Es gibt wenige Filme, denen es gelingt, die spezifische Spannung und Atmosphäre eines Buches auf die Leinwand zu übertragen – „L.A. Confidential“ ist einer davon. Vorlage für den Streifen ist der gleichnamige Roman von James Ellroy, der 1990 in den Staaten erschien. Ein Jahr später kam er in Deutschland unter dem Namen „Stadt der Teufel“ bei Ullstein heraus. Einen 534-Seiten-Roman muß man natürlich für die Leinwand kürzen, aber da fangen die Probleme meist schon an. Was ist für den Charakter einer Geschichte wesentlich, was darf fehlen?
WeiterlesenMetallica – Reload
Okay. Anderthalb Jahre hab ich sie verteidigt, hab sie unermüdlich in Schutz genommen gegen den Vorwurf, das alte Feuer sei erloschen. Und sind wir mal ehrlich: die Jungs sind alle über dreißig, da macht man keine Revolution mehr. Die Innovationen leisten Jüngere, außerdem – Metallica haben ihre Pflicht mehr als erfüllt mit fünf grandiosen Alben. Und was ist peinlicher als eine Band, die sich selbst kopiert?
WeiterlesenLive: Oasis
Prag, Sportovni Hala, 21. November 1997.
„Ladies and gentlemen, O – A – S – I – S ….“
…Jubel bricht los, man könnte meinen, Götter steigen vom Himmel herab, um den Sterblichen ein Konzert zu geben. Langsam öffnet sich die Tür einer gigantischen roten Telefonzelle, drinnen stehen zwei etwas gelangweilt wirkende junge Männer mit Sonnenbrillen, die zu ihren Instrumenten beziehungsweise Mikrophonen schlendern.
Na das kann ja heiter werden, denke ich mir, und beginne die Minuten zu zählen, bis Bierbecher die Jungs von Oasis treffen. Doch die merken innerhalb von kurzer Zeit, daß das Publikum über alle Maße begeistert ist, schreit und klatscht, was Lunge und Hände hergeben und sogar vergißt, Bier zu trinken. Das imponierte anscheinend auch Liam und Noel Gallagher und dem Rest von Oasis.
WeiterlesenInterview: 16 Horsepower
Dem Tod ins Auge blickend…
Gerade durch den wiedergewonnenen Underground-Status eines Johnny Cash hat Country-Musik neuen Boden gewonnen und kann sich ständig wachsender Beliebtheit erfreuen. Wir reden hier schließlich nicht von Weichspülcountry der Marke Garth Brooks, sondern von einer alteingesessenen Größe. Wie kaum ein anderer versteht er es, mit bissigen, sarkastischen Texten und einer cool gezupften Klampfe die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Nicht ungern würden 16 HORSEPOWER, die wie eine „ländliche“ Kreuzung aus Nick Cave und GUN CLUB klingen, mit dem „alten“ Herrn touren.
WeiterlesenMetallica: Reload
Okay. Anderthalb Jahre hab ich sie verteidigt, hab sie unermüdlich in Schutz genommen gegen den Vorwurf, das alte Feuer sei erloschen. Und sind wir mal ehrlich: die Jungs sind alle über dreißig, da macht man keine Revolution mehr. Die Innovationen leisten Jüngere, außerdem – Metallica haben ihre Pflicht mehr als erfüllt mit fünf grandiosen Alben. Und was ist peinlicher als eine Band, die sich selbst kopiert?
Genau das ist jetzt passiert. Dabei hätte ich es wissen müssen: das Album heißt RE-Load, das Material stammt zum Teil aus den Load-Sessions, von denen ja bekannt ist, daß der Stoff für eine Doppel-CD gereicht hätte. Aber um nicht alles auf EINER Tour abfackeln zu müssen und dann vielleicht wieder ein halbes Jahrzehnt abzutauchen, wurde der Rest nun nach besagten anderthalb Jahren nachgeliefert.
Interview: The Hellacopters
Ein kräftiger Tritt in den Arsch
Wenn über die schwedische Szene philosophiert wird, denke ich als ehemaliger Metaller natürlich gleich an die glorreichen Death Metal-Zeiten. Aber in den letzten Jahren hat sich im Land der Elche einiges getan (außer, daß dort ein Auto der A-Klasse nach dem anderen abschmiert). Alternative Rock, uriger Metal, Hardcore und auch rotzfrecher Punk’n’Roll haben sich in den Metropolen und Dörfern breitgemacht. Eine der derzeit besten Punk’n’Roll-Bands ist ohne jeden Zweifel die Truppe um den mittlerweile ehemaligen ENTOMBED-Schlagzeuger Nicke Andersson: THE HELLACOPTERS. Nach ihrem fulminanten Debüt „Supershitty To The Max!“ und einer Split-EP mit dem artverwandten Newcomer GLUECIFER liegt nunmehr mit „Payin‘ The Dues“ ein weiterer Geniestreich aus dem Hause HELLACOPTERS auf meinem Plattenteller. Grund genug bei Schlagzeuger Robert nachzuhaken.
WeiterlesenG. Love & Special Sauce – Yeah It´s That Easy
Der G-Punkt der Liebe und seine Specialsauce habe eine neue Platte gemacht und alles dreht sich um Philadelphia. So wird im Song I-76 ausführlichst über die Philadelphia 76ers berichtet. Angefangen von den Legenden Moses Malone und Julius Erving („Dr. J“) steht vor allem Charles Barkley („Sir Charles“) im Vordergrund („Charles Barkley dissed Larry Bird“). Auch die aktuellen Stars Allen Iverson (Rookie of the year 96/97) und Jerry Stackhouse finden Erwähnung. Das haben sie ja auch verdient, bedenkt man doch, daß die 76ers in der letzten Saison das sechstbeste Offense-Team der Liga waren (100,2 Punkte pro Spiel). Damit waren sie sogar besser als die Lakers! Mit der grottenschlechten Defense (106,7 Punkte pro Spiel) war das Erreichen der Playoffs natürlich unmöglich. Ob es in diesem Jahr besser wird, bleibt zu bezweifeln. Zwar wurden mit Jim Jackson von den Dallas Mavericks und Terry Cummings von den Seattle Supersonics zwei halbwegs ordentliche Leute verpflichtet, aber ob sie der Defense den nötigen Halt geben?
WeiterlesenMouse On Mars: twift
Musik ist häufig eine Frage des Ortes und der Zeit. So gibt es Musik für Montage und Samstage und es gibt Musik für Diskotheken und Kamine (plus unendlich viele Zwischenstufen). Dies ist auch bei der Mouse On Mars Maxi „Twist“ zu beachten.
WeiterlesenLive: Chris Cacavas
Café der Muffathalle, 10. November 1997.

Keine Ahnung, welche Atmosphäre die ersten Konzerte von Neil Young prägten. Ich stelle es mir so vor: Ein verrauchter Club, eine improvisierte Bühne, drei bis vier Musiker, die ruhig und ohne jeglichen Glamour ihre Songs spielen. Songs von Liebe und Tod, schräg, erdig und unwiderstehlich.
Wenn Musikgeschichte sich wiederholt, dann beim Auftritt von Chris Cacavas, im Cáfe der Münchner Muffathalle, mehr als drei Jahrzehnte später: Denn genau diese Atmosphäre herrschte.
Pizzicato 5 – Happy End of the World
Japanische Verwirrungstaktiken.
Da klingt ein Stück nach leichtfüssigem, französischem Chanson, heißt auch noch „Ma vie, lété de vie“, der Text ist aber auch für Frankophone gänzlich unverständlich – weil japanisch.
Da sind die Fotos im CD-Booklet, die Pizzicato 5 als Menschen mit altmodischem (Mode)Geschmack und zugleich einem Hang zu moderner Technik ausweisen.
Und da ist der Widerspruch des CD-Titels.
N.O.H.A. – Noise Of Human Art
Dieses Album entführt einen in die Welt der lauten und leisen Klänge der (unbekannten) Spezies Mensch. Die hier in Töne gebannte facettenreiche Gefühlswelt der beiden Sänger, zieht einen in den Bann. Die Geschichten die hier erzählt werden sind von der Art, wie sie nur das wahre Leben schreiben kann. Denn N.O.H.A. besteht nicht aus Computern und Programmen, N.O.H.A. besteht aus vier Menschen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Zusammengebracht und zusammengehalten durch Philip Noha, dem Gründer der Band, setzten ihre Gefühle und Visionen soviel Energie frei, daß sie die Welten von Drum’n’Bass, Trip Hop, Jazz und Klassik einfach miteinander verschmelzen.
WeiterlesenAttwenger – Song

Von meinen Lieblings-Ösis kenne ich von den bisher erschienen CDs Most (91), Pflug (92) und Luft (93) die erste und dritte. Das Debut versuchte erfolgreich einen Crossover (erinnert sich noch jemand?) zwischen Ösi-Folk und Punk; Luft führte die Herren Falkner und Binder in eine Hiphop – Rhythmik, auf deren Grundlage uns Falkner den Hendrix auf der Zieharmonika (und so manches andere) machte. Was mich jedoch ziemlich umgehauen hat, waren diese merkwürdig – abgespaceten Texte, die wie eine Mischung aus Abzählreim- und Alltagsrap wirkten – jedenfalls das, was der Nicht-Ösi davon verstehen konnte. Damit sind wir schon beim Thema: der Titel bedeutet auf Österreichisch „sagen“. Mit der englischen Bedeutung gibt das schon mal einen ziemlich fiesen Doppelsinn.
WeiterlesenJanet: The Velvet Rope
Daß sie aus einer groovy family kommt ist ja allgemein bekannt, doch die Wege, die sie jetzt geht, dürften für viele überraschend kommen. Produziert, gemischt und engineered wurde „The Velvet Rope“ in den Flyte Tyme Studios in Edina von Steve Hodge, Jimmy Jam, Terry Lewis und – natürlich – Janet selbst. Komponistenhilfe gewährten ihr Terry Lewis, James Harris III und René Elizondo. Das Ergebnis: 15 Stücke (plus hidden track), die mit verschiedenen Interludes vermischt werden, bilden ein in sich schlüssiges Album. Grooves beherrschen noch immer das Geschehen, doch ihre Texte sind eine Stufe weitergegangen, nicht mehr ganz so brav, nicht mehr ganz so sanft, aber nicht minder soulig. Stücke wie „‚Til It’s Gone (featuring Q-Tip and Joni Mitchell) hätte man ihr so gar nicht zugetraut.
WeiterlesenRainravens – Diamond Blur
Statt „Diamond Blur“ hätten die Rainravens ihr Album auch nach einem ihrer neuen Titel nennen können: „Welcome to Nashville“, womit klar wäre: dies ist ein Album aus der Abteilung Country&Western. Das Quartett stammt allerdings aus Austin/Texas, macht aber nichts: klassischer West Coast Country-Rock und Southern Temperament lassen sich prima kombinieren.
WeiterlesenFischmob: Tranqilo und Doors Of Passion
Der Wecker piepst, aber Fischmob bleiben liegen und schlafen lieber noch ein bißchen. Und die Wohnung wird auch nicht saubergemacht. Ok, morgens nicht aufstehen als subversiver Akt, das gab`s auch schon bei LUCILECTRIC, auch die Rave-Kultur warb auch schon mal mit einem ähnlichem Lebensentwurf (immer noch tanzen, wenn die arbeitende Bevölkerung grad Mittag macht). Aber das hier ist Spinnerkram der höheren Sorte. Hier werden Abenteuerland und Dreams Are My Reality gnadenlos hintereinander abgefeiert. Hier hat das Kribbeln im/am Bauch (Ungeziefer!) Platz neben dem Grauschleier, den die Fehlfarben seinerzeit nicht weggewaschen haben. Charming.
WeiterlesenHole: My Body the Handgranade
Ja ja, sieht ganz so aus, als habe Frau Liebe erstmal wieder genug von der Schauspielerei, und wolle sich mal wieder dem Musikmachen zuwenden. Wer auf Handgranade jedoch einen neuen kreativen Outburst erwartet, wird ziemlich enttäuscht: das hier ist – bis auf ein paar Tracks – nichts neues; unter diesen allerdings die erste Aufnahme der Band, Turpentine, das mordsmäßig Gesäß tritt: Punkphase der Künstlerin, oder so. Damit aber hat es sich in puncto Interessantes.
WeiterlesenWalter Mosley: Mississippi Blues
Leben bedeutet Leiden. Welche Musik kann dieses Gefühl besser ausdrücken, als der Blues, der im schwarzen Mississippi-Delta geboren wurde. Soupspoon Wise ist einer der Männer, die mithalfen dem Blues das Laufen beizubringen. Doch das ist lange her. Alt geworden und voller Schmerzen, wird er von seinem Vermieter aus seiner Wohnung geworfen. Als er inmitten seiner Möbel auf der Straße sitzt, begegnet er Kiki, einer jungen Weißen. Selber ein hartes Leben hinter sich, nimmt sie ihn auf und bringt ihn wieder auf die Beine. Doch Soupspoon weiß, daß er nicht mehr lange Zeit hat und will etwas hinterlassen, woran man sich erinnern kann.
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