Wer die Macht hat

Krimis sind kein Fußball. Auf dem Platz zählen Tore, sie bestätigen oder widerlegen die Kritiker. Zwischen den Buchdeckeln findet ein Spiel statt, dessen Regeln und Sieger oder Verlierer erst durch die Kritiker bestimmt werden. Was das Ganze aber noch komplizierter macht: Während die mediale Inszenierung durch die Meinungshaber und –macher ein Buch in ein Koordinatensystem hinein argumentiert (wobei die Argumente mal mehr, mal weniger stichhaltig daherkommen), hält sich der Markt an Tatsachen, die so schlicht sind wie die beim Fußballspiel. Was sich gut verkauft, ist gut, was sich schlecht verkauft, ist eben schlecht.

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3 in 1 oder doch nicht?

„Der Bote von Dieter Paul Rudolph ist Science Fiction, ist Krimi, ist Märchen und doch wieder nicht. Der Bote ist spannend und sehr intelligent geschrieben und ein Mittler durch die Zeiten.“ Schreibt spannend und sehr intelligent Gisela Lehmer bei den →CrimeChronicles. Und obwohl „Der Bote“ drei Genrestückchen in einem sind, kostet das Ganze nur 11,90, dafür kriegt man anderswo gerade mal einen popeligen Krimi.

Unbedingt empfohlen!

bote_2_200.jpg„In knappen Sätzen gibt er Rätsel über Rätsel auf, die er verblüffend zu lösen versteht. Brillant und artifiziell enthüllt Rudolph Zug um Zug eine ungewöhnliche Science-Fiction-Szenerie, die aus jeglicher Krimilandschaft herausragt. Anspruchsvolles Lesevergnügen, unbedingt empfohlen.“ – Schreibt Renate Schattel als „Einkaufsempfehlung“ für den ekz-Bibliotheksservice über „Der Bote“. Unter uns: Das Ding könnt ihr auch einkaufen, wenn ihr zufällig keine Bibliothek seid.

Böse Menschen haben keine Bücher. Notiz zum Tod von Ray Bradbury

Die Botschaft von „Fahrenheit 451“ ist so richtig wie potentiell falsch. Eine literaturlos verblödende Gesellschaft endet als Diktatur, was aber nur die mitbekommen, die – auf eigene Gefahr – noch lesen. Das ist richtig. Der Umkehrschluss: Eine Gesellschaft, in der gelesen wird, ist eine bessere Gesellschaft. Das wäre falsch, selbst wenn man die sogenannten „guten Bücher“ liest. Am Ende von „Fahrenheit 451“ wandern die Bücher dorthin, wo sie hingehören: ins Gedächtnis der Leser. Bücher kann man verbrennen, Literatur nicht. Ray Bradbury, der letzte Großmeister der klassischen Science Fiction, starb, wie soeben gemeldet, im Alter von 91 Jahren. Tot ist er nicht, weil seine Bücher im Gedächtnis bleiben werden.

Noch mehr Werbung

kk13.jpgEin kleiner Appetitmacher. Es dauert nicht mehr lange, bis der „Mord(s)kalender 2013“ – griffiger, noch preiswerter – erscheinen wird, mit 53 Kolumnen versehen, für jede Woche eine, mit lehrreichen, spannenden, manchmal obskuren Themen. Es gibt zwölf Helden des Monats (von Dürrenmatts Hans Bärlach bis Durant / Wu von Ross Thomas), Kolumnen über Filmmusik und Filmpremieren, wirkliche Verbrecher und die wirklichen Krimifilmhits – und natürlich Geburtstage, Geburtstage, Geburtstage: Henning Mankell, Leo Perutz, Frank Göhre, Ralf Kramp… Okay, ein paar runde Todestage gibt es auch, Charles Willeford zum Beispiel. Und noch viel mehr.
Den neuen Mord(s)kalender kann man natürlich schon bei den üblichen Dealern vorbestellen, für 11 Euro 90, was für ein gebundenes rotes Prachtstück mit Lesebändchen und Originaldurchschuss geradezu lächerlich ist. Wer an persönlichen Widmungen der Urheber interessiert ist, wende sich vertrauensvoll →an einen von ihnen. Wir erledigen das dann diskret und ohne Mehrkosten.

Geistig abgehängt

„Leider ließ mich der Autor dann im Zeit- und Personenknäuel der Aufklärung bildlich gesprochen im Regen stehen. Ich weiß nicht, wie was warum passierte.“ Na, ich weiß es schon, aber ich sag nix. Als Autor des →hier besprochenen „Boten“ muss ich aber bekennen, dass ich meine Leser gerne im Regen stehen lasse, denn in meiner Kindheit hieß es immer: Wer im Regen steht, der wächst. Und, potz, ich bin 1,80 groß geworden, immerhin. „Ich las noch zu Ende, doch geistig war ich schon abgehängt.“ Das ist nicht schön, das führt zu Parallelgesellschaften. Die Rezension hat – zumindest auf meinem System – Schwierigkeiten mit der Darstellung von Umlauten. Auch das noch!

Der Atem des Autors

Metakrimis machen Spaß. Wenigstens denjenigen, die sie schreiben. Und das werden immer mehr. Allein in letzter Zeit: Christine Lehmann, Gunter Gerlach, Guido Rohm und Ramiro Pinilla. Und was ist ein Metakrimi? Ein Metakrimi ist ein Krimi, der seine Entstehung thematisiert. Er ist Literatur über das Werden von Literatur, über das Einswerden von Protagonist und Erzähler bestenfalls, die Gleichzeitigkeit von Theorie und Praxis auch (die griechische Vorsilbe „meta“ bedeutet u.a. „über etwas anderem“, also quasi eine distanzierte, objektivierte Sicht). Als Autor die sichere Lizenz zum Auf-die-Kacke-Hauen, ein ideales Vehikel für jenen Spieltrieb, ohne den ein Autor Buchhalter geworden wäre. Und die Leser?

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Was ist Krimi? Zettel 151

waskrimi_200.jpgNach einer kleinen schöpferischen Pause geht es nun weiter mit den Zetteln, die Antwort geben sollen auf die Frage „Was ist Krimi?“ und hoffentlich genau das Gegenteil bewirken. Ab sofort werden die Zettel hier nicht mehr gebündelt angezeigt, sondern – man nennt es wohl „zeitnah“ – hier sowie auf der speziellen Facebook-Seite zur Kenntnis gebracht (wer will, darf diese Seite dort „liken“ und mich selbstverständlich auch „adden“, um sich bei Bedarf später wieder zu „entfreunden“). Die Zettel 1-150 gibt es – nebst anderen Kleinigkeiten – →kostenlos als Epub oder PDF, nur direkt beim Erzeuger gegen eine simple Mail.

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Robert B. Parker: Bitteres Ende

parker_ende.jpgGary Eisenhower hat’s drauf. Der Junge kriegt die jungen und frustrierten Frauen älterer und reicher Männer spielend ins Bett, böse sein kann man ihm nicht, selbst wenn er auf die Idee verfällt, seine Gespielinnen zu erpressen. Auch Spenser, der Eisenhower im Auftrag der Damen davon abbringen soll, sich die Lust auch noch mit Geld versüßen zu lassen, findet den Erpresser sympathisch. Er versucht sein Möglichstes, bekommt es mit einem bizarren Gangsterpärchen zu tun und handelt endlich einen Kompromiss aus. Einer seiner leichteren Fälle, sollte man meinen…

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Ich kenne keine Lilly

Okay, ich kannte mal eine, ist aber schon lange her. Es war nicht die aus der „Saarbrücker Zeitung“ von heute und sie hat auch nicht den „Boten“ gelesen. Aber der Herr (?) von der Zeitung, der dort anscheinend →die Kolumne schreibt, der hat ihn gelesen. „Wobei: Manchmal kann es faszinierend sein, aus der Zeit zu fallen. Beim Lesen von Dieter Paul Rudolphs neuem, in diesen Tagen im Saarbrücker Conte-Verlag erschienen Buch ist mir das gelungen.“ Und was sagt Lilly dazu? Weiß ich doch nicht.

Henny lobt den Boten

So können Wochen bitte immer beginnen: mit einer schönen Rezension. Natürlich einer positiven, sonst wäre sie ja nicht schön. Vielleicht ehrlich, aber hallo, wir leben im 21. Jahrhundert, was kümmert uns da Ehrlichkeit. Nein, „Krimilady“ Henny Hiddens Rezension des „Boten“ ist natürlich schön UND ehrlich. Und steht im Netz, wo sonst, nämlich →genau hier.

Utz Claassen: Atomblut

atomblut.jpg Ich drücke mich ja selten vor einer Besprechung, aber diese hier macht mir zu schaffen. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende eines großen Energiekonzerns schreibt einen Krimi über die neue Vorstandsvorsitzende eines großen Energiekonzerns. Der Verlag nennt das Buch einen „Wirtschaftskrimi“, was korrekt ist, aber ein „Krimi“ ist dieses Buch dennoch nicht. Es geht um Verbrechen, auch um Mord, es geht um Intrigen und die vielen sonstigen Sauereien, von denen man auch dann zu wissen glaubt, wenn man kein ehemaliger Vorstandsvorsitzender ist. Und genau da liegt mein Problem: Ich bin nach der Lektüre des Buches genauso schlau oder dumm wie zuvor. Es stand genau das drin, was ich erwartet habe und das kann nur bedeuten: Ich hätte dieses Buch erst gar nicht zu lesen brauchen oder aber: Der Autor bestätigt nur meine Vorurteile, warum auch immer.

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Manfred Wieninger: 223 oder Das Faustpfand

223.jpg223. Eine Zahl, hinter der sich alles verstecken kann. 223 „Likes“ bei Facebook, 223 Versuche, die Eurokrise zu bewältigen, 223 saftige Leichen in einem hammerharten Krimi. Oder auch, bleiben wir beim Kriminellen: 223 Menschen, Frauen wie Männer wie Kinder wie Alte, nachts durch eine österreichische Ortschaft getrieben, zu einem Graben, in einen Graben, dann hallen Schüsse durch die Nacht, dann gießt man Benzin über die Toten und Sterbenden, dann ziehen Brand- und Leichengeruch durch die Ritzen der Häuser. Es ist Anfang Mai 1945. Die Russen sind nur noch wenige Kilometer entfernt, man hört schon die Kanonen, man sieht die „Christbäume“, mit denen alliierte Kampfbomber sich die besten Plätze für ihre tödliche Fracht aussuchen. Sonst geht das Leben irgendwie weiter. Auch für den Revierinspektor Franz Winkler aus Persenbeug an der Donau. Doch als er an diesem Morgen nach dem Massaker an 223 Juden erwacht und zum Tatort kommt, ändert sich alles. – Und gleichzeitig ändert sich nichts.

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Die Großen, die Kleinen und das Knirschen im Gebälk

Die Welt ist inzwischen so kompliziert geworden, dass man nicht mehr über sie reden kann. Natürlich redet man über sie, mehr als je zuvor. Es sind Kamingespräche von selbsternannten Universalisten, Durchblickern und empörten Aufrufern, die, schaut man genauer hin, vielleicht Koryphäen der Geschichte des deutschen Postwesens im 17. Jahrhundert sind, sich aber aufführen, als beanspruche das gesamte Weltwissen nur ein moderates Kämmerchen in ihren gigantischen Gehirnen, wo lockere Themen wie Finanzkrise, Urheberrecht und Klimawandel ebenso locker verhandelt werden, um hernach als handliche Gebrauchsanweisungen in die Welt zu eruptieren. Aber das nur nebenbei. Es ist der Rahmen, in dem sich die Geschichten, ob Tragödien oder Komödien, abspielen, die großen wie die kleinen, und von einer kleinen wollen wir kurz berichten: dem Krimi.

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Ein Buchprojekt im Geist der Zeit

Liebe Verlage, dieser Plot wird euch interessieren! Guido Menke, führendes Mitglied der PIRATEN, engagiert sich leidenschaftlich gegen das Urheberrecht, seit er auch im 65. Anlauf, ein Buch zu schreiben, gescheitert ist. Eines Tages wird der streitbare Politiker tot zwischen seinen Laptops aufgefunden. Mit einem WagenHEBER erschlagen, im Popo des Toten findet sich ein altes chinesisches UHRwerk… Kommissar Fallzu ermittelt… Ich kann Ihnen dieses Werk in den Lektürefarben „Regio“, „Noir“, „gesellschaftsrelevant“ sowie „literarisch“ (gegen Aufpreis) anbieten sowie alternativ für „beginning readers“, „advanced readers“ und „Realschüler“.

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Was nicht gesagt werden muss, aber halt mal gesagt wird

Ach, nur mal en passant, und keine Angst, ich verlinke den Käse auch gar nicht. Eigentlich ist es an dieser Stelle zudem überflüssig darauf hinzuweisen, dass es Krimiblogs gibt, diesen hier seit über sieben Jahren (und dabei ist er, hallo Ludger, nicht einmal der älteste), aber mag sein, dass sie Bekannte oder Kinder haben, die nach Lektüre angedeuteten Käses glauben, mit deutschen Krimiblogs im Netz sei es nicht weit her, nur weil dieser Mann, der seit Jahren wie Falschgeld durchs Digitale rollt, das behauptet hat.

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