Roger Zelazny/Robert Sheckley: Ein Schauspiel, teuflisch bös und unmoralisch

Aus Langeweile faßt der gemeine Dämon Azzie Elbub den Entschluß, mal wieder etwas richtig Fieses zu unternehmen. Im Europa der Renaissance sind gerade erbauliche und extrem einschläfernde Moralstücke angesagt. Da hat Azzie die rettende Idee und will ein unmoralisches Stück, mit echten Personen als Darstellern inszenieren. Keine Frage, daß die Mächte der Gegenseite dies nur höchst ungern sehen und dem Dämon einen Knüppel nach dem anderen zwischen die Beine werfen. Doch am Ende steht nicht nur das unmoralische Stück auf der Kippe, sondern das gesamte Raum Zeit-Gefüge der Erde…

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Alphons Silbermann: Propheten des Untergangs

in den gärten der stadt sproß zufriedenheit
die stammtische waren mit lorbeer drapiert
die bäder gekachelt die zäune lackiert
der überfluß lähmte die aufmerksamkeit
es gähnte die langeweile
der mann mit der angst bot zum sonderpreis
geschäfte zum vorzug bei eile

Dieser Strophe aus dem Lied „Der Angstverkäufer“ von den Puhdys findet sich auf der im Orwelljahr erschienenen Platte „Das Buch“. Ganz dem sozialistischen Zeitgeist des Kalten Krieges verschworen präsentierten die DDR-Rocker damit Agit-Pop der seichtesten Art mit der Message: Augen auf!, wer sich von Bürgerlichkeit und Langeweile einlullen läßt, der gerät in die Fänge des Angstverkäufers, der in dem Lied erstaunlicherweise den amerikanischen Namen „Jack“ trägt.

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Charles Bukowski: Ausgeträumt

Um es gleich vorweg zu nehmen: Mit „Pulp“, so der Originaltitel von „Ausgeträumt“, dem letzten zu Lebzeiten von Hank publizierten Werk, bedient Charles Bukowski weniger pubertierende Jünglinge oder die inzwischen erwachsenen Jünglinge von einst, die den aufkeimenden Trieben mit Stories wie „Leben in einem texanischen Hurenhaus“ begegneten. „Ausgeträumt“ ist eine Geschichte, in der sich Buk zu einem größeren Teil als in seinem übrigen Romanwerk der Fiktion zuwendet. Das will nicht heißen, daß Bukowski kurz vor seinem Tod eine Kehrtwendung um 180 Grad gemacht hat und nun die Nähe von Rosamunde Pilcher suchte. Das Millieu, in der die Handlung spielt, ist das gewohnte aber es handelt sich nicht um eine Szeneschilderung oder Autobiographisches. Der Erzähler ist diesmal nicht Buks alter ego Henry Chinasky, sondern der Privatdetektiv Nick Belane.

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Urban Blau – Salomes letzter Sommer

Der Krimi reagiert wie kaum ein anderes Genre auf gesellschaftlichen Veränderungen. Klar, als realistisch angelegte Erzählung ist er auch darauf angewiesen eine populäre Rahmenhandlung zu bieten, um neues, ungewöhnliches, kriminelles Potential zu entwickeln. Ein solches Potential hat beispielsweise die Wiedervereinigung und die fünf Minuten danach erfundene Wiedervereinigungskriminalität geboten. Es lassen sich aber auch marginalere Trends festmachen. Auf der Hip-Liste der deutschen Städte in Kriminalromanen ist neben Berlin und Hamburg inzwischen auch die boomende Medienhauptstadt Köln im Kommen, siehe Kakonis, Karr & Wehner. Aber auch die Provinzen sind im Kommen: Berndorfs Eifel, aber auch die Urlaubsinsel der Schönen und Wohlriechenden – Sylt.

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Joseph Parsons: 5am

Da legt man eine Blue Rose-Scheibe ein, deren erste Takes „Sister Moon“ und „200 Miles“ heißen und wartet, ehrlich gesagt, doch etwas ängstlich, was das wohl zu bedeuten hat, aber – Ach! Alles in Ordnung! Wieder ein Gitarrenschrammler, für dessen Refrains das Wörtchen „Tonight“ vollkommen ausreicht, kann man zur Not ja auch fünfmal hintereinander singen. Sind bloß „200 Miles“, nicht „2000 Lightyears“…

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Kundun

Ein kleiner Junge aus ärmlichen Verhältnissen, der zum politischen und geistigen Oberhaupt seines Volkes wird. Das ist nicht etwa ein Märchen der Gebrüder Grimm, sondern die Geschichte des 14. Dalai Lamas, die Martin Scorsese jetzt verfilmt hat. Sein bildgewaltiges und farbenfrohes Spektakel ließ er mit wunderbar sphärischer Musik des britischen Neo-Klassikers Philipp Glass unterlegen. Als Schauspieler wurden fast ausschließlich Exil-Tibeter verpflichtet, die diesem Werk durch deren persönliche Bindung zum Dalai Lama und zur Geschichte ihres Volkes auf beeindruckende Weise Authentizität verleihen. Damit ist ein zwei Stunden und 22minütiges Epos entstanden, das ganz in der Tradition von „Der letzte Kaiser“ oder „Ghandi“ steht.

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Live: Tito & Tarantula

15.03.`98, München/Muffathalle

Ja, das Leben ist nicht leicht. Aus Ottonormal-Konzertbesucher wird nicht so leicht Richard Gecko, und die Muffathalle mutiert auch nicht zum Titty Twister. Somit sind die wichtigsten Dinge des Abends geklärt. Kein Vampir wird uns beißen, everyone gets out here alive. Genug gemeckert, daß es die Band aus Quentin Tarantinos Kultfilm „From Dusk till Dawn“ auch in real gibt, ist toll genug. „Tito & Tarantula“ machten in der knallvollen Münchner Muffathalle mächtig Stimmung. Und das nicht nur mit der bekanntesten Nummer „After dark“, diesem wunderbar-lässigen Song, der nach Sonne und Wüste schmeckt.

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Stella: Extralife

„An extra life is what I need…“

Wenn drei sich streiten, freuen sich die vierten. Und das sind all die, die in den nächsten Wochen das Debut-Album der Hamburger Band Stella in den CD-Player legen und in ihren Wohnzimmern tanzen. Stella sind cool und auftregend, elegant und tanzbar zugleich.

„Extralife“ verdient es, mit einem Klangkosmos verglichen zu wer-den: Tausend kleine Melodien, Geräusche und Samples verbinden sich zu einer eleganten Mischung aus Pop, New Wave und groovigen Beats.

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The Hood: Rustic houses forlorn valleys

Bristol, Leeds, Wetherby und wo Hood sonst noch mixen und engineeren lassen: das riecht zehn Meter gegen den Wind nach Trip Hop. Und irgendwo in der Nähe müßte noch ein Kaff namens Portishead liegen…
Bluesig, karg und schleppend klingt´s in der Tat, aber ohne großartig spacigen Touch, eher apokalyptisch. Ein bißchen Ambient, müdes Gitarrengeklimper, gelangweiltes Gesäusel und vor allem viiiiiiiiiiieeeel Zeit sind die Zutaten. Alles achtlos in den großen Klangtopf geschmissen, wer zufällig in der Küche vorbeikommt, kann ja mal umrühren – WENN jemand vorbeikommt…

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…denn zum Küssen sind sie da

Er hält sich für Casanova und hat deswegen sieben hübsche junge Frauen um sich gescharrt. Die Damen sind allerdings nicht freiwillig vor Ort – gekidnappt hausen sie in einem finsteren Verließ mitten in den Wäldern von North Carolina und müssen hier die psychopathischen Reden und Handgreiflichkeiten des verwirrten Möchtegern-Liebhabers über sich ergehen lassen. Unter ihnen befindet sich auch Naomi, Nichte des Polizei-Psychologen Alex Cross (Morgan Freeman), der sich sofort auf die Suche nach ihr macht. Kurz darauf werden zwei der Frauen tot aufgefunden – von ihrem sadistischen Mörder grausam zugerichtet. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die anderen Frauen das gleiche Schicksal ereilt.

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Große Erwartungen

Eigentlich bin ich nur wegen Robert De Niro in diesen Film gegangen. Der Inhalt nämlich klang eher nach etwas, was locker zum Film des Monats bei TM3 hätte werden können: Die ausgesprochen exzentrische Lady Dinsmoor (Anne Bancroft) holt sich darin den Waisenknaben Finn, als Erwachsener gespielt von Ethan Hawk, zur Unterhaltung ihrer reizenden Nichte Estella, als junge Frau dargestellt von Gwyneth Paltrow, in die heruntergekommene Villa. Die dem Martini nicht abgeneigte grande Dame verspricht dem Jungen, daß es dieses Mädchen sein wird, das ihm das Herz bricht. Trotzdem verliebt er sich in sie. Das macht ihn ein schreckliches Erlebnis aus seiner Kindheit vergessen: Beim Zeichnen in einer verlassenen bucht wurde er einst von einem finsteren Sträfling (Robert De Niro) zur Fluchthilfe gezwungen.

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Ich weiss, was Du letzten Sommer getan hast

Nach bestandenem Highschool-Abschluß und einer ausgelassenen Feier rasen Helen (Sarah Michelle Gellar), Barry (Ryan Phillippe), Julie (Jennifer Love Hewitt) und Ray (Freddie Prinze, Jr.) über die Küstenstraße nach Hause. Ihre Fahrt wird jäh gestoppt, als plötzlich ein Mann vor ihr Auto springt. Zum Bremsen ist es zu spät – der Fremde stirbt bei dem Unfall. Alkoholisiert und geschockt entschließen sie sich, den Toten einfach ins Meer zu werfen und Stillschweigen zu bewahren. Als sie sich aber nach einem Jahr wiedertreffen, scheint ihr Geheimnis nicht so gut gehütet, wie geplant, denn nacheinander bekommen die vier Freunde Besuch von einem mysteriösen Mann. Und der ist alles andere als zimperlich im Umgang mit vom Unfallort flüchtenden Fahrern. Mit dem Spruch „Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast“, beginnt er seinen Rachefeldzug.

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Die Musterknaben

Ganz nach dem Vorbild amerikanischer Cop-Serien schickt Regisseur Ralf Huettner seine beiden Helden, die Kölner Kleinbullen Docker (Jürgen Tarrach) und Dretzke (Oliver Korittke), auf die Jagd nach schweren Drogendealern. Ihr Job ist die nächtliche Observierung einer konspirativen Wohnung, in der schon bald eine große Menge von Rauschmitteln den Besitzer wechseln soll. Dabei fällt Docker die hübsche Bardame Wanda (Ellen Ten Damme) in der Kneipe gegenüber auf, der er seelenruhig von seiner aufregenden Arbeit erzählt.

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Der Schakal

Blutige Rache schwört ein russischer Mafia-Boß den USA, als sein Bruder bei einem Attentat durch das FBI ums Leben kommt. Deshalb heuert er den berüchtigten Profi-Killer Schakal (Bruce Willis) an, der für 70 Millionen Dollar vor aller Augen eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens ermorden soll. Als FBI-Mann Preston (Sidney Poitier) von dem geplanten Attentat erfährt, macht er sich mit seiner russischen Kollegin auf den Weg ins Gefängnis. Denn hier sitzt der vermutlich einzige Mann ein, der den mysteriösen Schakal je persönlich kennenlernen durfte und dieses Ereignis überlebt hat: der irische Terrorist Declan Mulqueen (Richard Gere).

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Interview: Ashley Judd

Am 13. Januar dieses Jahres fand sich Ashley Judd im Hamburger Atlantic Hotel zu Interviews ein. Anlaß war die Promotion für ihren neuen Film „…denn zum Küssen sind sie da“, einem Psycho-Thriller mit Morgan Freeman. Ashley spielt darin die Ärztin Kate, der es mit Kraft und Kopf gelingt, ihrem geistesgestörtem Entführer zu entkommen. An der Seite von Polizei-Psychologe Alex Cross (Morgan Freeman) begibt sie sich auf die Suche nach dem sadistischen Irren, der noch sieben weitere junge Frauen gefangen hält und eine nach der anderen zu töten verspricht. Susanna Mahnken sprach mit der Schauspielerin.

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The Big Lebowski

Jeff „The Dude“ Lebowski (Jeff Bridges) ist zeitgeistmäßig in den 70ern stehengeblieben. So lange dürfte in etwa auch seine letzte sinnvolle Beschäftigung zurückliegen. Denn heute steht der hippieske Kiffer aus L.A. nur noch dann auf, wenn es mit seinen Kumpels Walter (John Goodman) und Donny (Steve Buscemi) auf die Bowling-Bahn geht, um dort gegen Jesus Quintana (John Turturro) und sein Team anzutreten.

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