Hat alles ein Ende?

Die Musikzeitschrift „Spex“ rezensiert nicht mehr und schon raunt man vom →„Ende der Musikkritik“ und warum es vielleicht doch noch nicht erreicht sei. Und die Krimikritik? Überholt? Nur noch Spielplatz für Egoshooter, während sich der Normalleser mit dem üblichen „Die Geschmäcker sind eh verschieden“ abwendet? Ja, ist interessant, mal drüber nachzudenken. Und manche Krimis entziehen sich der Kritik von vornherein, weil sie, sagen wir es direkt, zumindest Sätze enthalten, die mit „Literatur“ in einem andeutungsweise künstlerischen Sinn nichts mehr zu tun haben.

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Manfred Wieninger: Prinzessin Rauschkind

Wo Marek Miert ist, möchte man nicht sein. Weder in Harland, der tristen österreichischen Provinzstadt, noch in Gesellschaft von Oberleutnant Gabloner, dem sadistisch-spießigen Polizisten, vor allem aber nicht in den Gedanken des Protagonisten selbst. Die nämlich sind ein Land der Vergleiche, in dem ein Akzent so dezent ist „wie das Glitzern des Geldes in den Augenwinkeln eines Weltbankpräsidenten“. Diese Vergleiche sind allgegenwärtig, sie sind schräg und erschreckend wahr zugleich, sie stecken Mierts Welt zwischen den beiden Seiten einer Gleichung ab, die nicht aufgehen kann und doch schlüssig ist.

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Geb. PB

Hinterlassen Sie hier bitte Ihre Glückwünsche zum runden Geburtstag von Pieke Biermann und fordern Sie eindringlich einen neuen Krimi von ihr ein! Oder lesen Sie endlich mal die alten bzw. mal wieder, und vielleicht wissen Sie dann, dass das was Sie lesen, wenn Sie nicht Pieke Biermann lesen, meistens so ein Rotz ist, dass man…aber nein: Ich rege mich doch jetzt hier nicht auf. Sondern geb dir ein Küsschen, Pieke.

Der Blick nach vorn

Man kann kaum noch so schnell lesen wie einem die Krimiorakel um die Ohren gehauen werden. Liegt die Zukunft des Krimis in den Metropolen oder wendet man sich vermehrt der täuschenden Ruhe des Ländlichen zu? Ist Afrika der kommende Krimikontinent oder werden uns die neuen Höhepunkte des Genres eher aus China oder Brasilien erreichen?
Diese Dienstleistung der avancierten Kaffeesatzleserei gibt es gerne auch ins Grundsätzliche gewendet. Liegt die Zukunft des Buches, der Literatur, des Krimis wirklich noch in seiner massenproduzierten Papierform? Oder obsiegt am Ende doch das Digitale, nebst Personalisierung durch Textbausteine? Sag mir, welche Personen welche anderen Personen umbringen sollen – und per Suchen / Ersetzen soll es geschehen. Nenn mir die Sehenswürdigkeiten deiner Heimatstadt – und schwupps sind sie Literatur.

Ein Gutes haben solche Ausblicke auf Künftiges ja. Man bescheinigt der (Kriminal-)Literatur, überhaupt noch eine Zukunft zu haben. Die Frage ist nur wo und wie. Hat man sich an Krimi nicht längst sattgegessen? Verschwindet das Genre – ähnlich wie die ja auch mal geboomt habende SF – aus dem Rampenlicht der Buchhandlungen in die schattigen Ecken? Aus den Groß- in die Kleinverlage?

Aber solche Prognosen haben eben auch ihr Schlechtes. Sie transponieren aus dem Heute ins Morgen, nur dass sie dieses Heute kaum wirklich beachten. Über den Jetztzustand des Genres erfährt man nämlich wenig, es fehlt der etwas ausschweifende Blick, es fehlt auch die Beschäftigung mit dem Eigentlichen von Literatur, ihrer Sprache, ihrer Dramaturgie, ihrer Imaginationskraft. Könnte aber sein, dass die Zukunft des Krimis, wenn überhaupt, weder geografisch noch soziologisch, weder produktionstechnisch noch werbemäßig zu bestimmen ist, sondern aus der Analyse ihres Kerns heraus, aus sich selbst und ihren natürlichen Bestandteilen. Könnte tatsächlich sein, muss aber nicht.

dpr

Ein reisendes Schriftsteller-Ehepaar

Der Regionalkrimi boomt weiterhin, ihn zu produzieren strebt auf der Hitliste der liebsten Freizeitbeschäftigungen unaufhaltsam nach oben (aktuell Rang 3 hinter Fußballgucken und Geschlechtsverkehr). Dennoch: Profis sind auch in diesem Metier dünn gesät. Eine Marktlücke für Könner also, die auf der Suche nach dem schnellen Euro längst auch die Bonanza Regionalkrimi für sich entdeckt haben. Wtd sprach mit dem schriftstellernden Ehepaar Lothar und Ute Düsenberg…

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Peter Robinson: Wenn die Dämmerung naht

(Wenn die Dämmerung naht, widmet sich unsere Fachrezensentin Anna Veronica Wutschel steckenpferdmäßig gerne den blutigen Untaten mörderischer Pärchen. Weil sie bei beginnender Dunkelheit ihr zweites großes Hobby, das Züchten exotischer Schlingpflanzen im heimischen Garten, nicht ausüben kann? Wir wissen es nicht. Lesen Sie also, wie Frau W. ihrem Hobby frönt. Peter Robinson, garantiert schlingpflanzenfrei.)

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Ich-Krimi

„Es gibt kein Ich. Was wir dafür halten, ist nur eine Aktivität des Gehirns und somit eine Illusion.“

So jedenfalls behauptet es „ein renommierter Neurowissenschaftler“ – und wird fortan von einer Person, die sich „das Ich“ nennt, per Mail belästigt. In seiner Not wendet sich der Wissenschaftler an die Polizei. Ein Kommissar und eine Polizeipsychologin machen sich auf die Suche nach dem Ich…

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Frauen auf der Couch

Als euer Spezialist für brisante Themen habe ich mir erlaubt, mich auf der Krimicouch länglich, aber beileibe nicht erschöpfend zu krimischreibenden Frauen auszulassen. Die Kolumne findet sich →hier, eine Rezi ist auch noch irgendwo, müsst ihr aber selber suchen (z.B. auf der Startseite der Couch). Apropos Frauen, apropos Rezis: Auch unseraller Patzerschorsch hat sich nun ein Plätzchen auf der Couch gesichert und prompt den „Krimi des Monats“ besprochen. Tja, Beziehungen muss man haben…

Verstaucht

So ist das, wenn die Frühlingssäfte gären. Ein paar vorbereitende Gartenarbeiten, eine zu schwere Leiter und eine nicht weniger schwer verstauchte rechte Hand. BITTE JETZT KEINE DRECKIGEN WITZE!!! Für diesen knappen Text brauche ich gefühlte vier Stunden und trete also die nächsten Tage ein wenig kürzer. Auf einen Bericht in der &rarr,Samstags-TAZ möchte ich dennoch verweisen, es geht um die Frage „Gibts zu viele Krimis im Fernsehen?“, und wenn es wieder geht mit der Hand, schreib ich vielleicht was drüber. Jetzt lest erst mal so.

News und Neuigkeiten

Na so was. Jetzt bin ich beim →Golkonda Verlag gelandet und weiss nix davon. In dieses noch ganz junge Etablissement hat es nämlich die Funny-Crimes-Reihe verschlagen, zu der zu gehören ich die Ehre habe. Gibt auch gleich ein unmoralisch günstiges Angebot. (Danke Achim von der Couch für den Hinweis).

Und dass Herr Alligator jetzt →eine Zeitschrift herausgibt, wisst ihr ja schon längst.

Patrick Pécherot: Nebel am Montmartre

Hat die krimiliterarische Welt wirklich auf einen Roman gewartet, der nicht von Léo Malet stammt, aber uns dennoch mit den Abenteuern seines Helden Nestor Burma kommt? Wahrscheinlich nicht. Aber auf das meiste hat diese Welt nicht gewartet und dann dankbar angenommen…
Dabei ist es so naheliegend. Schließlich hat Malet seinen Plan, uns durch sämtliche Arrondissements von Paris zu geleiten und dabei seinen Protagonisten in allerhand Kriminelles zu verwickeln, nicht zur Gänze realisiert. Montmartre allerdings, wo Pécherots Geschichte hauptsächlich spielt, hat der Meister durchaus abgehandelt. Aber eben nicht 1926, als Burma wie sein Schöpfer noch anderen Obsessionen frönten, dem Schreiben surrealistischer Gedichte beispielsweise. Genau hier setzt Pécherot an.

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Paris, Paris

Pariser Wochen. Morgen gibt es hier die Rezension zu Patrick Pécherots „Nebel am Montmartre“, eine Hommage an Leo Malet. Nächste Woche dann widmen wir uns ausführlich dem neuen Roman von Pablo De Santis, „Das Rätsel von Paris“. Aber neben dem Handlungsort haben beide Bücher bei allen sonstigen Unterschieden noch einiges gemeinsam. Sie sind „historische Krimis“ und vermengen „Realität“ und Fiktion.

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Facebook

Ey, das Internet ist ja richtig geil! Man kann sich z.B. bei Facebook anmelden und hat gleich darauf schon zwei richtig dufte Freundinnen! Dafür hab ich früher Jahre gebraucht! Also: →dpr ist jetzt bei Facebook, schaut mal, was man damit alles machen kann und lädt alle ein, mit ihm befreundet zu sein, was immer das auch heissen mag. Nee, nee, schon geil dieses Internet. Früher musste man die Mädels zum Essen einladen und so…

Ray Bradbury / Tim Hamilton: Fahrenheit 451

Ray Bradburys Klassiker „Fahrenheit 451“ ist so viel Krimi wie Science Fiction, also ganz oder gar nicht. Die Geschichte der fürsorglichen Bücherverbrennung zum Schutze der Bevölkerung vor allzu großer Belästigung des Verstandes ist zeitlos und von globaler, mühelos auf sämtliche Formen der Verdummung übertragbarer Gültigkeit. Sie lebt von Bilden und Metaphern, deren schönste jenes Schlussbild der Buch-Menschen ist, in deren Erinnerung die Literatur überlebt und durch das Sich-Erinnern bewahrt bleibt.

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