Hey, der schreibt da grad über mich.

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Helmut Zenker

Gestern gleich zweimal über den Geburts- und Todestag von Helmut Zenker (11.1.1949 – 7. 1.2003) gestolpert und für ein paar Gedanken liegen geblieben. Zenker erfand den Polizeimajor Kottan – hieß er nicht Adolf mit Vornamen? – Held einer Serie, die einem die hedonistischen 80er Jahre erträglich machte, wenn es überhaupt die 80er waren, gefühlt auf jeden Fall, keine Lust zu googeln.

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Fisch im Maul

Gerade eine Vorschau der ARD auf ihren Sonntags-Tatort gesehen. Kommissarin Blum sagt:

„In einem Planetarium wird eine Frau ermordet und sie hat einen Fisch im Mund. Da will jemand, dass wir ein Rätsel lösen.“

Und schon hab‘ ich keine Lust mehr, da auch nur reinzuzappen.

Etwas übertrieben

Joe Gores ist tot. Er starb am 10.1.2011 und das ist natürlich sehr traurig. Man kann dem Mann nichts Schlechtes nachsagen, nicht einmal nach seinem Tod, er war hierzulande unverdientermaßen ein wenig im Schatten, sein Klassiker „Hammett“ aber fand weltweite Beachtung. Aber jetzt kommts: Auch Dashiell Hammett starb an einem 10.1., zwar 1961, aber immerhin exakt 50 Jahre nach Gores. Zufall? Ja klar. Wir kennen sie doch, die Zufälle in Krimis und rümpfen die Nase darüber. Hier hat Gores übertrieben, aber vielleicht wars auch der liebe Gott oder einfach der Zufall selber, der mal im richtigen Leben wie im Krimi sein wollte. Farewell, Joe.